Welch Schmach: Leonteq schmeisst Schoch raus

Gründer der Derivatebude verliert CEO-Job – Auch raus aus Konzernspitze, null Macht – Raiffeisen, Rainer Frey: Hau den Jan.

Jan Schoch landet hart. Nach 10 Jahren Leonteq, vom Start-up zum Börsenstar bis zur Krise und jetzt dem Turn-around, war Schoch der Wonderboy des Finanzplatzes.

Nun ist er draussen. Abgesetzt von seinem Verwaltungsrat, zum Berater degradiert.

Schoch – vom Olymp in die Gosse.

Was für eine Geschichte. Was für ein Drama. Was für eine Schmach.

Schoch, Appenzeller, Vielfachvater, Serial Entrepreneur, Medien-Darling und Wunderknabe: Er ist am Ende.

Aus, vorbei. Vom CEO zum Assistenten, vom Superstar zum Auch-dabei.

Der Rausschmiss wird wie meist in Wolle verpackt. Jan Schoch, der „Gründungspartner und CEO von Leonteq“ werde die „neu geschaffene Position als Senior Advisor Strategic Growth Initiatives“ übernehmen

So steht’s zunächst im Communiqué von heute früh. Darauf folgt der wahre Hammer.

„In seiner neuen Rolle wird Jan Schoch der Geschäftsleitung nicht mehr angehören.“

Schoch werde „das Management bei der Weiterentwicklung von Leonteq aktiv unterstützen und sein internationales Netzwerk nutzen, um strategische Partnerschaften voranzutreiben.“

Bumm. Auf Deutsch: Schoch hat nichts mehr zu sagen. In seinem eigenen Unternehmen.

Man stelle sich vor: Bill Gates, der legendäre Gründer von Microsoft, wird von seinen eigenen Verwaltungsräten abgesetzt, ausgebootet, ausradiert.

Das passierte Schoch. Und dies, obwohl er immer noch über 6 Prozent der Aktien an der Leonteq hält und der Anführer ist einer Dreierbande von Leonteq-Gründern mit total 17 Prozent.

Was ist passiert?

Schoch zierte vor wenigen Wochen das Titelbild des Managermagazins „Bilanz“. Schoch als „Comeback Kid“. Und weiter: „Jan Schoch kämpft sich zurück.

Schoch liess sich nach der tiefen Krise bei der Leonteq mit einem Fall der Aktie von über 200 auf unter 30 Franken als Retter feiern.

Er würde CEO bleiben und die Firma zu neuen Höhen führen, so die Botschaft.

Hätte Schoch gewusst, dass er kurz vor dem Aus stand, er hätte das ganz sicher nicht gemacht. Sondern geschwiegen.

Schoch war somit nicht nur naiv und unbedarft. Sondern man liess ihn auch bewusst im Dunkeln. Wer tat dies?

Rainer Marc Frey. Ein anderer kommt kaum in Frage. Frey kaufte 7,5 Prozent an der Leonteq im Frühling, als die Nacht um die Derivatefirma am schwärzesten war.

Danach gings ruck-zuck. Präsident Pierin Vincenz musste im Juli seinen vorzeitigen Rücktritt bekanntgeben, nun erwischt es auch Schoch, den CEO.

Als neuer Präsident kommt ein gewisser Christopher Chambers, der kaum je grosse Stricke verrissen hat.

Etwas Anderes zeichnet Chambers aus. Er ist ein Mann von Rainer Marc Frey.

Die neue Macht namens Frey, ein Mann, der unglaublich reich und unglaublich geschickt ist, hat übernommen. Keiner kommt an Frey vorbei.

Nicht einmal die Raiffeisen. Sie hält 29 Prozent an der Leonteq. Doch ihr Chef, Patrik Gisel, ist geschwächt.

Seine Raiffeisen ist zum Restrukturierungsfall geworden. Gisel-Vorgänger Pierin Vincenz hat sich mit Übernahmen und Beteiligungen übernommen, Gisel war stets dabei.

Gisel und Vincenz waren nebenbei beide im VR der Leonteq, als Vertreter des grössten Aktionärs. Nun gehen beide.

Neuer VR-Vertreter der Raiffeisen wird ein Manager namens Paulo Brügger.

Paulo Who?

Die Raiffeisen hat schon angekündigt, sie wolle von 29 auf noch 20 Prozent herunter bei der Leonteq. Verabschiedung auf Raten.

Raiffeisen reduziert, Vincenz und Gisel weg, Jan Schoch kaltgestellt. Der Weg ist frei für den neuen Mann.

Rainer Marc Frey. Einmal mehr.

Es handelt sich um einen Take-over der cleveren Art. Frey kaufte im richtigen Moment, zu unschlagbar tiefen Preisen von unter 30 Franken pro Leonteq-Aktie.

Kaum war sein Einstieg bekannt, drehte der Titel. Seither hat sich der Wert verdoppelt.

Frey installiert nun seinen eigenen Mann an der Spitze der Verwaltungsrats. Das Obergremium stellt mit Jan Schoch den einzig übrig gebliebenen Machtfaktor kalt.

