Vontobel schmeisst raus: Ciao Notensteiner

Der 700 Millionen-Kauf entpuppt sich vor allem für eine Gruppe als unverdaulich: Die 250 Banker der erworbenen Notenstein.

Vontobel-Chef Zeno Staub hat zum ersten Mal eine richtige Integration zu bewältigen. Sie heisst Notenstein Privatbank und bedeutet, rund 250 Mitarbeiter der übernommenen Bank in der Vontobel aufzunehmen.

Oder auch nicht. Derzeit häufen sich die Nachrichten von Entlassungen. Letzte Woche hiess es, dass die Vontobel in St.Gallen fünf Banker auf die Strasse stellen würde – alles Ex-Notensteiner.

Aufregung hinter Blumenbalkon: Alte Notenstein in SG (Wikipedia)

Auf Anfrage meinte eine Sprecherin der Zürcher Familienbank: „Es betrifft weniger als einer Handvoll Mitarbeitende und es handelt sich nicht um Kundenberater und auch nicht um eine Entlassungswelle.“

Und weiter: „Der Grossteil der betroffenen Stellenprofile wurde im Zuge der Integration von Notenstein La Roche in Zürich zentralisiert. Vontobel hat vorgängig auch wo möglich nach Alternativen gesucht wie z.B. Arbeitsplatzwechsel nach Zürich.“

Schliesslich: „Da es sich um ex NLR Mitarbeiter handelt werden alle in den bestehenden Sozialplan aufgenommen.“

Klar ist: Vontobel und ihr CEO Staub bauen ab. Ebenso klar ist: Es trifft die übernommenen Leute von der ehemaligen Raiffeisen-Tochter Notenstein.

Laut einer Quelle hätten sich die Kündigungen von Ex-Notensteiner quer durch die Schweiz in den letzten Wochen akzentuiert.

Nach St.Gallen könnte schon bald Basel an der Reihe sein, sagt die Auskunftsperson. Dort würden die vielen ehemaligen Notensteiner derzeit um ihre Zukunft bangen.

Basel war unter der alten Raiffeisen-Herrschaft besonders gross. Dort mietete sich die Notenstein-Führung in einem der teuersten und repräsentativsten Geschäftshäusern der Stadt ein.

Man hatte Grosses am Rheinknie vor. Der damalige Notenstein-CEO Adrian Künzi liess sich mit seinem Basel-Chef in den Medien ablichten. Für viel Geld – aus der Kasse der Raiffeisen-Genossenschafter – hatte Künzi die Basler Traditionsbank La Roche erworben.

Davon könnte bald nicht mehr so viel übrig sein. Die La Roche-Partner haben kürzlich bei der Vontobel-Führung gekündigt. Laut Finews gelten sie als begehrte Partner für andere Häuser auf dem Platz Basel.

Das Problem der Bank Vontobel und ihres Chefs Zeno Staub lautet, dass die Integration der für viel Geld erworbenen Notenstein kein leichtes Unterfangen ist. Es braucht Erfahrung mit solchen Käufen, damit die Rechnung aufgeht. Entscheidend ist, dass die gekauften Topleute bleiben.

Das ist nun möglicherweise nicht der Fall. Jedenfalls fällt auf, wie Vontobel-CEO Staub zum Kostenmesser greift – und zwar just zum Zeitpunkt der Integration der erworbenen Notenstein.

Passt Notenstein zu Vontobel? (IP)

Dabei hatte die Vontobel-Führung viele Notenstein-Mitarbeiter gleich von Beginn an nicht übernommen. Backoffice-Leute wie beispielsweise Informatiker blieben im Reich von Verkäuferin Raiffeisen. Diese fand für sie ein neues Plätzchen – oder entliess sie.

Beim Rest der alten Notenstein-Truppe handelte es sich schwergewichtig um Frontleute, also solche, die direkt messbar sind im Geschäft mit Kunden. Man ging davon aus, dass es nur noch wenige Kostenanpassungen via Kündigungen brauchen würde.

Das sollte täuschen. Zeno Staub ist daran abzustauben. Er entlässt die alten Notenstein-Leute, weil ihm langjährige La Roche- und Notenstein-Kunden davonlaufen könnten. Anpassung der Kosten an die Erträge, lautet das Motto. Die Zeche des grossen Deals von Staub zahlen somit die Mitarbeiter.

