McKinsey-Mann versenkt Old Swiss Life-Kultur

Topmann Markus Leibundgut schart Finanz- und Stabs-Cracks um sich – Vertriebsprofis degradiert er – Angst geht um.

Die Leute von McKinsey werden unterschiedlich wahrgenommen. Unten sieht man in ihnen gnadenlose Abbauer ohne Branchen-Knowhow, oben fressen ihnen die Chefs aus der Hand.

Wie sehr McKinsey polarisiert, bekommt jetzt auch die Swiss Life zu spüren. Einer ihrer wichtigsten Manager stammt von der US-Beraterin.

Es handelt sich um einen Spitzenmann namens Markus Leibundgut. Der war bis 2012 hoher Partner bei McKinsey. Dann wechselte er zur Swiss Life, führte Deutschland, kam in die Konzernleitung.

Seit 2 Jahren ist der heute 50jährige ganz oben: CEO Schweiz der Swiss Life. Das heisst. Leibundgut, der Ex-Berater, verantwortet das mit Abstand wichtigste Business des Lebensversicherers.

Wie er das tut, ist in der Crew umstritten. Der Sprecher der Einheit Schweiz innerhalb der Swiss Life zeigt sich begeistert von Leibundgut und dessen Führungsstil.

„Die Stimmung in der Division Schweiz ist sehr gut, auch im Branchenvergleich“, meint er. Dies würden „unsere Mitarbeiterumfragen“ zeigen.

Zudem würden „in der Schweiz keine Stellen“ abgebaut.

Was kommt hinter dem Lächeln? Leibundgut (Swiss Life)

Ein langjähriger Swiss Life-Mitarbeiter zeichnet ein anderes Bild. Leibundgut gebe sich nach aussen stets verständnisvoll, doch dahinter verberge sich ein knallharter Zahlenmensch.

„Leibundgut fehlt das Feeling fürs Business, er war nie nah bei den Kunden“, sagt der Gesprächspartner. „Und doch reisst er nun alles an sich.“

Tatsächlich hat Leibundgut kürzlich den ganzen Vertrieb, sprich den Verkauf, zusätzlich zu seinem CEO-Job übernommen. Der bisherige Vertriebschef Thomas Bahc ist von Bord gegangen.

Gesamtleitung und Vertrieb in Personalunion: Wie geht das?

Sehr gut, findet der Swiss Life-Sprecher. Mit seinem laufenden „Programm 21“ würde der oberste Verantwortliche die zentrale Kundenbetreuung nach seinen Vorstellung aufgleisen können.

Vertrieb gleich Chefsache, so Leibundgut. In dessen Geschäftsleitung sitzen für den epochalen Umbau viele Zahlenmenschen und Stabsleute.

Profis für den Vertrieb der angebotenen Produkte der Swiss Life sucht man hingegen vergeblich. Die wurden ins zweite Glied verbannt: unterhalb der Geschäftsleitung Schweiz.

Für die gestandenen Vertriebsleute der Swiss Life Schweiz ein Schock. Sie haben keinen eigenen Mann mehr in der obersten Führung.

Umso mehr trauern sie vergangenen Zeiten nach. Die war geprägt von Figuren wie Ivo Furrer und Remo Weibel.

Furrer war jahrelang der Chef der Swiss Life Schweiz, Remo Weibel lenkte unter ihm den Bereich Swiss Life Select. Der Ton sei kollegial gewesen. „Wir waren alle per Du miteinander.“

Um die Swiss Life Select ging es auch im Vorfeld des grossen Umbaus. Gemeint ist die „Billiglinie“ des Hauses.

Diese ging hervor aus der alten AWD, also dem deutschen „Klinkenputzer“-Unternehmen des umtriebigen Carsten Maschmeyer.

Die Swiss Life hatte Maschmeyer dessen AWD vor über einem Jahrzehnt für eine Milliardensumme abgekauft. Seither versucht die Führung, damit auf einen grünen Zweig zu kommen.

Richtig gelingen wollte das nicht. Also wurde nach dem Ausscheiden von Ivo Furrer und der Kommandoübernahme durch McKinsey-Mann Markus Leibundgut ein neuer Plan geschmiedet.

Die Swiss Life Select und der traditionelle Vertrieb der Swiss Life Schweiz sollten zu einer Einheit verschmolzen werden.

Das zumindest behauptet die Quelle. Dann sei wohl etwas Unvorhergesehenes passiert, und das Vorhaben sei im letzten Moment von ganz oben gestoppt worden.

Für Leibundgut keine gute Sache. Er war, so der Insider, die treibende Kraft hinter der internen Fusion.

