Donnerschlag in Basel: Trio Cler weg

Führungsspitze der Discount-Bank wirft Bettel hin – Mutter Basler KB presst Zitrone aus – Scherbenhaufen von Lachappelle.

Was sich hier vor 2 Wochen abzeichnete, ist nun eingetreten. Die gesamte operative Führung der Bank Cler, eine 100-Prozent-Tochter der Basler Kantonalbank, hat gekündigt.

CEO, CFO und Vertriebschef – alle weg. Grund: Das Trio Cler wollte nicht länger gute Miene machen zum bösen Spiel.

Dieses heisst: Ausbluten der Bank Cler. Die Mutterbank, sprich die Basler KB, presst nämlich gerade die Zitrone aus. Sie zerschlägt die ganze Tochter, um zu sparen und nicht selbst abzuspecken.

Das Spiel ist für die Betroffenen miserabel. 150 Stellen gehen verloren (oder werden verändert), mehrere Dutzend Leute verlieren ihr Auskommen.

Die Zeche ist einseitig verteilt. Während die Banker des Mutterhauses weitgehend verschont bleiben, kommen die Mitarbeiter der Bank Cler an die Kasse. Sie sind zum Einsparfaktor geworden.

Hintergrund ist das Schicksal eines traditionsreichen Instituts, das bis vor kurzem Bank Coop geheissen hatte, mit einer Minderheit der Aktien an der Börse.

Dann trat Guy auf den Plan. Guy Lachappelle, heute grosser Präsident der Raiffeisengruppe, sah seine Felle bei der Basler Kantonalbank davonschwimmen.

Dort war Lachappelle im 2013 ans operative Ruder gekommen. Er schien der richtige Mann zur richtigen Zeit.

Doch die Zahlen, die Lachappelle nach aussen publizierte, waren nicht so glänzend, wie sie schienen. Die Erträge flossen spärlich, die Kosten blieben hoch.

Was tun? Da hatte Lachappelle einen genialen Einfall: die Bank Coop ins Haus holen. Mit Hilfe von Gutachtern wurden die Minderheitsaktionäre günstig abgespiesen.

Abbruch hinter herausgeputzter Fassade: Cler (IP)

Kaum gehörte die nunmehr in Cler umgetaufte Tochter zu 100 Prozent der Basler KB, gings ans Werk. Ziel: Kosten zerschlagen – und zwar bei der Tochterbank.

Die schmutzige Arbeit übernahmen die Nachfolger. Lachappelle hatte letzten Herbst gekündigt, um neuer Herr der schlingernden Raiffeisen zu werden.

Seine Nachfolger gingen den von Lachappelle vorgezeichneten Weg weiter. Sie nahmen die Bank Cler an die kurze Leine und entwickelten einen Geheimplan.

Diesen legten sie vor wenigen Wochen offen. Er war brutal. Die ganze Cler Bank wurde als eigenständiges Institut ausradiert.

Nur die Front blieb, der Rest, sprich der Unter- und Hinterbau der Tochterbank, landete bei der Mutter am Rheinknie.

Synergien nutzen, lautet der harmlose Überbegriff. Für die Cler-Banker bedeutete dies in der Realität bittere Kost. Sie sahen sich als die grossen Verlierer.

Besonders unfair empfanden sie den Umstand, dass sie effizient gearbeitet hatten. Ihre Kosten im Verhältnis zu den Einnahmen übertrafen jene des Mutterhauses.

Das zeigte sich letzte Woche. Die Basler KB musste für das abgelaufene erste Halbjahr eingestehen, schwach gewirtschaftet zu haben.

Der operative Gewinn brach um einen Viertel ein. Einzig dank weniger Reservenbildung blieb der Rückgang – optisch – im Rahmen.

In ihrer Mitteilung von heute früh, wonach die gesamte Führungsspitze der Cler Bank geht, versucht die verantwortliche Führung der Basler Kantonalbank, Kontinuität zu signalisieren.

Wie? Indem sofort die neuen operativen Chefs vorgestellt werden. Die sind erst seit kurzem im Banking.

