King von Bern: Hockey, Airport, Jus, FDP, Filz

Beat Brechbühl verkörpert wie kein Zweiter die enge Verzahnung von Beamtenstube, Sportchef und Privatinteressen.

In Bern ticken die Uhren anders. Da wird einer König, der in Zürich ein No name bliebe. So what?, könnte man finden. Doch Bern ist La Capitale de la Suisse, also ist sein König wichtig.

Heissen tut er Beat Brechbühl, ein Anwalt und grosser Partner der Rechtskanzlei Kellerhals Carrard. Das ist jene Juristenfirma, welche den Postskandal untersuchte – im Auftrag der Post.

Brechbühls KC, wie die Kanzlei genannt wird, erledigte den Job mit Bravour. Denn das Drehbuch sah vor, Post-Präsident Urs Schwaller zu schützen. Der blieb im Amt – Mission Accomplished.

Seither ist KC-Spitzenmann Brechbühl im Hoch. Auf Wolke Sieben. Seine Kanzlei kauft die halbe Schweiz auf – heute gilt sie als zweitgrösste Wirtschafts-Anwaltsfirma.

Zwar kennt sie kaum einer, weil selten jemand die Kanzlei bei heiklen Fällen mandatiert. Sie lebt von unzähligen Kleinaufträgen. Viel Kleinvieh halt.

Wer sind die Zwei neben Brechbühl? (KC)

Brechbühl lächelt solche Kritik weg. Er strahlt. Seit diesem Frühling noch mehr. Sein SC Bern, der Hockeyclub der Hauptstadt, holte den Meisterkübel. Brechbühl ist dessen Präsident.

Gestern folgte nun das nächste Highlight. Brechbühl konnte verkünden, dass sein Flughafen vom Staat Millionen erhalten würde. 30 Prozent Beteiligung des Kantons Bern ist geplant, zudem soll der jährlich hohe Grundkosten tragen.

Belpmoos hiess der Ort, legendär besungen von Patent Ochsner. Daraus zimmerte Brechbühl den Bern Airport. Ziel war die Luft-Anbindung Berns an die Welt.

Seit dem Grounding des Homecarriers letzten Sommer lagen Brechbühls Träume in Scherben – Airline Konkurs, Anbindung vorbei. Over and Out.

Sofort zauberte Anwalt Brechbühl einen neuen Plan aus dem Hut. Und was für einen: Der Wirtschaftsanwalt schrie nach Staatskrücken.

Brechbühl, der Sozialist? Man staunt. Auf dem Papier sollte der Jurist ein Super-Liberaler sein, das pure Gegenteil eines Staatshörigen.

Der Mann steht wie nur wenige für den Berner Freisinn, er besetzte auch schon politische Mandate für die FDP. Mit seiner Kanzlei, seinem Flughafen und dem SC Bern ist er Berns Monsieur Liberté.

Und nun das. Aus „Mehr Freiheit, weniger Staat“ macht Strippenzieher Brechbühl „Mehr Staat, weniger Unternehmertum“. Was ist in ihn, den grossen Freiheits-Kämpfer, gefahren?

„Zürich, Genf, Basel, vor allem aber die Regionalflughäfen Lugano, Sion, Payerne – an ihnen allen ist die öffentliche Hand mehrheitlich beteiligt“, führte er gestern in einer Email-Antwort aus.

„Der Flughafen Bern hingegen ist zu 90% im Besitz der Wirtschaft – ohne Dividende in den letzten Jahren. Wenn sich das jetzt ändert, dann ist das nichts als fair.“

Liberal, freisinnig, subventioniert: ein gewöhnungsbedürftiger Dreiklang. Wie den Spagat schaffen, ohne dass es einen verreisst? Ganz einfach: Das Mantra von den gleich langen Spiessen predigen.

Ganz unrecht hat Brechbühl nicht. Nach Nine-eleven und dem Aus der Swissair schoss der Kanton Zürich vor bald 2 Jahrzehnten Hunderte von Millionen in den Kloten-Airport ein. Heute ist Zürichs Flughafen eine Erfolgsgeschichte, die Aktie schiesst durchs Dach.

Also gehts nicht ohne Staatshilfe? Davon ist Brechbühl überzeugt. Und greift zum bekannten Totschläger-Argument, wenn es um die Rechtfertigung von Steuergeldern für Flug-Infrastruktur geht.

„Der Bern Airport ist ein wichtiger Standortfaktor, daran hängen rund 400 Jobs und 180 Mio. Wertschöpfung für den Kanton. Darauf darf man nicht leichtfertig verzichten.“

Er selbst habe nichts davon, ihm gehe es allein um die gute Sache, so der bekannte Anwalt. „Mein Engagement ist eine Herzenssache und meinen Beitrag an den Wirtschaftsraum Bern. Pro Stunde komme ich vielleicht auf 100 Franken – maximal.“

Pro bono-Brechbühl. Zu kurz kommt der Anwalt nicht. Er wurde in den VR des Versicherers Mobiliar gewählt. Die bildet ein Machtzentrum in Bern – quasi die UBS der Mutzen.