So geht das im wahren Geschäftsleben. Der wirklich Starke fackelt nicht lange.

Frey hat eine durchzogene Karriere. Aber ein einzigartiges Gespür fürs Timing.

Seine RMF-Fonds verkaufte der Schweizer der englischen Man-Gruppe für einen Milliardenbetrag. Kurz danach krachten die Märkte zusammen.

Das war Anfang der 2000er Jahre. Mit seiner Horizon 21 als Nachfolgeidee brachte es Frey auf keinen grünen Zweig.

Das war keine Tragödie. Denn Frey machte etwas Anderes goldrichtig. Etwas viel Grösseres. Er investierte früh in Diethelm Keller Siber Hegner (DKSH).

Mit dem Börsengang der Fernost-Handelsgruppe wurde RMF, wie Rainer Marc Frey genannt wird, zum 2. Mal richtig, richtig reich.

Nun setzte er sich in den Medien als Afrika-Wohltäter und Pilot im Privatjet in Szene. RMF wurde zum Superstar der Schweizer Unternehmer-Milliardäre.

Vergessen war, dass er in der tiefen UBS-Krise als Verwaltungsrat sein eigenes UBS-Aktienpaket auf den Markt schmiss.

Der Gewählte der Aktionäre, der selbst nicht an die Zukunft des von ihm verantworteten Unternehmens glaubte: Das war neu, beschämend, peinlich.

RMF, der Trader. Er zeigte sich reuig. Die Schweiz verzieh ihm.

Der anschliessende Erfolg heilte dann die Wunden.

Nun ist RMF mit der Leonteq richtig gross und dick wieder im Geschäft. Und das erst noch mit einem überschaubaren Risiko.

Die 7,5 Prozent, die er hält, bedeuten für sein Vermögen nicht gerade Peanuts, aber auch keinen allzu grossen Brocken.

Sein installierter VR-Präsident, der genannte Christopher Chambers, war CEO in der Man-Gruppe – die gleiche, an die RMF einst seine Hedgefunds verkauft.

Chambers, der Mann von RMF ganz oben, sucht nun einen neuen CEO. Dass dieser zukünftige operative Chef der Leonteq kein RMF-Mann sein wird, glaubt keiner.

Somit hält RMF dank seinen Gefolgsleuten die ganze Macht bei der neu erstarkten Zürcher Finanzfirma: das VR-Präsidium, den CEO-Job.

Ein Lehrstück in Sachen Corporate Putsch.

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34 Kommentare zu “Welch Schmach: Leonteq schmeisst Schoch raus

  1. Paulo Brügger hat bei Raiffeisen Schweiz über ein Jahrzehnt sehr erfolgreich das Departement Zentralbank (auf- und ausgebaut) geführt. Man(n) muss nicht immer auf allen Klatschspalten präsent sein, um für ein Unternehmen erfolgreich tätig zu sein.

    • So ist es. Meist sind die hochgejubelten Manager in der Wirtschaftsklatschpresse gerade die grössten Hülsen und bloss Schauspieler.

    • Jä so ein Seich. Lach mich kaputt. Zentralbank aufgebaut? Die quasi-kommunistische, marktuntaugliche Geldverwaltungsdrehscheibe für die Raiffeisenbänkli? Der Laden war für Leonteq verantwortlich. Man sieht wo es hinführt.

  2. Ich hatte ab und zu mit JS zu tun und habe bisher nur wenige Leute getroffen, die den Unternehmer so sehr verkörpern wie er. Er schien mir immer sehr smart und bestimmt, aber stets höflich und natürlich. Schade dass wir in der Schweiz nicht mehr solche Typen wie ihn haben. Erfolg weckt halt auch immer viele Neider, speziell in der Schweiz. Ich wünsche JS jedenfalls alles Gute für die Zukunft und bin gespannt darauf, was er noch alles vollbringen wird. Lass dich nicht unterkriegen!

    • Denke dass es sie noch gibt, verstehe allerdings nicht, was bei Flynt der komparative Kundenvorteil sein soll? Die Website ist auch etwas „flou“.

  3. Wenn er was anpackt, dann richtig! Leonteq darf sich glücklich schätzen, einen solch talentierten und strategisch klugen Investor wie RMF im Boot zu haben. Schade existieren nicht mehr davon in der Schweiz…

  4. LH hat eine gute Version aufgetischt, wie sich der Abgang von Schoch zugetragen haben könnte. Doch es wäre auch möglich, dass es ein letztes Aufbäumen von Pierin Vincenz im VR gewesen ist. Lukas Ruflin, der mit PV zusammenspannt, mischt sich bei uns seit einiger Zeit ins operative Geschäft ein und hat sogar sein Büro bei der Leonteq. Die beiden mit dem VR der Raiffeisen bestimmen den Kurs. Raiffeisen dürfte in Kürze den Anteil bei Leonteq reduzieren. Bei Helvetia hat (musste) sie bereits 4% verkaufen (15.9.17). Ikarus Schoch scheint dem Bärentöter Ruflin erlegen zu sein, oder Schoch ist doch der Sonne zu nah gekommen.

