Pascal Koradi: Billig-Banker, Billig-Jammeri

Aargau-KB-Chef nach Rücktritt in Zeitung: Beleidigte Leberwurst – Freiwillig weg? Give Me A Break – Hauptfigur im Post-Skandal.

Jung, adrett und vollständig uneinsichtig. Pascal Koradi, 45, erlebt die Zäsur seines Lebens. Statt diese zu akzeptieren, betreibt der abgesägte Kantonalbank-Chef des Aargaus Geschichtsklitterung.

Man habe ihm keine Chance zur Verteidigung gegeben, jammerte Koradi im Interview letzten Samstag in der Hauspostille, der Aargauer Zeitung. Sonst hätte er alles richtigstellen können.

Und: Er sei freiwillig gegangen, „um die Bank zu schützen“.

Koradi, das Opfer. Koradi, der Hintergangene. Koradi, der Winkelried.

Geopfert, geplagt, gedemütigt: Ex-Banker Koradi in Aargauer Zeitung

Das passt. Der einstige CS-Banker und spätere Post-Finanzchef nutzte seine Wahl vor 2 Jahren zum höchsten Kantonalbanker des Mittellandes, sich als Billigjakob in Szene zu setzen.

600’000 Jahressalär seien mehr als genug, meinte Koradi damals in Anspielung auf die gesetzliche Obergrenze, über die im Mittelland heftig gestritten wurde.

Nun hat sich der Billig-Banker als Billig-Jammeri entpuppt. Statt zu schweigen oder dann halt Reue zu zeigen, schlägt der Mittvierziger um sich.

Wie ein zorniges Kleinkind, dem seine Geschwister das Spielzeug weggenommen haben.

Es ist ein erstaunliches Zeugnis eines hohen Bankers im Land, dessen Karriereweg immer nur nach oben zeigte und der nun mit einem scharfen Knick fertig werden muss.

Dies würde Einsicht in eigene Fehler bedingen. Und dann Verständnis für die Lage, dass manchmal in den eigenen Augen Unfaires passiert. Life is not a Picknick.

Doch Koradi blendet jegliches eigenes Versagen aus. Von 200’000 Trickbuchungen im Postauto-Skandal gewusst? Ich doch nicht. Die unzähligen eigenen Mails zum Thema? Kann alles erklären.

Koradi wurde 2012 Finanzchef der Post. 2013 wurde er für die Postauto-Chefs zum wichtigsten Mann in der Konzernleitung, um deren Betrugssystem in die Neuzeit zu transferieren.

Der Ex-Banker suchte nach Lösungen, wie man dem Subventionsbetrug einen anderen Namen und eine andere rechtliche Würdigung geben könnte.

Dass es sich im Kern aber immer noch um das Gleiche handelte – um Betrug am Steuerzahler -, das wollte oder konnte Koradi nicht einsehen.

Dafür fordert er jetzt die Absolution vom Publikum. Wenn man ihn nur hätte reden lassen, dann hätte er alles erklären können.

Der Bankrat der Aargauischen Kantonalbank hatte dafür keine Lust, keine Zeit oder keinen Spielraum. Er setzte Koradi vor 3 Wochen laut einem Insider eine 24stündige Frist zu gehen.

Sonst würde man ihn selbst vor die Tür spedieren. Daraus macht Koradi nun ein Heldenepos. Er habe sich geopfert, um die Bank zu retten.

In seiner Postzeit, in der er die 200’000 Betrugs-Buchungen hätte abstellen müssen, schrieb Koradi seine Doktorarbeit. Statt den Job rigoros zu machen, holte er akademische Würden.

Nun will er nichts von eigener Verantwortung wissen. Dabei läuft ein Strafverfahren der Bundespolizei gegen die Verantwortlichen des Skandals. Ob gegen Koradi ermittelt wird, ist unbekannt.

Sicher ist, dass Koradi Demut zeigen müsste; zumindest seinen Teil der Verantwortung erkennen müsste. Das tut er nicht, sondern er haut wild um sich. Und sorgt damit gleich nochmals für ein erstaunliches Schauspiel.

Kommentare

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  1. Nun, es ist ja nichts Neues, dass hochbezahlte ManagerInnen mit klingenden Bezeichnungen plötzlich von nichts mehr wissen wenn’s ungemütlich wird. Zur aktiven Verantwortung werden sie eh nie gezogen, ob VR oder CEO oder CFO usw.. Auch PolitikerInnen in höchster Position geben sich völlig ahnungslos wenn ein seit x Jahren dauernder Skandal auffliegt. Man sah das soeben bei der Postauto AG. Da geht es ja nur um rund 100 Mio. oder ev. noch etwas mehr – kaum der Rede wert …

  2. Vor ein paar Jahren im Gerichtsaal eines US-Bundesstaates, fragt der Richter den Angeklagten und 100% überführten Mörder:
    Warum haben sie ihn erschossen ?
    Der Angeklagte mit todbeleidigter Mine und Gestik im Südstaatenslang:
    ….“because him stand in front off mii gunnn“…….
    (dies trotzt 10 Augenzeugen und allen anderen üblichen Beweisen)

