Greco verharmlost Zurich-Abbau in NZZ-Interview

Es gebe „kein Ziel“ für Stellenreduktion – Nur: 40 Finanz-Spezialisten verlieren soeben ihren Job – Darunter viele 50+.

Mario Greco strahlte am Samstag in der NZZ in die Kamera. Wacher Blick, kahlköpfig, gut sitzender Anzug, ein Lachen, das zweierlei ausdrückte: Ich bin der Chef, ich bin kein Unmensch.

Ich bin der Boss: Zurich-CEO in der NZZ.

Greco will mit seinem grossen Interview-Auftritt im einflussreichsten Blatt der Schweiz das Image des Nur-Sanierers, des Nur-Kostendrückers loswerden.

Dieses haftet dem Chef der Zurich Versicherungsgruppe an, seit der Italiener mit starken Wurzeln in der Schweiz vor anderthalb Jahren die operative Leitung am Mythenquai übernommen hatte.

Und: Das Bild hat sich in den letzten Wochen akzentuiert. Da war in Medien die Rede von einem Abbau von 200 Personen im Finanzbereich unter Finanzchef George Quinn am Hauptsitz in Zürich.

Greco nennt das im Interview mit der NZZ „irreführende Berichte in den Medien“. Es gebe „kein Ziel, eine bestimmte Zahl an Stellen abzubauen“, sagte Greco.

„Was wir an Kosten einsparen müssen, kann konzernweit über die natürliche Fluktuation aufgefangen werden.“

Es könne „ungeachtet (…) da oder dort zu Entlassungen kommen“, fügte der Zurich-CEO an. Doch wichtiger sei Anderes.

„Wir suchen Mitarbeiter mit neuen Fähigkeiten, und gleichzeitig fallen gewisse Jobs in der Transformation weg. Das machen alle Unternehmen.“

Eine Umschichtung von alt zu wertvoll. Gute Leute würden wieder gesucht.

Zudem: „Wir sind auch dazu übergegangen, ausgelagerte Dienste wieder zurückzuholen, weil die Erfahrungen nicht nur gut waren. Das schafft wieder Arbeitsplätze.“

Sprich: Weniger Outsourcing, weniger Offshoring. So wie die NZZ kürzlich von der neuen UBS berichtete, die ebenfalls wieder mehr selbst erledigen will.

Die Aussagen sollen klarmachen: Greco will zur Halbzeit seines ersten Dreijahres-Plans an der Spitze der Zurich nicht mehr einfach der Sanierer sein.

Sondern ein Aufbauer. Wir sind auf Kurs, uns geht es gut. So die Message. Zwar brauche es mehr Tempo und Einfachheit – die neuen Schlagwörter im Management heutzutage. Doch alles werde gut.

Nicht ins Bild von Grecos froher Kunde will passen, was in diesen Tagen in der Finanzabteilung in der Zurich-Zentrale tatsächlich passiert.

Dort haben soeben rund 40 Controller der Gruppe ihren Job verloren. Sie seien entlassen worden, sagt eine Quelle.

Ein Zurich-Sprecher wollte am Freitag nicht konkret darauf eingehen. Nur soviel: Die Zurich befände sich nicht mehr im Abbaumodus.

Den Entlassenen hilft eine solche Aussage wenig. Sie scheiden als Überflüssige aus. Darunter befinden sich auch einige im Alter von 50 Jahren und darüber.

Einer sei gar 55, sagt die Auskunftsperson. Der Spezialist habe einen Grossteil seiner Karriere bei der Versicherungsgruppe gemacht. 16 Jahre lang sei er dabei gewesen.

Nun hat es keinen Platz mehr bei New Zurich. „Simplicity“, das verlange Greco von seinen Leute. Was früher mit der Auslagerung an Billigorte in Polen und England versucht worden sei, passiere nun durch Verschlankung.

Grundsätzlich keine schlechte Idee. Doch laut der Quelle machten sich nun zunächst Chaos und Verunsicherung bei der Zurich breit. Die abgebauten Controller würden jedenfalls nicht ersetzt.

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17 Kommentare zu “Greco verharmlost Zurich-Abbau in NZZ-Interview

  1. @bravo ahnungsloser man kann alles aus verschiedenen
    Blickwinkeln betrachten.