Kommentare

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  1. Vontobel schmeisst raus: Ciao Notensteiner – Innerer Paradeplatz – BCZ Business Center Zug

    […] Vontobel-Chef Zeno Staub hat zum ersten Mal eine richtige Integration zu bewältigen. Sie heisst Notenstein Privatbank und bedeutet, rund 250 Mitwirkender jener übernommenen Sparkasse in jener Vontobel rezipieren. Oder im gleichen Sinne nicht. Derzeit häufen sich die Nachrichte…Vorlesung halten Sie weiter […]

  2. Der Lebenszyklus der Banken ist wie im 20. Jahrhundert der Lebenszyklus der Glarner Textilindustrie im Endstadium und auch im Glarnerland wollte man das „old style“ bewahren.
    Unsere Banken und externen Vermögensverwalter haben den wake up call noch nicht erfasst.

  3. Die Luzerner Notensteiner wurden schon ganz am Anfang komplett ausgekegelt bzw. ausgeschlossen – inkl. Sitzleiter….:-( – Wer kauft regiert…..:-(

  4. Zuammenfassug: Firma A kauft Firma B. Bei B werden Leute entlassen.

    Wenig überraschend. Denn so läuft der Hase nun mal.

  5. BREITLING Uhren sind grad am diversifizieren, s. Kafishop im JELMOLI. Vielleicht wäre B Private Banking noch was.
    Unter den Uhrenträger hat es weltweit sicher ein paar U/HNWIs und die Ex-St.Galler könnten da doch „anfliegen“.
    Meister kern und die CVC-Jungs haben ev. ein offenes Ohr …

  6. Nach wie vor interessiert bei Vontobel folgendes: Wer ist Zenos Hair-Artist?!
    Manche munkeln, es sei derselbe wie der von Carmen Walker-Späh. Ist dem so ?

    • Was soll diese schwachsinnige Bemerkung in einer seriösen und schmerzhaften Meldung?

    • @Bad Hair Day: Ich frage mich auch immer wieder was der Coiffeur von Zeno Staub von Beruf ist!

    • @Peter V Brunner

      Humorlos? Betroffen?

      In beiden Fällen hilft nur noch beten! Nach 1000 Rosenkränzen geht es wieder besser!

  7. Nichts Aussergewoehnliches bei Uebernahmen. Wer die Leistung nicht bringt, sich nicht in die V-Philosophie einbringen will, Extra”zuegli” fahren will oder eine ruhige Kugel schieben moechte, ist zu Recht fehl am Platz. Man sagt dem auch “drain the swamp” und es gibt offenbar immer noch Baenkler, welche das nicht begrffen haben und jetzt die Konsequenzen zu tragen haben; der Stellenmarkt ist ja so gut, derzeit!!!
    NB Hauptsache ist, dass Haessig wieder ueber Vontobel berichten kann, seinem “Erzfeind”.

  8. Nicht per se die Übernahme der Notenstein-Assets war der Treiber des Deals. Vielmehr die enge Anbindung an Raiffeisen dürfte Vontobel in den kommenden Jahren erkleckliche Gewinne im Assest Management, mit seinen überrissenenen Gebühren für notabene mittelmässige Produkte bescheren. Die Dummen sind nicht nur die Notenstein-Kollegen. Noch deutlich dümmer stehen die Raiffeisen-Kunden da, in deren Portfolios systematisch Vontobel-Fonds und -Strukis abgespitzt werden. Raiffeisen wird sich über Jahre nicht mehr aus diesem strategischen Klammergriff von Vontobel befreien können.

    • Hört doch endlich mit dem ewigen Fonds- und Struktis-Gejammere auf. Kein einziger Berater (ob intern oder extern) ist gezwungen „überteuerte“ Produkte reinzunehmen. Da gibt es mittlerweise genügend Tools um relativ zügig Vergleichswerte zu erhalten. Wer die nicht benutzt, ist schlicht und einfach selber schuld.

    • @Supermario

      Da bist Du leider falsch informiert, Mario. Druck auf die Raiffeisen-KB’s wird sehr wohl, wenn auch recht subtil, ausgeübt. Wer eine geringe Vontobel-Dichte in den Kundenportfolios ausweist, wird zum klärenden Gespräch eingeladen.

