Mitglied SNB-Führung: Abgang wegen Affäre?

Thomas Wiedmer kündigte überraschend seinen Job als Nr. Zwei im 2. Departement – Gerüchte um Frauenstory – Bank mauert.

Vor 18 Jahren begann Thomas Wiedmer, ein Professor und Karrierist in der Berner Kantonal-Verwaltung, bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) als Nummer Zwei des 2. Departements.

Berufen damals im 2000 vom Bundesrat, der Landesregierung. Letzten Montag meldete die SNB, dass Wiedmer geht. Er habe sich entschlossen, nochmals etwas Neues zu wagen.

Mit 55. Nach 18 Jahren. Und einer Verwaltungs-Karriere bei Kanton und der SNB, und dort in Bern, wo sich Wiedmer um Finanzen und Risiken kümmerte und im erweiterten Direktorium der SNB sass.

Eine andere Version geht um. Wiedmer sei über eine Affäre mit einer wichtigen SNB-Angestellten gestolpert.

Bei dieser soll es sich nicht um eine Subalterne handeln, sondern um eine Kaderfrau in zentraler Funktion.

Laut der Quelle sei die Frau bereits nicht mehr bei der SNB. Wiedmer hat offiziell auf Mitte Jahr gekündigt.

Auf eine E-Mail-Anfrage antwortete Wiedmer, der in Bern an der Universität auch als Gastprofessor ein Mandat hat, letzten Donnerstag Abend nicht. Die Anfrage lautete:

„Mir wurde zugetragen, dass der wahre Grund Ihres Abgangs eine Frauengeschichte sei. Die Betroffene sei nicht mehr bei der Bank, bei Ihnen habe man sich nach einer internen Untersuchung darauf geeinigt, dass Sie kündigen würden.“

Wiedmer leitete das Mail an die Kommunikations-Verantwortliche der Nationalbank weiter. Diese nahm am Freitag nach einer telefonischen Unterredung schriftlich wie folgt Stellung:

„Wie bereits besprochen: Die relevanten Informationen zu seinem Ausscheiden von der SNB wurden am vergangenen Montag in einer Medienmitteilung verschickt.“

In ihrem Communique vom letzten Montag hatte die SNB zu den Gründen des überraschenden Abgangs wenig gesagt. Dafür lobte sie ihn.

„Bankrat und Direktorium bedauern den Rücktritt von Herrn Wiedmer. Sie danken ihm für sein grosses Engagement zugunsten der SNB in den letzten 18 Jahren und wünschen ihm für seine persönliche und berufliche Zukunft alles Gute und viel Erfolg.“

In folgenden Gesprächen mit der SNB hiess es, dass die Spitze der Notenbank den Entscheid Wiedmers, die SNB zu verlassen, „akzeptiert“ habe.

Diese Aussage, wonach die Bank den Entscheid von Wiedmer angenommen habe, sowie die Aussage der Sprecherin, dass alle „relevanten“ Informationen im Communiqué enthalten seien, lassen aufhorchen.

Bei einer normalen Kündigung eines Spitzenmanns muss niemand einen Rücktritt akzeptieren. Jeder kann kündigen, auch wenn er eine noch so wichtige Rolle zu erfüllen hat.

Wiedmer war wichtig, er gehörte fast 2 Jahrzehnte lang zum absoluten Inner Circle der Schweizer Notenbank.

Als „Stellvertretendes Mitglied des Direktoriums“ war Wiedmer bei allen Sitzungen der obersten Führung der SNB dabei. Er konnte mitreden, warnen, unterstützen, eigene Vorschläge machen.

Erst beim letzten Schritt dürfen er und die beiden anderen Stellvertretenden Direktoren der SNB nicht mehr mitmachen.

Zuoberst entscheiden können bei der SNB nur die drei „echten“ Direktoriums-Mitglieder unter Führung von SNB-Präsident Thomas Jordan.

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37 Kommentare zu “Mitglied SNB-Führung: Abgang wegen Affäre?