    Sie müssen ja nicht dort arbeiten wenn sie sich schwer tun und nicht mit Veränderungen umgehen können. In den fetten Jahren hat die ganze Finanzindustrie personelle Überkapazitäten aufgebaut und jeder und jede hatte ein gut bezahltes und ruhiges Jöbbli. Und seit geraumer Zeit findet leider die Korrektur in der Finanzindustrie statt da die Margen etc. wegbrechen. Auf Übertreibungen folgt immer und
    überall eine Korrektur.

    Das der Shareholder als Risikokapitalgeber nicht auf eine Risiko
    adjustierte Entschädigung verzichtet sollte klar sein. Das würden sie als
    Eigentümer wohl auch nicht tun.

    • Ich habe gar nicht gewusst, dass Mario Greco der Eigentümer ist. Ein Patron würde für seine Angestellten schauen, dass es Ihnen gut geht

    • Sicher haben Sie Recht mit den verschiedenen Blickwinkeln. Nur geht es nicht um Margen wegbrechen. Die Gewinne in den multinationalen Versicherungen waren noch nie höher als jetzt. Die Dividendenausschüttungen, die verschiedensten Bonusse (in Anzahl und Höhe) oder Aktienzuteilungen (für die Teppichetage). Die Anzahl der Heuschrecken (was glauben Sie was die alle wollen?). Einfach alles. Es geht nur um Gewinnmaximierung. Mir alles und den „Idioten“ (alle anderen) nichts. Der Staat übernimmt die Kollateralschäden und Schulden.

  2. Die Zeiten, wo man 20, 30 oder mehr Dienstjahre im selben Job verharren konnte sind einfach ein für alle Mal vorbei. Weiterbildung ist das eine, aber sich auch einmal in der Karriere u/o Berufsbild zu verändern das andere. Vielen 50+ fehlt(e) bisher die Beweglichkeit und meinen alles sei immer eine Bringschuld des Arbeitgebers. Wer sich nicht bewegt der wird bewegt. Tönt brutal, aber nicht asozial sondern ist leider die heutige Welt.

    Vergisst nicht, es ist genauso brutal, wenn ein 25 jähriger z.T. mit Studium keine Perspektive hat. Immer nur die Firmen zu“ bashen“ ist ein wenig kurzsichtig.

    Auch eine Firma muss beweglich sein/bleiben um sich im heutigen, schnelllebigen Markt behaupten zu können. Und eine Zurich ist nach wie vor ein sehr guter Arbeitgeber.

    • @Urschweizer, in Ihrem ersten Abschnitt beweisen Sie, dass Sie komplett wissensfrei sind. Eine „Bringschuld“ des Arbeitgebers gibt es bei Banken und Versicherungen schon seit 20 Jahren nicht mehr. Das weiss dort auch seit mind. 15 Jahre jeder Mitarbeitende. Was meinen Sie, was die 50+ Jährigen seit Jahren machen?

      Zum dritten Abschnitt; Kennen Sie die Unternehmenskultur? Kennen Sie die aktuelle Stimmung innerhalb der Unternehmung? Haben Sie sich in der Stadt Zürich schon mal als Zurich Mitarbeitender geoutet? Wissen Sie, wieviel sagenhafter Gewinn die Zurich Insurance Jahr für Jahr machen muss und an welche dieser sagenhafte Gewinn Jahr für Jahr fliesst?

      Wie ein Papagei irgendwelchen Platituden die ich in den gelben Heftchen oder der NZZ gelesen habe, ist simpel. Vielleicht sollten Sie sich ebenfalls weiterbilden.  

    • Immerhin hat McKinsey und Co. dazugelernt. Nicht bezüglich der geschönten Zahl 40 der Entlassenen, da haben Sie alle Tricks ausgepackt um auf diese Zahl zu kommen. Nein, weil sie jetzt alle Abteilungen einzeln durchgehen. Vor dem Finance Corporate Center war es das HR, wer nach dem Finance fällig ist, ist auch schon länger klar. Haben Sie nach dem Corporate Center alle Abteilungen durch wird es wieder die BU Schweiz treffen und nach der BU Schweiz beginnt das ganze Spiel im Corporate Center von neuem. In ein bis spätestens zwei Jahren ist es wieder soweit. Die viel zu vielen BlackRocks, etc. sowie McKinsey und Kielholz Managerlis müssen ja mit einer nicht zu gerechtfertigt hohen Wahnsinns-Dividende, Sonderdividenden, Bonuszahlungen, exorbitanten Löhnen, sonst welchen Zuteilungen, etc., etc. Jahr für Jahr befriedigt werden. McKinsey ist ein Weltmeister im abzocken, schönreden und verharmlosen. Immer wenn der Zugang zum Dach abgesperrt wird ist es soweit.