    • Nicht das erste Mal, dass Supermario daneben liegt. Meist nur halb qualifizierte Bemerkungen, selber aber selten mit einem Beitrag. Am besten einfach ignorieren.

    • @Raiffeisen-KB. Wenn dem so ist, tun mir diese „Berater“ aber echt leid. Wie soll ein seriöser RM seinem Kunden klar machen, dass nur Vontobel-Produkte (ich glaube selbst der letzte Laie hat schon mal was von Klumpenrisiko gehört) vertreten sind und dann womöglich noch in unverantwortlicher Allozierung.
      @Der Rückenbauer. Ihr Einwand hat natürlich extrem viel Fundament und in Sachen Konsequenz ist er schlicht lachhaft, weil ja ignoriert. Und nochmals; wenn Raiffeisenberater zu solchen Aktionen „gezwungen“ werden sollten, ist das schlicht sträflich und widerspricht sämtlichen Anlagegrundsätzen!

    • Fake News, bei Raiffeisen ist niemand zu irgendetwas gezwungen. Best in Class regiert!

  9. Die generelle Frage auf dem Bankenplatz Schweiz stellt sich wie folgt: Von ca. 18 000 Frontmitarbeitern haben 99 % undeklarierte Assets verwaltet und die Depots der Kunden mit aufdiktierten Strukies abgespitzt. Von Privatbanken verstehen sehr wenig etwas. Wie viele dieser braucht es noch? Wenn ca. 4 – 6 von jedem Frontmitarbeiter im rückwärtigen Raum arbeiten – dann kann der Bankenplatz Schweiz locker noch 20 000 der zu Zeit 93000 abbauen.

    • Ja, von Privatbanken verstehen wirklich wenig was; insbesondere wenn ich diesen fundierten Kommentar lese.

    • 99 % undeklarierte Assets. Sie nehmen es mit Zahlen wohl immer nicht so genau. 8-tung: das sind klassische Fake-News von einem möchtegern Kommentareschreiber.

    • @meier max: Die meisten Private Banker sind Schönwetterkapitäne. Das heisst solange die Börse nach oben geht jubeln sie und brüsten sich gegenüber den Kunden wie gut sie sie beraten haben. Aber wenn es einem runter geht, dann sucht man einen Schuldigen. Die meisten Private Banker haben zudem ein absolut dürftiges Fachwissen und oft versteht der Kunde selber mehr von der Materie. Und somit wird es immer schwieriger diese Strukies den Kunden aufs Auge zu drücken. Aber es hat lange Zeit gut funktioniert und diese sogenannten Private Banker haben hervorragend verdient ohne irgend einen Mehrwert für Kunden geschaffen zu haben.

    • Gehörte ihr Kundenberater auch zu den 99%, die undeklarierte Vermögenswerte betreut haben?
      Sie sollten Fussballcoach werden, dann hätten wir kein Stürmerprobleme mehr in der Nati. Denn sie würden einfach Verteidiger als Stürmer einsetzen, ohne deren Fähigkeiten Rechnung zu tragen.

  10. Vontobel handelt da nicht atypisch. Einer der grössten Konsolidierer der Schweiz ist die UBP, die u.a. die Santander, Lloyds, ABN Amro und Coutts übernommen hat. Da kamen die unterschiedlichsten Kulturen zusammen. Durchorganisiert und mit modernem Core-Banking-System trifft auf französische Zettelwirtschaft mit Uraltsystem und zentralistischer Genfer Führung- das geht für viele nicht auf. Schon kurz nach der jeweiligen Integration herrschte Flugwetter. An der Bahnhofstrasse 1 sind deshalb auch nur noch wenige Banker der übernommenen Institute übrig. Entweder springen sie zermürbt selber ab, oder werden in der alljährlichen Frühlingsputzete entlassen, 5 – 6 jedes Jahr. Solche, die offen und transparent über Wünsche für mögliche Änderungen kommunizieren werden nach zwei Tagen Opfer von „Restrukturierungen“. Der UBP Zürich CEO Künzi ist da erbarmungs- und rücksichtslos.
    Übrig bleiben duckmäuserische Produkteabdrücker und neu eingestellte Hunter, die bei der Akquise mit den Fees unten rein gehen, viel versprechen müssen aber wenig halten können.

