Wer bei UBS Free Internet will, muss ins Kürsli gehen

Inside-Paradeplatz-Sperrung: UBS-Mitarbeitende brauchen für Zugriff Lizenz der Bank – China-Zensur auf Züri-Finanzplatz.

Die Sperrung der Finanzplattform „Inside Paradeplatz“ (IP) auf allen UBS-Computern Anfang August hat für Wellen gesorgt. „20 Minuten„, „Blick“ und andere Medien haben über die Zensurmassnahmen der grössten Schweizer Bank berichtet.

Das von der Sperrung betroffene Medium wollte von der UBS wissen, welche Seiten für das Personal genau geschlossen seien. Die Bank mochte darauf nicht antworten. UBS-Sprecher Samuel Brandner sagte nur, dass man sich entschieden habe, „mehrere Blogs als Social Media einzustufen“.

Weiterhin auf IP zugreifen dürfen nur diejenigen Mitarbeitenden, die ein Social-Media-Training absolviert haben. In der internen Schulung wird den UBS-Schäfchen dann erklärt, wo im bösen Internet überall die Wölfe lauern.

So wird dem Personal dort beispielsweise beigebracht, welche Hashtags verwendet werden dürfen und von welchen „#“ man besser die Finger lässt. Den Auserwählten wird in einem solchen Social-Media-Kurs auch beigebracht, dass man keine Bilder hochlädt, auf denen man irgendetwas Entlarvendes erkennen kann.

Für Digital-Natives ist es etwa so, wie wenn die Mutter heute versucht, den 18-jährigen Sohn sexuell aufzuklären.

Doch die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden eh nie für eine solche Schulung zugelassen. Als Kundenberater oder Fixed-Income-Spezialist müsste man nämlich ganz genau begründen, weshalb man eine Social-Media-Berechtigung wünscht.

Daher würde eine solche Erlaubnis vom Vorgesetzten meistens eh nicht gewährt.

Die UBS-Sperrung ist umstritten. „Im Zug der digitalen Transformation kann man es sich heute nicht mehr leisten, Seiten zu sperren“, sagt Dominik Allemann, Kommunikationsspezialist von Bernet Relations.

Der Inhaber der Kommunikationsagentur bezeichnet diesen Punkt sogar als Führungsaufgabe. „Ich bin der Meinung, dass man gegenüber den Mitarbeitenden Offenheit pflegen sollte.“

Ins gleiche Horn stösst Aldo Gnocchi, CEO von „Gnocchi – Digital Marketing“. „Was zählt ist eine Vertrauenskultur und eine Kultur, die für die Mitarbeitenden motivierend ist“, so der Experte für Content Marketing und Social Media.

Zudem hätten die meisten Schweizerinnen und Schweizer heute ja eh ein eigenes Handy und oft ein unbeschränktes Abo, um auch während der Arbeitszeit frei von jeder Zensur zu surfen.

Eine Bevormundung eines Unternehmens nütze also eh nichts und wirke höchstens kontraproduktiv.

Hinter den UBS-Mauern wird das Internet weiterhin geblockt. Gefiltert wird auch aufgrund von gewissen Kategorien.

Die IT-Abteilung der Bank sperrt nach chinesischem Vorbild unzählige Seiten, die bestimmten Kategorien zugeordnet werden können. So sind beispielsweise Seiten blockiert, die anstössige oder illegale Inhalte aufweisen.

Dabei bedient sich die Bank öffentlicher Kategorien-Filter und muss so keine einzelnen Seiten mehr sperren. Auf diese Weise hat die interne Zensurbehörde auch neue Seiten stets im Griff.

Weiter sind bei der UBS und anderen Banken auf Geheiss der Finanzaufsicht Finma auch Plattformen wie Google Drive oder Dropbox gesperrt. So sollen Insider daran gehindert werden, irgendwelche vertraulichen Daten hochzuladen. Nicht zugänglich sind auch private Mail-Anbieter wie Gmail oder GMX.

Geblockt werden aber auch Plattformen wie zum Beispiel Wilma, die irgendwelche Inhalte streamen. Damit will die Grossbank verhindern, dass die ganze Belegschaft während der Arbeitszeit Livesport mitverfolgt.

