Jetzt flüchten die Banker vor Inside Paradeplatz in eine bessere Welt

Nun reisen wir wieder in alle Welt, obwohl wir bei der Rückkehr ganz sicher sind: Im eigenen Land hätten wir uns am besten erholt. Deshalb sind Graubünden und der Tessin heuer unsere liebsten Ferienziele, gefolgt vom Wallis und Italien. Der Tessin ist wieder „in“, seit die Reise durch den Gottardo wieder schneller geworden ist. Das Wallis ist leicht zurück gefallen, weil einem die Liebe dort „ins Herz gemeisselt“ wird.

Derlei Frankenstein-Spiele finden viele übertrieben, obwohl der Schweizer Tourist an vierter Stelle seiner Reisevorlieben „Spannende Erlebnisse“ nennt. Zuerst wollen wir Sicherheit, dann Gastfreundschaft und schliesslich Entspannung. Während ich dies schreibe, bin ich schon wieder zu einem Grillabend eingeladen. Vorgabe: „Ganz locker….“. Ich lasse also meinen Trainer an.

In der Schweiz wird der Tourismus überschätzt. Er bringt nur neun Prozent des Bruttoinlandprodukts. Ziehen wir die notwendigen Geschäfts- und Politikerreisen von und nach Genf und Zürich ab, bleiben die Kolonnen von Asiaten, die bei Bucherer in Luzern Uhren kaufen oder in Interlaken auf die Jungfrau wollen. Das nenne ich nicht Ferien, sondern „Action“.

Die Österreicher, die Balkanvölker, Italien, Spanien und Portugal brauchen den Tourismus wirklich; auch in der Türkei ist er nur ein nützliches Nebengeschäft.

Das Schönste ist: In der Schweiz haben wir gar keinen Platz für mehr Touristen, denn unsere Betten sind meist voll. Seit vierzig Jahren haben wir 30 bis 40 Millionen Übernachtungen. Auf den ersten Blick fragt man sich: Hat Schweiz Tourismus wirklich geliefert, was man den subventionsfreundlichen Politikern in Bern versprochen hat?

Auf den zweiten Blick sehen wir Trends, welche die Zukunft der Schweiz als Touristenland sichern werden:

Gerade in den Bergkantonen wurden viele alte Hotelkästen, oft über 100 Jahre alt, zu Bijous umgebaut, die von einer anspruchsvollen Stammkundschaft immer wieder besucht werden. Dort passen Nostalgie und Komfort zusammen, ächzende Böden mit eingeschlossen. Man meint, im 19. Jahrhundert zu leben. Das ist erfrischend.

Dann machen sich die neuen Superhotels bemerkbar. Sie richten sich an eine globale Gästeschar, die gerne 1. Klasse fliegt oder gleich mit dem Privatjet anreist. Andermatt und der Bürgenstock, von Ägyptern und Kataris finanziert, sind solche Flaggschiff-Hotels. Die Zahl der reichen Menschen nimmt weltweit dramatisch zu, manchmal sogar mit Hilfe unserer Schweizer Banken, weshalb nicht die Raclette-Beiz das Höchste der Gefühle ist, sondern der hoch elegante Saal mit diskret platzierten Tischen.

Nur in der Zürcher Zweitklass-Gastronomie stehen die Tische oft so eng, dass die dominierende Klasse der Singles leichter untereinander in Kontakt kommt. Man hört ohnehin, was am Nachbartisch genuschelt wird, sofern sich die Gegenüber nicht damit zufrieden geben, ihr iPhone zu bedienen.

Wir sind im Zeitalter des Billigtourismus angelangt, wo die Passagiere an den Flughäfen und bald auch in Hotels von Maschinen empfangen werden. Wer ausreisen will, wird wie ein Zuchtlachs durch Zäune geführt, um sich dann bei der Waffenkontrolle halb auskleiden zu müssen. Ganz wie ein Verbrecher: Schuhe ausziehen, Gürtel abziehen (damit wir uns nicht damit aufhängen?) und diskret abtasten lassen.

Was die Jugend in die Welt hinaus treibt, ist das Abenteuer oder die Hoffnung darauf. Wir Älteren sind schon durch den Negev und Tibet gewandert, haben uns auf der Park Avenue braten lassen und waren in Rio enttäuscht, dass dort die Frauen an der Copacabana nicht dem Bild entsprechen, das uns gezeigt wird. Die Kultur rein männlicher Begegnungsorte scheint komplexer und höher entwickelt zu sein, aber dort ist der Wettbewerb auch härter.

