Raiffeisen lässt sich von Vontobel knebeln

Genossenschafter unterwerfen sich Zürcher Bank, übernehmen deren Robo-Advisor – App ist teuer, läuft nicht rund – Filz?

Daniel Brüesch ist der neue Anlagechef der grossen Raiffeisen. Brüesch war zuvor lange bei der Zürcher Vontobel.

Der Wechsel hat Folgen. Gestern lancierte die Zürcher Familienbank ihr Computer-Privatebanking namens „Volt“. Gleichzeitig teilte die Raiffeisen mit, auf Basis von „Volt“ auch loszulegen.

Robo-Advisor nennt man das Produkt. Gemeint ist Vermögensverwaltung per Computer und Handy. Gedacht für Kleinkunden.

„Volt“ von „Strom“? (Vontobel)

Vontobel und Raiffeisen wollen den Markt für Robo-Advisors aufmischen. Ihr Angebot sei allerdings teuer, so der Tages-Anzeiger heute mit Bezug auf Experten und Professoren.

Bei Vontobel-Insidern ist „Volt“ umstritten. Es laufe harzig, statt vollautomatisiert sei viel Handarbeit nötig.

Nix da mit super-digital. Teuer, langsam, kompliziert – so die Auskunftsperson. Dahinter stünde eine deutsche Softwarebude.

Wie sich Volt entwickelt, muss sich weisen. Brisant ist aber jetzt schon, wie sich die Raiffeisen in Abhängigkeit der kleinen Zürcher Vontobel begibt.

Man fragt sich, warum die Raiffeisen-Gruppe dies tut. Hat sie keine eigenen Ideen? Keinen eigenen Power? Keine guten Leute?

Die Beziehung zur Familien-Privatbank geht zurück auf die Zeit von Pierin Vincenz. Der kaufte einen Aktienanteil der Vontobel und übergab der Privatbank einen Teil der Informatik.

Dann wollte Vincenz mit Vontobel die Basler Sarasin kaufen. Als die Safra schneller war, schlug Vincenz bei der Wegelin zu. Notenstein war geboren.

Das war das Ende der Liebesbeziehung mit der Vontobel. Es kam zum langjährigen Rechtsstreit. Am Ende gingen Vincenz und Vontobel getrennte Wege.

Bis es in St.Gallen krachte und das Modell Vincenz mit fragwürdigen Deals zutage trat. Nun musste Vincenz-Nachfolger Patrik Gisel schnell das Erbe von Vincenz loswerden.

Er verkaufte, was er konnte – fast immer an die Vontobel. Assetmanagement, Privatbank Notenstein: Alles landete bei den Zürchern.

Die bezahlten stolze Preise, so dass Gisel und seine Raiffeisen ihr Gesicht wahren konnten. Was aber wurde im Kleingedruckten vereinbart?

Ein enger Schulterschluss, wie sich nun zeigt. Ob vertraglich fixiert oder einfach nur mündlich besprochen, ist egal. Sicher ist: Die Raiffeisen übernimmt immer mehr Produkte und Leistungen von der Vontobel.

Ob Assetmanagement-Angebote, Fonds-Produkte oder Derivate und Strukturierte: Stets sind es die Zürcher, welche bei der Raiffeisen zum Zuge kommen.

So ist die Vontobel-Bank die grosse Profiteurin des Vincenz-Debakels. Einst wollte der Raiffeisen-Bigboss 25 Prozent der Vontobel kaufen, und nur weil die Bankenaufsicht intervenierte, blieb es bei 12,5 Prozent.

Nun hat die Vontobel die Raiffeisen faktisch am Wickel. Die Privatbank ist der ultimative Service-Provider der Genossenschaftsgruppe mit ihren 250 Banken im Land.

Damit lassen sich die 700 Millionen, welche die Vontobel der Raiffeisen für die Notenstein bezahlte, sowie die Dutzenden von Millionen für das Assetmanagement mehr als rechtfertigen.

Die Deals sind nämlich Gold wert: Die Vontobel kann ihre Fonds und Strukis an 4 Millionen Raiffeisen-Kunden verkaufen.

Was aber ist vom engen Schulterschluss aus Sicht der Raiffeisen zu halten?

Die integrale Übernahme von „Volt“, dem neuen Robo-Advising aus dem Hause der Vontobel, zeigt, dass die Genossenschaftsgruppe sich in nahezu komplette Abhängigkeit von den Zürcher gebracht hat.

Nur noch bei den Hypotheken ist die Raiffeisen selbstständig und eine Macht. Dort lauern aber die grössten Risiken.

Im interessanten und zukunftsträchtigen Anlagegeschäft hingegen hat die Raiffeisen wenig Eigenes zu bieten. Sie mutiert zum Absatzkanal für die Vontobel.

Das ist für die Raiffeisen ein Debakel. Sie, die auf dem Papier grosse dritte Kraft von Swiss Banking, wird zur Front-Organisation der schlauen Zürcher. Ein Schildbürgerstreich der Extraklasse.

