Kampf um Commerzbank: Was macht UBS-Blessing?

Deutscher ganz oben bei der Schweizer Grossbank war lange CEO der deutschen Nummer 2 – Die schmückt sich als Braut.

Grosse Europäer-Banken stehen Schlange. In Spanien die Santander, in Frankreich die Credit Agricole und die BNP Paribas, in Italien die Unicredit – sie alle wollen die deutsche Commerzbank.

Auch die UBS wird als Interessentin genannt. Ein Angebot der Schweizer Grossbank für das zweitgrösste Finanzhaus im nördlichen Nachbarland würde viele überraschen.

Doch es hätte seine Logik. Bei der UBS will Martin Blessing ganz nach oben. Blessing ist aus Deutschland, er führt seit 1 Jahr den Schweiz-Teil der UBS – und er stammt von der Commerzbank.

Dort wurde Blessing gross. Und für viele zum Versager.

Blessing und sein Ex-Chef bei der Commerzbank kauften just auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 die Dresdner Bank. Diese war schon lange am Schlingern.

Bei der Übernahme schrieb der Spiegel von einem „Schnäppchenpreis“. Selbst der war noch zu hoch. Die Dresdner entpuppte sich als grosse Fehlinvestition.

Die Commerzbank, kurz CoBa, litt in den folgenden Jahren unter der Last. Sie musste vom deutschen Steuerzahler gerettet werden. Auch war die CoBa unter ihrem Chef Blessing in den Cum-ex-Skandal geraten.

Martin Blessing wurde vom Helden zum Krisenmann. Ein Teil der CoBa-Aktionäre nahm den Ex-McKinsey-Berater ins Visier.

Schliesslich ging Blessing im Frühling 2016 unverrichteter Dinge von Bord. Kaum war er draussen, kündigten seine Nachfolger einen Mammut-Abbau von 9’000 Stellen an.

Während die CoBa-Mitarbeiter bluteten, konnte sich Blessing im warmen Schweizer Nest der UBS sonnen. Und warten, was kommt.

Nun wollen offenbar CoBa-Grossaktionäre aussteigen. Sie dürften hinter den Verkaufsgerüchten in Marktkreisen stecken.

Ob die UBS die CoBa will, hängt von Blessing, dessen Freund und Förderer Axel Weber und Sergio Ermotti ab.

Blessing dürfte wollen. Er wollte schon die Dresdner Bank. Nun wäre die CoBa sein nächster Coup. Die UBS wäre auf einen Schlag eine Macht in Deutschland, hätte dort einen 2. Hauptsitz.

Und ein europäisches Zentrum. In Frankfurt ist die UBS jetzt schon gross, aber nicht rentabel. Mit der CoBA im Sack wären die Schweizer die grosse kontinentaleuropäische Finanzmacht.

Axel Weber dürfte ebenso wollen. Der Präsident der UBS kennt die CoBA dank Blessing. Als dieser in der grossen Krise Rettung durch de Staat benötigte, stand Weber bereit.

Weber war damals Präsident der deutschen Bundesbank, also der Zentralbank. Seit 2012 ist er oberster Kapitän der UBS und scheffelt Millionen.

In Deutschland wird über einen Abschied Webers spekuliert.

Damit kommt Ermotti ins Spiel. Wenn Weber nach einem Kauf der CoBa durch die UBS gehen würde, könnte Ermotti als Präsident nachrücken.

In einem kürzlicheh Bloomberg-Interview hat der Tessiner dies nicht ausdrücklich dementiert.

Unter Ermotti würde dann Blessing der neue operative Superstar. Der Deutsche wäre der neue CEO der vereinigten UBS-Commerzbank.

Diese könnte nochmals Tausende von Mitarbeitern abbauen, hätte danach 2 Heimmärkte: In der Schweiz wäre sie Nummer 1, in Deutschland Nummer 2.

Und an beiden Orten eine Universalbank, arrondiert mit globalen Investment Banking sowie weltweitem Private Banking.

Gut? Wer weiss. Zunächst müsste die Commerzbank fit werden. Das ist sie immer noch nicht, die jüngsten Zahlen waren ernüchternd.

Trotzdem könnten Blessing und Weber längst ein Auge auf die CoBa geworfen haben. Keiner der anderen Banken, die sich um die CoBa bemühen, kennen die Bank so wie Blessing.

Und der will nach oben. Chef der UBS, darum geht es.

Mit dem Kauf der CoBa wäre Blessing wohl am Ziel. Was es ein solcher Deal für die UBS bedeuten würde, ist kaum abschätzbar.

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20 Kommentare zu “Kampf um Commerzbank: Was macht UBS-Blessing?