  1. Lese IP immer wieder gerne, aber den Artikel finde ich jetzt doch ein wenig unfair und schludrig.
    Ins Direktorium der SNB wird man meines Wissens gewählt und zwar auf Vorschlag des Bankrates vom Bundesrat für 6 Jahre. Will man da frühzeitig ausscheiden, muss man selbstverständlich seinen Rücktritt einreichen, welcher vom Bankrat/Bundesrat akzeptiert werden muss.
    Ich sehe darin also nichts Verdächtiges – aber ich kenne ja auch die Gepflogenheiten und Arbeitsverträge auch nicht.
    Einen Rücktritt kann man im Übrigen auch anbieten, wenn man die Firmenpolitik nicht (mehr) einverstanden ist, oder wenn man ganz einfach was anderes machen will – was man nach 18 Jahren durchaus nachvollziehen könnte. Nicht alle hängen so sehr an der Macht, dass sie sich an den Sessel klammern und man sie zusammen damit hinaustragen muss.
    Aber ich kenne Herrn Wiedmer auch nicht.
    Auf jeden Fall scheint jemand ein Interesse daran zu haben, solche Gerüchte zu streuen. Wer und weswegen? Ich hoffe, IP bleibt dran…

  2. Herr Hässig: Ihre Web-Site ist sehr geschätzt. Bringen Sie doch mal
    einen fundierten Bericht über den Bussenkönig Ermotti und VR der UBS:
    Mit fundiert meine ich ganz einfach die Bussen welche die UBS z.B. in den letzten Jahren erhielt und fragen Sie die Reaktion ihrer Kunden und Aktionäre.
    Meine Reaktion ist schon lange klar: Nach der heutigen Busse in HongKong und Suspendierung der UBS finde ich es eine Provokation, dass Bussenkönig Ermotti fr. 14 Mio kassiert vs. den Kunden mit höheren Gebühren und Aktionäre mit mieser Dividende.

  3. Es geht immer um Menschen, welche handeln. Wenn jedoch Personen im inneren Circle, wie L.H. Das Geld- und Bankensystem nicht verstehen können, oder eher dürfen, also spielen müssen, so kommt der Austritt immer einer „Ersetzung“ gleich! Veränderungen sind nur marginal möglich!
    Banken haben weder Forderungen noch Verpflichtungen. Sie handeln eigentlich als Intermediäre. resp. übernehmen ein Derivativ der Treuhandfunktion.
    Aus der Kreditvergabe entsteht das Guthaben. Bei der Geldschöpfung, kennen sich Leistungsnachfrager (Schuldner) und Leistungserbringer (Begünstigter), also ein klare Treuhandsituation oder intermediäre Handlung) Damit kann die Schuld nur getilgt werden, wenn das Guthaben irgendwann in Zukunft zurückgebucht werden kann.

    Das Verständnis des Geld- und Bankensystems hat die Qualität von Hirnlosigkeit! Selbst Herr Jordan, versteht sein Handeln nur in der Umsetzung, darf jedoch den Denkfehler nicht erkennen!

    • Wow – grosse Worte von Georg – leider verstehe ich nicht, was genau er uns damit sagen will. Vielleicht sollte er einfach seine tägliche Medizin etwas nach unten dosieren. Get well soon, mein Bester.

    • Das Geldsystem hat mehrere Ebenen im Funktionalität und daher auch im Verständnis.

      „Früher“ war das Geld unter Kontrolle spiritueller Autorität.
      Warum z.B. war das Volk erbost als plötzlich Fürsten ihr eigenes Geld prägten?
      Oder warum war das Geld bei den Kelten unter Einfluss der Druiden und hatte Symbole?

      Wir wissen so wenig darüber was Geld eigentlich ist, oder besser gesagt war.

      Es gab aber Kräfte die sich dessen absolut bewusst waren und vor langer Zeit eine Degeneration und Debasierung einleiteten. Deren Nachfolger im Geiste geben heutzutage global den Zentral- und Grossbanken sowie Versicherungen die Anweisungen.

      Ich bin überzeugt, dass die SNB Spitze und natürlich auch mind. 1 Person pro größerer Bank (nicht zwingend CEO oder CFO) die wirklichen Hintergründe vom heutigen Geld kennt.

