Financial-Times-Chefökonom: Vollgeld Yes

Martin Wolf, bekanntester Kolumnist der Welt-Zeitung, sieht Geldschöpfung der Privatbanken als High risk – Schweizer, habt Mut!

Martin Wolf ist mehr als ein Journalist. In der grossen Finanzkrise von 2008 erklärte er der Finanz- und Wirtschaftselite die Welt.

Nun greift Wolf zur Vollgeld-Initiative in die Tasten, über welche die Schweizer dieses Wochenende abstimmen.

Könnte Wolf an die Urne gehen, würde er ein Ja einlegen. Und zwar ein überzeugtes, wie er heute schreibt.

Das überrascht – und lässt aufhorchen. Wolf, ein Kenner der Banken und der Finanzindustrie, ein klarer Befürworter einer in den Augen vieler sektiererischen Vorlage?

Ja. Mit Gründen.

Laut Wolf haben die Privatbanken mit ihrer Gier und Grenzenlosigkeit die Welt wiederholt an den Abgrund geführt. Die Krisen seien „colossally expensive“ gewesen.

„In the UK, the recent crisis imposed a fiscal cost only exceeded by the Napoleonic war and the two world wars“, umreisst Wolf die Kosten der letzten grossen Finanzkrise vor 10 Jahren.

Der Grund, warum es in regelmässigen Abständen zu gigantischen Verwerfungen im Geld- und Bankensystem käme, sei ein einfacher.

Die Banken „create money, which is an essential public good, as a byproduct of their lending, which is an important economic good“.

Hier entstehe ein unlösbarer Konflikt. „We want banks to have risky assets and safe liabilities.“

Die Geschäftsbanken sind dafür da, Hypotheken und Firmenkredite zu sprechen, welche naturgemäss riskant sind.

Umgekehrt haben die Sparer und Einleger den Anspruch an ihre Geldhäuser, dass ihre Guthaben für alle Zeiten sicher und jederzeit abrufbar sind.

Das geht laut Martin Wolf solange gut, wie die Wirtschaft brummt und die Kredite sprudeln. Ausgerechnet wenn dann die Angst um sich greift, kommt es zum Krach.

„Yet it is then that people want their money — their reserve of purchasing power in a frightening world — to be at its safest.“

Die Politik habe darauf mit Regulierung und Garantiefonds reagiert. Doch nur halbpatzig. Echte Sicherungen wären Eigenkapitaldecken fünf mal so hoch wie heute.

Deshalb Vollgeld. Why not? Einfach wie SNB-Chef Thomas Jordan und die Geschäftsbanken zu sagen, eine Umstellung wäre ein waghalsiges Experiment, genüge nicht.

„The fundamental point here is that the burden of proof should not be on those who favour change“, argumentiert Martin Wolf. Dafür sei zu viel schiefgelaufen.

„After a long series of huge and destructive crises, it falls rather on those who support the status quo, even today’s modified status quo.“

Die Vollgeld-Vorteile lägen auf der Hand. „The advantage of the Vollgeld proposal is that it is a credible experiment in the direction of separating the safety rightly demanded of money from the risk-bearing expected of private banks.“

Martin Wolf fordert die Schweizer auf, sich ein Herz zu fassen.

„The Vollgeld proposal is not as radical as this. Yet it could provide an illuminating test of a better possible future for what has long been the world’s most perilous industry. May the Swiss dare.“

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45 Kommentare zu “Financial-Times-Chefökonom: Vollgeld Yes

  1. Ich halte alle Banken und ihre Helfershelfer in der Politik für kriminell. Somit wird die Vollgeldinititve das eigentliche Problem auch nich lösen sondern nur verlagern. Das einzige was hilft sind alternative Zahlungsformen bei denen die Banken die Finger nicht mehr drin haben.

  2. Ich vermute mal, dass der allgemein geschätzte Martin Wolf weniger optimistisch gestimmt ist, wäre das Vollgeld statt in der Schweiz in Grossbritanien vor der Implementierung.