UBS-intern wird das auch als das „Roger-Federer-Problem“ bezeichnet. So gab es tatsächlich schon Momente, wo aufgrund von zu vielen internen Streaming-Zugriffen auf Federer-Tennismatches das Netz der Bank instabil wurde.

Was zur Folge hatte, dass Kunden kurzzeitige Probleme beim Zugriff auf das E-Banking hatten.

Bei der Credit Suisse stehen den Mitarbeitenden diejenigen Social Media-Plattformen zur Verfügung, die auch berufliche Zwecke erfüllen. „Social Media-Plattformen, die primär der privaten Nutzung dienen, sind über das Firmennetzwerk nicht zugänglich“, sagt CS-Sprecher Andreas Kern.

Welche Seiten geblockt werden, will die Bank nicht verraten. Diese Richtlinien bei der Credit Suisse bestehen bereits seit mehreren Jahren und gelten für alle 47’000 Mitarbeitenden der Grossbank weltweit.

Kommentare

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  1. Auch bei der UBS sind Social-Media Platformen welche einen beruflichen Zweck erfüllen nicht gesperrt. (e.g. LinkedIn, Xing)

  2. @Inside-Paradeplatz:
    Warum veröffentlich Ihr eine „Kopie“ der Artikel nicht in einem eigenen Kanal wie medium.com oder steemit.com?

    -> Idee dahinter: zusätzlich auf unparteiischi Plattformen ausweichen, welche nicht blockiert werden, weil sie zu gross/neutral etc. sind.

    PS: cannonical ≠ duplicate content

  3. Lieber LH
    diese populistischen Meldungen sind langsam langweilig. Schon mal darüber nachgedacht weshalb solche Firmen die Seiten sperren?
    Das ist ja schlimmer als der Blick und The Sun zusammen was hier teilweise für Effekthascherei betrieben werden. Mehr als Stammtisch Geschwätz kommt wirklich nicht von der Redaktion

  4. Sorry aber dies sollte bei allen banken der Default sein, sonst wuerde ich mein Geld abziehen.

    Spaetestens seit Equifax sollte der gebildete Indianer wossen das exploita durxh die bloedesten Kanaele kommen und da kann dann IT SEC nix mehr machen.

    Wir haben auch kein Youtube usw im firmennetz und dies aus guten Gruenden – auxh wenn es nervt.

    Dito mit Gmail und Dropbox aus selbigen Gruenden. Das eignet sich naemlich prima um was aus dem gerooteten system auszuheben…

  5. Für einmal bin ich mit der UBS einverstanden. Der Arbeitsgeber bezahlt den Lohn für die Arbeit und nicht fürs private Vergnügen.
    Kommt dazu, das viele Angestellte ein grosses Arbeitsvolumen liefern müssen. Natürlich nicht die Frühstücksdirektoren.

  6. Ich wundere mich darüber, dass man in den Banken überhaupt irgendwie Zugang zum Internet hat und nicht schon längstens morgens und abends durch eine Schleuse gehen muss mit Kleiderwechsel und Abgabe aller persönlicher Items inklusive Mobiltelephon. Sowie das in Diamantenminen Standard ist. Denn nur so kann sicher gestellt werden, dass diese verfluchten Datenlecks nicht mehr auftreten. Die Banken haben in dieser Beziehung komplett versagt und ich wundere mich auch, dass sie nicht flächendeckend Prozesse am Hals und sie verloren haben. Es ist nämlich in ihrer Verantwortung, die Sicherheit der ihr anvertrauten Daten sicherzustellen. Es braucht halt einen Ruck im Kopf, dass man realisiert, was die geänderten technischen Bedingungen bedeuteten. Die Banken weltweit sind da erstaunlich konservativ und träge. Deswegen flossen Milliarden in Bitcoin, weil es dort wieder privacy mit Garantie gibt.

  7. Et encore, pourquoi ne pas interdire aux employés d’UBS de dormir avec leurs
    épouses pour éviter les confidences sur l’oreiller.

  8. Ja nicht grad China-Zensur, da sind wir glücklicherweise noch sehr, sehr weit davon entfernt.

    Klar, ev. ärgerlich für den Traffic auf IP, jedoch aus Security-Sicht (u.a. unerwünschter Datenabfluss, Einschleusen von Malware, Haftungsrisiken DSGVO/GDPR, Reputations-Risiken, uvm, usw.) können Sperrungen schon als sinnvoll erachtet werden, und ja – auch bei KMUs.

