Gloom und Doom: Was Anleger und Manager gemeinsam haben

Es gibt solche, die beim neuen Trend dabei sein wollen, und jene, die den Weltuntergang erwarten – Letztere kaufen Gold, Franken, Minenaktien.

Unlängst traf ich einen Kollegen, den ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Er ist ein Vollprofi in der Topmanagement-Unternehmensberatung mit Jahrzehnte langer Erfahrung. Ganz begeistert erzählte er (und das meine ich überhaupt nicht abschätzig), er habe seine kleine Firma wieder einmal inhaltlich neu erfunden.

Den Trend „Blockchain“ der letzten zwei Jahre habe er komplett ausgelassen und dafür sich Zeit genommen, einen fürs Topmanagement passenden Baukasten zum Thema „Artificial Intelligence“ zu entwickeln.

Das Interesse scheint gross zu sein. Die Verkaufsstrategie klar: den Fokus auf „angenehme, interessante“ Themen richten. In der Autoindustrie wären das: autonomes Fahren, Vernetzung, Digitalisierung.

Die konträre Strategie wäre der Ansatz der Big4-Kernkompetenz: Fokussierung auf „The Pain“, auf Projekte, die unangenehm wie die Pest sind und am liebsten um Jahre hinausgezögert und dem Nachfolger als Pendenz übergeben werden.

Das Problem dabei: Oft sind das genau die Themen, bei denen der Regulator sagt: Sorry, Deadline Jahresende; oder bei denen die Firma Klagen am Hals hat.

Autoindustrie: Dieselskandal. Banken: You name it.

Alles in der Mitte sind die für Unternehmensberater undankbaren Projekte mit Kosten- und Konkurrenzdruck, Knebelverträgen, Sourcing-Debatten. In der Autoindustrie: sicherere Autoschlüssel.

Anleger-Newsletter sind quasi die Investmentberatung für „Arme“. Und auch hier gibt es grob gesehen zwei Ansätze:

1. Der neueste Trend: War der Anleger nicht erfolgreich, sieht er den Grund oft darin, letztes Jahr einen Trend verpasst zu haben. Damit das nicht gleich nochmals passiert, will er sich besser informieren.

Die Industrie einigt sich Jahr für Jahr erstaunlich schnell auf einen Trend. 2016 waren es die Cannabis-Aktien, 2017 bis hinein ins 2018 galten Blockchain und Crypto als „in“, und nun scheinen „Wasserstoffaktien“ und „Künstliche Intelligenz“ zu dominieren.

Beliebt sind auch immer wieder exotische Länder: vor einigen Jahren Nigeria, dann Vietnam, schliesslich Indien – dieses Jahr scheint hier nicht viel zu laufen.

Am besten verfolgt man dazu Jim Rogers. (Ich glaube, Myanmar und Nordkorea sind aktuell seine Favoriten.) In der Regel zieht dies den jüngeren Anleger und Optimisten an.

2. The Pain: Dieser Ansatz zielt auf ältere Anleger und sämtliche Pessimisten. Themen sind: Hyperinflation, Nationalbanken, Verschwörungstheorien, 3. Weltkrieg, Geheimtreffen von Eliten. Als Lösung werden meist angeboten: physisches Gold, Minenaktien, Rohstoffe (da gibts ja ETFs – die gigantischen Rollover-Kosten werden meist verschwiegen), Schweizer Franken und als „Value Aktien“ gepriesene Firmen, die zwar Jahr für Jahr an Wert verlieren, aber eine hohe Dividende zahlen.

So empfahl ein bekannter US-Newsletter für Kleinanleger Jahr für Jahr die Sears-Aktien (jetziger Preis: 0,51 US-Dollar).

(Extrakt für Inside-Paradeplatz-Leser; Originalartikel mit Kommentar „Longterm-Investor“ und weitere Investmentdetails, siehe Longterm-Investor.)

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  1. Letztes Jahr unternahm ich Geschäftsreisen nach China, Taiwan, dem Nahen und Mittleren Osten, Afrika, Nordamerika und Russland. ITOCHU positioniert China und andere Regionen in Asien als prioritäre Marktregion mit der Bedeutung von Nordamerika. Das Wachstum Afrikas und das vielversprechende Potenzial der Ressourcen und des Marktes Russlands zeichnen sich ebenfalls aus. Unter all diesen ist China jedoch der aussichtsreichste Markt und der Markt, auf dem ITOCHU seine Stärken ausspielen kann. Nach dem jüngsten Besuch von Premierminister Abe in diesem Land dürften die Beziehungen zwischen Japan und China eine neue Etappe erreichen. ITOCHU muss sich auch 2019 auf China konzentrieren, da dort die wichtigsten Wachstumschancen für das Unternehmen liegen.

    Wie ich bereits erwähnt habe, hat sich China zu einem neuen Geschäftszentrum entwickelt. Es wird erwartet, dass Shenzhen das Silicon Valley in Bezug auf Innovationen übertrifft. ITOCHU ist enge strategische Partnerschaften mit CITIC und CP eingegangen, die beide über Stärken im lokalen Markt verfügen, und ist im Land besser positioniert als andere Handelsunternehmen. Darüber hinaus beschäftigt die Gruppe inzwischen mehr als 1.000 chinesisch sprechende Mitarbeiter, und viele werden in Neugeschäft in China geschult. Analysten, Investoren und Aktionäre widmen dem nächsten Schritt von ITOCHU in China nun besondere Aufmerksamkeit. Vielversprechende Möglichkeiten liegen in Bereichen wie Konsumgüter, in denen FamilyMart eine Schlüsselrolle spielen soll; in den Bereichen Finanzen und FinTech, wo es eine Reihe starker chinesischer Unternehmen gibt; und in der Mobilität, einschließlich Elektrofahrzeuge. Lassen Sie uns alle unser Engagement erneuern, um zusammenzuarbeiten, um unsere Bemühungen zur Geschäftsentwicklung in China dieses Jahr zu beschleunigen.

    https://www.itochu.co.jp/en/about/presidentmessage/index.html

  2. Wichtig sind nicht die (Mode-)Trends, die die Investmentbranche bewirbt, sondern jene, die man selbst identifiziert.

    Sowie, daß man diese Kontrollarbeit periodisch durchführt.

    Vorteil: stets aktueller Branchenüberblick.

    Wenn man Eigentümer einer fremd vermieteten Immobilie ist, so muß man vergleichbar monatlich die Mieteingänge prüfen.

    Wer dies als Vermieter bereits gewohnt ist, erweitert diese Tätigkeit eben auf Indizes, Einzelwerte, Rohstoff- und Edelmetallpreise sowie Währungspaare.