  1. Gefühlte 40 Jahre wird die Commerzbank schon verkauft und fast in grosser Regelmässigkeit tauchen CS und UBS auf. Jetzt könnte man aktuell sagen, Schnee von gestern oder sich mit der neuen Welt des Bankings auseinandersetzen. Die Commerzbank ist weit besser als ihr Ruf, hat aber den grossen Nachteil, das Sie mit ihrem Kerngeschäft nur das Geld verdient, was Sie auch ausgibt. Die Coba war noch nie eine Investment- bzw. Vermögensveraltungsbank, also unterliegen auch die Erträge nicht diesen riesigen Schwankungsbreiten wie bei einer UBS. Die Schieflage bei den Schiffskrediten ist nicht nur der Bank anzukreiden sondern weitestgehend durch das Steuersparmodell entstanden. Dies konnte sich nur so entfalten, weil der Deutsche gierig nach jeglicher Steuervermeidung ist, egal ob sinnvoll oder nicht. Aktuell macht die Coba nur das , was Schweizer Banken noch bevorsteht, nämlich sich von unnötigem Personal zu trennen. Und da sie gerade in den Bereichen stark ist, wo die UBS nach wie vor zuviel Personal hat, kann ein Zusammenschluss schon sehr produktiv sein. Und im Gegensatz zu früheren Anbahnung, hindert heute kein Bankgeheimnis mehr.

  2. Statt wieder gross zu träumen, sollte die UBS lieber die Altlasten (Derivate) lösen und sich auf Qualität konzentrieren. Das ist das was der Kunde sucht. Schon Ospel wollte der ganz ganz grosse Zampano im Investment-Banking sein und liess sich von den Amis wertlose Papiere für zweistellige Milliarden andrehen und war der Meinung er könne da mit spielen, was es gebracht hat weis jeder. Und ich bin mir sicher dass bei der Commerz noch viele Tretminen vergraben sind die nur drauf warten bis ein Idiot drauf tritt. Am besten gibt man dem Blessing einen Tritt in den Allerwertesten, solche Leute bringen nur Chaos.

  3. Blessing ist seit 2001 im Vorstand der Commerzbank. Er war aber nicht Chef der Coba, als diese die Dresdner Bank übernahm oder übernehmen musste. Ob die sich daran anschließende Schieflage der Coba ausschließlich der Dresdner geschuldet ist, möchte ich bezweifeln. Die Dredner war nur ein Sündenbock, auf dem man alles abladen konnte. Viel Mist hat die Coba auch bei Schiffbau-Krediten und im Investment-Banking gemacht. Die Commerzbank hat Blessing mit einer scheinbar erfolgreichen Sanierung verlassen und hat sogar eine Dividende gezahlt. Mit diesem „grandiosen Erfolg“ hat er sich für die UBS empfohlen. Von Blessings Intimus und Nachfolger Zielke wurde die Dividende dann sofort wieder gestrichen und die Sanierung wieder neu gestartet. as sieht für mich nach einem abgekarteten Schwindel aus. Auch sonst kann ich in Blessings Karriere bestenfalls Mittelmäßigkeit finden. Als Deutscher muss ich sagen, dass die Schweiz stark vom Import Deutscher Spitzenkräfte profitiert hat, Blessing gehört nicht dazu, und ich kann nur warnen, ihn bei der UBS noch höher steigen zu lassen. Generell ist Deutschland im Bankenbereich seit vielen Jahrzehnten ein notorischer Underperformer, von dem andere Länder eigentlich nichts lernen können.

  4. Mit dem Kauf der Commerzbank durch die UBS wird sich die UBS Schwächen, nur das interessiert Blessing nicht, denn auch er gehört zu den ca 5000 im Direktionsrang in der Schweiz die wie alle Blender und Showmasters in dieser Branche noch nie einen Franken an Wertschöpfung geleistet haben, auch meiner Hinweis den ich seit 10 Jahren befolge und empfehle: Finger weg von Finanztitel.

  5. Die Verantwortlichen der UBS würden gscheiter dafür sorgen, dass der jetzige Laden mal richtig läuft, anstatt sich aufgrund von Grossmachtträumern noch einen ebenfalls kranken Europäer anzulachen. Die UBS hat noch viele offen Baustellen, welche die ganze Aufmerksamkeit der verantwortlichen Kapitäne benötigen. Für die Integration einer CoBa dürften die vorhandenen Resourcen schlicht nicht reichen. Was Blessing will, ist völlig egal. Wichtig sind die Interessen der Aktionäre und nicht die Bankkonten und das Ego der UBS-Kommandobrücke.