  3. Wird das System effizienter und gerechter durch Vollgeld?

    Wohl nicht, wenn solide Unternehmen Schwierigkeiten haben, an Kredite für sinnvolle Investitionen zu kommen. Nichts anderes wird geschehen, wenn die privaten Banken nur noch Kredit in Höhe der Kundeneinlagen gewähren können. Die Befürworter konnten bis heute nicht erklären, wie Kredite effiziert vergeben werden können, wenn das durch die Kundeneinlagen vorgegebene Kreditlimit ausgeschöpft ist. So wie es Vollgeld vorsieht, werden die Banken in diesem Fall zur Nationalbank gehen und dort im Namen die Kreditnehmer Kredite beantragen und diese einfach weiterleiten. Wer macht dann die Kreditprüfung? Die privaten Banken oder die Nationalbank? Wenn es die Privaten tun, dann haftet die Nationalbank letztendlich wiederum für Risiken, die sie selbst nicht genau eingestuft hat. Was hat dann Vollgeld für einen Vorteil?! Wenn die Nationalbank die Kreditprüfung selber vornimmt, muss sie Personal einstellen – dann mutiert sie nach und nach zur Geschäftsbank (wie jede Kantonalbank!)!!! (Im Übrigen kommt es dann zu einer Entlassungswelle bei den privaten Banken -> hohe Sozialkosten bis diese Menschen wieder eine neue Arbeitsstelle haben)

    Kredite bergen immer ein Risiko – da darf den Kunden nichts vorgemacht werden! Vollgeld ändert daran nichts. Auch wenn die privaten Banken nur noch Krediten im Volumen ihrer Einlagen ausgeben dürfen.

    Noch ein weiterer Punkt spricht gegen Vollgeld. Mit Vollgeld soll laut Befürwortern der durch die Geldschöpfung entstandene Gewinn an die Allgemeinheit ausgeschüttet werden. Das heisst, wenn mehr als die durch die aktuelle Geldmenge gedeckte Kredite nachgefragt werden, kann die Nationalbank entsprechend handeln und Geld schöpfen. Dieser Gewinn wird dann entweder an den Staat oder direkt an die Bevölkerung verteilt. Wie bitteschön sollen dabei die Preise stabil bleiben??!!! Das Geld aus den Krediten wird für den Kauf von Gütern verwendet. Gleichzeitig wird der Gewinn nochmals für den Güterkauf verwendet!!!

    Ein massives Problem, das im Zeitpunkt der Umstellung entsteht, beruht eben auf diesem Mechanismus. Die Initianten wollen, dass das aktuell ausstehende Kreditvolumen, das über die Kundeneinlagen hinaus geht, zur Nationalbank „transferiert“ wird und es dadurch zu einem extrem hohen „Einmalgewinn“ kommt. Dieser „Einmalgewinn“ soll an die Allgemeinheit ausgeschüttet werden. Die Folge dürfte eigentlich nicht allzu schwierig zu erraten sein: Massive Inflation!!! (mehr Geldangebot bei gleichbleibendem Güterangebot)

    Und eine andere Frage stellt sich ebenfalls im Zusammenhang mit diesem Mechanismus: Was passiert, wenn sich die Nationalbank entscheidet, dass das Kreditvolumen reduziert werden muss, d.h. es zu einer Geldmittelreduzierung kommen soll. Wird dann der an den Staat bzw. die Bevölkerung ausgeschüttete Gewinn wieder zurückgefordert? Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie das umsetzbar sein soll.

    Es spricht also nichts für einen Effizienzgewinn durch Vollgeld, vielmehr führt Vollgeld in Form dieser Initiative zu massiver Inflation!

    P.S. Ich habe Martin Wolff schon einige male live gesehen und mit ihm gesprochen. Er macht es sich teilweise, wie viele seiner Kollegen, recht einfach und analysiert nicht gründlich. Die Story ist umso besser, je plakativer die Überschrift – die Leser werden überschwemmt mit „news“, und mögen sich ein paar Tage später sowieso nicht mehr daran erinnern.

