Ex-CS-Digitalchef: Big Mouth, Big Abschleicher

Einstiger Spitzenbanker macht Konkurs mit Hokuspokus-Startup – Zahlte letzten Lohn im Dezember – Bin dann mal weg.

Marco Abele sah sich als Entrepreneur. Die CS war nicht unglücklich. Geh Du mal eigene Wege. So gründete Abele, der Ex-Digitalchef der Grossbank, seine Firma. Er nannte sie Tend, sie sollte Luxus demokratisieren.

Jetzt ist Tend Konkurs. Und Abele schickt ein letztes Email. „Following almost 2 years of absolute dedication and hard work, it is with great regret that I must inform you that the Tend Technologies journey has come to an end.“

Das war vor 5 Tagen und richtete sich an die rund 15 Mitarbeiter seines Startups, von denen einige nun ohne Job, ohne Geld und mit einer Illusion weniger dastehen.

Sie müssten jetzt halt selber weiterschauen, gab Abele ihnen mit auf den Weg.

„Work ethos“: Salbungsvoll bis zum Ende (Abele, IP)

„In the following weeks you will be contacted by the ‚Konkursamt‘ of the Canton Zug in order to fill out your claim.“ Für Fragen „please reach out to them directly“.

Denn ich bin dann mal weg. „Thank you again and I wish you all well.“

Ein Musterbeispiel von Unternehmer in der neuen Wirtschaft. Abele geht ausgerüstet mit Ex-Spitzenrang einer Grossbank an den Start, erzählt das Blaue vom Himmel, lockt Investoren.

Dann, bevor überhaupt nur ein Franken Einnahmen da sind, wird mit grosser Kelle angerichtet. Mitarbeiter zuhauf, tolle Büros an bester Lage, unweit des Zürcher Paradeplatzes.

Und immer in den Medien. Die „Bilanz“ sah in Abele mit dessen Firma Tend den neuen Stern am Jungunternehmer-Himmel.

Wer braucht da noch Inserate? (Bilanz)

„Die Tauschplattform bietet Erlebnisse der ganz besonderen Art“, lobpreiste das Managermagazin die Idee des Ex-Directors von Swiss Banking.

„Kunden können zum Beispiel eine Ausfahrt in einem 1955er Porsche 356 A Speedster buchen oder einen privaten Ausflug auf ein Weingut unternehmen – inklusive 18 Flaschen des edlen Tropfens pro Jahr.“

Dann kam – niemand. Die Reichen haben die Garage längst voll mit Porsches, die Jungen mieten für den Wochenend-Aufriss Lamborghinis.

Ein Unterfangen, von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Würde man meinen. Doch Marco Abele, hochgelobter Digital-Crack, tat, als ob er die neue Welt erfunden hätte. Und Old Media bestärkte ihn.

Die Zeche zahlen die Mitarbeiter. Diese müssen mit Klagen und Forderungen beim Konkursamt ihren ausstehenden Löhnen nachrennen. Zu holen dürfte wenig sein.

Derweil Abele vermutlich bald eine nächste lustige Idee aus dem Hut zaubert. Und weil die journalistische Halbwärtszeit immer kürzer wird, könnten seine nächsten Vorhaben erneut von den Medien tatkräftig gefördert werden.

Dass zuletzt vor allem junge Leute, die sich von Geschichtenerzählern wie Abele blenden lassen, auf der Nase landen, gehört halt zum Spiel, sagen sich die Akteure. Jeder ist sich selbst der Nächste.

Kommentare

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  1. 100‘000 eigenes Geld und 4‘000‘000 ICO Bounty d.h. dieser Unternehmer hat nur 2.4% des Risikos übernommen.

    Bei den geplanten 30 Mio. wären es sogar nur 0.3% gewesen…

  2. Abele hat als MD bei der CS inkl. Bonus mind. CHF 500‘000 pro Jahr verdient, aber nur CHF 100‘000 als Eigenkapital für diesen Start-up riskiert. Zudem hat er sich selber bestimmt einen angemessenen Unternehmerlohn ausbezahlt.

    Mein Mitgefühl gehört den Mitarbeitern und Investoren !

    • Woher wollen Sie das wissen? Im Normalfall investiert man als Entrepreneuer all sein Geld in die Idee. Die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns ist höher als die eines Erfolgs.

  3. Manager vs Patron

    Da sieht man halt, für was die sich halten … für Manager. Aber sie sind Möchtegerns.

    Einem echten Patron alter Schule wäre sowas nie passiert, der weiss noch wie man eine Firma führt, auf was man achten muss etc. Nicht moderne Büros (sicher nicht zu Beginn), keine Dauer-Werbebuchungen in irgendwelchen Broschüren …

    Der hätte zuerst sein Produkt fertig entwickelt, klein angefangen – und dann den Verkauf lanciert. Und vor allem schaut ein Patron zu seinen Mitarbeitern. Denn für den Patron ist seine Firma sein Lebenswerk, sein Vermächtnis.

