Postauto-Fall: Anklagende Kanzlei immer tiefer drin

Partner von Berner Kellerhals Carrard ist Präsident einer Bus-Werkstatt – Diese machte mehrere Deals mit Post-Skandaltochter.

In der Postauto-Affäre kommt immer mehr ein Berner Filz zum Vorschein. Mitten drin: die ermittelnde Anwaltskanzlei der Post-Spitze.

Diese heisst Kellerhals Carrard und zählt zu den führenden Wirtschafts-Anwaltsbüros der Schweiz. In Bern hat sie gar eine Art Monopol – engste Beziehungen zu Bundesräten und Bundesverwaltung sei Dank.

Nun taucht im grossen Postauto-Fall, bei dem es um systematischen Betrug am Steuerzahler geht, ein neuer Link auf. Dabei geht es um ein heikles Mandat eines der führenden Kellerhals-Partner.

Er heisst Thomas Bähler und gehört zu den Partnern der Kanzlei, also zum Inner Circle der mächtigen Anwalts-Firma.

Bähler führt im Internet alle seine Mandate auf, so wie sich das gehört. Darunter findet sich das Präsidium eines Unternehmens namens interBUS AG in Kerzers, im Westen von Bern nahe bei Murten.

Die interBUS repariert und wartet grosse Autobusse. Sie ist Teil der grossen EvoBus-Gruppe, welche wiederum die Bus-Sparte der bekannten deutschen Daimler-Gruppe ist.

Die interBUS mit Anwalt Bähler an der Spitze hat ihre Basis in einer Fusion zweier Bus-Werkstätten vor bald 20 Jahren. Rasch kam die Partnerschaft mit der EvoBus hinzu, und mit Zukäufen von regionalen Bus-Werkstätten wuchs das Unternehmen.

Vor 7 Jahren tätigte die interBUS einen Deal, der nun zu reden gibt. Sie übernahm die Betriebsgarage der PostAuto Schweiz AG in Yverdon, wie sie auf ihrer Homepage aufführt.

Es sollte nicht die letzte Transaktion mit der Post-Tochter sein. Nur 3 Jahre später, im 2014, kaufte die interBUS eine nächste Postauto-Betriebsgarage, nämlich jene in Gland im Waadtland.

Die Deals sorgten offenbar für Wohlstand. Jedenfalls vermeldet die interBUS AG auf ihrer Webseite, dass sie im 2015 „in den neuen Hauptsitz in Kerzers“ eingezogen sei. Ein „Palast“, meint ein Insider.

Die beiden Zukäufe von Postauto-Garagen geschahen unter der Führung von Kellerhals-Partner Thomas Bähler. Der Anwalt hatte somit engste Beziehung zur Post-Tochter und damit auch zur obersten Post-Führung.

Im letzten Sommer begann dann gemäss Medienberichten Bählers Kanzlei Kellerhals Carrard mit einer Voruntersuchung rund um die Postauto-Affäre. Dabei fand sie zunächst keine scharfen Worte für den Subventions-Skandal.

Dann explodierte die Sache im Februar dieses Jahres, und sofort setzt Post-Präsident und CVP-Strippenzieher Urs Schwaller zusammen mit Post-Obermagistratin Doris Leuthard, auch sie von den Christlichen, die ihnen vertraute Kellerhals-Kanzlei als Ermittlerin ein.

Das Anwaltsbüro lieferte, was ihre Auftraggeber sich von ihm erhofften. Die Schuldigen sind andere, nämlich die exekutive Post-Chefin Susanne Ruoff und ihr Finanzchef Pascal Koradi sowie die operativen Lenker der Tochter Postauto.

Keine schmutzigen Hände hingegen hätten Leuthard und Schwaller. Soweit die Gutachter von Kellerhals Carrard, und dort mit dabei Thomas Bähler, ihr Embedded-Pöstler.

Wie sehr Anwalt und Post verlinkt sind, zeigt ein zweites Standbein des Unternehmers hinter der interBUS: Christoph Bührer, ein umtriebiger Geschäftsmann im Schweizer Transportwesen.

Bührer betreibt neben der interBUS eine Firma namens Edelline, die Car-Reisen durchführt. Hauptauftraggeberin ist … die Bundesverwaltung.

Immer wenn der Bundesrat wie jetzt gerade auf sein jährliches Schülerreisli geht oder Ausland-Diplomaten durchs Land gekarrt werden müssen, läutet das Telefon bei Bührers Edelline.

Am anderen Ende: die Bundeskanzlei der Berner Administration.

