Finger weg von heissen Titeln! Oder doch nicht?

Der Schriftsteller Thomas Meyer („Wolkenbruchs wunderbare Reise in die Arme einer Schickse“, jetzt auch im Kino) ist dank meines Blogs zum Anleger geworden. „Mir ist die Sache immer fremd und etwas unheimlich gewesen“, sagt er, „aber du hast sie mir verständlich und sogar sympathisch gemacht.“ Ich freue mich sehr über dieses Feedback.

Thomas hat mich nicht nur gefragt, was er nun genau tun soll – sondern auch, wovon er die Hände lassen soll. Mein väterlicher Rat lautete, wie ein väterlicher Rat eben so lautet: „Lass die Finger von allem, das heiss ist.“ Heisse Aktien wie Tesla, heisse Technologien wie soziale Netze, heisse Branchen wie Cannabis – lass die Finger davon.

Wobei „die Finger davon lassen“ im Kontext der Börse nicht ganz die richtige Redewendung ist. Besser wäre: „Investiere mit dem kleinen Finger, nicht mit der ganzen Hand.“ Man darf durchaus Amazon, Google und Tesla kaufen. Aber nur, wenn diese Titel im Portfolio keine grosse Bedeutung haben. Wenn Enttäuschungen damit nicht allzu wehtun.

„Was ist denn nicht heiss?“, fragte mich Thomas. Ich antwortete: alles, was out ist, und das ist die grosse Mehrheit des Aktienmarktes. Maschinenbauer, Autozulieferer, Handelsketten, Versorgungsunternehmen, Rohstoffriesen, Pharmariesen. In alles, was gross ist und ein bisschen langweilig, darf man jederzeit investieren.

Denn dann behält man einen kühlen Kopf. Angesagte Titel hingegen versetzen einen schnell in Aufregung: Man will dabei sein beim Boom und investiert mehr, als man wollte und sollte. Schon drei Tage später kann dieser Teil des Portfolios nur noch die Hälfte wert sein.

„Meine Cannabis-Aktien sind nur noch halb so viel wert!“, schrieb mir Thomas kürzlich. Er hatte nicht auf mich gehört und in eine heisse Branche investiert. Zum Glück nur ein paar hundert Franken, und wenig später erholten sich die Papiere auch wieder und sind jetzt sogar etwas mehr wert als zu Beginn. Eine wichtige und nur vorübergehend teure Lektion für Thomas.

Und wer weiss, vielleicht liegt er ja richtig, und Cannabis wird in den kommenden Jahren richtig boomen. Wir sind alle gleich gute Propheten. Die einen bekommen einfach recht, die anderen nicht. Vielleicht bleibt, was heute heiss ist, für lange Zeit warm. Oder vielleicht steht, was heute kalt ist, bald in der Sonne?

Wenn Sie glauben, dass Russland sich politisch und wirtschaftlich günstig entwickelt, sollten Sie mal dortige Papiere anschauen, denn die sind jetzt für wenig Geld zu haben.

Selbiges gilt für China, das wir im Westen immer noch sehr kritisch beäugen. Aktien in chinesische Staatsunternehmen sind moralisch vielleicht nicht über alle Zweifel erhaben, aber eine attraktive Anlagegelegenheit, wenn Sie überzeugt sind, dass sich China zu einer freien Gesellschaft entwickelt.

Der Kauf von Aktien ist immer ein Versuch, die Zukunft zu seinen Gunsten zu deuten. Viele Menschen sind damit sehr reich geworden, andere bankrott gegangen. Und die Geschichte zeigt, dass es den Langweilern an der Börse üblicherweise besser ergeht.

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2 Kommentare zu “Finger weg von heissen Titeln! Oder doch nicht?

  1. Man sollte nur Aktien und Indexfonds / ETF´s auf Indizes erwerben, die sich in einem Aufwärtstrend (200-Tage-Linien-Strategie) befinden sowie die Fortdauer des Trends periodisch kontrollieren.

    ETF´s auf Indizes von mittleren und Wachstumswerten wie der amerikanische Nasdaq – Index oder der deutsche MDAX, TECDAX und SDAX – Index liefern in Haussezeiten eine bessere Rendite als der jeweilige nationale Hauptindex, wobei die teilweise hohe Volatilität der Einzelwerte sich im Index ausgleicht und so der Trend mit der 200-Tage-Linien-Strategie beherrschbar wird.

    Prüfen Sie dies für die Vergangenheit oder legen sich ein Musterdepot an und testen es für die Zukunft.

    Momentan ist man übrigens im Rahmen dieser Strategie von allen vorgenannten Indizes desinvestiert und wartet auf ein Signal zum Wiedereinstieg.

    Daran zeigt sich auch, daß die Strategie funktioniert und nützlich ist.