UBS-„Fusion“ USA mit Welt ist gescheitert

Zahlen belegen: Superdivision Global Wealth Management kommt nicht auf Touren – Problem ist Martin Blessing – Wann auswechseln?

Die UBS, wichtigste Bank des Landes, jubiliert. 1,4 Milliarden Dollar Gewinn von April bis Juni – Rekord seit 2010.

Warum aber ist die Aktie so tief? Einfach: In der Königsdivision versagt die Bank. Dort zeigen die Gewinne nicht nach oben. Sondern nach unten.

Die Rede ist von Global Wealth Management, das ist die vor anderthalb Jahren geschaffene Grosseinheit, welche das amerikanische Geschäft mit den Reichen mit jenem des globalen Rests verschmilzt.

Das Versprechen von CEO Sergio Ermotti und seinen Kollegen lautete Anfang 2018, dass dank der internen Grossfusion die Erträge steigen und die Kosten sinken würden.

Effektiv verhält es genau umgekehrt: Die Erträge sinken, die Kosten steigen. Das zeigt das zweite Quartal exemplarisch.

Erzielte die Division GWM, wie sie kurz heisst, von April bis Juni 2018 noch Einnahmen von 4,164 Millionen Dollar, so betrugen diese für die gleiche Zeit im laufenden Jahr 4’057 Millionen.

Minus 2,6 Prozent.

Keine Tragödie? Wie man’s nimmt. Aber gut, zu den Kosten. Sind wenigstens die gesunken? Und wenn, dann mehr als die gut 2 Prozent, welche die UBS in ihrem Vorzeigebereich weniger eingenommen hat?

Das ist nicht der Fall. Die gesamten Aufwände für das 2. Quartal 2018 betrugen 3,155 Millionen. Die gleiche Zahl für 2019 liegt höher, nämlich bei 3,171 Millionen.

Das ergibt eine Steigerung um 0,5 Prozent. Mini, oder?

Schon. Nur sprechen wir hier von den gesamten Kosten für einen weltweiten Bereich, besser gesagt: DEN weltweiten Bereich der grossen UBS.

Da gibt es unzählige Sparmöglichkeiten, und genau das war ja das Ziel der ganzen Übung. Weniger Kosten, mehr Effizienz.

Und nun das: Die ganzen Aufwände im Global Wealth Management sind nicht etwa gesunken, sondern sie zeigen nach oben.

Die Folge ist ein happiger Rückgang beim Gewinn für die Division von insgesamt 17 Prozent. Ein Einbruch.

Noch extremer wirds, wenn man das ganze Halbjahr zum Massstab nimmt. Von Januar bis Juni hatte GWM im letzten Jahr 8,6 Milliarden Dollar eingenommen und 6,5 Milliarden Dollar ausgegeben. Gewinn: 2,1 Milliarden.

Befund erstes Halbjahr 2019: Einnahmen noch knapp 8,1 Milliarden, Ausgaben 6,3 Milliarden, gibt einen Rest von knapp 1,8 Milliarden.

Man kann es also drehen und wenden, wie man will, es bleibt dabei: Die Superdivision der UBS namens Global Wealth Management dümpelt.

Wenn sogar die CS besser ist: UBS-Aktie (Swissquote)

Wie ist so etwas möglich? Eines ist klar: Die Führung der UBS darf sich nicht wundern, wenn ihre Aktie keiner will. Da kann sie noch so lange behaupten, der Finanzmulti würde unter seinem Wert geschlagen.

Das Gegenteil ist der Fall. Die UBS hat ihre Schlagkraft verloren. Noch schlimmer: Ihre absolutes Vorzeigeprojekt, die Verschmelzung der beiden grossen Vermögensverwaltungen USA und Welt, bringt sinkende Gewinne.

Das führt zu zwei Befunden. Erstens: Die UBS kann nicht nur nicht mehr mit den grossen US-Banken wie JP Morgan, Bank of America, Citibank und Wells Fargo mithalten.

Sie liegt auch weit hinter den von ihrer Grösse her vergleichbaren Goldman Sachs und Morgan Stanley. Diese erzielten je gut 2 Milliarden Dollar Gewinn im 2. Quartal 2019, das ist mehr als 50 Prozent mehr als die UBS.

Die zweite Erkenntnis lautet: Die UBS hat zuoberst ein Personalproblem. Wenn ihr weitaus wichtigster Bereich an Boden und Kraft verliert, dann fehlt es am Können und an der Durchsetzung des verantwortlichen Chefs.

Im Fall von Global Wealth Management sind es gar zwei Bosse. Der Amerikaner Tom Naratil leitet die US-Aktivitäten von GWM, der Deutsche Martin Blessing den Rest.

