Raiffeisens Lachappelle: Wilde Säuberungsaktion

Starker Mann schaut zu, wie loyal-kritische Kader gehen oder gekündigt werden – Headhunter-Buddy Schilling platziert Leute.

Guy Lachappelle setzt laut „Bilanz“ von letzter Woche auf „Symbolik“. Dessen Botschaft an die Crew laute: „Mr. Raiffeisen – das bin erst mal ich.“

Nun zeigt sich, was das bedeutet. In der Zentrale der genossenschaftlichen Raiffeisen-Gruppe in St.Gallen findet derzeit eine eigentliche Säuberungsaktion statt.

Mehrere Kader wurden kürzlich entlassen oder haben von sich aus gekündigt, so der Chef für die Betreuung der 250 Raiffeisen-Banken im Land, der Leiter Einkauf, die Leiterin des Rechtsdienstes.

Beim Banken-Betreuer handelt es sich um einen langjährigen Raiffeisen-Mann, die beiden anderen waren noch nicht so lange bei der Nummer 3 der Schweiz.

Eine Sprecherin wollte sich nicht zu einzelnen Namen oder den Gründen für die Abgänge äussern. Man kommentiere „Anfragen zu Anstellungsverhältnissen einzelner Mitarbeitenden nicht“, hiess es in St.Gallen.

Die Abgänge der drei Manager, die wichtige Führungs- und Spezialisten-Funktionen innehatten, folgen auf ein Grossreinemachen ganz oben.

Kaum hatte Lachappelle seinen neuen CEO, Heinz Huber von der Thurgauer Kantonalbank, bei der Raiffeisen Schweiz eingesetzt, wurden 3 Geschäftsleitungs-Mitglieder rausgestuhlt.

Der Leiter für die Märkte, der Risk-Chef und die Zuständige für die Niederlassungen der Raiffeisen Schweiz, welche eine Art interne Konkurrenz zu den 250 Raiffeisen-Banken darstellen – ein Politikum.

Zudem musste der langjährige Generalsekretärin, ein Intimus der alten Garde, sein Büro räumen. Auch hier konstatierte die „Bilanz“ vor allem eines: „Symbolik“.

Das Motto lautet: Alle, die durch die Ära von Pierin Vincenz und Patrik Gisel kontaminiert sind, müssen gehen.

It’s me, dä Guy (RCH)

Dafür erntet Guy Lachappelle, der das Sagen hat, während CEO Huber vor allem ausführt, viel Applaus. Umgekehrt fragen sich mehr und mehr innerhalb der Raiffeisen, worum es Lachappelle wirklich geht.

Sie kritisieren, dass der grosse neue Oberbefehlshaber nicht konsequent vorgehe. Christian Poerschke, der neue Finanzchef, war zentral in der alten Vincenz-Zeit. Er hätte bei undurchsichtigen Käufen des Alt-Chefs mehrfach intervenieren können.

Trotzdem darf Poerschke bleiben, ja er hat seine Macht sogar konsolidiert. Lachappelle scheint voll auf den Finanz-Mann zu setzen.

Risk-Chef weg, Handels-Chef weg, Niederlassungs-Chefin weg, Oberjurist weg: Aber der Finanz-Kontrolleur, der viele Beteiligungen der obersten Führung gesehen haben musste, darf bleiben?

Lachappelle geht noch einen Schritt weiter. Er entlässt die alte Garde nicht nur, sondern er demütigt sie. Demonstrativ setzte er deren Entlassungen in den Kontext des Berichts von Professor Gehrig.

Bruno Gehrig ging den Vincenz-Vorwürfen nach. Jene, die aufgrund des Gehrig-Berichts gehen mussten, tragen nun den Stempel der Vincenz-Mitläufer auf der Stirn – unabhängig davon, was genau sie sich zuschulden kommen liessen.

Darüber hinaus erhalten sie vertragsgemäss 12 Monatslöhne – aber keinen Bonus. Sie sehen sich teilweise als Opfer und überlegen sich Schritte.

Lachappelle stürmt derweil voran. Er besetzt neuralgische Positionen mit Leuten seines Vertrauens. Jetzt gerade geht es um den Chief Risk Officer, der als wichtiger Funktionsträger in der obersten operativen Führung sitzen wird.

Warum auch bescheiden? Schilling (schillingpartners)

Den Suchauftrag hat Lachappelles Lieblings-Headhunter erhalten: Guido Schilling. Der gleiche Schilling, der schon Lachappelle himself von der Basler Kantonalbank zur Raiffeisen Schweiz gelotst und danach Heinz Huber bei den Thurgauern losgeeist hatte.

