Ex Thomson Reuters: 120 Jobs weg in Genf

Kahlschlag bei Bloomberg-Konkurrentin unter dem neuen Namen Refinitiv nach Teilverkauf – Auch Zürich ist betroffen.

Die grossen Finanzdaten-Anbieter befinden sich in einer dramatischen Abwärtsspirale – Gratisdaten im Internet sei „Dank“.

Jetzt reagiert einer der führenden Konzerne. Er heisst Refinitiv und hat soeben in Genf den 200 Mitarbeitern den Abbau von rund 120 Stellen mitgeteilt.

Im Ableger in Zürich sollen weitere Hiobsbotschaften folgen.

Refinitiv ist besser bekannt als ehemaliger Bereich von Thomson Reuters, einer der führenden Finanzinformations-Anbieter der Welt.

Refinitiv ging kürzlich an den Start, nachdem Thomson Reuters der amerikanischen Private Equity-Gesellschaft Blackstone einen Anteil von 55 Prozent am Geschäft verkaufte.

Der Deal bewertete die ganze Refinitiv auf 20 Milliarden Dollar.

Nun wird saniert. Neben den beiden Schweizer Ablegern in den Finanzzentren Genf und Zürich kommen auch viele weitere Bereiche und Niederlassungen zur Kasse.

Es geht um eine weltweite Kostenabbau-Operation bei Refinitiv. Ein Sprecher der Firma sagte diese Woche auf Anfrage, dass er zu den konkreten Abbauzahlen in Genf und Zürich nichts sagen könne.

Man befände sich in einer „Konsultationsphase“ mit den Mitarbeitern. Dann fügte er an:

„As Refinitiv stands up as a new, standalone organisation focused on financial markets, we are making sure that we have the right people in the right places to drive results for our customers in a highly competitive environment.“

Und weiter: „We are committed to ensuring those affected are properly supported through this process.“

Will heissen: Ja, wir bauen ab. Und zwar so stark, dass es unsere Pflicht ist, den Betroffenen mittels eines Plans zur Seite zu stehen.

Bei den genannten Dimensionen von 120 Stellen bei total 200 bisherigen Jobs in Genf und einer nicht bekannten Anzahl Stellenverlusten in Zürich ist klar, was gesetzlich vorgeschrieben ist: Sozialpläne.

Diese werden derzeit offenbar mit den Mitarbeitern ausgehandelt.

Der scharfe Einschnitt bei Refinitiv könnte kein Einzelfall sein. Auch bei der Six und bei Bloomberg, die beide mit Refinitiv konkurrenzieren, könnte es zu Job-Abbau kommen. Die grosse Umwälzung in der Finanzindustrie hat damit die Informationsanbieter erfasst – mit Wucht.

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19 Kommentare zu “Ex Thomson Reuters: 120 Jobs weg in Genf

  1. In den goldenen Tagen von Reuters in den 80ern kassierten die CHF 6’000 IM MONAT für den jeweils ersten Devisenhandels-Terminal PRO BANKFILIALE!!! – Das Vertreterbüro in Zürich war oberhalb der Kronenhalle, da konnten die Kundengespäche grad bei ein, zwei, vielen guten Flaschen Wein abgewickelt werden. Jeder, der was auf sich hielt, hatte seinen Reuters, und wenn auch nur im Hintergrund leuchtete und zweimal am Tag der Goldkurs abgerufen wurde. Ja, die alten Tage …

    • i think the zurich office could be laid off and in geneva a maximum of 20 people is needed to go onsite to customers. i can fully understand blackstone if they get rid off people hanging around and doing nothin in zurich office. time over, guys look around

  2. Seht euch die Tristesse an der Bahnhofstrasse in Zürich an…

    All die Zulieferer der Banken (Uhren- und Schmuckboutiquen, etc.) sterben ab.

    Kein Schwein bringt sein Geld mehr auf eine Schweizer Bank und shoppt danach noch ein wenig auf der Bahnhofstrasse.

    Was für ein kapitaler Fehlentscheid der Schweizer 2008!

  3. bei TR in Genf wird schon lange abgebaut. Das riesige Bürogebäude steht seit Jahren fast leer, es finden sich aber keine Interessenten zur Übernahme. Für die letzten Mitarbeiter dort war es schon lange klar, dass es auf lange Sicht in Genf nicht weitergeht. Die Jobs werden übrigens nach Gdynia, Polen verlagert.

  4. Wird nicht lange dauern und die SIX Managerlis werden genau gleich vorgehen. Dies nicht weil es der SIX schlecht geht, sondern eher weil die C-Klasse Managerlis (ex CS’ler) keine Ahnung haben.
    Nach dem Motto:
    Alles der Konkurrenz nach machen, kann gar nicht so falsch sein.

    Unglaublich was hier abgeht. Finanzplatz Schweiz wird immer mehr und mehr abgebaut.
    Wenn mal die Banken weg sind, können wir wieder beruhigt aufs Land arbeiten gehen. Als Bauern 😉

    • Eine gute Idee wenn Ihr Banker und Versicherungsheinis mal einer ehrlichen Arbeit nachgehen würdet!

      Nach der nächsten Finanzkrise lohnt es sich ein Resozialisierungscamp auf einem Bauernhof einzurichten zur gesellschaftlichen Eingliederung von Banker.

      Ein paar Tage den Misthaufen umschichten hilft nicht nur psychisch sonder auch gegen die Entzugserscheinungen.
      Ihr findet dann wieder zu Euch selber und erkennt Euren eigenen Wert.

  5. Allen, die Private Equity Fonds zum Beispiel über ihre Pensionskasse besitzen, muss klar sein, dass diese Renditen oft nur durch zwei Massnahmen erzielt werden können: Mitarbeiter raus, Schulden hoch.

    Wie wäre es damit, aus Solidarität bei der eigenen Pensionskasse anzufragen, ob sie Blackstone Fonds hält und warum diese so massiv in der Schweiz Jobs abbauen.

    Jeder, der einen ETF kauft, ist auch an Blackstone beteiligt und darf sich freuen, da ein passiver ETF ja kein Gewissen hat und von der Restrukturierung profitiert.

    • Vermischen Sie da nicht etwas? Blackrock ist nicht dasselbe wie Blackstone. Was hat Blackstone mit ETF am Hut? Private Equity ist alles andere als passiv….

    • @Pirmin Z.:

      Zu Ihrer Information: Blackstone (BX US) ist eine an der US Börse gelistete Gesellschaft, die eine Marktkapitalisierung von über 40 Mrd. US-$ hat und damit in zahlreichen Indizes vertreten ist. Daher kaufen ETFs, die diese Indices nachbilden, auch Blackstone. Damit auch wahrscheinlich Sie – zumindest alle diejenigen, die passiv anlegen.

      Das war genau der Punkt.

  6. Man kann halt auch die Finanzinformationen digitalisieren und vor Ort in Genf oder Zureich muss man auch niemanden mehr haben.

    • Nicht nur „Finanzinformationen“ sondern auch den Grossteil des Middle und Back office in den Banken in Zürich und Genf kann man bei UBS und CS „digitalisieren“ und/oder nach polen etc verschieben. Die Zukunft spiegelt sich immer im gegenwärtigen Aktienkurs wieder, oder warum stehen wohl sonst CS und UBS Aktien aktuell bei Mehrhahrestief- Kursen zwischen 10-15 CHF nach ehemaligen Höchstkursen um 70 CHF. Die meisten langfristigen Aktionäre haben ihr ganzes hart erarbeitetes Geld mit UBS und CS Aktien verloren!