Kommentare

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  1. Raiffeisen gewinnt BILANZ-Rating 2019: Beste Anlagebank in der Kategorie «national»

    Das Wirtschaftsmagazin BILANZ zeichnet Raiffeisen als beste Bank für Anlagekunden in der Kategorie «national» aus. Dieser erste Rang bestätigt die Beratungs- und Anlagekompetenz und stellt Raiffeisen als starke Bankpartnerin dar.

    «Besonders überzeugt hat Raiffeisen mit dem ganzheitlichen Ansatz der vorgeschlagenen Anlagelösung.»

    Das Wirtschaftsmagazin BILANZ hat zum elften Mal die Dienstleistungen insbesondere im Anlagebereich von Schweizer Banken verdeckt getestet. Im Namen eines echten Kunden suchte die BILANZ eine Bank, die für sein Vermögen und seine Lebenssituation eine passende Anlagelösung unterbreitet. Neben einem umfassenden Anlagevorschlag galt es, dem Kunden hinsichtlich Immobilien, Finanzplanung und Vorsorgeleistungen zu beraten. Gut getarnt wurden so im Auftrag von BILANZ knapp 100 Banken angeschrieben. Unter den Finalisten wurde Raiffeisen am Ende durch eine hochkarätige Jury als beste Bank «national» ausgezeichnet.

    «Im Zentrum der Lösung stand ein Vermögensverwaltungsmandat.»

    Raiffeisen analysierte die Vermögenswerte sowie die Gesamtsituation des Kunden und erarbeitete – basierend auf einer Einschätzung der Ausgangslage sowie einer Risikoanalyse des Kunden – einen ganzheitlichen Lösungsvorschlag.

    Mehr zu Vermögensverwaltung 

    «Dabei konnte Raiffeisen Ihre Anlagekompetenz und starke Kundenorientierung unter Beweis stellen.»

    Die BILANZ hat damit Raiffeisen in einem aufwendigen Test zu einer der führenden Anlagebanken der Schweiz ausgezeichnet. Diese Auszeichnung unterstreicht die überzeugende Leistung von Raiffeisen in der gesamtheitlichen Beratung und in der Ausarbeitung von Anlagelösungen.

    Interessiert? Sprechen Sie mit Ihrem Berater über eine Anlagelösung 

    Der aufwändige BILANZ-Test kurz erklärt

    Im Herbst 2018 wählte die hochkarätige Jury rund 100 Banken aus. Um nicht entdeckt zu werden, hat die BILANZ dieses Jahr ValueWorks, ein Multi-Family Office, zwischengeschaltet; dieses holt für Kunden regelmässig Angebote ein. Die Situation und die Wünsche des Testkunden wurden dargelegt und um eine Offerte inklusive eines detaillierten Vorschlages angefragt bei den Banken. Die gemäss Jury-Wertung besten 17 Anlagevorschläge wurden durch das Institut für Vermögensaufbau (IVA) in München anhand von rund 60 Kriterien analysiert.

    Punkte gab es unter anderem für das Bemühen, die Gesamtsituation des Kunden zu verstehen, für die Transparenz der Produktumsetzung, das Risikoprofil, die Risikoaufklärung und die Kosten. Auf Basis dieser Analyse selektierte die Jury unter Leitung von Finanzprofessor Thorsten Hens die auszeichnungswürdigen Banken und die Besten der vier Kategorien Banken national, Banken regional, Privatbanken und Auslandbanken.

  2. Dia Raiffesewinbank hat im Anlegen von Geld und die Beratung dazu praktisch kein Know-how. Raiffeise ist praktisch nur eine Kreditbank und eine Kontobank. Die Rückmeldungen von Mitarbeitern bezüglich Anlagegeschäft sind katastrophal. Bei der nächsten Immobilienkrise dürfte Raiffeisen in grösste Schweirigkeiten kommen. Als Genossenschafter und auch als Kunde wäre ich da sehr vorsichtig.

    • Lesen Sie bitte die obige Medienmitteilung. Raiffeisen hat den 1. Platz im Private Banking Ranking gewonnen in der Kategorie „National“. Wo sind Sie Anlagekunde? Wohl nicht bei der Nummer 1!!

  3. Es war so offensichtlich, dass Vontobel der Raiffeisen viel zu viel für Notenstein bezahlt hat. So wurde ein Deal gemacht, dass Raiffeisen über Jahre Produkte und Dienstleistungen der Vontobel (zu überhöhten Preisen?) abnehmen muss. So konnte Raiffeisen behaupten, dass sie nicht mit Verlust verkauft haben, Vontobel war es egal, da sie ja genügend Geld hatten und somit den Goodwill abschreiben können. Und jetzt kann Vontobel die Raiffeisenbanken so richtig melken.

    • Ohhhhhhhhhhhhh mein Gott, meinen Sie das wirklich ernsthaft!? Unglaublich wie unklug gewisse Leute sind, es tut einem schon fast weh!!!!