  4. Als Nationalökonom kann ich nur eins sagen: Ihr tapferen Manne stimmet einhellig mit JA !

  5. Ich denke nicht, dass Geschäftsbanken über das Geldsystem eines Landes zu entscheiden haben. Ihre Meinung ist auch nur beschränkt von Interesse, da sie nur ihre eigenen Gewinne verfolgen und keineswegs an die GEsellschaft denken. Die Entscheidung über das Vollgeld oder nicht kann also keinesfalls nur mit Blick auf die Folgen für die Banken getroffen werden, die nicht mal 10 Prozent des Schweizer BIP ausmachen. Da macht man den Bock zum Gärtner.

    • @ Wilfried

      Das Schweizer BIP ist beträgt etwas mehr als 668 Milliarden Franken (668’000’000’000 /2017)! „Nicht mal“ Zehn Prozent davon kann man auch nicht gerade aus der Portokasse nehmen …

      Die Vollgeld-Initiative würde die Zerstörung des Bankenplatzes, der von der Bundesbern eingeleitet worden ist, vollenden!

  6. Erlaube mir noch einmal zu sagen, das wird allen Banken schaden und in der Folge xxxx Arbeitsplätze zerstören.

    • @Laufro

      Sehr richtig!

      Da heute meist brieflich abgestimmt wird, ist die Sache wohl gelaufen!

  7. Eine Fahne im Wind – in seinem Buch „The Shift and the Shocks“ hat er sich noch klar gegen ein solches System ausgesprochen:

    „The market economy could still be unstable. Moreover, the gains for dynamism generated by a risk-taking private system might outweight the risks to stability“

    Er will die Schweiz nur als Versuchskaninchen missbrauchen.

  8. Finde das Thema von diesem Artikel sehr Gut und dringend notwendig, aber hätte mir gewünscht das alles ausführlich und sinngemäss übersetzt worden wäre! Und die Werbungen am ende des Artikels Nerven und wiedersprechen sich mit dem themen inhalt ( Anleien – Kredit- 4.7% Gunstigster der Schweiz….. sollte man beanstanden dürfen Sonst nicht ernst zu nehmen 🙄🤗

  9. Wenn nicht wenige Rentner, Ihr Pensionskassenvermögen in Tranchen von 100 TCHF pro Bank verteilen, dann sollte uns das Ganze zu denken geben ..

    Herr Jordan, als Konsequenz aus dem Fehlverhalten ihres Vorgänger’s, haben sie selber nur einen Voll-Geld Account für ihr Privatvermögen, warum wohl ? The National bank is over the Jordan .. my Bonus is over the Jordan .. my Bonus is not over the sea ?

    Vollgeld ist kein Experiment, sondern das, was die meisten Bürger glauben, dass es bereits Tatsache sei. Wie heisst es so schön ‘würden die Bürger unser heutiges Geldsystem verstehen .. hätten wir schon Morgen eine Revolution ..’. Ich bitte um diese Revolution, Wirtschaft ist nicht Zocken noch Casino, Letzteres hat im Italienischen 2 verschieden Bedeutungen, diejenige des ältesten Gewerbes der Welt ist immer noch besser, als was uns unsere Banken offerieren – und erst noch seriöser! Moderne Zuhälterei hat einen Namen.

    Was ist denn nun das Risiko von Vollgeld, wenn Banken Geld aus dem Nichts schöpfen können (Geldmultiplikator Faktor 10!) ? Zu Beginn ein weiterer Schock für unsere Banken, macht hinne und vorwärts, es wird nicht besser für euch, solange ihr nicht besser werdet, als eure Konkurrenz. Mit einem Hammer kann man den letzten Sargnagel einschlagen .. oder aber kreativ werden (damit sind nicht eure krummen bisherigen Geschäfte gemeint) .. das sorgt wohl mehr für schwarze Fingernägel, sorry Herr Thiam, bin kein Rassist ..

