ETF-Index-Irrtum 4: Index-Fonds sind der Markt (Und warum sie es nicht sind)

2017 ist der Index der 500 grössten Aktien der USA, der Standard & Poor’s 500, von nur fünf Aktien dominiert worden, die mittlerweile sogar einen Namen haben: Die FAANG-Aktien – Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google.

Die FAANG haben fast 30% der Rendite des mächtigen S&P 500 ausgemacht. Doch das ist kein breit abgestütztes Ergebnis, sondern ein hochkonzentriertes: Wer in den S&P 500 investierte, investierte nicht in die US-Wirtschaft, sondern in Technologieaktien. Das ist gerade in der jetzigen Phase mit den jüngsten Kurseinbrüchen in Übersee wichtig zu wissen.

Ein anderes Beispiel: Der Weltindex MSCI World besteht zu deutlich mehr als der Hälfte aus US-Aktien, zu 30% aus Technologie und Health-Care-Firmen und zu 20% aus Finanzgesellschaften. Das ist nicht die Weltwirtschaft, sondern eine nicht sehr repräsentative und ziemlich willkürliche Auswahl davon.

Selbiges gilt für den Schweizer Index SMI, der die Pharma-Branche fünffach übergewichtet und auch weitaus mehr Banken enthält als die Schweizer Wirtschaft selbst. Wie wenig Index-Fonds den tatsächlichen Markt abbilden, zeigen wir in unserem kostenlosen Investing Handbuch.

Quellen: FAANG Analyse bei Marketwatch

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6 Kommentare zu “ETF-Index-Irrtum 4: Index-Fonds sind der Markt (Und warum sie es nicht sind)

  1. Sie verbreiten hier Binsenwahrheiten.
    Wenn Sie einen echten Weltmarktindex möchten, der nicht nur kotierte Papiere ab einer gewissen Liquidität und Grösse abbildet, dann müssen Sie diesen zuerst definieren. Und dann müssen Sie noch einen Anbieter finden, der diesen abbildet. Wir sprechen dann von zig. Millionen Titel!
    Daher halten es die meisten institutionellen Anleger so, dass Sie die Kerninvestitionen in den – zugegebenermassen unvollständigen – ETF oder MSCI-Indexnachbildungen halten und diese ergänzen durch nicht indexierte Anlagen die dann aktiv bewirtschaftet werden, seien es Themenfonds, Einzeltitel etc. etc. So können Sie Ihr Weltuniversum beliebig ergänzend nachbilden. Einen umfassenden Weltmarktindex, beinhaltend alle Titel, wird es nie geben. Dies ist illusorisch!

    • Es ist keine Binsenwahrheit. Die meisten Anleger wissen nicht, dass der Index nicht der Markt ist, ja gar nicht sein kann. Wenn Sie nicht wissen, worin Sie Ihr Geld anlegen, dann können Sie auch keine vernünftige Anlagen tun. Alles wird Zufall – ETFs sind Zufälle. Zufälle, die gar nicht im Interesse des Anlegers sind, sondern so entstanden sind, dass man damit ein Finanzprodukt machen kann.

  2. Hallo Herr Stern,
    Ich lese ihre Artikel und finde sie grundsätzlich gut um Anfängern das Finanzwesen zu erklären. Ich verstehe allerdings ihr Argument in diesem Artikel nicht ganz: Wieso sollten die genannten Indizes nicht den Markt repräsentieren? Sie sind doch gemäss der Marktkapitalisierung konstruiert. Man könnte jetzt diskutieren wieso die Marktkapitalisierung einiger weniger Firmen oder Länder so hoch ist und ob man den Index vielleicht gemäss anderer Kriterien wie GDP etc. gewichten sollte. In einem Portfolio mit mehreren ETFs kann man leicht eine solche Gewichtung vornehmen. Welches Ziel verfolgen sie mit ihrer ETF Artikelreihe?
    Freundliche Grüsse,
    moet

    • Ich verfolge das Ziel der Aufklärung. Man darf nicht einen Index kaufen und denken, das sei der Markt. Jeder Index ist das Resultat von vielen Entscheiden – von welchen die meisten nicht im Hinblick auf das Wohl des Anlegers gefällt wurden, sondern aufgrund von anderen Überlegungen der Finanzindustrie. Zum Beispiel die Wahl der Marktkapitalisierung als Gewichtungsmethode wird primär deshalb gewählt, weil man damit ein Finanzprodukt machen kann. Es gibt viele andere Methoden, die oft aus Sicht des Anlegers mehr Sinn machen würden (mehr Diversifikation, mehr Repräsentativität, mehr Bezug zur realwirtschaftlichen Unternehmensgrösse), aber nicht gewählt wurden, weil sie nicht im Sinne des Anbieters sind.

  3. Die zugegeben willkürliche Diversifikation der Indexanbieter mit der im Beitrag beschriebenen Konzentration auf einzelne (Gewinner- ) Branchen hilft dem im Erwerbsleben stehenden Privatinvestor, sich durch eine singuläre Investitionsentscheidung an den aktuellen, internationalen Spitzenunternehmen zu beteiligen.

    Diese Investition am besten mit der verlinkten Trendfolgestrategie bewirtschaften.

    Regelmäßige, mindestens monatliche Kontrolle des Trends, vergleichbar wie ein Vermieter die Mieteingänge überwachen muß.

    Und was tun Sie hingegen, um Rendite zu erwirtschaften?

    Kaufen – und – halten!

    Vgl. hierzu die Renditen von 2014 bis 2017:

    https://www.obermatt.com/de/investing/videos.html

    https://www.boerse.de/historische-kurse/ISHARES-SundP-500/IE0031442068

    https://www.boerse.de/historische-kurse/ISHARES-MSCI-WORLD/DE000A0HGZR1

    D.h. mit einer einzigen Anlageentscheidung in einen von Ihnen aufgrund von dessen Zusammenstellung kritisierten Index konnte man die Performance Ihres Stockpicker – Depots um das Doppelte übertreffen.