Ringier-Chef Walder ehrt gefallenen Vincenz

Medien-Boss lobt Banker in Buch, das er selbst diktiert – Kein Wort zu Vincenz-Deal über crazy 100 Mio für Fussball-Sponsoring.

Morgen wird Pierin Vincenz 63. Bald könnte er vor dem Richter stehen. Drei Instanzen halten ihm trotzdem die Stange: das Kloster Disentis, der Rotaryclub St.Gallen und … Ringier.

Genauer: Marc Walder, der CEO des Medienriesen und 10-Prozent-Miteigentümer. Walder liess einen seiner Chefjournalisten einen Wälzer über Ringier schreiben.

Respektive über sich selbst: seinen Glanz und seinen Erfolg als Retter der Schweizer Traditionsfirma, die einst mit ihrer „Blick“-Zeitung die Massen bewegte.

Walder diktierte dem Buchautor, wie der Kauf von Ticketcorner vor 10 Jahren zustande gekommen war. Entscheidend sei Pierin Vincenz gewesen, der die Raiffeisen als mächtige Partnerin einbrachte.

Im Buch wird Vincenz in den Worten von Ringier-Walder als „Bergler aus dem Bündnerland“ widergegeben, der Raiffeisen „wachgeküsst“ habe.

Der Deal zu dritt – neben Ringier und Raiffeisen beteiligt sich noch ein reicher Deutscher am Ticketverkäufer – sei Walders Gesellenstück in der Welt der Akquisitionen, streicht der Buchautor die Bedeutung hervor.

Er hätte sich besser um einen anderen Deal gekümmert: das Sponsoring der Raiffeisen des Schweizer Fussballs. Da geht es um eine riesige Summe und ein Vorgehen, das zu Vincenz passt.

Marc Walder will im 2012 Sport und Kultur vermarkten und schafft dafür die InfrontRingier.

Ein besonders grosses Geschäft ist der Fussball. InfrontRingier und der Fussballverband werden Partner.

Das gelingt Walder und seiner Sportvermarkterin InfrontRingier mit Hilfe eines Manns: Pierin Vincenz.

Der offeriert einen Wahnsinnsdeal. Seine Raiffeisen-Gruppe würde 8 Millionen Franken im Jahr für das Sponsoring der obersten Fussball-Klubmeisterschaft zahlen.

Und das 10 Jahre lang.

Hinzu kommen laut einer Quelle weitere Marketingausgaben für das ganze Drumherum.

Kosten insgesamt: 13 Millionen im Jahr, macht hochgerechnet 130 Millionen – aus der Kasse der Raiffeisen-Genossenschafter.

Ein solches Angebot war unschlagbar. Die Axpo, eine Stromfirma, hatte die Sponsoringrechte bis dahin gehalten. Sie zahlte halb so viel.

Die weit über 100 Millionen, die Vincenz seinem Freund Walder für eine „Raiffeisen Super League“ offerierte, kamen bei den Raiffeisen-Marketing-Verantwortlichen nicht gut an.

Wie passte Raiffeisen zu Hooligans?, fragten sie sich.

Widerstand war aber zwecklos. Vincenz‘ Vertraute in der Geschäftsleitung, Gabriele Burn, sorgte dafür, dass Kritiker des Deals mit Ringier kalt gestellt wurden.

Die riesigen Summen blieben geheim. Der Schweizer Fussballverband (SFV) bestätigte lediglich, dass InfrontRingier die Sponsoringrechte an der Swiss Football League hält und mit der Raiffeisen einen Vertrag hat.

Man habe die Sponsoringrechte „an die Agentur InfrontRingier verkauft“, heisst es beim SFV. „Diese wiederum hat die Sponsoringrechte an Raiffeisen weiterverkauft und kennt entsprechend den ganzen Vertrag.“ Der enthalte „eine Vertraulichkeitsklausel“.

Kommentare

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  1. Heissluftbläser Walder ist ja notorisch für etliche Mätzchen bekannt. Da schmückt er sich mit einem Harvard-Alumnititel nach einem 3-wöchigen Sommerkürsli in Boston. Er brüstet sich mit Digital Switzerland und tut so, als hätte er die Digitalisierung erfunden – mit satten 20-Jahren Verspätung schwadroniert er über Disruption und hat keinen Schimmer, was es effektiv bedeutet. In Boston hätte er Clayton Christensen ein bisschen besser zuhören sollen.

