Der Aduno-Sumpf

Fall Vincenz bringt Karten- und Kredit-Firma der Kantonal- und Regionalbanken unter Beschuss – Fragwürdiger EuroKaution-Deal.

Harald Nedwed, Chef der Migros Bank, sitzt seit 10 Jahren im VR der Aduno-Gruppe. Dort ermittelt ein Ex-Verbrecherjäger und Wirtschaftsanwalt, ob Bereicherungen der Spitzenleute stattgefunden haben.

Nedwed, der bei der Migros das soziale Kapital managt, muss sich fragen, warum er nicht interveniert hat. Es gab deutliche Anzeichen, dass bei der Aduno Undurchsichtiges vor sich ging.

Ende 2013 hatte die Fides Business Partner, eine Beratungsfirma, der Aduno-Gruppe eine Bewertung einer Firma namens EuroKaution vorgelegt. Diese finanziert Mietdepots für Wohnungen.

Hinter der Fides steckt Beat Stocker. Und Stocker war der grosse operative Mann der Aduno-Gruppe.

Stocker lenkte die Aduno bis Mitte der 2000er Jahre als Delegierter, danach hatte er zusätzlich den Titel eines CEOs.

Nach seinem operativen Rücktritt im 2011 blieb Stocker bis 2015 im VR der Aduno.

Dieser Stocker bewertete die EuroKaution nun auf 10 Millionen Franken. Was möglicherweise niemand wusste war, dass Stocker privat in EuroKaution investiert war.

Das bestätigt der damalige Hauptaktionär Ferdinand Locher. Stocker habe ein Darlehen mit Aktien-Option an der EuroKaution gehabt, sagte Locher in einem Gespräch. Damit hätte Stocker Aktionär der EuroKaution werden können.

Stockers Businessplan mit den 10 Millionen Wert für die EuroKaution warf bei den internen Aduno-Spezialisten Fragen auf.

Sie sind bei der Analyse von Stockers Plan auf ganz andere Zahlen gekommen. Auf viel tiefere.

Maximal ein paar wenige Hunderttausend Franken hätte die EuroKaution wert, hielten sie in ihrem eigenen Papier fest.

Die EuroKaution habe kein wirklich nachhaltiges Business aufbauen können, lautete ihr Urteil. Für sie schien der Fall damit erledigt.

Sie sollten sich täuschen. Ein Jahr später, im November 2014, beschloss die Aduno-Führung den Kauf der kleinen EuroKaution für 5,6 Millionen in bar.

Was war da passiert? Die Aduno-Spitze hatte in der Zwischenzeit ein dritte Bewertung durchführen lassen, und zwar bei einer kleinen, unbekannten Beratungsfirma.

Diese war offenbar auf einen Wert für die EuroKaution um die 5 Millionen gekommen.

Der Deal hatte Folgen. Kaum war die Aduno-Gruppe im Besitz der kleinen EuroKaution, schon musste sie diese sanieren. Sie pumpte weitere rund 5 Millionen in das Mini-Unternehmen.

Ein halbes Jahr später kam dann die ganze Misere zum Vorschein. Nach einem Prüfbericht durch die KPMG, eine bekannte Revisorin, setzten die Aduno-Chefs das Eigenkapital der inzwischen in AdunoKaution umgetauften Tochterfirma auf noch gut 1 Million herunter.

Eine klassische Bilanzsanierung, nötig geworden, weil die in den Büchern ausgewiesenen Aktiven der erworbenen EuroKaution weit weg von der Realität waren.

Seit diesem Manöver im Sommer 2015 passierte nicht mehr viel mit der EuroKaution respektive AdunoKaution. Während Konkurrenten diesen Herbst im TV Spots schalteten, blieb die Aduno-Tochter still.

Umso lauter ist es vor einem Monat geworden. Mit dem Enforcement-Verfahren der Finma gegen Pierin Vincenz und die Raiffeisen rückte die Aduno ins Schlaglicht.