    Was ist denn ein Bankkunde ? Hast Du richtig Kohle wirst Du umworben, schlecht für Dich, wenn Du dein Portfolio nicht selber zusammenstellst – ist nicht schwer, wenn Du Verstand hast und die Gier dein Gehirn noch nicht gefressen hat. Haste keine Kohle, dann leihst Du einer Organisation Geld (man nennt das ‘Bank’), für das Du abzüglich Bankspesen nicht mal einen Vermögenserhalt bekommst. Besser noch, Du arbeitest selber für die Bank und wickelst den Zahlungsverkehr (E-Banking) selber ab. Sorry, dass Du bei 100 TCHF (ganz wichtig, nur pro Bank!) Deposit nach Abzug Bankspesen pro Jahr nicht mal Deinen ursprünglichen Einsatz erhalten kannst – es soll ja einen Grund geben, warum Tresorverkäufe in den letzten Jahren extreme Wachstumsraten erzielt haben. Matratzen haben auch ihren Reiz und nicht mal Milben (noch) mögen unser FIAT-money.

    Nur Stümper überfallen eine Bank, richtige Profis gründen eine. Noch besser, Du leihst der Bank Dein Erspartes, damit diese ..
    wir haben es in der Hand, entweder mit einem JA oder aber die CH-Banken werden weiter versuchen, mit Klo-Papier oder doppeltem Druck den Turnaround zu schaffen ..

    Wenn einem Bank-Analysten erklären, was eine Airline ist, dann sollte man nicht mitfliegen .. oder aber der mit Weisheit der Dakota-Indianer, wenn Du merkst, dass Du in einem toten Vogel (mit-) fliegen sollst, steig aus .. Eject ..

    Die Vollgeld-Initiative stellt kein Risiko dar, solange die Umsetzung nicht den Linken-und-netten überlassen wird. Keine Sorge, endlich mal ein Aufgabengebiet, wozu wir ausreichend Lobbysten zur Verfügung haben ..

    MfG Industrial

    P.S: Nehmt den Banken das Spielgeld weg, oder lasst ihr Fritz Musterhans beim Monopoly die Bank spielen ? Wie wäre es mit ‚Schwarzer Peter‘, wer die A*******-Karte gezogen hat, verliert ..

    • @ MIG industrial

      Die Umsetzung würde aber geade – im Gegensatz zur Meinung von MIG Industrial – von den Linken und Netten (im Verbund mit den Schwachen) beherrscht.

      Also stellt die Initiative ein grosses Risiko dar!

    • Grüezi Herr Brunner ..

      Danke für Ihren Feedback, verschiedene Meinungen müssen erlaubt sein und sollen auch ein Thema von vielen Seiten ausleuchten helfen.

      Wir hatten längere Phasen ‚Vollgeld‘ in der Geschichte, als das heutige System. Das Risiko, natürlich nur meine Einschätzung, ist geringer, als was wir heute praktizieren. Leider wird die Vollgeld-Iniative wahrscheinlich abgelehnt, zu viele Eigeninteressen und kurzfristige Spekulationen ..

      Ein Finanzsystem hat IMO die Aufgabe die reale Wertschöpfung zu spiegeln. Die real wertschöpfende Wirtschaft kennt nicht die Ausschläge des (virtuellen) Finanzsystems.

      Beste Grüsse, Industrial

  10. Ausgerechnet, ein Brite will uns zu einem Versuch animieren … Im UK hätte er genügend Spielwiesen, Dinge zu verbessern, sei es die rationierende Gesundheitsversorgung, die Versorgung und Entwicklung ländlicher Gegenden, Qualität der Infrastruktur, ja der Bausubstanz generell, das Schulwesen usw.usw.
    Werdet hellhörig, wenn ein Kolumnist (also jemand, der selber nichts tut und nur etwas schreibt), Ratschläge erteilen will.
    Keine Experimente bitte!