  3. Ich übersetze mal die Dissertation von Koradi zum Thema:

    „Ausgestaltung der Finanzberichterstattung als mögliche Erklärungsgrösse für wichtige Werttreiber einer Regionalbank“

    Übersetzung:
    „Wie frisiere ich die Bilanz meiner Regionalbank, dass niemand merkt wie faul das Management ist“

    Nach dem Postskandal würde mich schon interessieren wie die kreative Buchführung der AKB nun aussieht.
    Was für Werttreiber er da wohl gefunden hat?
    Herr Koradi war sicher fleissig und kompetent…

  4. Ich bin froh das Dr. Koradi weg ist von der AKB, da ich kürzlich einen Teil meiner Anlagen von der CS zur AKB verlagerte. Auf der Suche nach einer ehrlicheren Bank. Nur scheint Dr. Koradi ein uneinsichtiges Weichei zu sein und darf niemals mehr eine nur weit entfernt ähnliche Position in der Wirtschaft erhalten.
    Ich empfehle als Start, Schienen-Gramper bei der SBB. Dadurch würde er wieder mit der Realität geerdet werden.

  5. Diese Reportage wirft auch ein ganz schlechtes Licht auf die Aargauer Zeitung selber. Journalist Rolf Cavalli war mies vorbereitet und liess sich von Pascal Koradi einlullen.

    Speziell in Interviews ist diese Zeitung meistens schlecht vorbereitet und diese ist kaum je fähig kritisch nachzuhacken. Qualitätsjournalismus sieht definitiv anders aus.

    • Hoppla (gemäss Impressum):

      Rolf Cavalli (roc) Stv. Chefredaktor der Aargauer Zeitung.

      Er ist diesem gewesenen CEO Coradi auf den Leim gekrochen. Naiv in der Tat, diesem Mann eine derartige rührselige Plattform zu bieten.

  6. Hoffen wir, dass das nun die letzten „15-Minuten Ruhm“ für Koradi gewesen sind.
    Was für eine hirnverbrannte Aktion mit der Aargauer Zeitung.

  7. Jeder der mit Ex-CS und UBS Managern (Ausnahme: Softwareprogrammierer und sonstige IT- Cracks) in Projekten oder sonst zusammengearbeitet hat kennt dieses vorgegebene Verhalten. PowerPoint, englische Schlagwörter zu Hauf und Spesen- und Kostengenerierung vom Feinsten und am Ende Pffff . . . .

    Habe noch keinen von diesen Typen erlebt, die Verantwortung übernommen haben oder beim Kunden für ihren verursachten Mist hingestanden sind. Im Gegenteil, die Kunden, Partner und Arbeitskollegen noch ganz zur Weissglut getrieben.

    Sie „arbeiten“ und verhalten sich so wie sie dies bei der Grossbank gelernt und gesehen haben. Und je nach persönlichem Arroganz- und Überheblichkeitslevel potenzieren sich diese Faktor.

  8. CHF 600’000.– p.a. wären auch für jeden anderen „Banker“ einigermassen „genug“, wenn man die lausige Performance anderer vermeintlicher Superstars ansieht.

  9. Koradi täte gut daran still zu bleiben bis die fedpol-Untersuchung vorliegt!

    Es gibt aber Punkte die es zu hinterfragen gibt, wie die Wahl von EY / Kellerhals Carrad, Einschränkungen der untersuchten Jahre, Einflussnahme des VRP auf die zeitliche Abwicklung, was zu Unvollstäbdigkeiten führte, kommt hinzu, dass alleine die fedpol-Verfügungen keine saubere Aufarbeitung und einen vollständigen Bericht möglich machten. Alles Punkte die natürlich dem Post-VR, angefangen bei VRP Schwaller wie auch dem Bundesrat in die Hände spielte, konnte man doch gewisse Verfehlungen als nicht so schlimm und korrigierbar darstellen. BR Leuthard nutzte ja die Gelegenheit um sogar ohne Abschluss der fedpol-Untersuchung schon darauf hinzuweisen, dass sich niemand bereichert hätte und es keine Geschädigten gebe. Ein Hohn für KMU und Familienbetriebe die um Aufträge oder sogar Existenzen gebracht wurden. Dass der Bundesrat sich eine weisse Weste ausstellt war ja dann nur noch eine Randbemerkung, aber an Arroganz kaum noch zu überbieten!

    • Na ja, geschädigt wurde ja niemand. Auch nicht die Steuerzahler. Ein Bundesamt hat einem Bundesbetrieb mutmasslich zu viel Abgeltung bezahlt. Der Bundesbetrieb Post liefert dem Bund wiederum 200 Mio Dividende ab. Dieser gibt dem Bundesamt (BAV) wiederum Geld für Subventionen. Alles bleibt im Kreislauf.

  10. Erstaunlich, dass im die AZ so viel Platz lässt und ihn nicht mit den Tatsachen konfrontiert. War das die Witz- oder Ironie-Seite?