So empfehle ich meinen Lesern: Tut, was Ihr nicht lassen könnt. Soweit Ihr politisch rot und grün seid, was in unseren Städten für die Mehrzahl der Wähler gilt, dann lasst doch das Fliegen. Mit einem 16%-Anteil an der Luftverschmutzung sind die Luftpassagiere die schlimmsten Umweltsünder, weit vor den Fahrern von Dieselautos.

Ich selber werde Israel in Augenschein nehmen. Seit es in Berlin keine Mauer mehr gibt, interessieren mich die wesentlich höheren und komplexeren Mauern rund um Jerusalem mehr.

Im Herbst erwartet mich die schöne Algarve, denn die Golfplätze von Marbella sind ohnehin von Schweizer Bankern belegt, die vor Inside Paradeplatz geflüchtet sind. Einmal nicht vom Blog angerufen zu werden, ist schon die halbe Suppe.

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21 Kommentare zu “Jetzt flüchten die Banker vor Inside Paradeplatz in eine bessere Welt

  1. So viele Worte, so viel Tinte, so viel Zeit (für den Schreiber und den Leser)? Nur um am Ende „Tut, was Ihr nicht lassen könnt.“ zu sagen? Da lädt dieser Rundumschlag eher zum Gähnen als zum Nachdenken ein.
    Die Asiaten beim Uhrenkauf in LU, die Österreicher die auf den Tourismus angewiesen sind, der fehlende Platz für subventionierten Tourismus in der Schweiz, die zweitklassige Gastronomie in Zürich. Jetzt haben alle wesentlichen ihr Fett abbekommen. Bravo.
    Wenn man nun noch mit seinen 77 Lebensjahren bedauert, dass es in Berlin keine Mauer mehr gibt (übrigens schon seit über 25 Jahren) und man deswegen lieber zu den höheren und komplexeren nach Israel geht, dann müssen Hitze und Sonneneinstrahlung in diesem Sommer wirklich intensiv sein.

  2. Sehr schön geschrieben!
    Sie beschreiben eigentlich, was heute eben “ Dienstleistung“ sein sollten … oder auch in Private Banking die Normalität sein sollte und nicht nur “ busy Manager“ die kein Zeit, auch für Kunden, haben, da sie entweder Sitzung haben, Geld und Karriere machen müssen, Golf oder Thriatlon üben müssen…oder die Kindern Reiten bringen sollen…
    Deswegen haben sie keine Zeit, um richtige Beratung richtig machen…
    Wir können sehr viel auch von “ Saaldame“ von 1911, wo die Menschen noch Gesund, Ehrlich und Freundlich waren, viel lernen…stattdessen schicken Sie die Berater in teure Kurse, Krativitätanlässe, unnötige Manager Kurse, wo nur noch unnnötige Dinge verbreitet werden…
    Oder Mindfulness kurse, Yogastunde…aber es wäre viel einfacher, wenn wir einfach „normale Menschen“ sein sollte…zu schwierig?

    • Lieber Robert Winkler (und Freunde)
      der Ernst des Lebens ist gross genug, weshalb wir ruhig auch einmal über Nebensächliches plaudern dürfen. Der Mensch ist nicht nur eine „Kampfsau“, die täglich um Cashflow und Karriere kämpfen muss. Deshalb empfehle ich allen, ruhig einmal die Beine unter dem Tisch auszustrecken und zu gähnen. Natürlich nicht zu lange, denn die Konkurrenz wartet nicht.

  3. Nun ja, ich habe früher oft das Tessin besucht.
    Aber die kleinen charmanten Hotels sind nun meist verschwunden.
    Was blieb sind die teuren Hotels ab 500.- pro Nacht, oder dubiose Löcher die dann trotzdem noch 200.- kosten.

    Seitdem mache ich Ferien in Thailand und kann mir dort die 5 Sterne und den dazugehörigen äusserst zuvorkommenden Service leisten.

    Aber, und das sei hier auch mal erwähnt……
    Ich gehöre auch nicht zur Klasse der Kurzhosen und T-Shirt träger, welche mit ausgedehnten Schweissspuren versehen sind und das ganze auch noch mit blanken Füssen und Strandlatschen garnieren……. ach ja, und selbstverständlich auch noch immer den obligaten Schmuddelrucksack anhaben.