Ein lukratives Business für den umtriebigen Transport-Unternehmer Bührer. In dessen Seitenwagen fährt stets auch Anwalt Bähler mit.

Bus-Mann Bührer, Post-Mann Bähler: Erfolgs-Gespann.

Anwalt Bähler sagt zu seinem Mandat bei der interBUS AG, die unter seiner Führung zwei Mal eine Postauto-Werkstätte kaufen konnte, Folgendes:

„Vor jeder Annahme eines Mandats prüfen wir die Frage nach der Unabhängigkeit sehr sorgfältig. Das gehört bei uns zum Standardprozess. So auch vor der Annahme des Mandats für die Untersuchung rund um die Buchungspraxis bei PostAuto.“

Die Post habe sein „Engagement für das betreffende Unternehmen“ gekannt. Zu seiner Rolle rund um die Ermittlungen seiner Kanzlei im Auftrag der Post-Spitze führt Bähler aus:

„Ich war für gesellschaftsrechtliche Fragen involviert. Bei der Redaktion des Schlussberichts hatte ich keine Rolle inne.“

Damit bestätigt der Anwalt, dass er mitten drin in den Untersuchungen war. Einzig ganz zuletzt sei er an der Seitenlinie gestanden. Eine Standardantwort auf solche Fragen.

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33 Kommentare zu “Postauto-Fall: Anklagende Kanzlei immer tiefer drin

  1. Es tut mir leid, ich kann es nicht anders bezeichnen: Es ist zum Kotzen!

    Ein Netzwerk der Korruption, und das in der Schweiz! Welcher Naivität und dummer Gutgläubigkeit wir aufgesessen sind.

  2. Mein Fazit: Jetzt braucht es umgehend eine PUK, sonst wird weiter nach dem Motto „Sauhäfeli – Saudeckeli“ Versteckis geübt. . . . und wann werden die übrigen Staatsbetriebe wie RUAG, SWISSCOM und SBB einmal genauer unter die Lupe genommen? Wo Rauch ist, gibt’s auch Feuer! Dran bleiben LH.

  3. Es ist die totale Filzpantoffel, da wird auf allen Ebenen abkassiert, unser Staatswesen hat sich zu einem Selbstbedienungsladen entwickelt und niemand stoppt dir Sauerei. Herr Hässig, bleiden Sie dran, es ist notwendig den Leuten auf die kleptomanischen Finger zu hauen, unsere gekauften Medien (ich gebe dir einen Primeur, aber dann schreibst du das…….) nehmen diese Rolle nicht mehr wahr.

  4. The postman always rings twice …

    Falls Ihnen, lieber Herr Hässig, der Name Bähler im Zusammenhang mit der Post bekannt vor kommt – sie selbst schrieben über den alten dieses jungen. https://www.weltwoche.ch/amp/2006-8/artikel/artikel-2006-08-versandet-am-meer.html
    Bei Car Rouge war im übrigen auch Bührer schon mit von der Partie.
    https://business-monitor.ch/de/companies/325209-poscom-tour-operating-ag

    Am Ende rettet das Erdöl und die Familie wäscht sich die Hände in Unschuld.
    https://abouttravel.ch/geschaftsreisen-tagungen/mice-markt/eine-schweizer-institution-wird-saudi-arabisch/

    Ken Follet würde einen Roman daraus machen. «Familie Bähler und die Honigtöpfe in Bundesbern»

    Mindestens ein Kapitel würde auch Leuthard, Rosenberg, Béglé, Schwaller und der CVP gewidmet. Und darin aufgezeigt, warum ausgerechnet der Mann der (ehemaligen?) Freundin von Bundesrätin Doris, der Preisüberwacher Meyerhans mithalf die Postauto-Korruption aufzudecken.

    • Ja, so wird in Bern geschäftet. Kein Wunder, hängt der ganze Kanton am Tropf des Finanzausgleichs und bringt seit über 200 Jahren gar nichts mehr zustande!
      Die Leuthard als ehemalige mässig begabte Scheidungsanwältin (Qualifikationen für politisches Amt: Frau und verfilzt) passt natürlich gut in dieses Umfeld hinein!
      Der ganze Bundesrat ist sowieso eine internationale Lachnummer! Weinbauer mit Bauland-Bruder, Pianistin, Hobby-Bauer, Scheidungsanwältin, YouTube-Star, Krankenkassen-Lobbyist! Man Vergleiche diese traurigen Profile mal mit dem typischen CV eines Ministers in Singapur. Man weiss nicht ob man lachen, heulen oder sich die Haare ausrupfen möchte.