Vincenz war neben Beat Stocker der grosse Mann der Aduno. Während Stocker die ganze Zeit das Operative lenkte, hatte Vincenz als VR-Präsident das Oberkommando.

Im 2013 hätte Vincenz fast den Coup seines Aduno-Lebens geschafft. Er stand vor dem Kauf der damaligen GE Money Bank.

Die Verträge lagen unterschriftsreif auf dem Tisch, die 15-Prozent-Aktionärin ZKB hatte den Deal vom eigenen Bankrat bereits verabschieden lassen.

Doch dann machten die Chefs des US-Industrieriesen General Electric einen Rückzieher. Später brachten sie ihre Finanztochter unter dem Namen Cembra an die Schweizer Börse.

Im Rückblick war das vielleicht der entscheidende Moment. Hätte Vincenz seinen Traum eines Grossunternehmens Aduno realisieren können, hätte er dieses womöglich selbst an die Börse gebracht.

Statt dessen blieb die Aduno einfach das Backoffice für die Raiffeisen, die Kantonalbanken und die Regionalbanken. Sowie die Migros Bank.

Vielleicht wären bei einem Börsengang der Aduno die unschönen Details nicht zutage gekommen. Vincenz hatte schon im 2007 mit einer kleinen Firma namens Commtrain Fragen aufgeworfen.

Wie die Schweiz am Wochenende kürzlich berichtete, gingen damals Gerüchte um, wonach Vincenz beim Kauf des Händlers von Zahlkästen an der Verkaufsfront versteckt dabei gewesen sei.

Nachdem die Commtrain bei der Aduno gelandet sei, habe sie Millionen an Verlusten aufgetürmt, sagt eine Aduno-Quelle.

Die Parallelen zum Fall EuroKaution sind nicht zu übersehen. Commtrain, EuroKaution, zwei kleine Firmen, die unter fragwürdigen Umständen durch die Aduno erworben wurden.

Und danach nie auf einen grünen Zweig kamen.

Wichtige Rollen spielen weitere Aduno-Chefs. Finanzchef Conrad Auerbach gehört seit einem Jahrzehnt zu den internen Strippenziehern.

Auerbach installierte im Finanzbereich der Aduno einen Mann für die schwierigen Fälle. Der heisst Oliver Butke.

Dieser Butke leuchtete auf beim Platzen der Börsenblase im 2001 in Deutschland. Auf Spiegel Online ist ein Artikel dazu zu finden.

Schliesslich übernahm im 2011 mit Martin Huldi ein abgehalfterter Kantonalbanker das operative Ruder. Huldi stellte beim Kauf der EuroKaution offenbar keine kritischen Fragen. Vielmehr zog er den Deal durch.

Nun stehen alle aktuellen und ehemaligen Aduno-Chefs vor einer ungewissen Zukunft. Diese liegt in der Hand eines Anwalts.

Und Ex-Strafermittlers.

Kommentare

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  1. Das ist nur die Spitze des Eisberges – fragen Sie mal Barent Fruithof, der hat ja die VISECA aufgebaut, der hat sicher auch noch gut Infos für die ermittler bereit – schon seit dre Gründung gab es immer wieder Gerüchte über „Deals“ oder es wurde Geld an GL-Sitzungen an GL-Mitglieder verschoben ohne protokolliert zu sein

  2. Auch hier wird es doch wieder gleich laufen wie im 2008. Niemand der blinden Verwaltungsräte, wie auch dem C-Level wird hier zur Rechenschaft gezogen werden. Dafür hängen unsere sogenannten Volksvertreter zu sehr am Geldtropf dieser Finanzinstitutionen.

    Unser Pseudo-Rechts-Staat ist doch schlimmer wie in einer Bananen-Republik. Dort ist es offensichtlich, in der Schweiz geschieht alles im Stillen, dafür viel unmoralischer und sicher auch höheren Geldsummen.

    Mir kommt einfach nur noch das Kotzen.