  11. Der Engländer Martin Wolf gilt als einer der weltweit einflussreichsten Wirtschaftsjournalisten. Seine Unterstützung der Vollgeldinitiative hat Gewicht. Seine Argumentation ist jedoch etwas einfach, und auch durchsichtig. Er sagt, das internationale Finanzsystem müsse überdacht werden. Als Argument listet er dazu die Finanzkrisen seit den 1970er Jahren auf. Ich bin einverstanden. Und dann findet er, Experimente wären doch eine gute Sache. Die Schweizer sollen das machen: „May the Swiss dare.“ Wenn es schief geht, dann wenigstens nicht in Grossbritannien. Dann wäre mit der Schweiz auch gleich ein internationaler Konkurrenzplatz von London weg von der Bühne. Dass die grösste Finanzkrise (2008 ff.) in seiner Analyse mit der Geldschöpfung nichts, wirklich gar nichts, zu tun hatte, stört ihn nicht. Und dass einer der wichtigsten Gründe für diese grösste Finanzkrise in der unsäglichen Billiggeldpolitik der (amerikanischen) Notenbank lag, hält ihn nicht davon ab, der (schweizerischen) Notenbank alle Macht zu übertragen.
    Er findet Vollgeld, das von der Notenbank ausgegeben wird, unzweideutig sicher, „money unambiguously safe“. An der Wand über meinem Schreibtisch hängt eine Reichsbanknote im Wert von Eintausend Mark, am 15. Dezember 1922 mit vier Unterschriften des Reichsbankdirektoriums in Berlin herausgegeben. Unzweideutig ist diese Note mit einem roten Stempel überdruckt, der lautet „Eine Milliarde Mark“. Die Finanzkrise der 20er Jahre war wohl die grösste finanzielle (und in der Folge auch weltpolitische) Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Und es würde nicht überraschen, wenn die Politik der Notenbanken Ursache der nächsten ganz grossen Finanzkrise stehen würde.

    • Herr Geiger, ich glaube Sie verwechseln da etwas. Die FED, die Notenbank welche Sie beschuldigen, an der Krise 2008 Schuld zu sein, ist eine Privatbank und hatte noch nie den Auftrag, einem Volk zu dienen.

    • @ Roman Boss

      Zu sagen, die FED sei eine ‚Privatbank‘, ist wohl etwas gewagt. Kann Herr Boss sagen, wer die Aktionäre sind und wo die Aktien gehandelt werden?

    • Roman Boss liegt völlig richtig mit seiner Meinung über die FED und deren Machenschaften!

    • As a Dane, I admire your direct democracy.

      I am also full of admiration over the Vollgeld initiative. You do not have to be an economics professor to see that it is risky and irresponsible to conduct highly leveraged commercial banking or central banking. SIFI banks such as UBS and CF are both in the top when looking at total assets relative to GDP only surpassed by the largest bank in Denmark, Danske Bank.

      I hope that the Swiss is brave on Sunday and sends a clear signal that there should be limits to how much money can be generated by pressing a computer key!

      What does the latest pronose say?

      Nordea Markets has published this research note:

      https://e-markets.nordea.com/#!/article/44729/chf-about-to-be-hit-by-a-vollgeld-earthquake

  12. Wolf meint, dass die Privatbanken mit ihrer Gier und Grenzenlosigkeit die Welt wiederholt an den Abgrund geführt hätten und auch, dass die Geschäftsbanken dafür da sind, Hypotheken und Firmenkredite zu sprechen, welche naturgemäss riskant sind.
    Was will er denn nun aussagen? Meines Wissens waren es nicht die Privatbanken sondern die Grossbanken (z.B. Grossbritannien – RBS), die uns an die „Grenzen“ geführt haben. Wolf ist eher ein Schaf mit Wolfkragen.

    • Mit Privatbanken sind keine kleinen Privatbanken gemeint, sondern Banken, die privatwirtschaftlich (von der Rechtsform her) arbeiten. Egal ob gross oder klein. Die Abgrenzung ist zu öffentlichen Banken, eben Zentralbanken, deshalb jault Thomas Jordan von der SNB ja auch so laut auf, da die einvernehmliche Ehe von Privat- und Nationalbanken gestört würde…

    • Unter Privatbanken verstehe ich Kreditinstitute, die privatrechtliche Rechtsformen aufweisen und deren Gesellschafter weder die öffentliche Hand noch Mitglieder einer Genossenschaft sind und Im engeren Sinn ordne ich diese als private Banken mit Rechtsform Einzelunternehmen oder einer der Rechtsformen der Personengesellschaft Kollektiv- oder Kommanditgesellschaft zu. Ich gehe davon aus, dass auch Wolf das so sieht. Warum sollte er sonst die Geschäftsbanken explizit erwähnen sollen.