    Vergessen wir nicht der Arbeitgeber ist verantwortlich welche Daten über sein Netzwerk fliessen – Security Policy hin oder Vertrauen her, werden zB. anstössige oder illegale Daten nicht gefiltert macht er sich strafbar.

    Kann ja jede/r einfach via privatem Smartphone/Tablet tun und lassen was man will – auf sein eigenes Risiko: Aber auch hier ist ‚Aufklärung‘ der 14- bis 80-jährigen Töchter und Söhne bzw. Cyber Awareness das wichtigste Thema überhaupt..

    Schon erschreckend, wenn sie mal ihren eigenen Account für die letzten drei Jahre Review passieren lassen und anschauen, welche privatesten Daten (oft leider auch Unternehmensdaten) sie in Blogs, Social Media, online eMail und Speicherplattformen preisgegeben haben: Darob wiederum können sich Hacker freuen.. und nutzen dies auch aus.

    Auch die digitale Transformation wird die Security nicht unbedingt verbessern, im Gegenteil, da verschliessen die genannten Experten zu Unrecht ihre Augen.

  9. Man soll sich mal überlegen, wie lange es ein Steve Jobs oder Bill Gates in so einer Bude ausgehalten hätten – dann den bisherigen Verlauf der Aktie dieser Bude anschauen.

    Alles erklärt. Wünsche eine schöne Woche.

  10. Die freie Presse war den Grossen, Mächtigen und Reichen schon immer ein Dorn im Auge. Gerade deshalb ist ihre Bedeutung grösser denn je.
    Mein Lieblingsseite ist übrigens Belling Cats

    • Haha

      Freie Presse und dann kommt Belling Cats:)

      Mit Grüssen von Eliot Higgins vom Atlantic Council…!

      Zum Glück war Ihr Beitrag ironisch sonst müsste man Ihnen noch grosse Naivität unterstellen:)

  11. Unabhängig von den betroffenen Firmen, bin ich der Meinung, dass das „freie“ Internet am Arbeitsplatz kein „Menschenrecht“ ist. Die MA können in der Freizeit machen was sie wollen. Während der Arbeit jedoch ist arbeiten angesagt.

  12. ähem..

    .XING = E Mail Anbieter ???? Chat und Message ja, aber keine
    E Mail Anbieter wie GMX….

    Lieber Lukas – bitte korrigieren …
    Danke

  13. Das war mal ein lesenswerter, atypischer IP-Artikel! Es kamen Leute zum Thema Social Media Sperrung zu Wort, das Thema wurde ein bisschen genauer erklärt und ein Quervergleich wurde gemacht. Ich habe das gerne gelesen, weiter so!

    • Es dürfte wohl klar sein, dass das UBS Business-Handy auch überwacht wird. Der Vorgesetze kriegt regelmässig den Telefonnummernauszug, etc.

      Da müsste man schon was eigenes anschleppen, wenn man unbedingt gesperrte Inhalte konsumieren möchte.

      Ist aber ohnehin auch bei vernünftiger Handhabung des Handys sinnvoll. Schliesslich muss man z.B. auch gelegentlich was zu Bürozeiten mit einem Amt abklären, usw. Andernfalls könnte man das sonst bei der persönlichen Jahresmitarbeiterbeurteilung vorgesetzt bekommen.

  14. Die Bank muss wissen, was sie tut. Schliesslich weiss man da am besten, wieviele Leichen noch aus dem Keller geholt werden Können. Oder auch, wieviele neue dort noch vergraben werden sollen. Menschen, auf der anderen Seite, die sich einen Arbeitgeber gönnen, der sie bei der Lektüre bevormundet, wissen ev. nicht was sie tun oder sie haben ggf. masochistiscve Neigungen.

  15. Die Sperrung von IP ist sicherlich aus Sicht der UBS ein gewünschter Kollateralschaden. Es ist aber schon richtig, die Bankmitarbeiter zu sensibilisieren. Viel Schäden, Geheimnissverletzung etc passierten, weil das Hirn auf Facebook Nieveau geschaltet war. Vielleicht sollten die Banken noch schulen, dass man im Tram mit dem Handy nichts vertrauliches besprechen soll, ausser man hat ein Privattram….