  3. Aha, die Bauernopfer werden gesucht.
    Hoffentlich haben diese Beweise gegen Vincenz & Stocker und nutzen diese.

    In St.Gallen hofft man ja sicher auch, dass die Sache mit dem Abgang von Zoller und Ceregato plus ein paar Abteilungs- und Bereichsleitern ausgestanden ist.

  4. Commtrain wurde 2007 erworben, Eurokaution 2014. Beide unter nicht ganz plausiblen Umständen. Und wann ist die FINMA aktiv geworden? 2017! Dauerte wieder mal lange, bis die aus dem Tiefschlaf erwacht sind. Wann nimmt sich die Politik endlich diesen unnützen und aufgeblasenen Saftladen vor?

    • Der Gipfel ist, dass die Finma offenbar bei Aduno nicht mal ermittelt! Das macht die Bude selber!
      Auch Leonteq behauptet ja, dass da auch nicht ermittelt wird (trotz den höchst Verdächtigen Kursbewegungen). Und auch bei den Thunfischen tut sich wenig.
      Meine Behauptung: die halbe Finma tut gemeinsam weniger für einen sauberen Finanzplatz als Lukas Hässig als One-Man-Show. Wie oft hab ich schon gehört: „wenn das nur der Hässig nicht erfährt!“ Und nie „das könnte Ärger mit der Finma geben“.

  5. Und wo bleibt die Aufarbeitung des Banken-Sumpfs? Ohne das aktive Wegschauen von gewissen diskreten Privatbanken hätten die ehrenwerten Herren die Früchte ihrer „stillen Beteiligungen“ nicht ernten können. Finma, tschäggsch de Pögg??

  6. Ich hoffe sehr, dass diese Sache schonungslos aufgedeckt wird. Sich auf allen Kanälen als gmögiger Bündner Bergler darzustellen, hinedure aber systematisch kassieren, ist echt zum k*tzen.

    Gewisse Menschen kriegen den Hals nicht voll, trotz Millionensalär. Wo in Gottes Namen blieb die Corporate Governance bei Raiffeisen?

  7. Dieses Thema zeigt wieder einmal deutlich auf, unter welcher „Käseglocke“ wir, politisch und wirtschaftlich, hier in der Schweiz leben.

  8. Die Geschichte wiederholt sich immer wieder…. nur der Mensch bleibt irrational/verhaltensgesteuert.

    New Economy Boom / Private Equity Wahn anno 90er Jahren
    Start-Up Boom und Selfmade-Companies heute

    Wo es an Transparenz mangelt, bleiben Ethik und Moral häufig auf der Strecke. Die Deals von heute sind die (moralischen) Skandale von morgen.

  9. Die FINMA ist ein verfilzter, der Finanzbranche zu nahestehender Streichelzoo. Also wieso sollten hier die Damen und Herren Eier zeigen und PV und Konsorten dieselben langziehen?

    Die ganze Aktion inkl. Raiffeisen wird im Sande verlaufen. Randbemerkung wird sein: „Strafrechtlich nicht relevant. Bankenrechtlich grenzwärtig, allerdings noch innerhalb des gesetzlichen Rahmens.“

    PV war/ist sicherlich genug schlau, seine Unterschriften nur auf Papieren zu leisten, welche juristisch zwar möglicherweise grenzwärtig sind, aber nie den gesetzlichen Rahmen überschreiten. Quasi Gang auf dem schmalen Grat zwischen legalem und illegalem Geschäftsgebaren. Der Nebel war allerdings wohl schon weniger zäh…..

    Fazit: Ich erwarte von all den Untersuchungen der FINMA nicht sonderlich viel.

