Raiffeisen-Chefs jubeln über Mini-Umstellung

Nur gut 20 Raiffeisen-Banken haben am 1. Januar auf neues Avaloq umgestellt – Bleiben 230 weitere – Bald Massen-Abbau in IT.

Patrik Gisel und sein Informatik-Chef Rolf Olmesdahl haben zu Jahresbeginn eine frohe Botschaft ans Personal verschickt. Avaloq, das neue System, läuft.

Für 500 Millionen. Auf vorerst 22 Banken.

Macht im Schnitt 23 Millionen pro Raiffeisen-Bank. Heute ist deren 1. Livetag mit Avaloq, welches das bisherige Eigensystem namens Dialba ablöst.

Ziemlich viel Geld für eine neue Informatik. In den nächsten Monaten soll sich das Bild aufhellen. Insgesamt sollen dann alle 250 einzelnen Raiffeisen-Banken auf Avaloq umgestellt haben.

Am Ende fallen gemäss dieser Rechnung pro Bank 2 Millionen Kosten an; dies allein dafür, dass die Banken-Gruppe eine moderne Software im Einsatz hat.

Das Projekt läuft unter dem Namen „Rainbow“. Es steht für den bedrängten Raiffeisen-Chef Gisel und seinen ersten Lieutnant Olmesdahl an oberster Stelle der eigenen Prioritätenliste.

Wird Rainbow zum Flop, kann das Duo Gisel-Olmesdahl einpacken. Also darf es kein Flop werden.

Dabei ist es das bis jetzt. Überall leuchten rote Lampen auf, es gab auch in den letzten Tagen vor der Umstellung Fehlermeldungen am laufenden Band.

Viele einzelne Teile von Rainbow respektive Avaloq laufen derzeit noch gar nicht oder nicht rund. Es ist Work in progress vom Feinsten: Alles instabil.

Doch das darf nicht nach draussen dringen. Die Raiffeisen-Spitze braucht dringend Good news. Also schlagen Gisel und Olmesdahl in ihrem Mail an die Raiffeisen-Crew von Anfang Woche optimistische Töne an.

Rainbow, das sei ein voller Erfolg.

So die offizielle Sprachregelung. Laut einer Raiffeisen-Sprecherin sei „die Migration der Raiffeisenbanken der Tranche 1 bisher sehr erfolgreich“ verlaufen, alles „nach Plan“.

Nun würden „die Banken ihren ersten produktiven Tag mit der neuen Kernbankenplattform ACS haben“, meinte die Raiffeisen-Frau.

ACS steht für Avaloq. Und Avaloq soll davon ablenken, dass in der Raiffeisen die Zukunft offen ist. Die Finma ist im Haus, die Diversifikation ist gescheitert, das Hypo-Geschäft ist ein Klumpen.

Wohin steuert die Raiffeisen unter Patrik Gisel und Rolf Olmesdahl? Das ist die Frage. Rainbow ist nicht die Antwort. Sondern das Projekt verschärft das Problem.

Dies aus zwei Gründen. Erstens wurde es mit Ach und Krach geschafft. Die Tests liefen bis zur letzten Minute, es wurde auch über das Silvester-Wochenende am System herumgedoktert.

Die Crew ist müde, ausgelaugt. Sie erhält nun zwar einen Bonus dafür, dass der Fahrplan eingehalten worden ist. Doch die Operation ist noch lange nicht zu Ende.

Und wenn Rainbow im Verlauf von 2018 und 2019 ganz ausgebreitet wird und stabil läuft: Was passiert dann mit den vielen Informatikern, die für Rainbow gearbeitet haben?

Damit ist der zweite Punkt angesprochen. Ein Massenabbau steht ins Raiffeisen-Haus.

Derzeit gibt es zwei Informatik-Abteilungen, die weitgehend separat laufen. Eine für den ordentlichen Betrieb, eine für das Spezialprojekt Rainbow.

Letztere muss in den Normalbetrieb überführt werden. Das heisst, dass ein Grossteil der Beschäftigten keine Aufgabe mehr hat.

Sonst würde der Unterhalt der Informatik viel zu teuer.

Nach dem Grossprojekt Rainbow lautet somit der nächste Auftrag auch bei der dritten Kraft im Land: Kosten optimieren.

Und weil im Banking die Löhne den Kosten-Löwenanteil ausmachen, bedeutet das Abbau.

Wie bei den beiden Grossbanken.