Nun also darf Schilling auch noch den Risikochef (CRO) suchen. Hat der Berater mit mondänem Büro im Zürcher Prime Tower ein exklusives Mandat der Raiffeisen Schweiz für solches Headhunting?

„Nein, Guido Schilling hat kein Exklusiv-Mandat“, sagt die Raiffeisen-Schweiz-Sprecherin. „Richtig ist aber, dass Guido Schilling mit der Suche nach einem neuen CRO beauftragt wurde.“

Schilling holt „Freund“ Lachappelle, der ihm bei der Basler KB das eigene Auftragsbuch gefüllt hatte. Schilling holt für Lachappelle dann Heinz Huber, den Lachappelle aus gemeinsamen KB-Zeiten kennt. Schilling holt jetzt den neuen Riskchef. Kleine Welt, nette Geschäfte.

Kommentare

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  1. Herr Lechappele hat bei seiner Rede in Walenstadt x-mal seine ich Ansicht zu Raiffeisen geäusert.Wenn jemand so überzeugt ich ist,warum braucht so einer ein Harem von Undurchsichtigkeit.Überlege,ob ich Raiffeisen so vertrauen kann?Schade!

  2. #FINanzMArktmafia #Raiffeisen . . . nun was konnte man anderes erwarten, als dass der von Seiten FINMA unterstützte Lachappele so handeln würde?

    Die Aktionen von Lachappelle sollten einmal mehr auch die Rolle der FINMA hinterfragen!

  3. Welche Katastrophe. Anstatt sich um ihre wichtige Arbeiten zu kümmern und die Banken vorwaärts zu bringen … da gehen die Herren hin und pflegen freudig das Knüpfen des Filz-Teppichs.
    Es ist abstossend, gar widerlich.
    Es trifft genau das ein, was ich als damaliges Raiffeisen-Genossenschafter befürchtete. Fehlen nur noch die CVP-Ploitiker, die sind beim beim Filzen auch immer ganz vorne dabei.
    Wieso können die neuen Leaders der Raiffeisen nicht einfach eine anständige, korrekte Bank wiederherstellen?
    Oder anders gefragt: Muss heute wirklich jeder Banker ein Bankster sein, zu seinem Vorteil (s. Ermotti)?
    Banking in der Schweiz widert zunehmends an, leider.

  4. Eigentlich schon sehr doof von Herrn Lachappelle – was sollte man eben genau nicht tun, um schon den Anschein von Filz etc zu vermeiden? Nicht demselben (egal wer) Headhunter den dritten Auftrag in Folge zu geben. Man könnte ja auch einmal etwas clever sein.

  5. Ausmisten? Vor lauter Lachen ist der Kaffee aufs Livré getropft. Schneider, Marke und so weiter. Kennt niemand, will vermutlich niemand. Standen wohl einfach im Weg rum. Ablenkungsmanöver und Schein-Veränderungen.

  6. Herr Hässig, sie drehen sich wie ein Fähnchen im Wind. Erst werfen sie ihm vor, er würde nicht reagieren, jetzt wird reagiert und dann ist es Ihnen auch nicht Recht. Und es ist nun einmal das Normalste auf der Welt, das bei einem Chefwechsel auch Köpfe rollen. Und falls die Herrschaften bei Raiffeisen jetzt Jammerli spielen, deren Problem.

    • LH dreht sich nicht wie eine Fahne im Wind sondern stellt nur fest!
      Leider werden jetzt auch sehr viele Leute (gute Ameisen) einfach mal rausgeschmissen um dieselben bei nächster Gelegenheit wieder einzustellen weil man vieles einfach übersehen hat!?

  7. Guido Schilling – wenn ich das nur schon lese oder höre. Diese Bude ist so was von verfilzt und inkompetent. Da werden Leute verschoben, aus bestehendem Fundus hin und her verpflanzt: das Geschäftsmodel blüht und die „dummen“ Auftraggeber bezahlen horrende Summen. Qualität von GS ist leider nicht messbar. Effektive Kosten sind messbar – Opportunitätskosten scheinen niemanden zu interessieren.
    Wie können so die neuen Top-Manager in der Finanzwelt bestehen? Früher haben wir Banken ausgeraubt – heute sind wir Bankmanager.

  8. Ist doch richtig, dass der Sumpf trocken gelegt wird. Die ganze GL plus die nächsten zwei Stufen müssen konsequent ersetzt werden

    • Was ist mit Altwegg, Tönz, Wenger, Lampert, Renda, Olmesdahl, Kurtz??! Was macht der Poerschke noch da? Ein Blick auf das Organigramm müsste reichen.