      Darunter gibt es das Problembewusstein über die Geldschöpfung.
      LH ist darüber ganz klar im Bilde, sonst würden wir auf dieser Platform einige Beiträge nicht lesen können… (analog Ringier, Tamedia etc.)

    • Vielleicht ein Jahr zu wenig HSG betrieben.

      MBA (Macht – Boys – Akademie)

  4. Was heisst hier schiessen . . LH schreibt nur über das was auf dem Finanzplatz von statten geht und wozu andere offensichtlich nicht den Mut haben oder dürfen. Es ist so, LH zielt mit aufgeklapptem Visier. Wenn „man“ keinen Dreck am Stecken hat bzw. nichts an dem Thema dran wäre so müsste „man“ auch nicht all die internen und externen Anwälte mandatieren (eigenlich müsste LH einen Kickback von all diesen Anwälten erhalten) und könnten selber hin stehen und antworten und that’s it. Sie tun’s nicht und wenn sie’s tun dann sehen wir ja alle die nachgelagerte Katastrophe. Investigativer Journalismus benötigt u.a. Rückgrat, Hartnäckigkeit und Durchsetzungsvermögen. Copy & Paste Journalismus kann jeder.

    PS: Ich wünschte mir einen LH für die Post-Affäre. Da ist die Raiffeisenaffäre nur ein laues Lüftchen.

  5. Ist diese Info genügend wesentlich und es deshalb wert, von Inside Paradeplatz kolportiert zu werden?

    Von IP ist man es sich gewohnt, griffige Informationen zum Wirtschaftsgeschehen in der Schweiz zu erhalten, die nirgendswo sonst erscheinen.

    Sogar Tante NZZ bezieht seine Infos gelegentlich direkt aus IP, etwa wenn es um den Verdacht krasser Fehlleistung geht (i. S. P. V. und Mb. betreffend ungetreue Geschäftsbesorgung).

    Hier aber geht es nur um süffigen Boulvard.

    Hat IP das nötig?

    Stellt IP damit nicht eher seine Seriosität in Frage?

    War am Montagmorgen nichts Wesentlicheres aufzutreiben als eine – private – Liebesgeschichte?

    Ich verzichte lieber auf einen täglichen Beitrag, wenn IP – wie sehr oft! – Wirtschaftsakteuren nur alle paar Tage den Spiegel vor den Latz knallt.

    Dafür – und nur dafür – schätze ich IP überaus!

    • IP kann doch nicht jeden Tag eine Bank „reinigen“. Was würden denn da die Kommentatoren alles jammern!
      Ich lese keinen „Blick“, aber solche Gschichterl wie diese sind recht abwechslungsreich und genügen mir auch.
      Auch das Liebesleben der Anderen kann durchaus nett sein.

    • Mollegiato? Du weisst wahrscheinlich nichts darüber.
      Lass den Jordan in Ruhe. Er ist so eine wohltuende Abwechslung nach dem vorherigen Egomanen ud Blender. Verstanden?

  6. tja, wenn man(n) immer noch über eine frau stolpert, am arbeitsplatz, dann hat er einfach keine führungskompetenz.
    am arbeitsplatz wird gearbeitet und nichts anderes.

  7. LH bedient sich in der E-Mail-Anfrage an Wiedmer
    eines provoknten Vorgehens, welches man sonst
    nur aus Schawinsky-Interviews kennt.

    Zivilierter wäre gewesen zu fragen ‚Sehr geehrter Herr Wiedmer, die Finanzgemeinde interessiert sich über
    die Hintergründe Ihres Abgangs etwas mehr zu erfahren‘.
    Vielleicht wäre dann die Antwort nicht via SNB -Pressestelle gekommen.

  8. Spass bei Seite :

    dem Professor wurde es wahrscheinlich zu Wohl bei der SNB?

    Bei den Verbuchungen der Negativ-Zins – Erträge, bereits mehrere Milliarden, muss ihm die Libido durchgegangen sein.

    Warten wir ab, was die weiteren Konsequenzen sind aus diesem „Abzocken“ von Bank- und Kundeneinlagen, welche zum Schaden vieler Pensionskassen und Sparer erfolgen! Die Medien rechnen schon heute bereits mit über CHF 600.00 netto je Einwohner in der Schweiz.