Kommentare

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  1. 2 Millionen pro Bank soll teuer sein ?? Das sind wirklich Peanuts für ein Kernbankensystem. Ein solches System ist kein einfacher Windows PC mit Office…
    Ich glaube, manche Leute haben wenig Ahnung von der Grösse eines solchen Projekts.
    Wahrscheinlich werden die Kosten viel höher sein, das bleibt aber verhältnismässig ein sehr kleiner Betrag.

  2. Herr Hässig, ein IT-Projekt dieser Grössenordnung objektiv zu kommentieren, sollten Sie besser einem sachverständigen Spezialisten überlassen.

  3. Schon 2006 hat mir ein Raiffeisen-Manager vom veralteten System erzählt. Gragulation, 12 Jahre später sind wenigstens einige Kleinstbanken live gegangen.
    Ein Trauerspiel! Aber Avaloq hat sicher gut verdient daran.

    • Funktioniert hat es anscheinend trotzdem.

      Einfach Geschäftsberichte anschauen.

      Danke

    • Sie scheinen mir ein echter Bankier zu sein, mit diesem veralteten System hat es Raiffeisen zur 3 Kraft im Land gebracht. Nie Verlust gemacht. Satte Gewinne. Und was für Kern—Systeme haben denn die CS u d die UBS. So ganz moderne?

      Also unter den aktuell migrierten Raiffeisenbanken hat es solche mit über 1,5 Mrd. Bilanzsumme und etlichen Geschäftsstellen. Also auch keine kleinst Bank und diese Bank bietet alles an.

      Ein Trauerspiel sind ihre Kommentare und dieser Artikel. Polemik. Und Raiffeisen hat auch Beförderungen bekannt gegeben. Gibts da keine Frau, der man (Luki Luke) es nicht gönnen mag?

      Das ist das wahre Trauerspiel. Nicht diese schwere, komplexe IT Programm mit über 400 Mitarbeitende, 250 Banken und zig Umsysteme. Und drei Partner.

  4. „Somewhere over the rainbow“ seh ich Francisco Fernandez mit Schnauz und Ferrari davonbrausen, und die Jobs gleich mit 🙂

  5. Aber aber Herr Hässig. Kaum hat das neue Jahr angefangen sind Sie schon wieder fleissig am ablästern. Wie wäre es wenn Sie im 2018 zur Abwechslung mal etwas positivere Artikel schreiben? Aber gute News verkaufen sich halt schlechter stimmts?

  6. Schon wieder ein völlig am Ziel vorbei schiessender Artikel des Möchte-Gern Finanzplatz-Kenners Lukas Hässig.

    Eine zeitlang hatte man das Gefühl, dass seine Artikel besser recherchiert waren. Aber das hier ist wieder mal völlig deplatziert; denke dass ein Primarschüler dies hätte besser schreiben können.

    Zum Inhalt muss ich mich nicht äussern, dies wurde schon in den verschiedenen Kommentaren ausgezeichnet gemacht.

    Als langjähriger Projektleiter muss ich sagen, dass ich es gleich gemacht hätte in einem Projekt in dieser Grössen-Ordnung wie diese Firmen vorgegangen sind.

  7. Es ist völlig normal, dass bei Projekten dieser Grössenordnung erstmal ein Teil der Banken umgestellt wird.
    Es ist auch völlig normal, dass bei Projekten dieser Grössenordnung Überstunden und Wochenendarbeit geleistet wird. Mitarbeiter werden hier normalerweise mit Bonus vergütet und motiviert.
    Es ist auch normal, dass temporär Externe Fachkräfte eingestellt werden, von denen man sich nach dem Projekt wieder trennt.

    Der ‚Artikel‘ beweist einzig und alleine das mangelnde Wissen des Schreiberlings von IT-Projekten.

    • Genau so ist es. Aber ein objektiver Artikel, geschrieben von jemandem, der weiss, was es heisst, eine neue Bankensoftware (quasi im Fluge, ohne, dass die Passagiere etwas davon merken) einzuführen, während die alte Software ebenfalls weiterläuft, wäre ja kein „sexy“ Artikel für „Inside Paradeplatz“ geworden. Es ist doch für einen „Journalisten“ viel einfacher, sich über andere lustig zu machen und die Kommentare von gewissen Mitarbeitern unqualifiziert wiederzugeben. Und erst noch unverifiziert. Tja, so kreirt man „fake news“…😀

    • Das ist grundsätzlich schon so. Nur bedeutet das Einführen einer neuen Software auch, dass die Leute, welche die neue Software eingeführt haben, eine wesentlich bessere Ausgangslage haben als die Leute, welche das alte System betreut haben. Das ist bei Internen wie Externen der Fall. Die Externen können zwar „gemäss Masterplan“ relativ einfach und schnell wieder abgebaut werden. Viele sind dann bei den nächsten Projekten wieder in der Firma anzutreffen sind. Das ist nicht mehr als logisch.