    • „..Wichtig sind die Interessen der Aktionäre und nicht..“
      Richtig müsste es heissen: „w ä r e n !“

    • Ach, Aktionäre, das sind doch Dummköpfe 🙂

      Volkswirtschaftlich schädlich ist eine solche Grossmachtsträumerei allemal, denn die Schweizer waren kaum jemals global erfolgreich. Also Finger weg. UBS soll in der Schweiz bleiben!

  6. Das sich die UBS eine Übernahme der Commerzbank überlegt, ist durchaus geschäftlich legitim. Es ist nur die Frage, wieviel man für den angeschlagenen Laden bezahlt. Dieser Laden hat durch die Übernahme der Dresdner Bank sehr gelitten und welche Krankheitsherde hat die Dresdner Bank in die Fusion mit der Commerzbank eingebracht. Es war das Geschäft der Dresdner Bank in London (Kleinwort, Benson) und New York (Wasserstein, Perella). Es war nicht das deutsche Bankgeschäft, dass der Dresdner Bank den Hals gebrochen hat. Es war wieder einmal das angelsächsische und insbesonders das US-Bankgeschäft. Immer die gleiche Leier! Bei der Deutschen Bank Bankers Trust, bei UBS Pain, Webber und diese Bande von verrückten Amerikaner, CS ähnlich mit DLJ.
    Obwohl die UBS behauptet, das US-Home-Geschäft sei ein Erfolg, rendiert es trotz gegenwärtiger guter US-Konjunktur ärmlich. Was passiert, wenn sich dort die Konjunktur verschlechtert? Dann zeigt sich wieder, was die Amerikaner den blöden Europäer als Schrott verkauft haben.
    Das richtige Rezept wäre, den mageren UBS Kuchen in den USA jetzt zu verkaufen, denn er kann zukünftig leicht ranzig werden.
    Will die deutsche Regierung das Paket von 15 % an die Chinesen abgeben? An die Franzosen oder die Briten?
    Nein, will sie aus politischen Gründen nicht, die Unicredit hat schon eine starke Stellung in Deutschland, das genügt! Somit kann man die Commerzbank Aktionäre so nerven, dass sie ihre Aktien billig abgeben.
    Die Commerzbank bringt preiswert eingekauft für die UBS mehr als jede so hochgelobte Scheiss-Bank in den USA.
    Dann wäre die UBS endlich wieder eine Kraft im Trade Finance, dass braucht sie um im Devisenhandel ihre Spitzenposition zu halten.
    Natürlich ist Deutschland „overbanked“, aber vor 10 Jahren war es um einiges schlimmer.

  7. Dunning-Kruger:
    Inkompetente Personen neigen dazu
    – ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen
    – überlegene Fähigkeiten bei anderen nicht zu erkennen
    – das Ausmass ihrer eigenen Inkompetenz nicht zu erkennen.
    Unfähige Personen sehen sich für Aufgaben gewachsen, die weit ausserhalb ihrer Fähigkeiten liegen. Durch unglückliche Zufälle wird es einigen sogar gelingen in die angestrebten Positionen zu gelangen, was dazu führt, dass durch ihre Inkompetenz, Inkompetenz in anderen Bewerbern zu erkennen, auch andere Inkompetente in Schlüsselpositionen aufsteigen können. Wächst ein Unternehmen über eine gewisse kritische Grösse hinaus, führt die statistische Wahrscheinlichkeit unweigerlich zu diesem Problem, was langfristig, besagtes Unternehmen in die Insolvenz treiben kann. Eng verwandt mit dem Dunning-Kruger-Effekt ist in diesem Zusammenhang das Peter-Prinzip, eine These des kanadischen Lehrers und Psychologen Laurence J. Peter. Die These besagt, dass einzelne Personen in einer Hierarchie immer zu der Stufe ihrer Unfähigkeit aufsteigen, also die letzte Stufe, für die Ihre Kompetenz gerade noch ausreicht, hinter sich lassen. Auch dies ist vorliegend eindrücklich demonstriert…

  8. Die genannten Interessenten für die Commerzbank sind international im mittelständischen Finanzierungsgeschäft gut aufgestellt und haben Ambitionen deren bestehendes, zum Teil sehr erfolgreiches Geschäft in Deutschland auszubauen. Davon ist die UBS meilenweit entfernt, da diese ein anders Geschäftsmodell hat. Darum ist eine Übernahme der Commerzbank durch die UBS unwahrscheinlich.
    Das hat mit dem grossen Banker Blessing zum Glück nichts zu tun. Er hat ja bewiesen, welche tollen Übernahmen er, zusammen mit dem kleinen Müller, schultern kann. Und als die beiden die Commerzbank an die Wand gefahren hatten, musste eine Legende her: die Politik verlangte, dass wir die Dresdner Bank übernehmen… Merkel-Freund Müller ist heute noch Vorsitzender des Aufsichtsrates. Als Mitglied der Bundesbank-Nomenklatura (Enkel Blessing) oder als Kanzlerin-Protegé kann einem in Deutschland nichts passieren, sondern man fällt noch sehr weich – dank Weber.