Der CFO, also Finanzchef, war bei Beraterin Ernst&Young. Anfang 2018 wechselte er zur BKB. Nun übernimmt er die wichtige Funktion bei Tochter Cler.

Noch weniger lang im Bankgeschäft ist der neue CEO. Respektive die CEO: Es handelt sich wie bisher um eine Frau. Ihr Name dürfte den wenigsten etwas sagen: Mariateresa Vacalli.

Die Frau hat neben dem schönen Namen auch eine stolze Karriere, mit Studium an der ETH.

Doch mit der Geldindustrie hatte sie bis zu ihrem Wechsel zur BKB letzten Herbst nichts am Hut. Sie leitete vielmehr Moneyhouse, das ist eine Digitalplattform mit Wirtschafts-Informationen.

Kommentare

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  1. Tönt alles nach Bankrott der Cler-Bank! Was ist da eigentlich wirklich los? Was ist mit der Basler KB los?

    Der Artikel wirkt unklar und macht versteckt böse Andeutungen einer Bank-Katastrophe mit neuem, hastig eingesetztem Führungspersonal ohne Bank-Kenntnisse. Na merci! Wenn das so weitergeht bei den Banken, kann die Schweiz bald mal einpacken.

  2. Respekt! Die neue CEO der vollwertigen Schweizer Bank Cler mit rund 450 Mitarbeitern weist immerhin fast 1 (in Zahlen: ein) Jahr Bankerfahrung auf!!! Das würde bei der Bewerbung für eine Traineeposition bei einer Grossbank nicht ganz reichen. Vorher war sie noch rund zwei Jahre bei einer Tech-Plattform im freien Fall (https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/das-broeckelnde-moneyhouse/story/28400833) und zuvor bei Sunrise und UPC.
    Ist überhaupt noch jemand wach bei der FINMA? Wie kann denn bitte so eine Nominierung hinsichtlich der Gewährsprüfung in Bern durchgewinkt werden?

  3. EILMELDUNG:

    In Basel gehen die Champagnerflaschen aus. An die Anwohner der Bank CLER in der Gesamtschweiz: Bitte entschuldigen Sie die durch Jubelstürme verursachte Lärmbelästigung. Es hat sich einiges angestaut …..!

  4. ……………….,,,,,,,,,, Von „ moneyhouse“ zur Kantonalbank. Ein Karrieresprung ohne Hintergrund und Erfahrung! Prost Nägeli. In der Personal-Rekrutierung scheinen jetzt auch noch valable Kandidaten aus-zugehen? Möglicherweise der Idealzustand 🎈für das Wirken und Werken von McKinsey-Gesellen! Hauptsache ein Name und Grinsgesicht (er)-füllt die Hochglanz-Postillen des Saftladens. PS: moneyhouse ist eine Plattform für Handelsregister – Eintragungen und ist im Besitze der ✍️NZZ , wahrlich eine 😳Sprungbrett – Firma 1.er Güte……………….

    • Die neue CEO von Cler kommt ja auch von der NZZ…völlig ideenlos und intellektuell auch nur Durchschnitt…war schon als CDO bei der BKB eine grossartige Fehlbesetzung…also wenn ich die Cler versenken wollte, hätte ich auch diese befördert…

  5. Ist es sinnvoll, als Bank eine Bank zu erwerben und dann beide Institute mit separater Infrastruktur und eigenem Namen weiter zu führen? Wohl kaum! Der einzige Fehler ist, dass die BKB so lange mit der „Integration“ zugewartet hat. Schon der Namenswechsel von Coop zu Cler war reine Geldverschwendung. Der einzig vernünftige Schritt ist die Vollintegration.

    • @Osmnli: Klar ist es sinnvoll, beide Banken zentral zu administrieren. Was nicht sinnvoll ist, ist systematisch die BKBler zu behalten und die Cööpler – sorry Clerler – abzubauen, auch wenn es den Besseren der beiden trifft. Ganz schlimm finde ich, das der eigene Verwaltungsapparat weiter aufgebläht wird, obwohl hier zuerst gespart werden könnte.

