ETF-Index-Irrtum 2: Vermögensverwalter sind schlechter als Index-Fonds

Können Sie sich an die Kinder erinnern, die anlässlich eines Charity-Events bei einem 100-Meter-Lauf gegeneinander angetreten sind? Die Gäste konnten ihre Spende auf ein einzelnes Kind oder auf mehrere setzen, während die 10 grössten von diesen – und damit deren Laufzeiten – in einer Gruppe mit dem Namen „Big Kid Index“ zusammengefasst worden waren.

Nun sind Sie aufgefordert, eine Auswahl von Kindern zu treffen, die den Big Kid Index schlägt. Konkret: dessen Performance. Ihre Auswahl soll also eine kürzere Durchschnittslaufzeit erzielen als die des Index. Nun gibt es unzählige Möglichkeiten, Untergruppen des Big Kid Index zu bilden, und einige davon werden den Big Kid Index schlagen.

Allerdings kann im Durchschnitt keine Auswahl eine schnellere Laufzeit erreichen als die Gesamtgruppe. Die Kinder können nicht schneller rennen, bloss weil sie in eine bestimmte Gruppe eingeteilt werden. Wenn genügend Gruppen gebildet werden, entsprechen deren Performances, also Durchschnittslaufzeiten, immer jener des Gesamtdurchschnitts.

Das ist auch bei Aktien so: Anleger können als Ganzes den Index nie schlagen, denn die Auswahl von Aktien generiert keine zusätzliche Rendite. Aus diesem Grund ist die gesamte Gruppe der aktiv auswählenden Vermögensverwalter immer gleich gut wie der Index. Nur die Vermögensverwaltungskosten können einen Unterschied machen.

Die niedrigen Kosten sind denn auch der einzige wirkliche Vorteil von Exchange Traded Funds, den an der Börse gehandelten Index-Fonds, auch ETF genannt. Wenn Sie allerdings die Aktien selbst kaufen, dann sind Ihre Kosten noch tiefer als bei den Index-Fonds, denn Sie sparen deren Verwaltungsgebühren.

Weil ETF also nur den Kostenvorteil haben und statistisch anderen Aktien-Gruppen nicht wirklich überlegen sind, stellt sich die Frage, wie gut die Aktienauswahl bei diesen Fonds in der Tat ist. Das besprechen wir nächste Woche in diesem Blog. Bleiben Sie dran.

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16 Kommentare zu “ETF-Index-Irrtum 2: Vermögensverwalter sind schlechter als Index-Fonds

  1. Welcher Schweizer Investor kauft denn noch ETFs und bezahlt den Stempel? Indexfonds sind günstiger und von der Eidg. Umsatzabgabe befreit.

  2. Natürlich werden die Börsenindizes international nach bestimmten – unterschiedlichen – Kriterien zusammengestellt.

    Aber genau dies sowie der Umstand, daß die meisten – berufstätigen – Investoren weder die Lust noch die Zeit haben, sich mit hunderten von Einzelwerten intensiv auseinanderzusetzen ist gerade der Nutzen für diese Investoren, die sich mit wenigen, ggf. nur einem einzigen ETF (z.B. auf den MSCI World – Index) und einfacher Kontrollarbeit (Trendfolgestrategie) ein international diversifiziertes Portfolio zusammenstellen und bewirtschaften können.

    Zudem sind die meisten Indexanbieter daran interessiert, die eigenen Indizes attraktiv zu gestalten, so daß sinkende Werte aussortiert (z. B. kürzlich General Electric aus dem Dow Jones) und durch hoffnungsvollere, steigende Werte ersetzt werden.

    Für Zeiten der Krise und Desinvestition gibt es übrigens (Staats-)Anleihen ETF´s, in die man temporär in Zeiten des Desinvestition vom Aktienmarkt investieren kann, um keine ausfallgefährdete Forderung gegen das Bankensystem zu haben.

    • Zitat:

      „so daß sinkende Werte aussortiert (z. B. kürzlich General Electric aus dem Dow Jones) und durch hoffnungsvollere, steigende Werte ersetzt werden.“

      Leider werden die „sinkenden Werte“ erst aussortiert wenn sie den Schaden am Portfolio schon angerichtet haben. Ersetzt werden sie durch stark gestiegene, und häufig sehr hoch bewertete, Neulinge.

