Roche up 15% in den letzten Wochen: So what?

Mit der Roche-Aktie ging es in den letzten Wochen steil bergauf; dies, nachdem es die Monate zuvor gar nicht gut gelaufen war.

Warum? Anleger und Medien möchten selbstverständlich Erklärungen für diese Under- mit folgender Overperformance.

So machte man sich im Frühling auf die Suche nach den Ursachen der Underperformance. Die NZZ schrieb am 28. April: „Der Pharmakonzern Roche verliert seine Dominanz im Krebsgeschäft. Severin Schwan steht vor seiner grössten Herausforderung.“

Also logisch, dass die Aktie nicht läuft.

Nun im Sommer musste man sich natürlich auf die Suche nach den Ursachen der Overperformance machen. Der Tages-Anzeiger hat am 26. Juli die Antwort gefunden (vermutlich die Gleiche wie die NZZ):

„Roche stemmt sich erfolgreich gegen Nachahmerprodukte. So erfolgreich, dass der Konzern gleich zum zweiten Mal in diesem Jahr den Ausblick für das Gesamtjahr angehoben hat.“

Und was wäre die ehrliche Antwort? Ziemlich unspektakulär. Erstens: Ein globaler Event; zweitens: „Reverse to the Mean“.

Zu 1: Roche ist eine absolut globale Firma mit der USA als wichtigstem Mark, die Firma hat vorwiegend globale Investoren und ist in praktisch allen grossen Pharma-Aktienfonds und ETFs enthalten. Endsprechend gross ist die Korrelation zum Gesamtmarkt (grösster ETF: XLV) sowie zu den Mitbewerbern (wie Johnson & Johnson, Ticker JNJ).

Pharma- und Gesundheitsaktien sind in den letzten 12 bis 18 Monaten schlecht gelaufen wegen Trumps Plänen, mehr Druck auf die Medikamentenpreise auszuüben, und sie sind in den letzten paar Wochen gut gelaufen wegen Aussagen „alles nicht so schlimm“, wie der Economist ausführte. Zudem: Die Pharmatitel hatten schlichtweg Aufholpotential gegenüber dem Gesamtmarkt.

Zu 2: It’s all about probabilities. Über Jahre gesehen war Roche eine sehr erfolgreiche Pharmafirma. Keines der drei Ereignisse (A) „Betrug“, (B) „Finanzielle Schwierigkeiten“ (Leverage/Kredit), (C) „Zusammenbruch des Geschäftsmodells“ ist eingetroffen.

Deshalb folgen die Anleger in aller Regel so lange dem Trend, bis ein Globalevent (Finanzkrise/ Rezession) eintritt und alle Aktien nach unten rauschen. Die Firmen mit (A) bis (C) Problemen sind dann in der Regel (und ohne Staat) „out of Business“.

Die folgende Grafik zeigt anschaulich, dass die Performance von Roche absolut unspektakulär ist und durchaus im Gesamtkontext als „Zufallsprodukt“ (eleganter ausgedrückt: „Random Walk“) angesehen werden kann. Gegenüber dem Referenz-ETF ist Roche immer noch ein Underperformer.

(Extrakt für Inside-Paradeplatz-Leser; Originalartikel mit Kommentar „Longterm-Investor“ und weitere Investmentsdetails, siehe Longterm-Investor.)

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3 Kommentare zu “Roche up 15% in den letzten Wochen: So what?

  1. Die 33.3% Beteiligung der Novartis an der Roche verdient auch noch Erwähnung in diesem Zusammenhang. Diese gebundene Investition seit nunmehr 17 Jahren ist bestimmt nicht bloss eine finanzielle Investition, sondern diese hat eine klar strategische Komponente. Die Fantasie bleibt also weiterhin eine „Novartis Roche“ in der Zukunft, auch wenn dies immer verneint wird. Die Zeit für diese Fusion in Basel ist noch nicht reif in diesem immer noch stark segmentierten Pharmarmabereich. Die enorm hohen Forschungskosten werden aber in dieser Branche zu weiteren zusammenschlüssen führen.

    https://www.handelszeitung.ch/unternehmen/warum-das-roche-paket-fuer-novartis-wichtig-bleibt-1502144