Jetzt aber stellte sich die Frage, wer fürs Scheitern den Kopf hinhalten müsste. Ich nicht, sagte sich Leibundgut.

Als Nächstes war dann Vertriebschef Thomas Bahc nicht mehr auf der Brücke. Über Nacht ging der langjährige Vertriebsmanager von Bord der Swiss Life Schweiz; Leibundgut übernahm dessen Teil.

Von da an lenkte ein „Brain“ ohne Fronterfahrung den ganzen Vertrieb. In der Swiss Life-Truppe begann es zu rumoren. Für sie ist Leibundgut der falsche Mann, um den Verkauf zu dynamisieren.

Die Swiss Life hält dagegen. „Markus Leibundgut hatte und hat die Nähe zum Vertrieb immer, so hatte er in seiner Zeit als Mitglied der Geschäftsleitung Deutschland zeitweise ebenfalls schon die Vertriebsführung inne“, lobt der Sprecher des Bereichs Schweiz seinen Vorgesetzten.

Und weiter: „Der Aussendienst und Swiss Life Select werden nicht ‚verbunden‘ – vielmehr bleiben sie eigenständige Vertriebskanäle, die sich in ihren bestehenden Strukturen weiterentwickeln.“

Kommentare

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  1. Wenn McKinsey nicht wär,
    würd das Leben von IP schwer!
    Könnte nicht mehr drüber klagen,
    Müsste mal was andres sagen.
    Vincenz, Stoffel, Khan,
    Wer kommt sonst als nächster dran?

  2. Was sich alle immer über Berater aufregen können. Die bereiten Entscheidungen vor und beschleunigen Prozesse, Verantwortung liegt immer beim Management. Wenn ich in eine Mauer fahre trotz aller Hilfsmittel in modernen Autos bin ich als Fahrer doch auch selber Schuld!

    • Aha, ein McKinsey Mann. Verantwortung immer abschieben, nur dafür kassieren. Das dann schon, und wie. Kennen Sie das Sprichwort von der Kugel und dem Finger? Also wäre ich ein McKinsey Mann, ich könnte keine Nacht ruhig schlafen.

  3. Ich frage mich schon, weshalb alle so an McKinsey glauben, von dort das allein selig machende Heil erwarten. Ich war mal vor 30 Jahren in etwa an einem McKinsey assessment für einen Kaderjob. Ich fand die sache öde, fast dümmlich, es tut mir leid, das so sagen zu müssen. Vielleicht läuft es heute ja besser mit diesen Leuten oder ich hatte damals Pech (den Job habe ich aber erhalten).

  4. Alle wissen , dass McKinsey schon immer eine reine Katastrofe war. Soviel Misserfolge verursachen und dabei noch viel zu viel abzusahnen, grenzt an pathologisch. Wer bringt es fertig, diese endlich blosszustellen. Der Secondo-Bundesrat sicher nicht, der hat jetzt ja noch den Topversager Wellauer in seinem Team, also wird auch die CH-Aussenpolitik zu Grunde gerichtet.

  5. ich mache es kurz:

    „Leibundgut sitzt auf einem 4-beinigen Melkstuhl und ist felsenfest überzeugt, dass nun die Kuh viel mehr(4x mehr) Milch gibt!“

    Mit solchen Mc-Typen hat noch jede Firma früher oder später Haare lassen müssen. Bei SwissLife könnte der ganze Pelz Schaden nehmen.

    Für mich ein Short par excellence.

  6. Die Leute sind immer der Ansicht, ein neuer Besen, resp. ein neues Manager-Wunderkind, könne allen hartnäckigen Dreck, resp. überteuerte Fehleinkäufe, die nicht einmal zum bisherigen Geschäft passten „schwudiwupps“ wegräumen. Wie sagte einmal ein Bekannter zu mir „Diversifikation ist Kapitulation“. Was macht jetzt die Deutsche Bank? Sie entledigt sich dieser überteuerten Fehleinkäufe und den ganzen Rattenschwanz, den sie sich dabei eingeholt hat.
    Wie steht es mit dem schwachbrüstigen US-Geschäft von UBS und CS?