  13. Eigentlich ist es ganz einfach: Einleger wollen Sicherheit, die Kreditnehmer sind darauf angewiesen, dass der Lender bereit ist für Risiken. Das System mag bei Vollgeld sicherer sein, aber für die sicherheitsbetonten Einleger ist es auch teurer: im Moment bezahlen sie Negativzinsen. Also ziehen sie das Geld von den Banken ab und lagern Noten – und schon kommt das Problem von selbst, das man mit der Initiative vermeiden wollte.

    Bei allen Sympathien für das Anliegen; könnte nicht Zypern, Algerien oder Island einen Vollgeldversuch starten? Bei der CH liegt ein recht grosser Einsatz auf dem Tisch. Ah, die andeten wollen nicht? Tja, weshalb wohl…?

  14. Da hat Wolf aber zugebissen (Und ich hatte es bislang nicht so klar gesehen): Die Lobby und die SNB haben selber den ‚burden of proof‘, bei dem, was die letzten Jahre alles schiefgeluafen ist, und welche Schäden und Systemrisiken diese toxische Geschäften gebracht hat. Ehrlich: ich zahle persönlich lieber höhere Zinsraten für meine Hypothek, wenn das Geldsystem etwas gesünder wird und die billige Droge Fiat Geld gebannt würde.

  15. Nun ja … als Engländer kann er durchaus über die Richtigkeit der Initiative sprechen … diese ist m.E. ja wirklich ideal. Das Problem ist die Umsetzung: und da wird er mit wissenschaftlicher Akribie von aussen das Experiment begutachten … wie wir die Insekten hinter Gitter.

  16. Die Vollgeldinitiative hat ideologisch nur Sinn, wenn man die volkswirtschaftlichen Funktionen (u.a. Banken, Zentralbank..) isoliert einordnet. Dann erzeugt eine Bank eigenes Geld. Im Kontext einer funktionierenden Volkswirtschaft (dazu gehört die Geldschöpfung) erfüllen Banken jedoch nur den ihnen inhärenten (volkswirtschaftlichen) Auftrag. Dies geschieht einer freien wirtschaftlichen Form, wie jeder Bürger auch das Recht hat zu entscheiden ob und bei wem er sich den Kredit für sein Haus verschafft oder ob er seinem Nachbarn (oder wem auch immer) etwas Geld leiht.
    Das Geldvolumen wird am Ende durch die Qualität der Vermögenswerte und durch Volumenbeschränkungen eingegrenzt. Dieses Regelwerk ist in Händen der Zentralbank und der Politik.

    Braucht es somit zur Sicherheit des Schweizer Franken Vollgeld? Nein.

    Braucht es zur Sicherheit „meiner“ Bankguthaben Vollgeld? Nein.
    Ähnlich dem Wertschriften-Depot ist es auch möglich das Bankguthaben zu separieren. Dann ist im Konkursfall keine Einlage (eben auch Bargeld) dem Gegenparteienrisiko einer Bank ausgeliefert. Das ist unglaublich einfach und braucht kein Gesetzt.

    Letzten Endes braucht es eine intelligente Regulierung.

    Ohne einer solchen hat wohl eine Umsetzung dieser Initiative nur im Staatenkollektiv irgendeinen Sinn, da kreditwirtschaftliche Arbitrageprozesse (Geld kennt auch keine räumlichen Grenzen) ziemlich schnell greifen.

    Die Gefahr für die Schweiz ist somit weniger die seltsame Idee als solche, sondern die isolierte Umsetzung. Die Gefahr ist äusserst real, dass sich die Schweiz mit einer dysfunktionalen Wirtschaft, einem komplexen Kreditverwaltungsapparat und letzten Endes einer wirtschaftliche Entmündigung aller Schweizer privater und wirtschaftlicher Individuen auseinanderzusetzen hat .

    Spannend zu erleben, wer am Ende entscheidet, welchen Lebensstandard der Schweizer Bürger haben darf. Heisst, wer bekommt Kredit und wer nicht. Welches Unternehmen „darf“ wachsen und welches nicht.