Interessant ist zu beobachten, wie Brechbühl Wasser predigt. Er ist Aushängeschild einer Gruppierung namens 5 vor 12, die sich gegen den ausufernden Staat wendet. Wie das zur Staatsrettung von Belpmoos passt, nachdem Brechbühl dort hoffnungslos abstürzte mit viel zu hohen Kosten, bleibt das Geheimnis vom Roi de la Capitale.

Kommentare

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  1. Intéressant. Brechbühl nennt Payern einen Regionalflughafen. Und so einer ist VRP. Er und seine Mitstreiter im VR haben in den letzten Jahren NICHTS zustande gebracht. Brechbühl ist eine Plaudertante und sollte endlich gehen. Zusammen mit dem ganzen VR

  2. In Bern ist manches anders als in Zürich. Man denke nur an die Reitschule mitten in der Stadt, verschmiert, geschändet, ein nie versiegender Quell von Chaos, Krawall, Sachbeschädigung. Doch, oh Wunder, diese Reitschule wird sogar mit Steuergeldern unterstützt. Wenn in dieser Stadt ein FDPler wie Herr Brechbühl politisch mitspielen will, dann muss er am linksten Flügel stehen, sozusagen mit einem Fuss bei der SP. Und das mit den 100.-/h (höchstens !) das nehmen wir zur Kenntnis und überlegen noch ob wir lachen sollen oder nicht.

  3. Bern, jener Kanton welcher Summen mässig den grössten Finanzausgleich gesamtschweizerisch abholt. Die hauptstädtische Subventionshölle törnt jede und jeden an sich möglichst elegant am „grossen Fressen“ zu beteiligen. Wo denn sonst, wenn nicht im Schlaraffen-Kanton Bern. Im Milieu spricht man von Zuhälter.

  4. Sensationell auf den Punkt gebracht!!! Vive le Filz – Vive le Königreich des pots de miel Bärnaise!

    Danke Lukas Hässig für die ausgezeichnete Beleuchtung des Sponsoring- und Subventionitis-Syndikates zu Bärn.

    Was ist mit weiteren zentralen Akteueren? Wir hätten da noch den YB-Honigtopf-Zirkel rund um Herrn NR Hess; seines Zeichens Verwaltungsratspräsident der Visana Gruppe (YB wie SC Bern Goldsponsor). Er wird kameradschaftlich sekondiert von KC Brechbühl – seines Zeichens u.a. VR bei der Mobiliar (auch Mobi ist SCB Anchor Sponsor). Zufälle gibts. Dream Team.

    Als Schnittmenge gemein haben die Vereine, Personenklüngel, Politprominez und lokale Wirtschafts-‚Elite‘ ein ausgeklügeltes Karussell-Sponsoring in deren Mitte sich immer die selben Akteuere selber positionieren, befeiern und gegenseitig ‚begünstigen‘.

    Auffallend sind hüben wie drüben die Engagements von: Visana, Mobiliar, Swisscom, PostFiance, Migros mit SportXX und OBI, dann immer wieder Valiant Bank, immer wieder Natinalräte aus Bern (wie Hess) und immer und immer wieder die Anwaltskanzlei KC Kellerhals Carrard mit King Brechbühl.

    Long live the kingdom of honey pots. Long live Le Roy Bärnaise.

    • Apropos Berner Chlüngel, Visana und VRP Hess: da wäre ja noch die in diesem Medium beschriebene Tragikomödie um den scheidenden Allianz Manager Angelo Eggli. Seines Zeichens bekennender YB-Tifoso, Bern-Belpmoos-Vielflieger und nun designierter CEO der Berner Krankenkasse Visana. Genau ..! deren Verwaltungsratspräsident kein geringerer ist als Herr NR Lorenz Hess. Zufall oder nicht – jedenfalls teilen beide Herren eine grosse Nähe zum YB Inner Cyrcle. Man kennt sich von fröhlichen Fangelagen, was vertrauensbildend und verbindend wirkt. Wiederum eine verblüffende Zufälligkeit. Sachen gibt’s.

      So – wenn schon Zufälle von solch’ wundersamer Gestalt, dann sei hier im öffentlichen Interesse die ungemütliche Frage erlaubt – welche Rolle der YB Chlüngel um VRP Hess möglicherweise bei der Nominierung und Installierung ihres YB-Budy’s Eggli als CEO bei Visana (YB wie SCB Hauptsponsor) gespielt hat? Die Gerüchte in der Kapitale halten sich, es hätte bei der Selektion eine besondere Aura des ‘Wohlwollens’ geherrscht. Kritische Fragen unerwünscht; welch Konvenienz. Wie das?