    • Altwegg im Organigramm Leiter Private Kunden. War Leiter Produkt Management. Hat der je mal einen Kunden gesehen oder schon mal ein Beratungsgespräch miterlebt. Hat kürzlich in der steuergünstigsten Gemeinde im Kt. SG gebaut. Betonklotz, stillos zum Abwinken. Von Umgang zu Nachbarn keine Ahnung.

    • Bei den RB kann er dann das Gleiche auch noch durchziehen… ach nee, zu dumm, da hat er ja keine Macht, der Arme.

  9. Such is life und die Geschichte wiederholt sich…
    „Die Geschichte lehrt, aber sie hat keine Schüler“ (jedenfalls keine, die Einfluss nehmen könnten).

    • Wenn wir schon bei der Informatik sind: Wie steht es eigentlich mit einer Software, Projekt, für welche RCH enorm viel Geld ver-ava-locht hat?

  10. Guido Schillings Spruch müsste wohl eher lauten:

    Meine Executive Search ist keinen Schilling wert.

  11. vor ein paar Wochen war Lachappelle noch zu lieb, jetzt ist die Sprache von wilden Aktionen. Journalismus à la Hässig. Da brauchts wirklich keinen Kommentar.

  12. Dass der Poerschke bleiben darf verstehe ich auch nicht. Als Chef-Einflüsterer von Gysel sollte aber vor allen anderen H.R. gehen müssen…!

    • Ja, schlimm😱😱. Aber Poerschke war und ist eben ein Abnicker: Man spürt seine Angst förmlich in den GL-Meetings 😱. Er äussert sich kaum jemals – könnte ja was falsches sagen. Echt spassig, sich das anzusehen 😊.

      -> Es dauert also noch etwas, bis der HH merkt, was für einen er da mit POEC hat und eine Entscheidung trifft. Aber keine Angst, an POECs Abgang wird gearbeitet 😈😈😈. Und mit ihm wird dann auch der D. gehen müssen. Mit dessen Ernennung hat POEC sozusagen
      das Ende seiner kurzen Karriere gestartet.

      Bitte also noch etwas Geduld 😴😴. I keep you posted.

  13. Ich finde es gut, dass da entrümpelt wird. Ich verweise da auf die inzwischen gelöschte Beichte eines langjährigen Kadermannes auf dieser Plattform, wo sauber nachgewiesen wurde, dass das Problem praktisch alle Kadermutglieder umfasste.
    Unverständlich ist aber, warum der CFO noch da ist. Den hätte man doch am Tag 1 an die Luft setzen müssen!

    • Der saubere Nachweis war wohl nicht sauber genug geführt, zumal der fragliche Artikel mit der Diskreditierung von mehr als 2000 Mitarbeitenden in Sippenhaft für das Versagen ihres CEO innert Kürze von diesem Blog verschwand und nie mehr auftauchte. Geniess endlich deine Pension und zähl dein Geld, aber lass uns in Ruhe.

  14. Welcome to the „Brave NEW World“ Switzerland Anno 2019

    Schöne neue Welt (englisch Brave New World) ist ein 1932 erschienener dystopischer Roman von Aldous Huxley, der eine Gesellschaft in der Zukunft, im Jahre 2540 n. Chr. beschreibt, in der „Stabilität, Frieden und Freiheit“ gewährleistet scheinen.
    Mittels physischer Manipulationen der Embryonen und Föten sowie der anschließenden mentalen Indoktrinierung der Kleinkinder werden die Menschen gemäß den jeweiligen gesellschaftlichen Kasten geprägt, denen sie angehören sollen und die von Alpha-Plus (für Führungspositionen) bis zu Epsilon-Minus (für einfachste Tätigkeiten) reichen.
    Allen Kasten gemeinsam ist die Konditionierung auf eine permanente Befriedigung durch Konsum, Sex und die Droge Soma (=GELD), die den Mitgliedern dieser Gesellschaft das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen ihrer Weltordnung nimmt. Die Regierung jener Welt bilden Kontrolleure, Alpha-Plus-Menschen, die von der Bevölkerung wie Idole verehrt werden.

  15. Hier werden (abermals) neue Seilschaften aufgebaut – damit sind in Zukunft auch Seilschaften-Skandale zu erwarten!

    • 😂
      Korrektes Deutsch ist überbewertet, mein Lieber.

      Today we schpeak not inkorrekt Deuts – deutse Sprak swere Sprak – , but totally incorrect Almost-like-English