    • Die Party im Private Banking ist schon lange vorbei und all diese Schönwetter Private Banker wird es bald nicht mehr geben.

  11. Ja, einige Partner von NotensteinLaRoche meinten zu mir: Staub sei furchtbar und für so jemanden, würden sie nicht arbeiten wollen. OK, die können sich die Frühpensionierung natürlich leisten. Andere werden jetzt Probleme kriegen.

  12. Der good old Privatbanker ist zu träge und zunehmend (gemessen) weniger erfolgreich.

    Das Ausstauben findet im ganzen Privatbanking statt.

  13. St. Galler passen nicht zu Zürich, und Notenstein ist ein bizarrer Name. Alle fragen sich: „Hä ?“ Also raus !!

  14. Tja, die sauberen Gloors & Co. – drei Mal Kohle gemacht, Mannschaft im Stich gelassen, auf zur nächsten Futterkrippe. Wohl bekomm’s…

    • und dies sollen ,gefragte‘ Banker sein. Eher Schlafmützen, die recht Kasse gemacht haben.

  15. Vontobel schmeisst raus: Ciao Notensteiner. 5 von 250 ergibt 2 %. Für eine Übernahme wohl ein recht kleiner Wert (wenn es bei diesen bleiben sollte/würde)…
    Es geht hier also ganz im Boulevard-Stil weiter hier im Blog…

    • Zu einem kleinen Mann gehört meist ein kleines Gehirn. Bei Ihnen jedenfalls unbestritten.

  16. Es gibt doch bei den Banken generell ca. 50% vorige, die ihren Tag mit Schauspielern, sinnlosen Meetings und dem Studium von Autoprospekten totschlagen.

    • haben Sie auch einen Beweis für Ihre Behauptung?
      Wahrscheinlich nicht weil Sie höchstwahrscheinlich einfach als Trittbrettfahrer des billigen Bankerbashing sich frönen ohne auch nur einen Schimmer zu haben.

    • @Marktbeobachter

      Welchen Markt beobachten Sie? Den Fischmarkt in Hamburg? Den Fleischmarkt in Chicago? Egal. Beobachten Sie doch weiter statt hier die @Wahrheit zu hinterfragen …

    • @Wahrheit
      50% sind im Schnitt vielleicht bisschen hoch, einem guten Drittel stimme ich zu. An der Front sicher wenige aber im Backoffice easy gegen 50%. Um in Excels paar Zahlen nachzuführen, paar Powerpoints zu malen oder eben Meetings, Workshops und allerlei „gschpürsch mi ?“-Übungen zu organisieren, die eh nix bringen aber nur da sind, um die jährliche Quali zu erreichen, wurden hunderte, ja sogar tausende Leute aufgebaut. Das Meiste kann automatisiert oder gespült werden. So einen Admin-Wasserkopf kann sich nur die Finanzindustrie leisten.

    • Das mit den Autoprospekten – rings a Bell. War bei einer Privatbank, da haben die Leute zum Teil acht Stunden am Tag (…) You Tube Videos geschaut. Als Belohnung wurden eben diese Leute dann zum Teamhead ernannt. Ich selber durfte jahrelang schuften, nie etwas erreicht und dann noch Mobbing. Das gibt es echt nur in der Schweiz, diese Back Office Kultur.

  17. Mein Vorschlag: alle Ex-Notensteiner gehen zu Konrad Hummler. Dort dürfen sie mit Blockchain spielen. Das machen ja auch ganz „seriöse“ Provinzbanken. Was man nicht versteht, muss man auch nicht verantworten…

    • Was macht eigentlich Hummler? Zu Weggelin‘s Zeiten empfahl er sich immer als grosser Guru – jetzt wohl seehr viel ruhiger geworden…

    • Der Hummler ist „unten durch“ und in St. Gallen kein Thema mehr. Er hat sich ja selbst in seinem Leibblatt, dem St. Galler Tagblatt, vor einigen Monaten weinerlich beschwert, dass er schwer darunter leide, dass gewisse Ex-„Freunde“ die Strassenseite wechseln…eigentlich ist er ein Leidensgenosse des gesellschaftlich total abgestürzten Pierin Vincenz.