    • ??? Ein Unternehmer ist nicht das gleiche wie ein Strategic Planner von McKinsey. Ohne JS hätte es ja gar nie eine Leonteq gegeben. Von dem her verstehe ich „nutzlos“ nicht wirklich. @Fledermaus: Am besten fliegst du wieder zurück in deine dunkle Höhle und träumst weiter davon, dass jemand anderes den Batman in dir erweckt.

  5. Der König ist tot – es lebe der König!

    Mein Depot freut Schochs Abgang auch, alles andere ist in diesem Zusammenhang zweitrangig für mich! Nur emotionslos handelt man erfolgreich!

  6. „Senior Advisor Strategic Growth Initiatives“.

    Haha, da hat man der zuständigen HR Tante wohl Kokain in den Schlüpfer gerieben, wer lässt sich nur solche Bezeichnungen einfallen. Warum nicht einfach „Head of breakfast chatting“ oder noch einfacher „Frühstücksdirektor“?

    • Geröll! Vielleicht war eher Ayahuasca im Spiel. Bin zwar unsicher, ob die Wirkung sich auch via Slips entfaltet 🙂

  7. Paulo Brügger ist seit 2005 Mitglied der Geschäftsleitung der Raiffeisen Schweiz und auf dem Bankenplatz kein Unbekannter. Ihn als „Paulo Who?“ zu bezeichnen, ist vielleicht etwas vermessen.

  8. „Was für eine Geschichte. Was für ein Drama. Was für eine Schmach.“

    Was für ein Journalismus. – Digitales Revolverblatt vom feinsten

  9. „Ein Lehrstück in Sachen Putsch“……………….

    Tönt (ziemlich unfreiwillig) nach einem Alfred Hitchcock – Drehbuch für eine clean up Operation bei unseren drei selbstgefälligen Wohlfühl-Bankinstitutionen im SMI.

    Eine Metapher der Hoffnung für anständiges banking, wo echte Werte produziert werden und nicht bloss immens teure Unkosten……..siehe auch anderer Artikel von heute.

  10. „Seine Raiffeisen ist zum Sanierungsfall geworden“

    Ich wünsche mir mehr Sanierungsfälle mit 18% gesteigertem Gruppengewinn…

  11. Wer die „Bilanz“ als Mann des Monats ziert, stürzt meistens kläglich ab. So Raoul Weil, Luqman Arnold, Rodolfo Bogni, Wuffli, Rohner, usw.

    • Noch schlimmer sind nur diejenigen dran, die einen Ehrendoktor vom Rochester-Bern MBA erhalten (Corti, Ospel, …) – wenn jemand zu dieser Würde kommt, kann ich ihm nur empfehlen, sich gleich nach der Verleihung abzumelden.

    • haha Rochester-Bern!

      Gewissen Leuten ist nichts zu peinlich.

      Auch wer Bilanz mit ernsten Hintergrund und nicht zur Unterhaltung liest, kann einem nur leid tun.

    • wo noch Meinungsfreiheit, aber kein Lesezwang, herrscht und auch du jeglichen Stuss von dir geben darfst.

  12. Bilanz: „Leonteq: Jan Schoch kämpft sich zurück„

    Bilanz: „Wichtigster Banker 2017: Boris Collardi“

    Die „Bilanz“ als Indikator für bevorstehende Karriere-Crashs?

    • Bilanz: – Die Dummschwätzer-Hochjubel-Presse No. 1 in der Schweiz. Ganz köstlich anzuschauen ist immer auch die Bilderstrecke mit all den Schauspielern, Möchtegerns und Pappnasen, welche sich jeweils an irgendwelchen AMCHAM oder sonstigen von der Bilanz verfolgten Anlässen tummeln. Peinlich, peinlich.

  13. Zum Vergleich mit Bill Gates. Bill Gates ist das nicht passiert, aber Steve Jobs wurde auch mal aus Apple rausgedrängt und am Schluss kam er zurück und hat Apple zur wertvollsten Firma der Welt gemacht oder zumindest den Grundstein dazu gelegt.

    • Ich habe mein Respekt für JS….
      Was BG richtig gemacht hat, hat ein neue starke CEO ausgewählt und er selber VRP geworden.
      SJ hingegen hat den falschen VRP gewählt, der zuerst SJ raussgesmisst hat und dann die gloriose Firma fast in Bankrupt getrieben….
      Also, alles in allem: „People Matters“!
      Es ist möglich, dass auf diesen Framework auch die Idee, das RMF- Alternative Asset Bude wieder enflammen könnten. Viele Nostalgiker würden sich freuen, aber das wäre den falschen Zeitpunkt. Als innovativ und Intuitiv Mensch könnte RMF auf die Idee selber kommen und in die lukrative Business von Kryptowährung einzusteigen, aber das wäre fatal…
      Was ich glaube? Tja, ein mix auf alles das, aber ich hoffe auf eine Verstärkung in Richtung Fintech….