  3. Bin selber während des Berufslebens zweimal „abgebaut“ worden. Typen wie Greco gibt es in den Verwaltungen wie in der Privatwirtschaft viele. Denen ist das Schicksal der Betroffenen doch völlig egal. Irgendwann trifft es auch diese…

  4. In Asien verlassen die guten MitarbeiterInnen die Z. Schon bald wird die Z dort ein Problem habem, denn bisher hat man dort praktisch nur Personal von AIG rekrutiert, das von AIG vor knapp 2 Jahren die Strasse gestellt worden ist, weil entweder deren Saläre zu hoch waren oder es sich sonst um „Underperformer“ gehandelt hat. Das könnte für die Z im Fernen Osten zu einem riesigen Bumerang werden.

  5. …na ja, vielleicht wird man sie (die Grecos, TTs, Ober-BS etc.) auch einmal vom Firmengelände verscheuchen. Siehe letzthin in Frankreich.

  6. Leadership heisst auch Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden zu übernehmen. Leider blenden Greco und Konsorten diesen Umstand komplett aus und fokussieren auf den Shareholder Value – ein sehr unkluges Managementverständnis und hoffentlich bald ein Auslaufmodell.

  7. Leute, die über 50 sind, nach 15 Jahren bei einer Firma entlassen, die profitabel ist, ist einfach asozial.

    Und keiner soll mir erzählen, dass diese Mitarbeiter sich alle nicht weitergebildet hätten.

    Das passiert leider auch in allen Banken. Wie Greco so schön es sagt: es ist hoffähig geworden, alte herauszuschmeissen.

    Das ist Kapitalismus ohne Gewissen.

    Vielleicht können ein paar Betroffene mal hier etwas schreiben als nur die Faust im Sack zu machen.

    • Sie haben von Wirtschaft keine Ahnung, würden aber gut in eine Stadtverwaltung passen. Im Osten. In den 70-ern.

    • @Frau Müller

      Gäbe es eine Frau Müller (Sie sind es ja nicht), würde diese wohl kaum einen derart dümmlichen und undifferenzierten Kommentar posten. Offenbar sind Sie bezüglich Management in weiten Teilen komplett wissensfrei – ob das jetzt die Organisation einer Stadtverwaltung oder die Unternehmensführung per se anbelangt. Vor diesem Hintergrund müsste Ihrem Vorgesetzten dringend angeraten werden, Sie umgehend aus dem Erwerbsleben zu verabschieden, damit Sie künftig als Dummschwätzer Ihr täglich Brot verdienen müssten.

    • Die Tatsache, dass immer mehr Manager und Personaler auf die Dienste von Personalvermittler und Berater angewiesen sind, zeigt auf welchem Niveau sich deren Fach- und Sozialkompetenz bewegt.

    • Nö. Viel von uns haben in vielen Beiträgen ihre Unmut zum Ausdruck gebracht. Als 50+ in der Finanzindustrie gehören wir zum wirtschaftlichen Abfall. Konsum=Ja, verschulden=Ja, Arbeiten=wo sind 50+ noch willkommen.

      Wenn ich eine „50+ Zeitschrift“ öffne kommt nur noch Werbung wie Pro Senectute, Vorsorgeauftrag, Kukident oder Hörgeräte. Wir sind abgeschrieben. Zeit, Abstand davon zu gewinnen, Steuersparen, BIP-Beitrag zu reduzieren, bzw. etwas anders zu machen.

      Ohne retiring Babyboomers merkt man vielleicht, das auch die Wachstumraten bei werwelken sind…

    • @Frau Müller – was hat Sozialkompetenz mit wirtschaftlichem Unverständnis zu tun? Ihr leider Gedankengang sagt aber viel darüber aus, welches Geistes Kind Sie sind! So by the way, die Welt besteht nicht nur aus schwarz und weiss. Sozialkompetenz bzw. ein solches Verständnis macht Sie nicht gerade zur Kommunistin und tut schon gar nicht weh!!