      Wenn das Ganze Schlau aufgebaut wurde, dann werden die Leute der Altsysteme abgebaut, nicht die Leute, welche das neue System kennen. Ergo müssten eigentlich Externe das alte System übernehmen und weiter pflegen, bis es in Rente gehen kann. Die internen Ressourcen sollten dabei in wesentlichen Teilen für den Aufbau des neuen Systems frei geschaufelt. Entweder treiben sie da die Entwicklung mit oder werden seriös eingeschult.

      Erfahrungsgemäss gibt es 5-10% Verweigerer, von denen man sich trennen muss. Das sind auch die, welche alles boykottieren wollen und die man leider auch am besten „hört“, wenn man hinhören will.

      Welches Vorgehen Raiffeisen / Arizon da gewählt hat, weiss ich nicht. Leider sind die Beteiligten im Arizon Bereich nicht gerade dafür bekannt, dass sie einen zimperlichen Umgang haben. In einem so grossen Projekt kann das auch nicht sein, dass man nur freundlich ist und mit der „kommt schon gut“ Einstellung auf dem Ledersessel sitzt.
      Ich hoffe jedenfalls für die betroffenen Mitarbeiter ganz aufrichtig, dass es ein wesentlich besserer Plan ist als LH hier skizziert hat.

    • Und selbst wenn! Was ist denn eine Bank schon ausser Brain- und IT-Power? Hirnschmalz, IT Wissen und IT Fähigkeiten sind das Herz und die Seele einer Bank. Quasi die Rohmaterialien. Die Banken produzieren ja keine Kühlschränke oder Autos.

  8. Das Raiffeisen macht mir viel Sorgen;
    gibt es denn überhaupt kein Morgen?
    Der Sankt-Galler Banken-Klumpen:
    Kann und will nicht mehr richtig gumpen!

    Was in der Vergangenheit angezettelt,
    kreuz und quer, unbedacht angekettet.
    Entwickelt sich zu einem Fiasko Grande,
    in der lokalen Bankenwelt: Oh Schande!

    Nun ist es höchste Zeit da auszumisten :
    Ein grosser Druck und all die Fristen!
    Ich warte auf das allerletzte Tabularasa,
    hilfreich für die gebeutelte Banken – Casa.

    • Info: Raiffeisen wird auch für das Jahr 2017 sicherlich wieder ein Rekordergebnis präsentieren – lassen Sie sich überraschen!

    • @ Glück gehabt, ist Raiffeisen nicht börsennotiert, sonst hätte Zampano nun wohl ein Problem…

  9. Aufgrund des Avaloq-Desasters ist es nicht angebracht, die Gesamt-Strategie der Raiffeisen-Gruppe durch den Kakao zu ziehen. Der Rollout von Avaloq ist peinlich genug.

  10. Wieder ein Hetzartikel, Gratulation an Hau den Lukas.

    Der Grossteil des Riesen IT Proojekt Rainbow (ca. 500 Mio. CHF) wird durch externe Consultants bewerkstelligt. Dies ist normal in solch Riesenprojekten. Diese Berater kann man einfach abbauen, ndem man deren befristete Verträge nicht mehr verlängert, sofern sie nijt mehr gebraucht werden. Ein Abbau hat schon stattgefunden. Andere Consultants wurden verlängert.

    Eine Migration in Tranchen ist strategisch entscheidend und sinnvoll. Auch ganz im Interesse der FINMA, die dieses Szenario ebenfalls so wünscht.

    Mit den ersten Banken knnte nun der Ernstfall erprobt werden. Anpassungen, learnings für die zweite von drei Tranchen können nun analysiert werden.

    Das macht Sinn. Auch wenn es nicht in das Konzept dieses Blog passt. Sorry Luki. Ein ander Mal wieder.

  11. Liebe Freunde, ein gutes neues Jahr!

    Raiffeisen ist gut nach ACS migriert, herzliche Gratulation allen Beteiligten. Wer hätte das gedacht!

    Doch noch zwei Hinweise:
    –> diese Informatiker wurden als Aushilfen angestellt mit befristeten Arbeitsverträgen.
    –> an der Benutzerfreundlichkeit von ACS muss noch gearbeitet werden.