Nett, ethisch, erfolglos: Blessing (IHK)

An Naratil liegt die Misere nicht, der Ex-Finanzchef der UBS kam mit seiner amerikanischen Vermögensverwaltung diesen Frühling auf Touren. „Die Region Americas verbuchte einen Rekordgewinn“, hält die UBS heute fest.

Anders lautet der Befund für Blessing. Der liefert nicht. Das aber ist das schlimmste Prädikat in der Managerwelt. He does not deliver.

Man hätte es wissen können. Blessing stammt von McKinsey, er überzeugte nicht als Chef der Commerzbank. Trotzdem holten ihn UBS-Präsident Axel Weber – er und Blessing sind sich nah – und UBS-CEO Sergio Ermotti zur Schweizer Grossbank. Nun werden sie ihn nicht mehr los.

Kommentare

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  1. Auch im Schweizer Geschäft war Blessing eine Enttäuschung. Somit wurde er in einen anderen Bereich befördert. Ist ja ein Kollege von Weber der auch nicht viel leistet aber verdient ….
    Wann wir der Stall ausgemistet, wenn die Aktie bei CHF 8 liegt?

  2. Die Realwirtschaft und die Realwirtschaftlichen Erträge Pruduktivitätsvortschritte und Gewinne dümpeln vor sich hien, oder sind rückläufig.Zudem wird das ganze zu einem hohen Anteil durch die längst laufende ungedeckte,(= mit Realwerten unterlegte)Geldschöpfung am laufen gehalten.
    Auf diesem Hintergrund und Fundament ist weder ein
    Realwerterhalt des eingesetzten Kapitals, noch ein Realkapital-Wertgewinn grossflächig möglich.
    Mit dem Absaufen des Geldrealwertes müsste logo sein,
    löst sich auch der Realwert des Kapitals in Luft auf.
    Der grösste Teil dessen was noch echte Gewinne abwirft
    konzentriert sich auf Inseider, private die das auch selber mit entsprechenden Mitarbeitern verwalten.
    Auf dem freien Markt kursiert im wesentlichen nur noch
    eine risige Masse an mehr oder weniger ,,Schrott,, und nominell teilweise massiev Überbewertetes.
    Dank dem Umstand, auch auf dem Umstand das die Welt innzwischen sog. Globalisiert ist, haben innzwischen faktisch ALLE den Überblick VERLOREN.Noch läuft das Ding dank massiever Geldschöpfung der Notenbanken.
    Dazu glaubt die erdrückende Mehrheit das könne gar nicht Enden und so weiterlaufen. Prinzipp Hoffnung.
    Wie lange das noch funktioniert und kann steht in den Sternen.Jeder Tag ist ein Gewinn dem Prinzipp Hoffnung gebürt ein grosser DANK.

  3. UBS konnte noch nie mit den US Banken mithalten. Erstens sind dass Paine Webber Broker mit ein paar „alten“ UBS/SBC Veteranen. IT Platform aus den PE Zeiten – 80er Jahre. Naratil kann keine neuen Broker gewinnen, da er sie nicht marktgerecht bezahlen kann. Aber eben, auch nur ein ehemaliger CFO der sich an der Front dumm und dämlich verdient. Blessing noch schlimmer, ein unsicher Clown ohne Bankfachwissen. Mit tun die Mitarbeiter in der Schweiz leid, welche gerne weg würden, aber keine Jobs finden.

  4. Eine grosse und träge Organisation (GWM) mit zwei Chefs aus unterschiedlichen Kulturen – das ist zum Scheitern verurteilt! Und immer wieder wird dies von neuem versucht 😂 Diese Art von Managern lernen es nie 🤨

  5. Nun mal halblang.
    Als Aktionär der UBS bin ich ob der Zahlen schlicht begeistert und denke, Sergio hat sich einen Sonderbonus verdient. Der Alex natürlich auch, und Tom und Martin ebenso.
    Also mindestens 25% mehr als in den letzten Jahren!

    Wer Ironie findet, darf sie behalten!

    PS: die Begründung für obiges liefert -wie immer- das Agit- und Propagandaministerium der Bank, auch PR-Abteilung genannt, wo Realität nicht hinkommt, Gravitation nicht existiert und Wahrheit, Ehrlichkeit und Transparenz exklusiv im Grimms Märchen erscheinen.

    • @Hans Rudolf Knecht

      Man kann jedem Mitarbeiter kündigen?