  7. Ah da passt es ja wunderbar ins Bild das fie SwissLife, nicht Select, Ihrem Aussendienst KEIN fixes Salär mehr bezahlt, nur noch Provisionen….als einziger Versicherer….dafür das man exklusiv für SwissLife tätig ist alle Kunden selbst akquirieren muss, nur die halbe Provision eines Maklers bekommt. Wer das noch mitmacht muss minderbemittelt sein…Mc Kinsey zerstört jedes Unternehmen, die theorektiker mit 0 Kundenemphatie haben keine Ahnung was an der Front läuft, Sie lesen Studien und meinen Sie verstehen den Markt….das fie Schweiz mit 4 Sprachregionen anders funktioniert mussten viele schon lernen, die Schweiz ist nicht Deutschland, Telefonvertrieb und Digitalisierung fristen nach wie vor ei Schattendasein bei uns…Trotzdem habennwir seit gut 20 Jahren immer wieder Aktivitätstheoretiker die sich Beweisen wollen und Schlussendlich kläglich scheitern da es Ihnen am Frontwissen und den Schweizer eigenheiten fehlt, beim kantönligeist, stossen die die Mc Kinsey Theoretiker schon an Ihre Grenzen…Leider finden wir diese Theoretiker überall Sie ziehen sich auch mittels Seilschaften weiter…

  8. Interessant ist, dass Pilot Leibundgut überhaupt Zeit fürs Geschäft hat. Er fliegt sehr anspruchsvolle Flugzeuge.

  9. Mc Kinsey ist gefährlich wie eine Scientology Sekte : sie denken sie haben den heiligen Gral zu Wirtschaftsfragen gepachtet und richten dann in den meisten Fällen noch mehr Unheil an: siehe MIGROS, siehe ehemalige SWISSAIR, siehe deutsche Bundeswehr die noch ein Schatten Ihrer selbst ist usw. Verlangen im Schnitt gut 30 bis 40% als andere Beratungsfirmen und füllen zuerst ihre Taschen auf bevor die des „Patienten“ . Trau schau wem die Freunde !

    • Mc Kinsey, macht nichts anderes als das KnowHow des Auftragsgebers auf zu saugen und es bei neuen Auftraggeber teuer zu verkaufen, was sie allerdings nicht verstehen ist dass nicht jede Versicherung oder Bank gleich funktioniert, also kopieren sie nur die PowerPoint Folien, setzen den Namen des Auftraggebers drauf und denken tatsächlich sie seien Götter. Am Schluss ekeln sie dann noch ein paar Mitarbeiter raus und besetzen deren Stellen und behalten eine gewisse doted Line aufrecht. Habe alles selbst erlebt. Am Schluss sinken die Verkaufszahlen, die Belegschaft ist zermürbt und die Kosten steigen und nach ein paar Jahren holt man sie wieder um es dieses mal besser zu machen. Jeder Laden selber schuld wenn er die Brüder holt.

    • Schaut euch mal die Geschäftsleitung der SwissLife an, und lest die CVs der Geschäftsleitungsmitglieder.

      SwissLife = Niederlassung Mythenquai von McKinsey

    • Da kennt mal einer wieder den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität nicht. Nur weil einer da ist, wo es Probleme gibt, ist er nicht der Grund der Probleme.

  10. Leibundgut, wieder so ein Ex-MäkGrinsi Heini!

    Und die IT Chefin ist auch ein MäkGrinsi Gewächs. Jetzt ist mir auch klar, wie sie den Job gekriegt hat.

    Viel Glück, liebe Swiss Life Mitarbeiter!

    Der neue IT & Logistik Chef bei der Migros (ab dem kommenden 1. September) ist übrigens ebenfalls ein Ex-MäkGrinsi Besserwisser.

    Warum solche Leute auch nach Lukas Mühlemann (CS, Winterthur, Swissair), Wellauer (Winterthur + CS), Speiser (Biber Papier), Peter Wuffli (UBS), Hagander (Swissair), Jeff Skilling (Enron) et al immer wieder berufen werden, verstehe ich nicht.

    • Sie haben sowohl die Swiss Re wie auch die Zurich Insurance vergessen. Das Dreigestirn der Seeseite. Nachdem die McK’ies die beiden grossen Banken runter gewirtschaftet haben folgen nun die grossen Versicherer. Wie dem auch sei, nachdem ich schon länger nichts mehr beim COOP einkaufe, Stichwort H R Loosli (durfte ihn und seine beruflichen Machenschaften kennen lernen – den Herr hat er meiner Meinung nach nicht verdient), gibt es also bald auch keinen Grund mehr beim Migros einzukaufen.

  11. Ist das jetzt ein Typ, dem man vertrauen würde, wenn er Bergführer wäre oder er den Treck westwärts führen oder ein Expeditionskorps leiten müsste? – Eben. Wohl ein weiterer Schönwetter-Konzernolm.

  12. Soll doch erst einmal einen eigenen „Kiosk“ gründen und den erfolgreich führen und ausbauen bevor er auf Grossen Macker macht bei der Swiss Life! – Aber das ist wohl zu anstrengend und zu anspruchsvoll…