    Da ist vermutlich das letzte Wort noch nicht gesprochen……

    • @Charles A. Tan,

      Die Ursachen zu ergründen lohnt sich:

      https://www.snb.ch/de/mmr/speeches/id/ref_20171123_tjn/source/ref_20171123_tjn.de.pdf

      Ich hatte diesbezüglich einen fruchtbaren Austausch mit Herr Michael Stöcker:

      „Michael Stöcker
      9. März 2018 / 18:20
      Grüezi Arbeitgeber (AHV-Rentner)

      Historisch betrachtet war der CHF schon immer leicht überbewertet. Seit der Finanzkrise hat diese Überbewertung aber sehr stark zugenommen. Es ist das „Schicksal“ eines kleinen Landes mit einer verantwortungsvollen Notenbank und einer starken Wirtschaft bei freiem Kapitalverkehr.

      Maßgeblich für den Wechselkurs ist langfristig die Kaufkraftparität. Kurz und mittelfristig spielen selbstverständlich auch die Zinsparität, Spekulation und der Herdentrieb eine Rolle. Hier gibt es mehr zur KKP: https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/preise/kaufkraftparitaeten.html.

      Sollte sich der CHF mittelfristig wieder der KKP annähern, so wird die SNB riesige Buchgewinne einfahren. Auf Basis der Zahlen für 2016 läge der KKP-Kurs zum Euro bei 1,67 CHF. Das entspricht einem Aufwertungspotenzial von ca. 40 %. Tatsächlich werden es vermutlich nur 20 % sein, da der CHF wie bereits erwähnt schon immer etwas überbewertet war (15 – 20 %). Bei 700 Mrd. Devisenreserven ist somit mittelfristig mit einem Aufwertungsgewinn von 140 Mrd. zu rechnen (21 Mrd. wechselkurbedingte Gewinne gab es schon alleine 2017, nach 1,7 Mrd. Verlust 2016). Dazu kommen Zinserträge aus Wertpapieren und auch aus den Negativzinsen. Keine schlechte Rendite in Zeiten von Null- und Negativzinsen. Und wer es nicht weit zur Euroland-Grenze hat, der kann auch noch günstig einkaufen und sonstige Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

      Sie sehen, weder die SNB noch Herr Jordan haben unverantwortlich gehandelt; das haben ganz andere in der Schweiz (und an vielen anderen Bankplätzen in der Welt) getan. Auch aus diesen Gründen ist der Meyersche Alarmismus völlig daneben.

      Auch Ihnen und allen anderen ein schönes Wochenende.

      LG Michael Stöcker

      Quelle: https://insideparadeplatz.ch/2018/02/14/snb-jordan-verkuendet-kommunistisches-und-laedt-zum-gratis-buffet/

      Zitat Ende

      Ich teile Ihre Auffassung. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Aber wir sollten was die Ursachen betrifft die Kirche im Dorf lassen.

  9. Ist es den relevant warum jemand von sich aus eine Stelle regulär kündigt? Die SNB hat informiert und den Abgang bedauert. Was tut diese Plattform? Sie setzt Gerüchte in die Welt und sucht dann nach dem Rauch.

  10. Kann es vielleicht doch sein, dass die Frauen gar nicht so harmlos sind, wie sie in Zeiten der #metoo-Kampagne tun? Irgendwie kommen immer wieder Geschichten auf, bei denen die Männer den Hut wegen den Frauen nehmen müssen. Oder sind die Menschen grundsätzlich nicht mehr lernfähig und machen deshalb immer wieder dieselben Fehler? Es gibt doch einen alten aber bewährten Spruch: Never …. the Company. Vielleicht können diese Leute kein Englisch.

    • Der Spruch klingt auf Deutsch viel schöner:

      „Nur Idioten jagen im eigenen Zoo!“

  11. Journalismus ist anders. LH schiesst auf alles, was sich im Finanzplatz Schweiz bewegt. Manchmal erlegt er einen kapitalen Bock, meist aber nur Mäuse.