  10. Wenn ihr schon bei der Aduno seid…schaut euch mal die kooperation mit der Firma ISPIN an.
    Ein kurzer Blick auf ehemalige VR etc. reicht da schon vollkommen aus 😉

    • @Claude W.: Können Sie nicht lesen? Es steht deutlich „ein Darlehen mit Aktien-Option an der EuroKaution“. Ich muss Ihnen hoffentlich nicht auch noch erklären, was das ist…

  11. Komisch, dieser HERR Vincenz war, zusammen mit seiner Kollegin aus GR, einer der Hauptverantwortlichen fuer die Augabe des Bankgeheimnisses und heute erscheint seine Person in Berichten dubioser Geschaeften! Geldhungrig ist er auf jeden Fall.
    PS Gott sei Dank hat er die Cembra Bank nicht uebernommen. Das waere fuer die vielen Kleinanleger nicht gut gewesen.

  12. Eine redaktionell hochwertige Arbeit Herr Hässig!

    Es kommt sogar noch etwas dicker: Pierin Vincenz und Beat Stocker wussten beide, dass die Aduno de facto keine Chance hatte, die GE Money Bank zu übernehmen. Diese Information hatten sie vom Abgesandten der GE aus den USA zu Beginn der Due Diligence erhalten. Es war so, dass sich die Aduno der GE aufdrängte, da der Going Public Plan der zukünftigen Cembra schon längst in Bearbeitung war. Hierüber schwiegen jedoch Vincenz und Stocker und liessen die Aktionäre die mehrere Millionen teure Due Diligence bezahlen.

    Der Börsengang hätte nicht womöglich stattgefunden; er war auf einer Projektplanung der Aduno für 2018 schon fest eingeplant. Die Aktionäre hat man jedoch so gut als möglich im Dunkeln gelassen.

  13. Trübe Seilschaften :
    Beim Gesellschaften,
    dabei Vorteile rafften.
    Die Bilanzen strafften.

    Teppich wird gehoben:
    unmöglich was da oben,
    tat sich alles herumtoben.
    Millionen in Taschen loben!

    Vergangenheit durchleuchtet,
    es stinkt und furchtbar feuchtet:
    Viel zu lange wurde geheuchelt,
    kein Missetäter wurd‘ gemeuchelt..

  14. Das Kreditkartengeschäft war über Jahre hinweg ein Goldesel. Alle verdienten sich eine goldene Nase. Die überzahlten kleinen Unternehmen hatten kaum eine Auswirkung auf die üppig sprudelnden Gewinne. Dass sich der eine oder andere persönlich gesundstoss, wurde grosszügig übersehen, da die meisten der Involvierten selber auch profitiert haben. Ob eines Tages auch der Kauf des Kleinkreditbusiness der Kantonalbanken durch die Aduno aufs Tapet kommt? Wurden dafür nicht auch überrissene Preise bezahlt? Vielleicht liegt dort der Schlüssel, weshalb der VR Vincenz und Stocker einfach gewähren liess?

  15. Einmal. Nur einmal sollen die Herren der Finma Eier zeigen und ein Exempel statuieren: „Hintergehen lohnt sich nicht. Punkt.“

    Danke.

    • Die Finma ist bei grossen Fischen so aggressiv wie ein Koala.
      Nur bei den kleinen Fischen zeigt sie Zähne.
      Bei Vincenz und Co. war die Finma zum handeln gezwungen; da gab es keine andere Wahl.
      In Bern sucht man nun doch verzweifelt nach einem Ausweg, wie man hier raus kommt und die Schuldigen gesichtswahrend verschonen kann.
      Wie ich dieses Land kenne: man wird die Verantwortung an ein paar arme Teufel delegieren, die gezwungen und unter Druck gesetzt wurden, sich nicht wehren konnten und sich selber auch nicht bereichert haben.
      Im Artikel werden schon mal drei Kandidaten genannt.
      Dieser ganze Finanzplatz ist derartig verseucht von Abzockern und moralisch verdorben, mich kotzt das jeden Tag mehr an. Noch 190 Tage und ich bin in Rente.

  16. Wenn man die Berichte von damals (2001) liest, dann sind 10 Mio. auch genau die Beträge, um die sich Herr Butke gerne verrechnet.