Hedgefund will CS zerlegen, Thiam in Ecke

Rudolf Bohli und Ex-CS-Trader Gael de Boissard greifen frontal an – CEO Thiam machte CS zu Beute – Nun droht Ende der Bank.

Die Financial Times (FT) und zuvor schon die Finanz und Wirtschaft zündeten eine Bombe. Laut ihnen ist die Credit Suisse ins Visier eines „aktivistischen Hedgefunds“ geraten.

Dahinter stecken Rudolf Bohli, der diesen Frühling die Schweizer Assetmanagerin GAM angegriffen hatte, sowie Gael de Boissard, ein Ex-Spitzenmann im Investmentbanking der CS.

Bohli und de Boissard wollen die CS dreiteilen: in eine Investmentbank, die den US-Tradern der Bank verkauft würde; in eine Assetmanagerin; in eine Vermögensverwaltung inklusive Schweizer Universalbank.

Wie stehen die Chancen für Bohli und de Boissard?

Die Antwort lautet überraschend klar: Sie stehen gut. Die CS ist zur gejagten Beute geworden. Ihre Kapitäne Urs Rohner und Tidjane Thiam haben es verpasst, die Bank auf Vorwärtskurs zu bringen.

Nun könnte die Geduld der Grossaktionäre, auf die es ankommt, zu Ende sein. Sie könnten dem Plan von Bohli und de Boissard folgen.

Die beiden argumentieren mit dem schwachen Aktienkurs. Die CS-Aktie hat in den letzten zwei Jahren, seit Thiam seine Strategie verkündet hatte, über einen Drittel an Wert verloren.

Die UBS-Aktie verlor in dieser Zeitspanne 13 Prozent, der SMI legte um 7 Prozent zu. Trotz einer Verbesserung in jüngster Zeit liegt der CS-Valor abgeschlagen zurück.

Die Angreifer Bohli und de Boissard sehen eine grosse Chance für die CS-Aktionäre, wenn diese ihrem Zerschlagungsplan folgen würden.

Nur darum geht’s: Bohlis und de Boissards Ziel ist eine deutliche Wertsteigerung für den Eigentümer, den Shareholder.

So funktioniert das in der Marktwirtschaft, auch wenn Banking nicht zu den leuchtenden Beispielen der reinen Lehre gehört.

De Boissard will die CS wieder zu einer starken Investmentbank machen. Ihm schwebt laut Financial Times eine First Boston Reloaded vor.

Die CS hatte in den 1980ern unter Rainer Gut, der heute immer noch als Ehrenpräsident agiert und dessen Sohn Alexander im VR der Bank sitzt, die Nummer 5 des US Investment Bankings erworben.

Die CS First Boston, wie die Investmentbank danach hiess, wurde zum Mühlstein für die Schweizer Grossbank. Machte sie Gewinn, landete der Löwenanteil bei den US-Managern.

Bei Verlusten hingegen zahlte die Schweizer Mutter. So flossen die Erträge aus dem starken Private Banking regelmässig über den Ozean in die Taschen der CS-Investment Banker.

De Boissard galt als Spitzenmann im CS-Trading. Als Thiam das Ruder übernahm, schied er Knall auf Fall aus. Die CS schob ihm über anonyme Stimmen die Schuld an Verlusten zu.

De Boissard liess sich das nicht gefallen und schoss öffentlich zurück. Er ist für die CS-Führung gefährlich, weil er persönlich eine offene Rechnung mit Thiam & Co. hat.

Bohli wiederum gilt als mutiger Angreifer, der sich gegen das Schweizer Establishment stellt. Bei der GAM verlor Bohli diesen Frühling deutlich, doch er heizte den GAM-Granden ein.

Bohli und de Boissard sind somit ein Gespann, das der CS-Führung das Fürchten lehren könnte, auch wenn sie derzeit erst wenige Aktien halten, wie die FT schreibt.

Sie hätten aber gegen 100 weitere Investoren an der Angel, meinten sie indirekt gegenüber der Zeitung. Ob das stimmt, muss sich weisen.

Sicher ist, dass Bohli und de Boissard den Finger auf den wunden Punk legen: Die CS-Gruppe zeichnet sich durch negative Synergieeffekte aus.