  12. Es ist heutzutage üblich, sich für eine befristete Aufgabe auch Leute befristet zu holen. Nachher folgt eben ein Massenabbau. Über diese Strategie kann man diskutieren.

    Eine gestaffelte Einführung einer neuen Software ist eine gute Strategie. Die Alternative wäre ein Big Bang: alles auf einmal. Und diejenige mit dem grössten Risiko.

    So weit so gut.

    Bedenklich wäre es schon, wenn dies nur bei 4% aller Filialen bleibt. War die IT der Raiffeisen vorher zu heterogen, oder der Rollout zuwenig vorbereitet? Hatte die Raiffeisen zuwenig Technik, um die Umstellung mehrmals zu üben?

    Der Januar wird zeigen, ob der Berg mehr als eine Maus gebar, oder sich das SOPRA-Desaster der SBB wiederholt, wo nach etlichen Jahren Weitergebastel zur alten Software zurückgekehrt werden soll.

  13. Zitat: „Die Crew ist müde, ausgelaugt. Sie erhält nun zwar einen Bonus dafür, dass der Fahrplan eingehalten worden ist.“

    Welch unmögliche, triviale Welt ist dies, wo für ganz normale Arbeit nach Pflichtenheft noch Zuschüsse verteilt werden müssen………..Nimmt mich wunder, wie lange der Finanzsektor sich noch derartige Extravaganzen leisten kann?

    • Sie haben es nicht verstanden: Hier wurden sehr wahrscheinlich Überstunden geleistet und an Wochenenden gearbeitet.

      Überstunden braucht es, wo Management oder Arbeitern die Intelligenz fehlt.

      Von Verwöhnung keine Spur.

    • Ganz normale Arbeit nach Pflichtenheft? Tatsache ist, dass IT Mitarbeiter auf einen fixen Termin hin Tausende von Detailproblemen lösen müssen, und zwar fehlerfrei. Da die normalen Banker keine Ahnung von dieser Arbeit haben und sie auch nicht Wert schätzen, bleibt als Motivationsspritze nur ein anständiger Bonus. Wer dies als Extravaganz bezeichnet hat keine Ahnung von der Leistung der Informatiker.

    • Es gibt Leute, die verstehen wie gerechnet wird.
      Dann gibt es Leute, die versuchen durch simple Mathematik Effekte zu erhaschen.
      500Mio durch 22 Banken geteilt? Hirnrissig.
      Die abschliessenden ca. 2Mio pro Bank…immer noch auf Milchbüchlein-Stufe, aber etwas sinnvoller.
      Rechnen sich diese 2 Mio mittelfristig gegenüber Einsparungen? Weiss der Verfasser irgendwas über den „Business Case“ dieses Projekts zu berichten?

      Dann gibt es noch Leute, die wissen, wie man grosse Projekte aufplant und durchführt. Ob es bei Raiffeisen genügend davon gab, kann man sich gerne fragen.

      Meine Interpretation:
      Diese 22 Banken, die heute live gegangen sind, verfügen wohl über ein (reduziertes) Standard-Portfolio an Bankdienstleistungen. Die Lösung ist also – mehr oder weniger – bereit, live zu gehen.
      Es werden die nächsten Tage sicher Problemchen hier und da auftauchen bei den 22 betroffenen Banken. Die sind hoffentlich sorgfältig genug ausgewählt, dass man die Kinderkrankheiten effizient bewältigen kann.
      Dass es „nur“ 22 Banken sind hat wohl einfache Kapazitätsgründe…für die Umstellungsarbeiten und die Betreuung wird man begrenzte – fachlich kompetente – Kapazitäten haben.
      Wenn man dies nun richtig macht, sammelt man in den nächsten Tagen/Wochen genug Erfahrungen, um die restlichen Banken auf die neue Plattform zu bringen und das mit möglichst wenigen Problemen.
      Insofern ist die Mitteilung, dass 22 Banken nun live gehen, für mich der Hinweis, dass das Projekt nun zu mindestens 80% „erfolgreich“ ist.

      Manchmal lese ich IP sehr interessiert. Der obige Artikel bestätigt den Eindruck, dass man bei IP – statt inhaltliche Kompetenz anzuwenden – lieber mit der Schrotflinte in den Wald schiesst.

    • Die 22 kleineren Pilotbanken stellen kaum mehr als 5 % der Anzahl Benutzer im Vollausbau dar.

      Ob die Avaloq-Lösung mit akzeptablen Antwortzeiten skaliert, kann man jetzt noch gar nicht sagen. Deshalb ist es verwegen, das Projekt bereits jetzt zum Erfolg zu erklären.