      Zufall? Oder eher nicht – Herr Hess?!

  5. Die liberalen Schreihälse sind halt in Tat und Wahrheit Unternehmenssozialisten – selbstverständlich gut getarnt damit es die Horde von Bünzlis nicht mitbekommen. Und Brot und Spiele tragen das Übrige dazu bei. Hallelujah, halleluuujaaahh

  6. Es reicht, wenn in Bern ein paar Privatflieger landen und starten können. Basel, Zürich und sogar Genf sind schnell und bequem erreichbar und haben zudem Anbindung an die ganze Welt. Die Erfahrung zeigt, dass in Bern viel zu wenig Potenzial für die kommerzielle Luftfahrt vorhanden ist. Darum sind ja auch alle Airlines mit Homebase Bern pleite gegangen. Also kann man sich die Staatsmillionen sparen und Bern auf einen Regionalflugplatz redimensionieren.

  7. „Liberal, freisinnig, subventioniert“ – eine leicht abweichende, aber verbreitete Version lautet: „Liberal, freisinnig, Schweizer Kartelle*“.

    * vom Parlament und Bundesrat gewollt.

  8. Mehr Freiheit – weniger Staat rufen Dr. Brechbühl und Buddies immer genau so lang, bis ihr Unternehmerspielen abverreckt. Dann sind die Umstände Schuld und der Staat solls richten. Aber schön weiterhin bei der Bonny- Stiftung gegen Subventionen lästern und von fetten Bundesaufträgen mit astronomischen Honoraren leben. Dazu in den Logen der Berner Sportvereine noch etwas lobbyieren und vom Parastaat (BKW, Post, Swisscom, RUAG, EWB, etc etc) noch abgarnieren und das ganze freie Marktwirtschaft nennen. Als Sahnehäubchen dann noch die Kartelle verteidigen.
    Was für eine Heuchelei. Kein Wunder ist der Kanton Bern am Ende der wirtschaftlichen Fahnenstange angelangt. Das Problem sind weder die Linken noch die Grünen. Das Problem ist die Klüngelfeudalwirtschaft.

  9. „Liberal, freisinnig, subventioniert“ – eine leicht abweichende, aber sehr verbreitete lautet Version: „Liberal, freisinnig, Schweizer Kartelle*“.

    * vom Parlament und Bundesrat gewollt.

  10. Der Flughafen St. Gallen – Altenrhein ist auch so ein Krücken-Airport. Gerade wurden alle dringendst notwendigen Investitionen (Sanierung der äusserst maroden Piste) wiederum zurückgestellt. Altenrhein wird zwar staatlich kaum unterstützt, kommt aber trotz relativ straffer Führung nicht so recht vom Fleck! Kurz: Mit der Fliegerei kann man mittel- und langfristig immer nur Verluste einfahren. Merkt Euch das endlich im Belpmoos!!!

  11. Dass es in Bern überhaupt eine FDP gibt ist ein Widerspruch in sich selbst! Ausser die FDP will gar nicht weniger Staat sondern nur dort weniger Staat, wo die FDP nicht selbst profitiert.

    In Bern sind direkt und indirekt faktisch fast alle abhängig vom Staat und vom Finanzausgleich. Weniger Staat wäre das Ende von Bern.

    • können die Berner laufend verschiedenste FA-finanzierte „Honigtöpfe“ plündern, z.B. via die verschiedenen Regionalkonferenzen, die alle möglichen Gemeinde-Fieberträume (ugs.: „Fürze“) fördern/ermuntern.

  12. Nun fällt auch anderen auf, dass KCdie Interessen von Filz, Bundesbetrieben etc. vertritt… und dies erst noch zu horrenden Honoraren und teils zu Lasten von Geschädigten, entgegen deren Interessen um gewissen Filz schadlos zu halten.

    CVP-Mann und Post-VRP Schwaller wusste genau, wieso er beim Postauto-Skandal KC ins Boot holte. Die Einflussnahne von Schwaller auf KC war dann nur noch ein weiteres Kapitel im Postauto-Skandal. Der grösste Skandal ist jedoch, dass die Politik an Schwaller festhält, obwohl es ein offenes Geheimnis ist, dass beim Postkonzern noch weitere Baustellen bestehen die Schwaller unter den Teppich des Schweigens gekehrt hat. Dazu gehören massive Probleme beim Compliance bei Post-Tochter Postfinance wo ebenfalls die FINMA mitten in die Mauscheleien involviert ist, sich jedoch der Kreis wieder zu KC schliesst.

    • Tja, und das nachdem die Grins-Doris weg ist – kann KC nach Belieben weiterwursteln.
      Wie KC in den Bundesbetrieben Geld „verdient“ sollte einmal untersucht und publiziert werden. – Armasuisse/RUAG bitte zuerst anschauen…