    • Ganz richtig und auch damals hatte die Post bzw. der Steuerzahler und die BVK des Kantons Zürich bereits sehr viel Geld verloren mit dem PTT-Ferienverein an deren Spitze jemand mit dem Namen Bähler stand. Und wohl rein zufälligerweise geht Car Rouge / Edelline ursprünglich aus dem PTT-Ferienverein hervor.

    • Aliens würden wohl sagen: Ein hübscher Planet, bewohnt von Armen Kerlen, die von ein paar beschissenen Scheisskerlen (Politiker, Anwälte, Chefbeamten) ausgebeutet werden.

  5. Die Unabhängigkeit muss bei einem solchen Gutachten über allem stehen. Diesbezüglich gilt bei der Auftragsvergabe Null Toleranz. KC hätte zudem das Mandat gar nicht annehmen dürfen. Dem Anschein nach ist die Unabhängigkeit 100%ig nicht gegeben. Das ist bereits ausreichend, um das „Gutachten“ in dieser hochsensiblen Geschichte als Parteigutachten zu qualifizieren. Der Untersuchungsbericht zu Handen des Verwaltungsrats des Schweizerischen Post vom 31.5.2018 ist somit unbrauchbar. Die Sache ist vergeigt und nun braucht es eine PUK. Die Kosten bezahlt nochmals der Bürger. Eine Schweinerei.

  6. Bundesverwaltung, Kanton, Post, SBB, Energieversorger, Bauunternehmer, schmierige Anwälte in Bern und im Wallis, alles total verfilzt mit der CVP und den dazugehörigen Studentenverbindungen…. Seine Saufkumpanen lässt man halt nicht im Stich die kleben zusammen wie Pech und Schwefel. Das ist gut wenn alles rund läuft, aber bei Straftaten und Skandalen: Sauhäfeli -Saudeckeli. Mehr gibt es dazu nicht mehr zu sagen.

  7. Natürlich ist es REINER ZUFALL, dass ausgerechnet beim Hoflieferanten des Bundesrates der Anwalt VRP (oberster Verantwortlicher in einer Unternehmung) ist, der eine Bundesrätin durch sein Gutachten reinwäscht.
    Ob sich wohl auch noch REIN ZUFÄLLIG „Couverts“ an die Beamten verirren?
    Die Schweiz braucht dringend ein griffiges und knallhartes KORRUPTIONSSTRAFRECHT! Erst wenn der erste Bundesrat oder Chefbeamte auf Jahrzehnte hinter Gitter wandert kann dieses Land wieder gesunden!
    Und endlich MEDIEN, die verdammt nochmals ihre Pflicht tun! Und nicht so ein elender obrigkeitshöriger Staatspropagandasender und Publireportagen schreibende Blättchen und „Nachrichten“portale.
    Wie kann es sein, dass Lukas Hässig permanent ganz alleine gegen die ganzen Abzockern, Gschäftlimacher, Notgeilen Lustmolchen, Kriminellen usw. anschreiben muss? Und die Täter auch noch in anderen Medien gefeiert werden!

  8. In unseren Nachbarländern hätte eine Ministerin mit so einem Skandal dieser Grössenordnung zurücktreten müssen. Nicht so die fröhliche Frau BRin Leuthard. Sie hat mit VR-Präsident Schwaller alles gut eingefädelt und ist in Sicherheit. Man wunderte sich, dass bei diesem Postautobetrug und den Bilanzfälschungen, alles Offizialdelikte, die Bundesanwaltschaft nicht aufmarschierte. Das hätte sie müssen. Stattdessen wollte man vorerst Frau S. Ruoff mit der Untersuchung beauftragen, ein Witz für die Basler Fasnacht nach dem Motto: Der Täter untersucht seine eigene Tat. Indessen kassiert Frau Ruoff weiterhin den Lohn und als Höchststrafe droht die Streichung des üblichen goldenen Fallschirms. Und der Steuerzahler, wie immer der Dumme, ist um über 100 Millionen gerupft worden.

  9. Typischer CVP-Filz, gedeckt vom Gesamtbundesrat!

    Die CVP müsste eigentlich DMP (Doppelmoral-Partei heissen). Immer das Gleiche. Wasser predigen und selber Wein trinken (der Fall Yannick Buttet zeigt dies ja deutlich) und dabei sich noch die lukrativen Geschäftli zuschanzen. Ein Riesenfilz unter dem Deckmantel der christlichkeit!

