Iqbal Khan verscherbelt nächstes CS-Tafelsilber

Nach Parade-Immobilien ist jetzt operatives Business an Reihe: Abgabe von CS InvestLab – 30 Topleute auf Strasse?

Ein Mann will nach oben. Das gilt für Iqbal Khan, Kronprinz bei Credit Suisse. Für seinen Aufstieg ist Khan wenig heilig. Jedenfalls nicht der Bereich InvestLab mit seinen 30 Spezialisten.

Die Fonds-Vertriebsplattform wird diese Woche abgegeben. An die Allfunds, eine führende Kraft, die das Feld der Platzhirsche von hinten aufrollt. Dahinter stehen ein Private Equity-Haus sowie ein Singapur-Staatsfonds.

Wie der Deal genau aussieht, ist offen. Vermutlich verkaufen die Schweizer ihre CS InvestLab und erhalten entweder Geld oder eine Beteiligung an der vergrösserten Allfunds.

Sicher ist: Die CS verscherbelt nach ihren Prachts-Gebäuden noch mehr ihres Tafelsilbers. Und: Die Zeche zahlen die betroffenen Mitarbeiter, darunter viele mit gutem Ruf und langer Karriere rund um den Vertrieb von Fonds.

Der Vormarsch von Allfunds zeichnete sich ab.

Die NZZ fragte schon vor 2 Jahren, als das Unternehmen vom San Francisco Private Equity-Haus Hellman&Frieman und dem Singapurer GIC-Staatsfonds für hohe 1,8 Milliarden Euro gekauft worden war, ob Allfunds bald einen „Schweizer Anbieter“ übernehmen würde.

Im Fokus standen für die Zeitung das UBS Fondcenter und das Fundlab der CS, das heutige CS InvestLab. Nun sind die Würfel laut einer Quelle gefallen: Allfunds schnappt die CS-Fonds.

Zwei hohe CS-Manager spielten die entscheidende Rolle, dass ein weiteres Juwel der CS in fremde Hände gelangt. Neben Iqbal Khan als oberster Chef ist dies der Leiter von CS InvestLab.

Der Mann heisst Jörg Grossmann, er amtet als Chief Executive Officer des InvestLabs. Grossmann stiess gemäss Homepage vor gut 10 Jahren zur Grossbank, davor war er kurz bei der UBS.

Schmückt Bräute: Grossmann (CS InvestLab)

Sein Handwerk lernte er bei der Boston Consulting Group, der Nummer 2 der Strategie-Beraterinnen hinter McKinsey.

Dort war Grossmann 8 Jahre lang aktiv, und er sah, wie man Bräute schmückt. Bevor man einen Betrieb zum Verkauf anbietet, muss man ihn auf Hochglanz polieren.

Bei der CS InvestLab hat Grossmann nun sein Gesellenstück abgeliefert. Er bewies, dass er Werte schaffen kann – Verkaufswerte.

Sein Chef Iqbal Khan hatte vor 3 Jahren, als er CEO des ganzen weltweiten Private Bankings geworden war, bereits einmal eine Offerte von Allfunds auf dem Tisch. Damals sollen 250 Millionen geboten worden sein.

Nächstes Filetstück vom Tisch: Khan (CS)

Grossmann überzeugte seinen Chef Khan, dass mehr herauszuholen sei. Als Erstes erhöhte Grossmann die Service-Gebühren für die Externen Vermögensverwalter.

Die wurden zur Ader gelassen, zahlten plötzlich viel mehr als zuvor für die Leistungen der Fondsplattform der CS.

Nächster Coup von InvestLab-CEO Grossmann sollte eine sogenannte B2B-Offensive sein; also der Verkauf der Dienstleistungen an Mitbewerber.

Damit kam Grossmann nicht auf Touren. Die CS blieb mit ihrer InvestLab in der tödlichen Zone gefangen: zu gross zum Sterben, zu klein zum Durchstarten.

Also setzte sich Grossmann mit Allfunds an den Verhandlungstisch. Vorgabe von Chef Iqbal Khan: Der Deal musste gutes Geld bringen.

Das scheint zu gelingen. Kein Wunder: Die Eigentümer der Allfunds haben „tiefe Taschen“: Dreistellige Millionensummen sind für sie Peanuts.

Aus Sicht der Schweiz ist der Kontrollverlust bei der CS InvestLab ein Armutszeugnis. Die CS schrumpft im Kerngeschäft, gute Schweizer Jobs im Finanzbereich sind gefährdet.