  2. Haha, Vincenz und Walder und „ein reicher Deutscher“.

    „Ein reicher Deutscher“ ist die bislang beste Umschreibung für Axel Springer.
    Effektiv wird der wohl den grössten Reibach machen – weil er aus dem dt harten Journalismus und Verlagsgeschäft gestählt ist und wahrscheinlich 10 Ellenbogen hat zum Ausfahren.
    Ringier hat er sich elegant unter den Nagel gerissen … die Schweizer glauben immer noch an Riniger – dabei ist das grösste Medienimperium schon lange unter Axel Springers Führung resp Beteiligung.
    Steht so auch im Kleingedruckten. Sogar Beobachter und Bilanz sind Axel Springer – man sieht es ihnen auch an.
    Für mich ein Rätsel, dass Ringier ihren Verkauf einfach so still über die Runde brachte – immerhin gäbe es noch andere Zeitungen, ch media oder TA-Media, welche sich für diesen Qualitätsabbau an den Schweizer Medien interessieren könnten.

    Aber da hat man anscheinend eine extrem selektive Wahrnehmung und jedwelche Beisshemmung. Und so geht die Springerisierung unserer Zeitschriften voran.

  3. Das die Axpo den Fussball finanzierte war eine absolute Frechheit. Mit der Axpo finanzierte eigentlich der Steuerzahler den Fussball. Die Mehrheit der Axpo gehörte den Kantonen. Da viele Stadien sowie die Trainingsplätze auch den Städten und Gemeinden gehören welche praktisch viel zu wenig Mietzins kassieren finanziert der Steuerzahler die Fussballer sehr beträchtlich. Jetzt ist es die Raiffeisenbank welche mit stummen Genossenschafter dies finanziert. Da die Zinsen sehr tief sind schreibt die Bank noch grüne zahlen. Sobald die zinsfront dreht werden die hypokredite zu Ausfällen führen wo die Bank solche Reserven von 130 mio dringend gebrauchen könnte.

  4. Gefühlte 90% der Schreibe im Blick ist bezahlte Kampagne. Die Leser werden betrogen, weil nicht offengelegt wird, dass sie indoktriniert und manipuliert werden. Wer will, dass er positiv dargestellt wird, kann offenbar eine teure „Medienpartnerschaft“ mit Ringier Infront eingehen. Wenn ein Spuhler oder eine Lara Gut über den grünen Klee gelobt werden, oder eine Petra Gössi zur Politikone wird, weiss man nie, ist das berechtigt oder steckt eine Medienpartnerschaft dahinter. So gesehen muss wohl davon ausgegangen werden, dass Spiess Hegglin keine Medienpartnerschaft mit Ringier Infront hatte.

    • Das könnte bald ändern. Wenn sie plötzlich auf der Blick Titelseite erscheint und in grossen Buchstaben steht: Spiess: Jetzt rede ich! und Blick anfängt sie für den Nationalrat schön zu schreiben, dann wird irgend ein Deal dahinter stecken. Bei Loredana auch. Dort ist es nur eine Frage der Zeit, bis Blick titelt: „Loredana: Jetzt rede ich!“

    • @Doris: Bei Loredana würde ich meinen, es müsste heissen: „Loredana, halt einfach die Klappe!“ (Und bitte verschone die Welt vor dem, was Du für Musik hältst.)

    • Ich wett au emal rede. Wänn d Welsch was i mein. Übrigens: Häsch mer zwei Stutz für d Notschlaafschtell?

    • @Fredi Hinz: Ja ich weiss, was Du meinst. Aber dass Giacobbo mit Blick einen Deal hat, denk ich nicht. Aber die SP hat vermutlich einen Deal mit Blick. Und weil Guacobbo ein Linker ist, ist er eine Blick Ikone, wie auch Levrat, Wermuth, Sommaruga,……

  5. Ob Ringier oder Tamedia – beides Firmen, die auf sozial, gerecht und modern machen, innerlich aber zum Verrottetsten gehören, was Corporate Switzerland zu bieten hat!
    Ricardo mit 9% Kommission oder Ringier mit den andauernden Produktplatzierungen tun wirklich alles, um sich unbeliebt zu machen. Da wiederum sind sie sehr erfolgreich!