    Für irgendeinen dahergelaufenen, zu-schnell-beförderten Grossfirmen Manager ist das „Start Up“ (schon fast ein Schimpfwort!) nur ein kleiner Schritt zum hoffentlich schnellen Geld. Klappt das nicht, flüchten sie als erste.
    (und dass Abele nix kann, weiss jeder der mal auf der CS mit ihm in Kontakt kam)

    Schade, so geht unsere Wirtschaft bachab.

  4. Dieser Artikel ist so typisch bünzlig schweizerisch! Marco Abele hat etwas riskiert, etwas versucht und immerhin Arbeitsplätze geschaffen. Leider ist er gescheitert, aber immerhin hat er etwas gemacht, das dieser jämmerliche Journalist wohl nie gewagt hat. Er hat sich nämlich selbständig gemacht und wahrscheinlich auch viel Geld verloren. Wenn alle in diesem Land so eine altmodische und missgünstige Attitüde haben, wie dieser Sesselfurzer von einem Journalisten, dann bleibt das Land stehen. Wir brauchen Unternehmer, die den Mut haben, etwas aufzubauen. Warum darf man nicht scheitern? Ich habe Respekt vor solchen Leuten und shame on you Lukas Hässig, so eine Person so in den Dreck zu ziehen !!! So was macht mich echt wütend.

    • Etwas versuchen in allen Ehren. Nach knapp vierzig Jahren bei CS und UBS habe ich nur Manager getroffen, welche einen KMU Betrieb innerhalb von 12 Monaten in den Konkurs geführt hätten. Es sind nicht die Mitarbeiter bei Grossbanken, die ihre Fähigkeiten masslos überschätzen. Positiv ist, dass die Manager nach 12-24 Monaten jeweils ohne Erfolg weiterziehen. Alles nur Träumer, Schwätzer und selbstverliebte Eintagsfliegen.

    • Den Abele-Businessplan hätte wohl kein Finanzinstitut oder Privatinvestor wirklich länger getragen. Man darf immer scheitern, aber nicht so grandios auf Zusehen. Der Markt für das Abele-Geschäftsmodell war/ist gar nie vorhanden. Anders das IP-Blog-Modell von LH, dem Ihrer Meinung nach „jämmerlichen Journalisten“. Die Finanzmedien schreiben sonst was die PR-Abteilungen diktieren und dafür gibt es noch 2-3 Inserate. Nicht so Lukas Hässig. Und nach einigen Durchbeisser-Jahren unter der löblichen Banner-Aegide des fliegenden Vogels aus Zermatt, wurde dieser Risiko-Medienunternehmer sogar noch
      Journalist des Jahres 2018 und ist heute längst profitabel.
      IP war eine Marktlücke – LH hat diese mit Bravour gefüllt.
      Lieber Herr Fischer, trinken Sie einen schönen Tee und reflektieren Sie nochmals Ihre Worte und vor allem den Umgang mit der persönlichen Energie und Zeit im Verhältnis zu Output und Richtung.

  5. Das „gratis“ Investorengeld wird halt salopp und lässig verpulvert ist ja nich ein hart erarbeiteter Franken. Schöne Büros, schnelle Autos und andere luschtige Repräsentative Ausgaben sind halt wichtiger als ein Geschäftsmodell das wirklich Geld bringt. No Money Big Problems! Gelingt es nicht frisches Geld aufzutreiben ist dann halt irgendwann Schluss. Der Paradeplatz Lifestyle will gelebt sein coole Büros grosser Staff und immer mit der grossen Kelle angerichtet. Haut es nicht hin gilt die ich bin dann mal weg Mentalität… Ist ja nicht sein Geld…

  6. Abele hat auch bereits im CS EAM-Bereich lustige Ideen gehabt und Millionen in den Sand gesetzt.

    So zum Beispiel mit einem selbstgebastelten CRM-System namens CARE oder einem sozialen Netzwerk für Vermögensverwalter namens eamXchange. Kurz darauf wurde er dann zum Chief Digital Officer befördert. Es sind noch einige ehemalige Mitläufer von ihm bei der CS unterwegs…

  7. Ich hatte schon verschiedentlich gesagt, dass keiner dieser hochgelobten Mänätscher es fertig bringen würde, selbständig auch nur einen Kiosk zu führen.

    Quod erat demonstrandum!