  9. Wie lange soll das eigentlich noch so weiter gehen?

    Vor ein paar Jahren hat sich die UBS massiv in den USA verzockt und musste durch den Staat gerettet werden. Jetzt ist die UBS dabei erneut ein ziemliches Risiko einzugehen, in dem sie ein Deutsches Finanzinstitut kaufen möchte, das sich vor einigen Jahren selbst mit einem Zukauf verzockt hat und immer noch an diesem Fehlentscheid (und anderen) darbt.

    Und warum das alles? Weil ein kleiner egomanischer Deutscher Komplexe unter Profilierungssucht leidet. Er will es allen nochmal zeigen. Trotz erheblichen Versagens an die Spitze. Oder gerade deswegen.

    Natürlich, klar, als Unternehmer muss man manchmal etwas wagen um weiter zu kommen. Investieren. Risiken eingehen.

    Aber der Unterschied zwischen einem echten Unternehmer und Kollegen wie Blessing ist: Wenn der eine Mist baut, ist er pleite und weg vom Fenster. Wenn Blessing Mist baut, ist er zwar vielleicht auch (endlich) weg vom Fenster. Aber er bekommt dann wie üblich noch einen Sack voll Geld mit auf den Weg.

    Diese Branche ist echt krank.

  10. Mit der Uebernahme der Privatbank SMH in 1998 wurde die UBS in DE aktiv. 20 Jahre danach ist die Bank dort noch nicht rentabel.

  11. Guter Artikel und genau richtig. Die meisten vergessen, was Blessing in Deutschland angerichtet hat. Die Schweizer wissen eh nix davon, weil sie keine internat. Zeitungen lesen. Ich sass kürzlich mit Blessing beim Lunch am Tisch und er ist ein furchtbarer Langweiler und Aal von einem Mann. Er sprach nur von Digitalisierung – d.h. übersetzt – die UBS wird weniger Personal brauchen und Blessing baut schon wieder ab und das bei uns in der Schweiz. Gibt es wirklich keinen Schweizer, der das „Erbe“ von Ermotti antreten kann? Haben wir nur noch Durchlauferhitzer als Manager, die nur ans eigene Überleben und absahnen denken? Ich glaube – ja.

    • Du hast es voll erkannt. Selbst bei Nestlé sitzt nun so ein importierter Aal am Steuer, der nichts Gescheiteres weiss, als für 20 Milliarden eigene Aktien zurückzukaufen… Das ist natürlich nur gut für das mit Aktienoptionen ausgestattete Top-Management. Ulf M. Schneider hat sich quasi als erste Amtshandlung eine gehörige Erhöhung seiner „Kompensation“ gegönnt im Millionenbereich. Im weiteren ist ein Aktienrückkauf eine Bankrotterklärung des Managements: Keine Geschäftsidee, nicht mehr Investitionen in zukunftsträchtige Geschäftsfelder? – Ergo der Anfang vom Sterben! Und dann kommt diesem Döspaddel dann noch die überwältigende, völlig neue Erkenntnis, dass das Food-Geschäft im wesentlichen „lokal“ ist. – Das weiss jeder Marketing-Studi im ersten Semester und jeder P&G/Unilever/Nestlé-Assi in den ersten Arbeitswochen! – Give me a fucking break! Wir werden überall nur noch von Königen ohne Kleider geführt. Zeit es einmal laut zu rufen.

  12. Schweizer Banken sind soziale Auffangbecken für gescheiterte oder unfähige deutsche Banker, auf allen Hierarchiestufen. Blessing und Weber sind die bekanntesten. Eines zeichnet alle aus: sie können sich hervorragend vermarkten und nicht vorhandene Kompetenzen anbieten, Leerverkäufe!

    • Hm… das wirft ein unglückliches Licht auf Know-How und Kompetenz der lokalen Arbeitskräfte. Man bekommt immer das was man verdient – die Banken deutsche Manager und wir hier „Späher“.

    • @mk, nein hast du sie erst mal drin.. wirst du sie nicht mehr los und es werden immer mehr, die inkometenz wäre dann wohl anderswo zu suchen