  11. Zum Glück kann der Doktor der Wirtschaftswissenschaften immer noch eine akademische Laufbahn einschlagen. An der HSG z.B. sind solche Ausnahmetalente, die sich in der Praxis bewährt haben, sehr gefragt. Seine Diss zum spannenden Thema „Ausgestaltung der Finanzberichterstattung als mögliche Erklärungsgrösse für wichtige Werttreiber einer Regionalbank“ lässt sich ohne Zweifel zu einer wertvollen Habil ausbauen. Ich bin überzeugt, dass die Spitzen vieler Regionalbanken dankbar sein werden für den vertieften Erkenntnisgewinnh der daraus zwangsläufig folgen wird.

    • @S. Niggli: War dies von Ihnen ironisch gemeint? Ich verstehe beim besten Willen nicht, was daran spannend sein soll

      QUOTE „Seine Diss zum spannenden Thema „Ausgestaltung der Finanzberichterstattung als mögliche Erklärungsgrösse für wichtige Werttreiber einer Regionalbank“ lässt sich ohne Zweifel zu einer wertvollen Habil ausbauen.“UNQUOTE

      https://www.nzz.ch/wirtschaft/die-zahl-der-schweizer-banken-sinkt-weiter-jede-zehnte-schreibt-verlust-ld.1398984

      Und zu Koradi, ein weiterer Manager, der eben kein Leader ist/war. Daran muss sich die HSG und die anderen Unis (nicht nur in der Schweiz) gewöhnen, dass sie eben nicht in der Lage sind, viele solcher Persönlichkeiten hervorzubrigen. Entweder man hat das „Leader-Gen“ intus oder man hat es, wie die meisten Manager, eben nicht und ist somit nur ein „Papierli Leader“.

  12. Hat denn Koradi keinen PR-Berater? Jeder halbwegs fähige Berater hätte ihm doch sagen müssen, dass solche Interviews in der aktuellen Lage schwer kontraproduktiv sind.
    Und dann erst noch so ein weinerlicher Auftritt.
    Oder sind etwa alle PR-Berater überlastet mit dem Fall Raiffeisen?

    • Sicher keinen, der die GL und den Bankrat berät. Die haben interne Komm.Leute, die aber niemals mit guten PR-Beratern vergleichbar sind. Die haben sogar Angst vor PR-Beratern, weil die meist erfolgreicher als die Internen sind. Interne würden den Chefs niemals den Spiegel vorhalten, weil dann die Kündigung im Hause stehen könnte. Das Risiko geht keiner ein. Das Problem aber ist: hören die Chefs nicht zu, laufen sie meist in den Hammer und verstehen dann nicht, warum das so gelaufen ist und suchen Schuldige. Passiert überall. Viele CEOs sind unberatbar und so gibts gelegentlich eben Ärger.

  13. wieder einer der vielen, mit verzerrten wahrheitswahrnehmung,
    die fast alle haben, im obersten management.
    schön, dass auch diese leute ab und zu bruchlandung erleben
    und dadurch wieder etwas bodenhaftung bekommen.
    bei typen wie korradi ist es allerdings hoffnungslos.

  14. Logisch ist Koradi verschnupft. Er hätte seine Chance wahrnehmen können, hätte er füher gehandelt. Im Nachhinen zu jammern, er hätte keine Chance erhalten, ist wirklich billig und fast schon erbärmlich. Die Banker lernen es nie, wie man mit öffentlichem Druck und den Journalisten, die ihn erzeugen, umgeht. Hätte ich, würde ich, könnte ich….. und mehr kommt nicht. Gut, dass die faulen Eier erkannt und verbannt werden. Sie schaden dem Ruf der Firmen und sich selbst.

    • Danke, Hr. Thalmann,
      Das muss auch mal am Paradeplatz gesagt werden.
      Der Sack Reis in China steht wieder.

    • @Stephan Thalmann

      Trifft leider zu und treffend geschrieben. Das gleiche gilt für Moral und Anstand.

      Die perverse Steigerung ist: Der der lügt oder vertuschen will/muss mandatiert Kommunikationsfuzzies für Weichspülerphrasen, Bullshit-Bingo und die Irreführung. Dann folgen Anwälte um diejenigen mundtot zu machen und die Kosten tragen Dritte.

      Und am Ende ist der Schlufi das Opfer welches von nichts wusste und noch eine Entschädigung zugesprochen und in der SI oder Blick noch die Titelseite erhält.

  15. Hallo Zusammen

    Heute mal früh im Büro und erfülle mir den langjährigen Wunsch IP als Erster zu kommentieren.

    Schöne Tag zäme und vill Erfolg, privat und brueflich…

  16. Das waren wohl seine letzten 15 Minutes of fame. Ich hoffe, die Untersuchung wird seine Rolle gründlich ausleuchten

  17. Kennen wir doch von diesen Banker-Typen, grosse Klappe, wenig Stil! Hätte besser seinen Job gemacht als Doktorarbeit zu schreiben. Aber von einem Billigbanker für nur 600T/pa kann nicht alles erwartet werden!

    • Er bringt doch die besten Voraussetzungen mit, um neuer Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank zu werden.

    • @Binswanger Roberto: Ja, er hätte die Spesen von Vincenz und Gisel kreativ verbuchen können.