    Hier möchte ich auf den ersten Satz der sich zu ändernden Bundesverfassung Artikel 99 hinweisen:

    1 Der Bund gewährleistet die Versorgung der Wirtschaft mit Geld und Finanzdienstleistungen. „ER KANN DABEI VOM GRUNDSATZ DER WIRTSCHAFTSFREIHEIT ABWEICHEN“.

    Liebe Schweizer: Ihr habt keine Chance, das KANN wird zum MUSS.

    Spannend darüber nachzudenken, was das im Schweizer Stimmvolk als Echo auslösen wird…

    Auch spannend darüber nachzudenken, dass genau dem Insititut (SNB) das in den vergangenen Jahren eine völlig unkontrollierte Geldmengenausweitung durchführt, als das Institut betrachtet wird, das dann die einzige Kontrolle hat.

    • Die Vorstellung, dass bei einer Annahme der Vollgeld-Initiative der SNB noch mehr Macht gegeben würde, ist erschreckend. Auch wenn die SNB als unabhängig gilt, trägt sie die Verantwortung, dass das Schweizer Volk durch die Negativzinsen riesige Verluste erleidet. Die Auswirkungen davon werden unsere Kinder noch nach Jahrzehnten böse spüren. Die BVG-Idee basiert auf der Zins- und Zinseszins-Idee … diese Zinsverluste wird unsere Kinder nie mehr kompensieren können. Jordan wird dannzumal kein Mensch mehr kennen …
      Und nun? Wirklich noch mehr Macht der SNB?

    • @ Harald Brandl

      Absolut richtig! Schon Marx hat gesagt, dass man die Banken zerstören muss um dem Kommunismus zum Erfolg zu verhelfen.

      Die Gefahr liegt m.E. nicht am sog. Vollgeld. Vollgeld ist keine Schuld der SNB mehr, sondern führte künfig eine Art ‚Eigenleben‘, ähnlich einem Bitcoin. Für den Bürger spielt das keine Rolle solange die gesetzliche Regel gilt, dass jedermann in der Schweiz Banknoten der SNB (auch Vollgeld-Noten) als Zahlung entgegennehmen muss, sei es um Schulden zu begleichen, sei es um Waren, Dienstleistungen oder Arbeitsleistungen zu entgelten.

      Die grosse Gefahr liegt in der Bilanmz der SNB wo die die Schuldposition (Passiven) „Banknoten im Umlauf“ verschwindet. Damit entsteht bei der SNB ein (ausserordentlicher) Gewinn von ca. 80 Milliarden Franken, der nach den Vorstellungen der Initianten an Bund, Kantone, Gemeinden und direkt an die Einwohner (Schweizer und Ausländer[?]ausbezahlt werden soll. Das auf Grund der neuen Verfassungsartikel noch zu schaffende Gesetz wird die Einzelheiten Regeln und die Begünstigten festlegen. Es werden vor allem der Staat und die damit verbundenen sognannten ‚Eliten‘ profitieren. Und die Inflation wird angeheizt. Was bedingt, dass die Geldmenge wieder reduziert werden müsste. Das ist aber – wenn das Geld einmal (als bedingungsloses Einkommen) – verschenkt ist, gar nicht mehr möglich ist.
      ———–
      Die Banken haben heute einen schlechten Ruf, weil sie sich verzockt haben. Die Bürger haben keinen Schaden davongetragen! Die Rettung der UBS durch den Bund und die Nationalbank war wohl eines der besten Geschäfte, die der Bund und die SNB je gemacht haben.

      Für die erwähnte Geldmengenausweitung durch die SNB (und damit für die Negativzinsen) müssen wir die EZB mit ihrem italienischen (!) CEO haftbar machen. Die Rettung des maroden EURO um jeden Preis und die Nichtbefolgung der Maastricher Verträge durch die EZB ist nicht die Schuld der SNB.

      Im Übrigen sind an der Finanzkrise 07/08 primär nicht die Banken, sondern die Politiker schuld, die in gewohnter Weise die notwendigen Sündenböcke (nämlich die Banken) gefunden haben.