    • Richtig! Damit bin ich voll auf ihrer Linie! Die Basler Kantonal-Bänkler hätte man längst in die Cler intergrieren sollen …

  6. Die guten Mitarbeiter haben das Schiff schon vor Jahren verlassen.
    Die nun abtretende Führungsetage war stets unterqualifiziert und überfordert. Schlechter kann es nun kaum kommen.

  7. Traurig für die Angestellten von ex Bank Coop und Bank Cler. Der Kundenservice in Basel und Zürich war bis jetzt sehr gut. Man erhielt wirklich gute Information von den sympathischen Bankangestellten. Mich nimmt Wunder ob der Name Bank Cler auch bald verschwindet oder die Produkte wie Sparkonto Plus/Supercard. Immerhin bekommt man noch Zins.
    Ja, Studium an der ETH. In den letzten Jahren habe ich in der Bank mit einer Person der ein Masters in Quantum Engineering hat gearbeitet und jemand konnte sogar ein Masters in Lebensmittelwissenschaft ausweisen. Ich habe nur ein PhD in Bank und Finanz. Meine Mitarbeiter mit guter Schweizer Bankausbildung sind fachlich sehr gut besser als jeder Bachelor/Masters.

  8. Und das, was die Stellen betrifft, mit einer Kantonalbank im Rücken. Bald bin ich für den Rahmenvertrag, der dann die Existenz der Kantonalbanken eliminiert. Unglaublich, was da geschieht. Die besten Chefinnen und Chefs sind doch die, die nach fundierter Ausbildung von der Pike auf sich mit dem Geschäft vertraut gemacht haben. Gilt besonders im Dienstleistungsbereich.

  9. Die haben uns schon bei der Uebernahme durch den Dreck gezogen und zu billig übernommen. Die BLK Aktien haben keinen Anlagecharakter.

  10. Wunderbare Schilderung einer absolut schönen Bankgeschichte. Basler KB, eine Versagerbank, mit dem LaChapelle an der Spitze, der sich mit Tricks aus der Verantwortung stahl und jetzt bei Raiffeisen den Retter spielt. Und hier einfach nur konsequent, dass die Spitze der Bank Cler in corpore gekündigt hat, statt das miese Spiel mitzuspielen. Cover up nennt sich das in der Management Sprache. Und jetzt ist die Spitze der BKB mit absolut Schwachen besetzt, ein Berater der schlingernden EY und als Sahnehäubchen, die Ex Chefin von Moneyhouse, einer bekannterweise total fragwürdigen Organisation, welche Fehlinformationen über Firmen und Geschäftsleute verbreitet. Ein Moneyhouse der Fake News. Es wird lustig werden mit dieser Spitze, und dass die Pressestelle „business as usual“ verkündet, passt super zum Muster dieser Bank. LH bleiben Sie dran, und vor allem wieder mal den LaChapelle unter die Lupe nehmen, das ist ja seine Baustelle, die er hier hinterlassen hat.

  11. Zwar verstehe ich den Unmut der Teppichetage, aber ganz falsch ist der Schritt nicht und hier ist eine der ganz wenigen Banken der Schweiz welche auf die Digitalisierung reagiert – ja sogar mit Zak aggiert.
    Frau Vacalli mag keine Bankerfahrung haben, doch das ist nicht nötig, Banking ist zukünftig eine reine Dienstleistung. Notabene eine Dienstleistung welche auf einer Plattform angeboten wird und ein reines Plattformgeschäft wird. Würde sich einer der Herren im Alter 50+ für die Welt des modernen Banking interessieren, dazu zähle ich den Autor dazu, wäre das ziemlich klar. Kein Report, kein Besuch in Asien und keine der Neobanken lebt etwas anderes vor. Wer noch am alten Banking festhält ist von gestern. Genau diese Herren sind auch Schuld an den verlorenen Jobs Banking der Millenials und Co. Aber man geht ja auf den Ruhestand zu, die Taschen sind gefüllt und der klassische Banker schaut nur auf sich selbst. Immerhin diesen Charakterzug ziehen die Herren ü50 konsequent durch.