    Poolanlagen wie im „Sheraton Resort und Spa in Hua-Hin“…….. traumhaft.
    In der Schweiz findet man die besten Hotels, dem ist so, aber bei Preisen um 700 pro Nacht und das für Standard, einfach nichts für mich.
    Natürlich, Alternativen wie das „Säntishotel“ auf der Schwägalp sind sehr schön, wer das etwas andere sucht und in diesem Falle die Berge mag……….
    Aber ausgezeichnet und mit sehr guten Betten.

    Meine Grossmutter hat 1911 übrigens im Konkordia in Schuls die Lehre als …… wie hiess das noch gleich…… hab’s vergessen……ach ja, Saaldame nannte man das in vornehmen Kreisen. Serviertochter wäre auch korrekt. Und trotzdem war es dort etwas ganz anderes.
    Jedenfalls war sie sehr gross, sehr schlank, schön ……und Intelligent.
    Sie arbeitete später auch im Badrutts. Das Essen war knapp, die Dienste hatten immer Hunger, aber der Lohn gut und die Trinkgelder sehr hoch.
    Vermögende Russen blieben schon mal 4 Monate und gaben dann fulminante Trinkgelder, auch in Form von Schmuckstücken. Das brachte es mit sich das sie mal einen Monat hatte in dem sie nahezu 1000.- verdiente und ihr Vater anreiste, weil er dachte, so viel könne seine Tochter nur verdienen wenn sie mit den Gästen ins Bett……..
    Nun ja, er war Bauer und kannte diese Welt nicht.
    Es gab Gäste, für die müsste man Dinge herrichten, wie eine Katze für deren Aufenthalt besorgen, also eine 4 Beinige…….. deren Silbergeschirr jeden Tag von Hand frisch Polieren usw.

    Einen Gast gab es, für den machte sie jeden Freitag einen Käsefladen……..
    Tja, wer Geld hatte und auch Manieren mitbrachte, dem las man die Wünsche von den Augen ab.
    Für meine Grossmutter bedeutete das aber oft einen 20 Stunden Tag.
    Manche Gäste liessen sich nur von ganz bestimmten Saaldamen bedienen was dann aber auch den Zimmerservice und alles andere beinhaltete.
    Man war dan für 4 Monate unter Umständen für nur einen einzigen Gast zuständig.

    • Schöne Geschichte.
      Also, mein Hund hat einen Border Collie-Kollegen, dessen (Gelegenheits-) Frau ist mal einem Traktor mit Pumpfass hinterhergerannt und hat sich dabei fürchterlich den Kopf angeschlagen.
      Danach war Sie nicht mehr dieselbe.
      Jetzt kriegt der Besitzer dieser Dame eine Rechnung von einem Tattoo-Studio für ein Brustwarzen-Piercing mit weissgoldenen Buttons über sage und schreibe CHF 2520.–!!! (10 Warzen x CHF 252.–/Stk).

      Also, früher war ja vielleicht auch nicht alles besser, aber was heute abgeht, übersteigt nun einfach meine persönlichen Kapazitäten.
      Und das alles wegen dieser Emanzipations-Sache. Unglaublich.
      Hoffen wir, alles kommt gut.

    • Tja……. natürlich ist es eine Geschichte, aber eine aus dem realen Hotelleben von 1911.
      Meine Großmutter hatte übrigens eine Taillenweite von 53 cm.
      Ich hab’s mal nachgemessen an einem Kleid von damals.
      Man finde heute mal eine 16 Jährige die da auch nur in die Nähe kommt.
      Etwas von dem ( Trinkgeld ) ……Schmuck trägt heute meine Frau.

      In der Tat aber ist es so.
      Linksgrüne machen nach der Schule erst mal ein Auslandsjahr, Sprachjahr nennen Sie es, aber sie machen es ja nicht im nahen England, sondern Beispielsweise in Malawi.
      Und klar, sie wollen ja die Menschen und Völker kennen lernen und fliegen dazu bereits in jungen Jahren um die ganze Welt.
      Multikulturell eben, dafür muss dann der Ökologische Fussabdruck schon mal hinten anstehen.
      Aber wenn man mit Rucksack reisst ist man ja schon beinahe Arm wie die Menschen in den bereisten Ländern………)))-:

      Linksgrüne leben vor allem auf kosten der anderen, denen sie dann aber gute Ratschläge erteilen wie man die Umwelt retten soll.
      Studien haben aber gezeigt, das gerade Linksgrüne einen grossen Fussabdruck haben.

