Bernie Hodler will 2 bis 4 Jahre Bär-CEO bleiben

Headhunter bemühen sich vergeblich, Ex-UBS-Chef Zeltner hat Nachsehen: No-Name-Hodler bleibt – Comeback eines Verlierers.

Bernhard Hodler ist nicht da zum Gehen. Der CEO der Zürcher Julius Bär, der vor 2 Monaten überraschend Nachfolger von Boris Collardi wurde und am Mittwoch vor die Medien tritt: Er bleibt.

Bernie, wie ihn alle nennen, überrascht damit gleich nochmals. Er, der im letzten Herbst bereits auf dem Karriere-Abstellgleis gelandet war, startet durch zum ultimativen Aufstieg.

CEO der grössten Schweizer Privatbank, Chef in den Fussstapfen des Charme-Überfliegers Boris Collardi. Mindestens 2, lieber aber 4 Jahre möchte Hodler Chef der Bär bleiben. Oder noch mehr.

Deshalb wurde Hodler nicht Interims-Chef, als Vorgänger Collardi dem VR der Julius Bär Ende November 2017 eine lange Nase machte.

Hodler wurde ernannt zum CEO, hiess es, man würde aber gleichzeitig die langfristige Nachfolgefrage an die Hand nehmen.

Seither bestürmen die üblichen Headhunter-Stars den VR der Bär und bringen ihre Kandidaten in Stellung. Besonders oft genannt wird Jürg Zeltner, Ex-UBS-Bigboss und seit Weihnachten auf Stellensuche.

Je mehr man aber die Bär-Pressestelle fragte, ob bereits ein Headhunter ausgewählt worden sei und ob die Bank ihre angekündigte Suche nach einem grossen CEO schon begonnen habe, desto klarer wurde: Den Bären eilt es gar nicht.

Vielmehr sind sie glücklich mit Bernie Hodler. Ein Mann, der seit 20 Jahren auf der Lohnliste der Julius Bär steht, der somit alle kennt und viele Funktionen innehatte: Er soll Bär neu aufstellen.

Fragen stellen sich. Ist Hodler der Richtige dafür? Und: Kommt Bär mit ihm wirklich in die nächste Ära?

Hodler war während Jahren für die Risiken zuständig. Die präsentieren sich heute als gross. Kaum ein wichtiger Fall mit internationalen Ermittlungen, ohne dass der Name Bär fällt.

In Brasilien Petrobras, in Venezuela PDVSA, in Amerika Fifa, in England Lars Windhorst, in der Schweiz Pierin Vincenz und Remo Stoffel.

Immer ist Bär vorne dabei. Immer sind die Zürcher prominente Geldgeberin oder Vermögensverwalterin.

Hodler liess das zu. Unter ihm schaute die Compliance, sprich die Aufsicht für gefährliche Kunden und Geschäfte, eher weg als hin. Respektive Warnungen wurden ganz oben in der Führung ignoriert.

Das tat der Karriere von Bernie Hodler lange keinen Abbruch. Er galt intern als der Mann, der sich nie exponierte. An Sitzungen nahm er seine Experten mit. Die liess er dann reden. Er selbst schwieg.

Das gab ihm einerseits wenig Profil. Andererseits aber minimierte Hodler mit seiner persönlichen Karrierestrategie auch die eigenen Angriffsflächen. Er wurde zum Überlebenskünstler, zum ewigen Bernie.

Letzten September schien es Hodler doch zu erwischen. Sein Chef Collardi holte für dessen Risikoüberwachung den bekannten UBS-Mann Oliver Bartholet.

Hodler wurde Frühstücksdirektor. Offiziell neuer Vize von Boris Collardi, doch das klang nach mehr, als es bedeutete. Faktisch hatte Holder kein Portefeuille mehr und damit keine Macht.

Umso stärker wurde er gelobt. Hodler habe die „Weitsicht, die Umsetzung strategischer Schlüsselprojekte zu steuern“, sagte Collardi damals.

Vom Projektmanager zum CEO der Nummer 1 des Swiss Private Bankings. Das führt zur zweiten Frage. Bringt Hodler die Bank weiter?

Hodler ist ein Ausführender. Unter Collardi machte er, was der grosse Chef vom ihm forderte. Nun ist sein Befehlsgeber der VR der Julius Bär. Und dieser verlangt von Hodler, die Baustellen aufzuräumen.

Das sind neben den erwähnten Rechtsfällen vor allem die Informatik, die Compliance und das Wachstum. Die beiden ersten sind machbar mit dem nötigen Willen und den erforderlichen Ressourcen.

Anders sieht es beim Wachstum aus. Die Bären legten unter Collardi vor allem in Asien zu. Diesen Schwung will Collardi nun zur Genfer Pictet mitnehmen, wo er im Sommer als Partner startet.

Derweil unter Collardi die Julius Bär im Heimmarkt Schweiz vor sich hin dümpelte. Die gesamte Ernte der Marktregion Schweiz liegt seit Jahren auf den Schultern weniger Senior-Kundenberatern.

Der Versuch, diese zu entmachten, führte zum Abgang der früheren Chefs. Genützt hat dies wenig. Die Schweiz ist und bleibt das Sorgenkind der Bär-Bank.

Wird Hodler als Nicht-Private-Banker die Malaise beenden können? Daran wird Comeback-Bernie beim Abgang in ein paar Jahren gemessen.

Kommentare

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  1. „KYC“ nur bei 4 % der Kunden erfüllt.
    Eigentlich müsste man den Laden dicht machen.
    Aber Branson profiliert sich lieber mit Fällen wie Waespi u.ä.

  2. BH mag im Vergleich zu seinem Vorgänger unauffäliger sein. Aber das ist kein Nachteil. JB tut ein CEO gut, der sich nicht einfach nur nach oben geschlafen hat und keine Reden über Leistungen hält, die er selber gar nicht erbracht hat.

    Dumm nur, dass er den ganzen Mist bereinigen muss, den BC hinterlassen hat. Aber abwarten und Tee trinken. Er wird’s schon packen.

  3. Die Berichterstatung von IP wogt wild hin und her. Man packt jede Gelegenheit beim Schopf. Man redet von no-name-Hodler, dem ewigen Verlierer, und ist gar bereit Boris heiligzu sprechen mit „Charme-Ueberflieger“. Was ist nun? Alles vergessen, was IP schon behauptet hat?
    Man spricht von den Rechtsfällen, jedoch nie davon, wieviele weitere immerhin vermieden worden sind. Geben wir Bernie eine Chance.

  4. Kann es sein, dass Herr Hodler in der Vergangenheit falsch eingeschätzt wurde? Welches sind seine Stärken? Offenbar sollen bei Bär einige Baustellen vorhanden sein? Haben andere Banken nicht auch solche? Diese erkennen, analysieren, die richtigen Leute dazu holen und dann aufräumen.

  5. Hodler wird eine ähnliche Aufgabe haben, wie Gisel bei Raiffeisen. Er muss den wilden Aquisitionskurs des Vorgängers bewerten und höchstwahrscheinlich mit einigen Abschreibern korrigieren. Der Sonnenkönig ist dann schon lange in der Calvin-Stadt.

  6. Wenigstens sind bei der JB noch Einheimische in den Key-Positions im Gegensatz zu CS und UBS. Ermötteli ist auch bald weg, und dann heissts United Bank of Germania. Schiff ahoi.