  8. Zu hart, Herr Hässig – Abele hat immerhin etwas versucht, hätte sich nach der CS auch irgendwo als Digitalisierungsexperte vergolden lassen können. Klar, im Nachhinein kann man immer die Idee einen Mist finden. Erstaunt mich, dass LH als Unternehmensgründer und Einzelgänger nicht mehr Sympathie für jemanden hat, der was versucht. Und: Sehr oft sind bei Konkursen die Löhne der Angestellten zu 100% gedeckt (da erste Konkursklasse).

    • Die Löhne sind zwar in der ersten Klasse, aber das bringt nur was, wenn es noch Geld hat. Hat es dies??

  9. Dazu kommt noch die Portion Arroganz, die er und auch die Firma / Mitarbeiter selbst hatten – man lehnte eine Transaktion mit Assets in der Höhe von 75 mn mit Aufbau auf 125 mn innerhalb von drei Jahren ab, da man keinerlei Finders Fee bezahlen würde.

    Wenn man dies ablehnen kann, dann sollte man prinzipiell sicher im Sattel sitzen oder man besitzt eine „ungesunde“ Arroganz, die nun konsequenterweise zum Zusammenbruch führt!

    Das ist nur sehr schade für all die Mitarbeiter, die nun ohne Geld und mit ihren wertlosen Optionen da stehen. Sehr schade….

  10. Diese Business-Idee kann nicht funktionieren, denn diejenigen, die im Luxusbereich etwas anzubieten hätten, wollen nichts mit potenziellen Interessenten, nämlich dem „profanen“ Volk, zu tun haben. Sie wollen sich ja eben gerade mit diesem Fassadenluxus vom Normalo abheben und meinen, dadurch bessere, erfolgreichere, bewundernswerte Selbstdarsteller zu sein… Ja, lasst sie doch einfach in Ihrem Irrglauben verharren, die kriegen noch genügend Gelegenheiten herauszufinden, um was es im Leben an und für sich eigentlich gehen würde…

  11. Fintech ist die Zukunft und ich habe da eine viel bessere Geschäftsidee als eine neue App Nr. 172’483. Marco Abele hätte auf 99 Arten mit weit weniger Kapital ein erfolgreiches Unternehmen aufbauen können. 300 Franken Beratung und er hätte Digitalisierung und den Markt besser verstanden und wäre heute ohne Schulden.

  12. …mal je einen Bankmanager gesehen, der unternehmerisch was auf die Reihe kriegt? Wie kommt man zu einem kleinen Vermögen: in dem man mit einem grossen anfängt…
    Ideen und warme Luft verkaufen ist offensichtlich heute das Credo. Warum immer fallen Leute drauf rein? Gier? Was sonst? Das Internet vergisst nie – mal sehen was sich da weiter auf dem Gebiet tut. Sic transit gloria mundi.

  13. Dieser Artikel klingt eher nach persönlichem Bashing und widerspiegelt auch etwas die konservative, lokale Start-Up Mentalität. Wäre es angesehener gewesen, hundert-tausende Franken als Angestellter zu scheffeln, anstatt etwas zu wagen?

    „Old Media“ Unterstützung wünschte sich wohl jedes CH Startup, welches in Konkurrenz zu D, US etc. Startups steht, welche medial sehr starke Unterstützung erfahren.

    Ob man M.A. mag oder nicht, immerhin hat er’s probiert. Die Erfolgschancen liegen bei einem solchen (Ad)Venture wohl bei <10%. Wenn man kein selbstbewusstes Marketing macht, noch niedriger.

    Die Beteiligten waren sich vermeintlich des Risikos bewusst, wünsche trotzdem alles Gute.

    Für ICO Investoren habe ich begrenztes Mitleid. Schon mal die "erfolgreichsten" Schweizer ICOs, Blockchain-Rise-Ups geprüft und deren Versprechen und Service analysiert?

    Wohl oft unseriöses Geld und ominöse Geschäftsmodelle. Vielleicht eine bessere Story Wert, denn die Blasen und Träume platzen womöglich auch bald.

    • Genau das ist nicht der Fall – als Hauptbeteiligter einer Firma hat man keinen Anspruch auf ALV – was an sich eigentlich ein Skandal ist, denn man zahlt ja ein…!

  14. „Tauschplattform mit Erlebnissen der ganz besonderen Art“ – Das macht der Jochen Schweizer seit Jahrzehnten besser; und ist dabei rentabel.
    Das start-up wäre allenfalls ein interessanter Pitch bei der „Höhle der Löwen“ gewesen mit Erklärungen, warum kein Investor eingestiegen wäre…

  15. Ich weiss nicht warum Sie auf gescheiterten „Unternehmer“ herumhacken. Wir brauchen Menschen welche versuchen etwas umzusetzen. Das Banker vom echten Geschäft wesentlich weniger, als vom Boniabzocken, verstehen wissen wir ja unterdessen, vielfach belegt. Jeder der auf solche Geschäftsmodelle reinfällt und Geld investiert ist selber blöd und verdient kein Bedauern.