Thiam baute eine Art Super-Administration, mit einem riesigen Überbau. Genau das Gegenteil dessen, was er versprach, nämlich eine schlanke, zukunftsfähige Credit Suisse.

Unter Vorgänger Brady Dougan hatte die CS aus nur 2 Teilen bestanden: dem Investment Banking und dem Private Banking. Entsprechend gab es weniger Überbau und mehr Synergien.

Dann kam Thiam. Der Versicherungsmann zimmerte eine neue CS entlang den Weltregionen Asien, International und dem Heimmarkt Schweiz.

Für jeden der drei Bereiche benötigte er Marketing, Verkauf, Buchhaltung, Compliance, Recht, Personal, Informatik.

Die CS wucherte, sie wurde nicht wirklich kleiner. Der Personalbestand kam nie richtig von 50’000 Angestellten herunter.

Vielmehr kamen plötzlich über 20’000 zusätzliche Quasi-Angestellte zum Vorschein, sogenannte Contractors. Allein in Indien war die Rede von 8’000 Informatikern auf der CS-Payroll.

Thiam scheiterte mit seinem Plan, die CS rasch effizient zu machen. Die Bank ist weiterhin viel zu gross für das, was sie mit ihre Produkten und Services einnimmt.

Einen neuen Plan hat Thiam nicht. Im Sommer zog er Bilanz über die erste Hälfte seiner strategischen 3-Jahres-Periode, die noch bis Ende 2018 dauert.

Dort hatte Thiam mit Blick nach vorn nichts Substanzielles zu verkünden. Nur more of the same: Kosten runter, Gebühren hoch.

Im Hintergrund brodelte es da bereits. Die Aktionäre wurden unzufrieden, Katar ging auf Distanz.

Nun kommen Bohli und de Boissard als Erste und rufen laut, wie die CS endlich aufblühen könnte.

Durch Verschrottung.

Denn die grosse Zerlegung der CS in 3 Teile wäre das Ende der Schweizer Gruppe. Sie würde aufgelöst und in neue Hände überführt.

Die Schweiz hätte dann nur noch eine Grossbank, die UBS. Die CS wäre danach eine Schweizer Universalbank, die alte First Boston würde zur US-Boutique.

Eine solche Aufspaltung von Grosskonzernen gehört zum Repertoire von Firmen-Angreifern. Die Aktionäre müssen entscheiden.

Sie könnten zum Schluss kommen, dass die CS unter ihren beiden Kapitänen Urs Rohner und Tidjane Thiam effektiv keine Chance mehr auf eine gute Zukunft hat.

Das Sagen haben die Saudis, die Kataris, die beiden US-Grossinvestoren Harris Associates und Blackrock sowie der norwegische Staatsfonds.

Die Kataris haben sich jüngst von der CS entfremdet. Sie haben Aktien verkauft, und ihr Vertreter zog sich aus dem Verwaltungsrat zurück.

Die Norweger griffen diesen Frühling Rohner wegen der Boni an. Die US-Investoren könnten auf Gael de Boissard als neuen starken Mann setzen.

Der Kampf um die Credit Suisse ist voll entbrannt.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. This is a great idea, especially for all the Small Shareholders out there, but also big time for the large anchor shareholders, finally they have a chance to vote for Bohli’s plan to double their money. Nice !

    PS: have never seen a better plan out there for CS….time to act.

  2. Ich bin sicher, der Hauptgrund für die Übernahme ist ein Digipigi, welches sich Bohli und de Boissard unter den Nagel reissen wollen.

    • 60% der SMI Titel im + heute.
      Und tja, wer weiss – deines liegt jedenfalls schon viele Jahre zurück!

  3. Die Bombe wurde von „Finanz und Wirtschaft“ gezündet – die FT, AP und alle anderen haben ohne Quellenangabe abgeschrieben.

  4. Passt so.
    Erstaunlich, was EINER (der Bohli) mit 0,2 bis 0,3% Anteil an der CS bewirken kann – und soll!
    Nach wie vor werden Gewinne zufällig generiert (SUB ist OK), aber US? – Asien ist eh zu klein.
    Also:
    Zerschlagen und in rentablen Einzelbereichen weiterarbeiten, Löhne und Boni der neuen Grösse anpassen.