  6. Schlicht peinlich!
    Eine Bude, die auf links macht, aber von den grössten Verfechtern des Kapitalismus dominiert wird.

    Ringier = neudeutsch für unglaubwürdig!

  7. na ja ringier, auch so ein laden. zb e.r. die sich permanent als ‚sauberfrau‘ (siehe artikel letzte woche in der zeit) aufführt, aber dieses in ihren familienbetrieb ‚ringier‘ nicht durchzieht. siehe verfahren blick vs hegglin, es geht immer nur um ‚wie mache ich den/die andere fertig und hole den grössten profit‘. offenbar wird da noch eine geschichte raiffeisen ringier kommen, bin gespannt. die show geht weiter

  8. In der Schweiz verdient Ringier leichtes Geld mit Finanzbeteiligungen an digitalen Lösungen. Im Verborgenen – stilles Serbeln mit Vertriebs-, Anzeigen- und Druckerlösen.

    Und es wird sich weiter fortsetzen: auffallend viele Ringier-Titel haben gemäss Wemf Mach Basic 2019-1 hohen Leserschwund wie Schweizer Illustrierte -11.5% oder Handelszeitung -9.1%.

    Bald wird Pierin Vincenz wohl der letzte Leser sein der Ringier-Schmierblätter -> aktuelles Beispiel ist die Verurteilung von Blick/Ringer in der Causa Spiess-Hegglin/Hürlimann.

    PS: das Ringier-Buch hat der ehemalige Blick-Chefredaktor Lüchinger geschrieben, der damalige Hauptverantwortliche bei der Berichterstattung Spiess-Heglin/Hürlimann.

  9. Mol, Mol, der Deal passte zu PV/Raiffeisen – im Schweizer Fussball „chlöpft und brennt und raucht“ es ebenso viel…
    Die PV Freunde haben ja noch den Cup mit HELVETIA abonniert.
    Nachdenklich machen eher all die Kantonalbanken, welche da im Dunst der Pyro-Saubannerzüge versuchen einen wirksamen Imagetransfer „CH Fussball – Bankkunden“ herzustellen.
    Zur Erinnerung: VONTOBEL war grad 1 Spielsaison mit GCZ im Bett und dann war aus die Maus wegen den „rauchenden Colts“ in den Kurventribünen.

    • Und sobald jemand aus dem PV-Dunstkreis austritt, wird er als letzter unfähiger Vertreter der alten Garde gelistet.
      D.L. aus Herznach ex. VR-RBCH gibt gemäss Blick seinen CEO- Job bei der RB Aarau/Lenzburg ab. Dies ohne, dass dies einen Zusammenhang mit dem Total-Versagen als VR-RBCH hätte…;-((

  10. Interessant wird sein anzuhören wie der Staatsanwalt die Untersuchungshaft-Dauer bei Pierin Vincenz von 106 Tagen mit Kollusions- und Fluchtgefahr unter dem Titel der Verhältnismässigkeit im Einzelnen begründen wird.

    Schliesslich auch spannend zu erfahren wie der Staatsanwalt im Fall Vincenz die qualifizierte Wiederholungs- und Ausführungsgefahr der jeweiligen Hafterstreckungsbeurteilung begründet.

  11. Ich habe gehört, dass dieses Buch in einer Grossauflage kommt. Es werden „Zig Exemplare“ in den Knast-Bilbliotheken verfügbar sein.

  12. Jetzt wird es interessant: Wieviel von den 130m gehen an den SFV weiter und wieviel bleibt bei Infront Ringier hängen? – Damit im indirekten Zusammenhang: Wie hat Walder seine 10% finanzieren können? Die dazu nötigen geschätzt 100-200 Millionen hatte er ja vorher kaum verdient und auf der Kante, die Anzahlung dafür somit wohl auch nicht…

  13. Aha! Darum hat Ringier jahrelang Vincenz unterstützt! 130 Millionen in eine von Hooligans dominierte Gurken-Liga mit einem katastrophalen Ruf: ist doch völlig absurd!

  14. Ringier ist eine von komischen UBS-Personen (Cisullo usw.) dominierte Bude, die permanent komische Figuren unterstützt. Ringier schlägt sich grundsätzlich immer auf Seite der Mächtigen (jüngst wieder im EY-Fall mit der Achse Stalder-Walder).
    Hoffentlich geht der Laden pleite, wäre für den Schweizer Journalismus ein Segen!