  17. Wo er recht hat, hat er recht! Es ist dringend angezeigt, den Managern der Banken „die Hosenknöpfe zuzutun“, damit sie das Land finanziell nicht noch ganz an die Wand fahren können. Keine Spekulationen auf dem Buckel der Sparer mehr. Die Spargelder gehören ihm und müssen gedeckt sein, damit bei Amokläufen der Bankmanager die Sicherheit der Ersparnisse gewährleistet ist. Schluss mit der verlogenen Panikmache der „Big Boys“ im Vorfeld der Abstimmung. Ein überzeugendes JA zur Vollgeldinitiative ist angezeigt, ansonsten heisst es „Now, you have the dirt!“

    • Sorry, Initiativtext nicht gelesen. Die Spargelder werden nicht zu Vollgeld, sondern nur die „Zahlungsverkehrskonten“.

    • @sorry. Wie weit ist der Weg vom Spar- aufs Lohnkonto? Und ich hätte dann eine Alternative.

    • @ Gretli Rutishauser

      Nicht immer von ‚Spargeldern‘ reden. Die sind gesetzlich so oder so für Hypotheken reserviert. Sie sind also ‚gedeckt‘ (soweit nicht eine Immobilien-Blase das Gegenteil bewirkt).

      Es geht einerseits um Sichtgelder (täglich ohne Kündigung vom Kunden beziehbar, also Kontokorrente) gegen Gelder, die nur mit einer vorhergehenden Kündigung (Anlagekonten) oder gar vor der Fälligkeit gar nicht bezogen werden können (Festgelder, Kassaobligationen, andere Obligationen, Eigenmittel der Bank usw.)

  18. So ein Quatsch. Ihr fällt auch auf alles rein. Das ist reine Stimmungsmache der Angelsachsen, was am Ende zulasten des Finanzplatzes Schweiz und zugunsten des Finanzplatzes London geht. Ihr habt ja gerade in einem anderen Artikel schön geschrieben, wie die Arbeitsplätze in der Finanzindustrie munter verloren gehen. Und gut bezahlte Manager werden die geringsten Sorgen haben, in London eine neue Stelle zu finden. Und Inside Paradeplatz fällt auch noch darauf rein. Wenn die Engländer Experimente machen wollen, dann sollen sie es gefälligst selber tun und nicht andere für sie machen lassen. Aber anscheinend geht manchen altbackenen UK-/US-gläubigen Schweizern das Licht immer noch nicht auf.

    • Das nennt man freien Journalismus mehrere Meinungen, Stimmen und auch Fakten zu bringen.

      Klar: Heutzutage im real existierenden neuen Sozialismus der EUDSSR kennt man das nicht mehr.

    • Damit wäre das Thema vorerst erledigt und der Weg für die Briten ist frei, das Experiment selber durchzuführen. Bloomberg schreibt schon, dass das „establishment“ gewonnen hat. Rund 75% der Leute, die abgestimmt haben, als „establishment“ zu bezeichnen empfinde ich als Beleidigung und zeigt, dass die Herren in New York und London gar keine Ahnung von der Schweiz haben.

  19. Der Konkurrenzkampf zwischen den Finanzplaetzen ist gnadenlos.

    Ob Martin Wolf als Vertreter von London oder der Schweiz gilt, lasse ich mal dahingestellt.

  20. Der ist ja dreist! Wenn wir in den letzten 10, 20 Jahren etwas gelernt haben, dann dass Amerikaner dem Schweizer Finanzplatz nicht gut tun.

  21. Wer Nein stimmt profitiert vom jetzigen System (Abzockerbankster, Politiker), lässt sich von der Angstmache einschüchtern, versteht das System nicht oder ist ein extremer Masochist. Ich weiss nur nicht, wo ich da Bundesrat Maurer einordnen soll?!

  22. „Colosally expensive“ das gefällt mir…
    Endlich jemanden eröffnet die Augen… Great!
    Es ist noch sich zu schämen, dass (Mit) Täter im Umlauf sind… und noch wichtige Positionen umbemerkt besetzen ( auch Friends…and friends of friends…) es braucht sicher noch 10 Jahren um alles zu bereinigen, aber es löhnt sich!
    MAGA wäscht besser!