  5. Ich bin gar kein Freund der CS. Aber seinen wir ein wenig seriös, mit 0,2% in den Händen und grossem Mundwerk spaltetet man keine Bank auf… auch nicht wenn man 100 oder gar Milionen Investoren an der Angel hat

  6. Hat denn im Ernst jemand etwas Anderes erwartet mit TT an der Spitze? Wieso fällt man immer wieder auf solche Leute herein?

    • Weil die Firmen einer unfähigen Elite gehören, und die es selber nicht besser hinkriegen würden. Für Geldwäsche im 12stelligen Bereich, bezahlt man gerne ein paar 8stellige Schweige-Gelder 😉

  7. Alles ist recht, was dazu dient, diese Bank endlich wieder auf Vordermann zu bringen, die Milliarden-Boni trotz horrenden Bussen und teilweise Verlusten zu stoppen und im gleichen Atemzug vor allem „oben“ auch gleich kräftig auszumisten! Dies wäre der erste, dringend nötige Schritt!

  8. egal, wie stark der aktienkurs verloren hat – schaut euch doch das p/e im vergleich zu europäischen banken an. absurd hoch. sum of the parts mag über aktuellem kurs liegen, aber das ist nur excel und powerpoint. sicher, kurs wird kurzzeitig etwas gewinnen (alleine die phantasie treibt das p/e dann eben noch weiter hoch), aber mittelfristig ist cs kein kauf. wenn währung kein problem, amerikanische banken sind besser positioniert und interessanter bewertet. und noch etwas: wenn das mgmt so schwach ist, wie in diesen blogs behauptet wird (kann ich nicht beobachten, ich kenne die leute nicht), dann erst recht finger weg. böhli hat schon eine signifikante position und jede phantasie tut ihm gut, aber wer heute noch keine cs hat, braucht jetzt auch nicht mehr kaufen.
    danke für die aufmerksamkeit.

  9. Die risikogewichteten Aktiven der CS sind viel zu hoch, eine Korrektur an den Finanzbörsen, dann brechen die Gewinne des Konzerns um etliche 100 Mio locker ein, in der Schweiz auf 1 Quartal macht dies locker 200 Mio aus. Die CS Schweiz und die UBS Schweiz werden den MA Bestand bis Ende 2020 von z.Z. 38000 um 8000 reduzieren.

  10. Endlich!!!! Schlimmer kann es ja nicht werden.
    Ein Tipp: alle Mackies (Berater und Angestellte) raus, auch wenn dort nur ein Praktika vor 20 Jahren gemacht wurde. Dann läuft der Laden schnell wieder!

    • Was bin ich froh. Ein Insider gibt „ein Tip“…
      Woher nimmt er die Frechheit, das Maul aufzumachen? Wahrscheinlich meint er, das dürfe man, wenn man nur dem Volke nach dem Maul redet…
      Irrtum!

    • @ein Insider
      Bei uns im Team (übrigens aus einem der wenigen Bereiche wo seit Jahrzehnten Geld verdient wird) hofft ausnahmslos jeder auf Erfolg von Bohli. Die abgehalfterte Truppe von TT und die anderen gescheiterten Ex-Berater brauchen wir nicht. Und sie? Gehören Sie zu denen, die was erarbeiten oder auf Kosten dieser einst stolzen Firma leben?

    • Was soll ich sagen …Nimmt mich wuder was für ein Team das ist. Und ja ich arbeite. Danke der Nachfrage. Und v.a., ich bin mit mir ganz zufrieden! Sind bei Ihnen alle im Team so frustriert wie Sie tönen?
      Recht haben Sie mit der Meinung, es bräuchte etwas weniger „Berater“ von aussen und dafür mehr kundenorientierte Mitarbeiter. Recht haben Sie auch damit, dass TT wohl nicht die besten Leute mitgezogen hat, sondern die grössten Opportunisten. Doch ist das alles schon zich mal beschrieben worden und passiert so in jeder grösseren Firma auf der Welt.