Denn soviel ist klar: Die neue starke Partnerin Allfunds wird Kosten einsparen. Das heisst: Die Jobs der 30 CS-Spezialisten sind in Gefahr.

Kommentare

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  1. Tpysch, die CS verkauft nur noch was, das etwas Wert hat und am Schluss ist sie selber absolut nichts mehr Wert. Ich hatte lange genug mit dieser Bank zu tun, und mich üerrascht gar nichts mehr!!!

  2. Ich kritisiere die CS ja auch gerne, aber diesen Move finde ich bei näherer Betrachtung aus folgenden Gründen recht smart:

    – Aktiv gemanagte Fonds schneiden gegenüber passiven ETFs meist bescheiden ab. Dauerhaft schlägt den Benchmark fast niemand
    – Die Kostenstrukturen bei aktiv gemanagten Fonds sind nicht konkurrenzfähig, da die Advisors trotz underperformance bezahlt werden müssen
    – Bei einer konsequenten Durchführung der Roboadvisory Strategie macht es durchaus Sinn sich von den teuren Gebührenmonstern zu trennen.

    Jetzt bräuchte es nur noch vernünftige ETFs die iShares, Vanguard und Van Eck was entgegenzusetzen haben. Nur wenn das gelingt ist die Strategie insgesamt erfolgreich. Denn es ist wohl nicht der Sinn der Sache im Roboadvisory nur bankfremde Produkte zu vermitteln.

    Liege ich mit meiner Meinung so weit daneben oder sieht das noch jemand so?

  3. Unglaublich was ich hier immer lesen muss! Nun ich gebe zu, ich verstehe nichts von all dem… Ich bin nur einer von tausenden aus der Arbeiterschicht. Ich finde einfach dass all der Kram mit diesen Finaninstituten, Fonds und weiss der Teufel was alles, nicht ehrlich verdientes Geld ist. Ich kann mich natürlich auch irren 🙂 bin ja nicht der Schlauste, bin ja nur Landschaftsgärtner, arbeite nun auf Strassenbau. Kommt mal ein Tag zu mir, dann seht ihr was wirklich arbeiten heisst 😉 wenn es mal wirklich knallt, weiss ich mir wenigstens zu helfen. All den Finanzkram braucht dann niemand mehr… Natürlich hoffe ich dass es nie soweit kommt! Frohes spekulieren

  4. …. oder vielleicht sehr weise Entscheidung?

    Intransparente und wettbewerbsverzerrende Geschäftsmodelle wie dasjenige der Allfunds und teilweise anderer Fondsplattformen gehören in der nach Transparenz schreienden Finanzwelt schon längstens abgeschafft.

    Dienstleistungen wie Custody, Fondsexecution oder Research werden von den Fondsplattformen teilweise kostenlos ihren Plattformkunden angeboten, nur um diese dann den Produktelieferanten / Fondprovidern dieser
    Plattformen indirekt über irgendwelche intransparenten und
    nicht nachvollziehbaren Service-, Listing- oder Plattformfees in Rechnung zu stellen.

    Diese „Wegelagerei“ innerhalb der Wertschöpfungskette bzw beim Fondsprovider verteuert insgesamt das Produkt „Fonds“ und wird, über welche Verrechnung auch immer, schlussendlich auch von den Endkunden mitgetragen. Ein Geschäftsmodell also, das hoffnungslos veraltet ist, Kosten und Aufwand von Dienstleistungen nicht nach einem transparenten und nachvollziehbaren Verursacherprinzip verrechnet, somit den Wettbewerb insbesondere bezüglich Custody und Execution verzerrt und hoffentlich lieber früher als später die Regulatoren auf den Plan rufen wird. Falls es die
    nicht schaffen dann hoffentlich der freie und transparente Markt !

  5. I. Khan steht für den typischen aalglatten, forschen, geldgetriebenen und humorlosen CS Manager Typ.

    Es ist jeder selber schuld, wenn jemand sein Vermögen dieser CS anvertraut.

    Man ist zum Glück frei die Gelder von dieser CS abzuziehen – dies ist die einzige Sprache, welche diese CS Manager verstehen.

    CS ist ein Debakel ohne Ende unter dieser Führungs Crew.

  6. Die CS muss von den hohen Kosten in der Schweiz runter. Allfunds bietet eine viel bessere und vor allem billigere Leistung; würde die CS nicht verkaufen, dann würde der Markt in einigen Jahren diese Gesellschaft obsolet machen. Insoweit ist der Verkauf richtig und notwendig.