  3. An die Kollegen, die auch selber investieren und nicht noch 3 % Gebühren an die UBS und CS schenken wollen, um Ermotti’s Bonus zu schönen: AlleAktien.de

    Auf AlleAktien https://www.alleaktien.de gibt es mehr als genug Unternehmensanalysen und Investmentideen, als man sowieso Geld zu investieren hat (ausgenommen vielleicht Dr. Dr. Dr. Marcel Du Pont).

    • Bei 19.99 Euro pro Monat für einen Börsenbrief verschenken Sie vermutlich viel mehr Geld – (schlecht) verkappte Werbung für einen Affiliate-Link?

  4. Herr Obermatt, zahlen Sie mir immer alle Gebühren und die Differenz garantiert zurück, wenn Sie den Index nicht schlagen?

  5. Wenn ein großer, marktbreiter internationaler Index eine bessere Wertentwicklung aufweist als die selbstgewählten Einzelwerte ist klar, wie man sich zukünftig besser aufstellt.

  6. Es wird als Irrtum bezeichnet, aber im Text und im Video wird es bestätigt, dass ETFs im Durchschnitt besser sind. Irgendwas stimmt hier nicht.

    Der Titel sollte wohl lauten „ETF-Index-Irrtum 2: Vermögensverwalter sind besser (!) als Index-Fonds“

  7. Es gibt renditestarke und renditearme Börsenindizes, je nach Größe und Branchenzugehörigkeit von deren Mitgliedern.

    Bekannte Beispiele für renditearme Indizes sind beispielsweise der EuroStoxx 50 – Index wegen der vielen darin enthaltenen Banken, Versorger und Telefongesellschaften, trotz so glücklicher Unternehmen wie Adidas, Airbus, ASML oder Safran darin.

    https://www.boerse.de/kurse/Euro-Stoxx-50-Aktien/EU0009658145

    Oder der Deutsche DAX – Index wegen den diesen bremsenden Werten Deutsche Bank, Commerzbank, E.ON, RWE und Deutsche Telekom im Vergleich beispielsweise zur ebenfalls enthaltenen Continental:

    https://www.boerse.de/kurse/Dax-Aktien/DE0008469008

    Allgemein kann mit mit einem Index auf mittlere und Wachstumswerte bessere Renditen als den nationalen Hauptindex mit Standardwerten erzielen, da aufgrund von Größe und Branchenzugehörigkeit die Firmen vielfach ein überdurchschnittliches Wachstum und Kursgewinne verzeichnen.

    Beispiele dafür sind der amerikanische Nasdaq- aber auch der deutsche TECDAX und MDAX – Index.

    Sehen Sie sich die Indexunternehmen und deren Kursentwicklung seit 2009 im Einzelnnen an:

    https://www.boerse.de/kurse/Nasdaq-100-Aktien/US6311011026

    https://www.boerse.de/kurse/MDax-Aktien/DE0008467416

    https://www.boerse.de/kurse/TecDax-Aktien/DE0007203275

    Im amerikanischen Nasdaq – Index, der sich seit 2009 versiebfacht hat, finden sich viele Unternehmen mit zehn- oder zwanzigfachem Wertzuwachs und teilweise mehr in dieser Zeitspanne.

    Ferner der Vorteil, daß sich die teimanchmal hohe Volatilität der Einzelwerte im Index ausgleicht und in der Summe zu einer attraktiven Rendite führt.

    Wenn Sie Ihre ETF´s zusätzlich mit einer Trendfolgestrategie bewirtschaften und so Zeiten von größeren Rückgängen sicher vermeiden, erzielen sie auf lange Sicht eine noch attraktivere Rendite.

    Vorteil: Übersichtlichkeit und einfache Handhabung auch für berufstätige Investoren.

    Wenn Sie aber alle Indexunternehmen kennen und diese gut einschätzen können sowie gezielt nur die Gewinnerunternehmen in den Phasen von Kurszuwächsen (200 – Tage – Linie) kaufen, sollte Ihre persönliche Rendite deutlich besser als die des Index sein.

    Die Null- und Niedrigzinsumgebung zwingt Investoren dazu, kontrolliert Risiken einzugehen.

    Wer sagt Ihnen übrigens, daß Ihr Vermögensverwalter nicht auch einfach ETF´s kauft und ggf. deren Renditen noch mit Fremdkapital hebelt?