  4. Die neuen Vontobelprodukte werden zum Beispiel aktuell auf finenews wesentlich positiver dargestellt. Ich hatte vor mehrere Jahren sehr konkrete Privatbankinganfragen per email an mehrere Schweizer Banken gestellt. Vontobel war die einzige Bank die brilliant geantwortet hat. Die anderen haben meist nicht geantwortet, oder sind nur Kunden gewohnt ohne klare Vorstellungen gewohnt.
    Ich habe den Verdacht dass Vontobel andere groessere Banken wie UBS, CS etc. noch gewaltig in den Hintern treten kann. Sie sind mit Volt erst seit kurzem auf dem Markt. Vielleicht sollte man schon mal ein paar Vontobelaktien kaufen

  5. Hinweis II: Raiffeisen hat ein eigenes Portfoliomanagement und verwaltet die Vermögensverwaltungsmandate eigenständig und erfolgreicher als es Vontobel je konnte. (auch erfolgreicher als CS, UBS, Swisscanto und Co.)

  6. Hinweis: Raiffeisen gehört zu den grösstem Emittenten von Strukturierten Produkten in der Schweiz.

  7. Vor kurzem hat die Raiffeisen eigene VV-Mandate aufgegleist, weil die der Vontobel unterirdisch performt haben. Nicht einmal 1 Jahr später greift man auf eine Lösung der Vontobel zurück, ohne dies in den eigenen Reihen geprüft zu haben? Gottlob müssen sich sie Verantwortlichen nicht um die Unternehmensstrategie kümmern…

  8. Ohne Geldschöpfung mittels Bankkrediten, kann die Wirtschaft nicht funktionieren; denn die Ersparnisse und Gewinne wollen erhöht werden. Wo lauern die Risiken? Bei der Marktpreisbewertung, erfunden von der Sekte Fakultät Ökonomie, welche nicht im Einklang mit dem Sinn und Geist der Geldschöpfung stehen kann, es sei denn, man will Spielen!

  9. Ach Herr Hässig. Sie können natürlich am besten beurteilen, wie lukrativ eine eigene „Schiene“ im Anlagebereich wäre… Und würde Raiffeisen eine eigene Vermögensverwaltungsbank aufbauen, würde es wieder heissen: „Schuster, bleib bei Deinen Leisten…“

  10. Vontubel und Strukis. Da lachen ja die Hühner. Der Kunde verliert da praktisch immer. Natürlich auch die Raiffeisen. Die hat es leider nie geschafft, eine professionelle Universalbank zu werden. Der Avaloc-Deal wir noch massive Löcher in die Kasse reissen. Ein Monster fuer 90 % Kleinkassen, die dem Verband angehören. Das ist enwerder Filz oder einfach Dummheit. Ich tippe auf beides.

    • Raiffeisen ist einer der grössten Struki Emittenten. Die nehmen keine von Vontobel.

  11. Das Management der Vontobel lässt sich von Hässig’s ständigen Anwürfen nicht davon abhalten, sehr aktiv und gezielt die Bank zu verstärken; und zwar mit Leuten Ihrer Wahl und nicht mit „Gspänli“ von Raiffeisen oder anderer „Ueberbleibsel“. Auch die, laut Hässig, viel zu teure Notenstein -Uebernahme entpuppt sich immer mehr zu einer lohnenden Sache und beweist die Weitsicht der Vontobel Manager – und N.B. Scheidt hat auch noch den um Welten besseren Friseur als Hässig!

    • Zenos Figaro konnte eben festgenommen werden. Ihm werden mehrere haarige bis haarsträubende Verbrechen zur Last gelegt. Es gilt die Schuldvermutung. Die Staatsanwaltschaft hat bereits 3-Wetter-Taft beantragt.

    • @ accountant

      Sie zahlen alle nicht wirklich, sie finanzieren nur über Kredit und chronische Bilanzverlängerungen.
      Geld entsteht durch Kredit, alles ist Falschgeld und besteht aus Schulden.
      Wenn dann auch noch Falschgeld für Zinsen dazu kommen (ebenfalls nur durch Bilanzverlängerung und neue Schuldenberge entstehend) die verrechnet werden, kann man das Ganze auch als Filz.- und Betrugsystem bezeichnen.

  12. Das kann doch nicht wahr sein: „Filz?“ mit Fragezeichen.

    „Filz, wie üblich“ würde der Realität entsprechen.

    Wo man hinschaut: Sauhäfeli, Saudeckeli.

    Mischeln und mauscheln. Und wenn man offengelegt wird, dann kann man sich ja kurzerhand selber „ent“schuldigen.

    Kann man das?

    Never ever. „Ent“schuldigen kann einem nur das Kollektiv.

    Die Egomanie der Moderne hat sich jedoch an die Absurdität gewöhnt, dass das Individuum frevelt und sich dann ggf. höchstpersönlich der Schuld entledigt.

    Vermaledeit komfortabel – und unethisch.

    Wo werden Kardinaltugenden wie Mäßigung, Gerechtigkeit und Weisheit (noch) als gesund erachtet?

    • Nur einer, das sit aber wenig für so ein grosses Land. Oder können Sie nur auf eins zählen?

    • @Li Li: bitte schweigen, wenn nichts Originelleres mehr einfällt!
      Ihr Statement ist hier schon x-fach erschienen.

    • @B.Meier: Ich empfehle einen Kurs für Sprichwörter. So falsch ist die Idee mit dem umfallenden Sack Reis nicht.