    Nach dem Wegfall des Bankgeheimnisses werden in der Schweiz noch viele Banken reduzieren müssen und es wird auch einen weiteren Jobabbau geben. Insbesondere die Personalkosten sind weiterhin bei weitem zu hoch.

  7. In den letzten 2 Tagen wurden im Aargau der Abbau von rund 800 Jobs bekannt gegeben….vielleicht sollten wir mal beachten, dass das Haus brennt und uns nicht immer um die Gartenarbeit kümmern.
    Erster Wasserkübel wäre die wirklich Stärkung der KMUs inklusive Funding.

  8. Es liegt mir fern, sarkastisch oder makaber zu sein, aber falls die 30 Topleute tatsächlich auf die Strasse gestellt werden sollten, dann sind es auch wirklich Topleute. Denn wären es Pfeifen, dürften sie ja bleiben und den Schutz des „Top-Management“ geniessen. Versteht man wohl, was ich sagen will?

    • @Pfeiferich

      Doch, haben sie. Und das wusste schon Heinz Rühmanns Professor in „Die Feuerzangenbowle“.

  9. „…gute Schweizer Jobs im Finanzbereich sind gefährdet.“ Und täglich grüsst das Murmeltier. Die Operetten-Gruppierung „Schweizerischer Bankpersonalverband“ hat andere Prioritäten: „Für echte Gleichstellung – Aktionstag 14. Juni 2019, 16hoo auf dem Paradeplatz.“

    • Nunja, ist auch nicht meine oberste Prio, aber als Mann anerkenne ich, dass auch heute noch zu viele (männliche) Narzissen am Ruder der meisten (erfolgreichen) Finanzmultis stehen.
      Ich denke das ist nur eine von vielen Prioritäten des SBPV. Als Direktor braucht man sicher keinen günstigen Rechtsschutz, denn dann ist man ja perse immer im Recht, gegenüber den Untergebenen. Ein halbes Jahr Schonfrist, bei Kündigung liegt da auch drinnen. Wenn Sie keine Vorteile sehen im Rudel zu jagen, oder sich zu verbünden, dann bleibende doch einfach fern, oder treten den stärkeren Rotarier bei, dann sind sie wenigstens immer auf der Gewinnspur 👍🤔😉

  10. Die CS erinnert mich an einen nicht mehr rentablen Bauernhof. Alles muss verscherbelt werden um die überhöhten Boni zu bezahlen. Mitarbeiter bekommen Leistungsboni oder keinen nur die Sesselkleber in der Teppichetage garnieren leistungsunabhängig!

  11. Wer es in diesem Laden noch immer nicht geschnallt hat, dass er allerhöchstens der Bauer auf dem Schachfeld der Herren Rohner, Thiam oder auch Khan in der Teppichetage ist, dem ist nicht mehr zu helfen, auch vom RAV nicht mehr.

  12. CS InvestLab ist das Tafelsilber der CS…. hahaha… da kann ich nur lachen. Die haben es ja nicht mal hingebracht, die Fonds intern zu verkaufen.

  13. Seit 2015 liefern CS VV Mandate eine peinliche Performance. Jedes Jahr müssen RM etwas neu erfinden, um den Kunden das Flop zu erklären.
    CS InvestLab wäre eine Lösung, Kunden wollen aber keinen 1/1.5% Verwaltungsgebühr für Massenprodukte zahlen. Alles in CS ist zu kompliziert und praktisch Schrott: InvestNet, Contacts, Fomalitätsprozess, Qualisystem. Compliance will alles wissen, alles muss mit ihnen gekoppelt sein. Fazit ist aber ein riesiges und untransparenter Minestrone (siehe Ivanishwili Fall in Genf). „The mist admired Bank“ !

  14. Auch der Fondsmarkt wird globalisiert. Schluss mit künstlichen Eintrittsbarrieren für effizientere Anbieter aufgrund von Pseudoregulierung. Die CS hat es natürlich verpasst, dort zu investieren und ein konkurrenzfähiges Produkt auf die Beine zu stellen. Logisch, etwas aufbauen erfordert Risikobereitschaft, Einsatz und Durchhaltevermögen. Für einen Grossteil des CS Kaders gilt eher Salär sichern, lieb lächeln und abzocken.

    Dementsprechend jetzt die Übernahme durch einen fleissigeren und besseren Konkurrenten. Gut so!