    • @NY125
      Oje, aktuelle Schlagworte aneinandergereiht! Insbesondere mit dem aktuellen Wort der Worte Digitalisierung unter dem alle – wie beim Fussball – was anderes zu wissen wollen …

  12. Kommt mir vor wie bei Julius Bär. Die Leute an der Spitze kommen nicht aus der Branche und sind je länger je mehr unkompetenter. Daher: Weg mit dem Vermögen dort.

    • Keine Bank hat so viele Golfer wie die Bären. Sind selten zu erreichen, wenn sie gebraucht werden und benehmen sich auf dem Platz wie im Clubhaus wie die Könige. Schlimm.

  13. von Coop zur BS-Kantonalbank, eine Trauer-Geschichte ohne Ende.

    Wenn der sogenannte Bankrat der Basler Kantonalbank diese operativen Einverleibungs-Geschäfte durchwinkt, gehört dieser schnellstens vor ein Schiedsgericht zitiert. Politisch PUK.

    In den letzte zehn Jahren produziert die Basler Kantonalbank eine Schandtat nach der anderen. Offensichtlich haben die dortigen L(H)enker nur die eigenen Pfründe im Fokus. Die FINMA hätte hier den Scharlatanen längstens den Riegel schieben müssen.

    „Basler Kantonalbank, das zertrümmerte Schluss-Licht am Banken-Eisenbahn-Wagen der Schweiz!“

  14. Bei einer „Bank“ wie der Cler von einem „Donnerschlag“ zu reden ist etwas hoch gestochen. Im Vergleich zu was bei den richtigen Banken abgeht, kann man hier bezüglich Cler eher von einem feuchten Darmwind als von einem Donnerschlag sprechen.

  15. Bravo an die ehemalige GL, dass sie in diesem üblen Spiel nicht länger mitmachen und gemeinsam abtreten – auch wenn sie sich den Abgang finanziell leisten können.
    Chapeau der neuen GL, dass sie einen solchen Job überhaupt annehmen! Selbst mit Bankerfahrung wäre dies ein Selbstmordkommando! Es scheint, dass gewissen Leuten der Titel wichtiger ist als die Zukunft.
    Fair Banking heisst nicht Fair Managing!
    Ich hoffe jetzt, dass den Verantwortlichen beim Aktionär die Ohren langgezogen werden. Mit Einsparungen bei der Cler Ist bald ausgeschossen – da muss endlich der überblähte Admin-Apparat dran glauben. Good Luck Basil…

  16. „Schön, dass du da bist – und nicht hier“. Könnte für Mariateresa Vacalli stehen. Zusage als Verwaltungsrat bei der St. Galler Kantonalbank, dann vor Antritt doch lieber zur Basler Kantonalbank.

  17. Wer lesen kann ist im Vorteil, sagt der Normalbürger … 150 Stellen werden abgebaut? Sicher? Bisher konnte man lesen, dass von der Synergiewelle 150 Stellen betroffen seien und am Ende 40 Stellen abgebaut würden.
    Entweder verfügt L.H. über mehr Infos, oder er ist seiner einseitigen Begabung (Schreiben) wieder mal erlegen und hat die ihm lästige Ausgleichsdisziplin (Lesen) wieder mal vernachlässigt.
    Falsche Finanznews zu verbreiten ist in Zeiten labiler Börsen waghalsig.

  18. Grotesk: Bank Coop hat sich im Markt behauptet, die BKB-Leute haben nur vom KB-Brand gelebt und die BC über das Transferpricing ausgesogen.
    Nun müssen ausgerechnet die BC-Leute gehen.
    Ein Nagel zum Sarg war der ehemalige CEO mit der verpfuschten Markenkampagne und seinen persönlichen Schwächen. Das haben dann natürlich die BKB-Leute ausgenutzt.
    Was sicher ist: Völlig unmöglich, dass die BKB-Leute das Ganze zum Erfolg führen werden. 2-3 Jahre können die nun Kosten senken aber nachher bleibt da nichts mehr.

  19. Das ist nur eine Übergangslösung. Habe mit Basil und Maya gesprochen. Ich bin am Montag aus den Ferien zurück und fange dann an.