      Einem Mit-ARBEITER schon. Aber das ist doch kein ARBEITER. Sondern einer der vielen überbezahlten Verwalter. Englisch nennt sich dies Manager. C-Level Manager. Und so ist erwartungsgemäss auch ihre Performance: Grade C, nicht mal B, von A ganz zu schweigen …

      Ausserdem hat da wohl der gute Onkel Axel etwas dagegen …

  6. Blessing hin oder her, der echte Verantwortliche, und dafür ist er fürstlich bezahlt, ist doch der CEO HerrMotti.

  7. über diesen Blessing hab ich mal was nettes gelesen, als er noch bei der Commerzbank war……………“Wenn der ein Beerdigungsinstitut aufagmachen würde, würden am nächsten Tag keine Leute mehr sterben“………………wird wohl so sein

  8. Um sich wirklich ein sehr gutes Bild über die Finanzen der UBS zu gewinnen, sollte man sich die veröffentlichten SEC-Reports der UBS zu Gemüte führen. UBS ist an der Wall Street kotiert und deshalb verpflichtet, die entsprechenden Reports an die Securities and Exchange Commission abzuliefern. Viele Zahlen, aber auch sehr erhellend. Gleiches sollte die FINMA
    von den hiesigen börsenkotierten Werten verlangen.

  9. Die UBS braucht einen Neuanfang. Die Strategie, global der beste und grösste Vermögensverwalter zu sein, ist gescheitert. Und das „integrierte Geschäftsmodell“ auch. Warum? Keinen Kundennutzen: Der PB-Kunde hat nichts davon: die Performance ist nicht besser als anderswo, die Portfolios sind mit unverständlichen/intransparenten Produkten vollgestopft, die Kosten sind hoch/höher als anderswo, die Berater wechseln ständig, Helplines und Warteschlaufen, wie bei einer Online-Bude. Auch der CH-Retailkunde (gemeinsam mit dem CH-Private Banking-Kunde die Cash-Cow der Bank) hat nichts von dieser globalen Strategie, ausser, dass sie den ganzen, globalen Hokuspokus finanzieren dürfen – und das Management sich sich mit deren Geld die Taschen füllt. Ah ja, die IB habe ich fast vergessen. Kann ohne UBS-Retail und UBS-GWM-Kunden im Markt auch nicht überleben, zahlt aber tolle Boni – wir sind halt in einem „war of talent“ – so ein totaler Chabis. Die einzigen, die profitieren, sind? Sie ahnen es…..Aufbrechen, das GANZE Teil!

    • @ Private Banker

      Anfänger brauchen einen Neuanfang, hiess es doch schon im 2008, oder nicht?
      Den Neuanfang 2019 / 2020 nochmals ueben?
      Wie viel mal soll der Neuanfang noch geuebt werden?

      Ermottis neues Motto: „Uebung macht den Meister?“

  10. Es wird wirklich langsam Zeit, wenn Weber, Ermotti und ihre gesamten Claqueure das Feld räumen müssen.
    Börsenkurs gestern bei Börsenschluss CHF 11.81, was für eine Leistung von diesen „Superbankern“!!
    Boni einstreichen geht halt einfacher.

  11. Wennn etwas nicht funktioniert, es ist nicht nur ein Mann / Frau schuldigt, sondern ganze team oder gilt TEAM := Toll ein andere Macht…
    Das Problem ist ganz oben, offensichtlich und klar….der Rest ist nur Déjà vue…das Swiss Banking ist am Boden, man muss erkennen….nur die Löhne für wenige sind hoch…wenn man viel verdient, wieso sollte man etwas ändern?😭😴

  12. Ja, Blessing ist eben auch ein ehemaliger Hilfsmatrose von McKinsey – und dass er vom Bankwesen nichts versteht hat er ja schon bei der Commerzbank beweisen können.
    Die Hilfsmatrosen von McKinsey haben ja schon soviele Unternehmen auf Grund gefahren, da spielt doch eines mehr oder weniger keine Rolle.

    • Sänk ju vor träwelling wis deutsche bahn.
      So tönt es einem bei seinen Townhalls entgegen. Und nicht nur die Aussprache ist beschämend. Der Inhalt auch.

  13. The question was, is and will be: Is Martin a blessing or a curse?

    Ich tippe auf letzteres: Auch Martin ist ein Dampfplauderi aus der McGrinsey Schule.

    Also, liebe UBS, zieht doch den Stecker so lange noch Zeit ist

  14. Mir stinkt diese Schönfärberei der Zahlen wie sie UBS unter dem neuen CFO betreibt.
    Das heute präsentierte Resultat kann nicht befriedigen sondern offenbart dass die UBS nicht nur ein Ertrags- sondern auch ein Kostenproblem hat.

    Der erhöhte Personalbestand ist ein Indiz dafür, dass die Kosten noch weiter steigen werden.

    Problem liegt wohl bei der obersten Führung. Ermotti scheint nicht mehr die Energie aufwenden zu können die es für tief greifendere Strukturänderungen braucht. Nicht verwunderlich – hat er doch die heutigen Strukturen geschaffen !