      Ökologisch sparsam leben in der Schweiz nur Kleinverdiener die sich Verschwendung ganz einfach nicht leisten können.

      Ich wollte damit zeigen das wir Schweizer eine gute alte Tradition in der Hotelerie haben, die sich zu bewahren lohnt.
      Damals aber war diese Hotelerie vorwiegend für die wenigen sehr Begüterten, der Normalbürger kam nie in deren Genuss.

  4. Zwar ist der Tourismus Anteil „nur“ 9% am BIP. In mehreren Regionen jedoch bis 100%, zB Berner Oberland, Zermatt.
    Uebernachtungen stagnieren seit 40 Jahren, weil hier gar kein Platz ist für Massentourismus.
    Jungfrau-Bahn und Titlis-Cablecar sind bereits am Anschlag.
    Dem Qualitäts-Tourismus gehört die Zukunft.

    • Naja, Herr Abderhalden… die Uebernachtungen dürften doch eher darum „stagnieren“, weil während Jahrzehnten in die alten muffigen Kästen nichts investiert wurde (man hätte ja dann in der „Zwischensaison“ auf den Monat Golfing in Florida/auf den Bahamas verzichten müssen). – Als Alternative, also wegen fehlender Attraktivität des (Betten)angebotes stehen wir vollkommen in der Aera eines ungezügelten Massentourismus, Stichwort: BUSREISEN – zu damit zwingend verbundenen Dumpingpreisen, die als Folge dazu führen, dass die notwendigen Mittel für die dringend notwendigen Erneuerungen und Unvestitionen nicht verdient wird… die Banken werden wohl ihre guten Gründe haben, warum sie bei Finanzierungszusagen für Tourismusprojekte extrem zurückhaltend (geworden) sind

      Ihre Stichwort „gar kein Platz für Massentourismus“ sticht auch beim Hinweis auf die Jungfrau-Bahn resp. die Titlisbahnen nicht… dank intensiver Marktbearbeitung im GRUPPENreisegeschäft platzen die Bahnkapazitäten aus allen Nähten, mit entsprechenden negativen Auswirkungen auf das Shoppingerlebnis in Interlaken (enggefächertes Warenangebot, exakt ausgerichtet auf die Nachfrage der Kurzzeit“kunden“, Verschmutzung von Strassen und öffentlichen Plätzen durch Busreisende mit Minimal-Lebensqualitätsbudgets etc.)

      Die eben als Erfolg gefeierten Projekte der Bahnen der Jungfrauregion erweitern das ANGEBOT um den Faktor X… logischerweise mit Massentourismuskonsequenzen

      Also Ihre Argumentationskette steht auf recht wackligen Füssen… mit Ihrem Schlusssatz retten Sie sich – es gibt (leider: gäbe) eigentlich keine Alternative zu „Qualitäts-Tourismus“… die Realität zeigt leider ein leicht anderes Bild

  5. Chapeau! Nett zusammengefasst.
    Vor allem die Konklusion, zu welcher unser BR und der Rest der Phlegmamentarier sich durch geschickt platzierte PR und genügend Lobbyisten nicht durchringen können: dass der Tourismus in unserem Land nebst relativ unwichtig und massivst selbstüberschätzend v.a. eines ist: viel zu teuer!
    Wer sich über die Pseudo-Security am Flughafen noch immer enerviert im Zeitalter von panem et circensis, sollte sich George Carlin zu Gemüte führen: https://www.youtube.com/watch?v=uQdC-e82gmk

  6. Wäre auch mal eine Kolumne wert: am Golfplatz sieht man den pensionierten übergewichtigen Sachbearbeiter der Banken, der sich aufregt, dass er CHF 20 Aufpreis für den Golfschläger zahlte – und im Wüstencafé auf Lanzarote den im Traininscamp sich befindenden CEO mit seinem CHF 10’000 teuren Triathlonrad.

    • Es gibt bei IP schon viele Leser, die sich auf das Wesentliche im Text konzentrieren. Empfehlung von mir: 20 Minuten lesen, wenn das hier inhaltlich zu anspruchsvoll ist.