  16. Nach dem Schimmern folgt das Schlingern:

    Jung-Unternehmer? was hier zählt ist höchstens „jung“ . Unternehmer ticken anders und brauchen keine „Bilanz-Anpreisungen“, deren Spalten immer öfter mit zweifelhaften „Emporkömmlingen“ die Glanz-Postille füllen.

  17. Lieber Namensvetter,
    Es muss sich niemand fragen weshalb in der Schweiz keine Google, Facebook, oder Amazon aus dem Boden schiessen. Wenn’s mal einer Versucht und es halt nicht funktioniert hat, so wird er hier bei uns in der Schweiz noch zusätzlich belächelt, als Depp, und Böser hingestellt. In den USA sagt man zu so jemandem, „too bad, try again, next time you’ll get it!“

    • Ich denke nicht, dass hier der misslungene Versuch kritisiert wird oder man in der CH keine zweite Chance bekommt – es ist viel mehr die Art und Weise: Melde dich beim Konkursamt, mehr habe ich als Unterstützung nicht zu bieten; diese Botschaft von einem Firmeninhaber an seine MA kommt doch völlig schräg rüber.

    • Das sehe ich genauso wie Lukas R.
      Startup-Investoren wissen z.B. auch, dass voraussichtlich 8 von 10 Investments entweder Totalausfälle oder Nullsummenspiele sind. DIE 1-2 erfolgreichen Startups sollten dann mind. die 10x-Gesellschaften sein, damit sich das „Gesamtengagement“ rechnet. Niemand weiss, wer die nächste Amazon, Google oder sonstige Highflyer-Firma wird.
      Ich will das nicht verniedlichen. Es ist schlimm für alle Mitarbeiter, die plötzlich ohne Job dastehen. Auch doof für alle Investoren, die damit „aktive Kapitalvernichtung“ betrieben haben.
      Aber soviel sollte eigentlich doch jedem klar sein: Wenn ich bei einem Startup beginne, besteht definitiv ein grösseres Risiko als bei einer Kantonalbank oder so!
      Über die Art und Weise des „Abgangs“ kann man natürlich diskutieren. Hätte man sicher professioneller machen können. (Wenn es wirklich immer alles so ist, wie in der Presse beschrieben…)
      Aber der Vorwurf, dass alles nur Schaumschläger und Geschichtenerzähler (oder sogar Betrüger) sind, wenn sie mit ihrem Startup scheitern, ist genau DER Grund, weshalb es nicht mehr Risikokapitalgeber und Startups in der Schweiz gibt!

  18. Grossmäulige Geschichtenerzähler aus dem Norden kamen in die Schweiz in Horden. – Geht besser schnell dahin zurück, woher ihr gekommen seid!

    • Unsere Föhne müssen sich nicht verstecken. Mehr MBA, kaum Anstand, kein Fachwissen, null Innovation, aber jede Menge Besitzstandswahrung und Geltungsbedürfnis. Danke, Globalisierung! Wir treffen uns alle auf dem kurzfristig besten Pfad.

      Denkt an Joe Ackermann, Konrad Hummler, Marcel Ospel, Lukas Mühlemann, … um die Liste zu ergänzen genügt ein kurzer Blick in Ihren Orgchart. Wir können selber föhnen. Kauft Schweizer Föhne!

  19. War nicht der Erste und wird auch nicht der Letzte sein, der seine Idee mit Ansage in den Sand setzt. Man sollte nun gewarnt sein, für solche Typen arbeiten zu wollen! Mehr als heisse Luft wurde ja nicht produziert!

  20. Ein weiterer Rohrkrepierer…was soll’s, weitere werden folgen.
    Was mir irgendwie nie einleuchtete: Ist das Luxus-Segment nicht genau dasjenige, welches sich grundsätzlich vor der Sharing Economy sträubt, also die „Tends“ von Beginn weg zum Scheitern verurteilt sind?

    • Glaube nicht, denn die sharing economy im Luxus Bereich richtet sich an die Möchtegerns mit zuviel Geld aber zuwenig um reich zu gelten.

  21. war vorauszusehen. Was hat er denn in seiner Zeit als Grossbanken Manager gelernt? Doch nur dass man dort für seine Ideen und deren Umsetzung nie die Verantwortung übernehmen muss. Schuld ist doch immer das Dumme Fussvolk. 30 bis 50 Prozent der Arbeitszeit wird dort verwendet um die Karriere abzusichern, grosse Organisation überleben wegen der Synergieeffekte aber nicht weil dort gute Ideen geboren werden.

  22. CS hält und produziert am Laufmeter derartige Wichtigtuer wie Marco Abele.

    Die Kultur und DNA von CS macht die Menschen angeschlagen.