  10. Ach so, Kellerhals Carrard-Bähler war „nur“ für gesellschaftsrechtliche Fragen involviert? Na genau darum ging es ja. Mit neuen gesellschaftsrechtlichen Vehikeln Gewinne verstecken. Wenn nun Kellerhals Carrard den Postautoskandal untersuchte folgte wiederum mal die Wirkung der Ursache. Immerhin: So sind Untersuchungen schnell und effizient, wenn man sich selbst untersuchen kann.

  11. In und um Bundesbern scheinen unzählige Parasiten und Nachtschattengewächse ihr Unwesen zu treiben.
    Wetten, dass die korrupte Systempresse auch diesen Fall wieder todschweigt?

  12. 1998 Thomas Bähler schrieb seine Dissertation (magna cum laude): „Die massgeschneiderte Gesellschaft“.
    2018 verfasst seine Biographie: „Meine Nähe zu ehrenwerten Gesellschaften (POST und Bundesverwaltung).“

    • B&B (Bähler & Brechnühl) können als Co-Autoren noch eine weitere Folge des Kinderbuchklassikers „Weisst du eigentlich wie lieb ich dich hab?“ Band 007 schreiben. Untertitel: Ach wie gut, dass niemand was weiss und uns glaubt jeden Scheiss.

  13. Ist schon interessant, sozusagen überall wo grössere krumme Dinger gedreht werden sitzen Anwälte, Anwaltskanzleien oder gar Notare (siehe Zug) drin.

    Jetzt ist mir auch klar, wieso sich die Anwälte und Notare gegen die Meldepflicht der Geldwäscherei verweigern.
    „Anwälte und Notare unterliegen nicht der Meldepflicht, sofern ihre Tätigkeit dem Berufsgeheimnis nach Art. 321 StGB untersteht.“

    https://www.geldwaescherei.ch/gwg-pflichten-bei-geldwaschereiverdacht/meldepflicht

    Banker und Anwälte:
    Interessant ist auch, dass ausgerechnet DIE mit ihren eigenen „verbindlichen“ „Kernwerten“ und „Standesregeln“ sich nicht an ihre eigenen Vorgaben halten.

    Und’s Dorisli ist in diesem Fall der Zuckerguss.

  14. wie schon von anfang an erwähnt: das von vr-schwaller ausgewählte duo ey / kellerhals carrard ist fragwürdig, ja an lächerlichkeit kaum zu überbieten, da sowohl die nähe zum bund vorhanden ist, wie auch die ‚deals‘ untereinander bei bundesbezogenen sachverhalten nichts neues sind.

    der sachverhalt zeigt vorallem, wie der bund, angefangen beim bundesrat und bundesnahe betriebe die steuerzahler für dumm verkaufen!

    • @DS: Den Steuerzahler für dumm verkaufen geht ja noch. Aber in Tat und Wahrheit wird der Steuerzahler ganz einfach BETROGEN!

    • Ein Schelm wer denkt, DIE Politiker in Bern seien grössten Teils korrupt

  15. Filz deckt Filz. Man hätte nie eine Berner Anwaltskanzlei mit der Aufdeckung des Falles beauftragen dürfen.
    Mn müsste die Post völlig neu Strukturieren mit neuen Managern und der eidg. Finanzkontrolle mehr Kompetenzen und Unabhängigkeit geben. Dann brauchts keine teuren Anwaltsbüros, die erst noch Teil des Problems sind.

    • Sie haben völlig recht ! Aber bei einer vorherigen Untersuchung der Behörden, bevor die A-Kanzlei alles gestreamt hat, hätte es Konsequenzen gegeben. Auch für BR Leuthard und VR Schwaller.

      So kann man vorher alles schön büscheln, Schuldige „heraussuchen“, ein Konstrukt erstellen und mit bezahlten Komm-Fuzzies das Wording trainieren.

      Wie wir sehen funktioniert ein solches Hybrid-Modell beim Bund und bei Raiffeisen.

  16. Aha, Hässig bleibt an der Sache dran. Hochinteressanter Sachverhalt! Hoffentlich greifen es dir Maknstreammedien auf und schützen nicht weiter diesen unsäglichen CVP-Filz!

    • Natürlich schützen die Mainstreammedien den CVP-Filz. Von diesem Filz gibt es viele Werbeaufträge und die will man ja nicht verlieren. Zudem darf man nicht Vergessen, dass die Medien auch Teil vom UVEK sind und mit dem will man es sich ja auch nicht verscherzen!