Bär-Chef Rickenbacher räumt nur halbbatzig auf

Lässt Rémy Bersier in Bank, der regiert weiter am Hotspot Monaco – Einzig Schweiz-Chef Rossi wird gefeuert – Ängstlicher CEO.

Der neue Chef von Julius Bär, Philipp Rickenbacher, hatte einen einzigen Pfeil im Köcher. Der musste im Schwarzen landen. Das tut er nicht.

Heute präsentiert Rickenbacher seine neue Geschäftsleitung. Dort finden sich die meisten der alten Namen.

Wirklich hart draussen landet nur einer: Gian Rossi, der Chef der Julius Bär Schweiz. Das war absehbar. Alles Andere als ein Rausschmiss Rossis, der als „gegenseitig“ verkauft wird, war wenig wahrscheinlich.

Tschau Gian: Rossi geht (JB)

Mindestens einen zweiten „Grossen“ hätte der neue Steuermann von seinem Bär-Schiff stossen können.

Rémy Bersier. Der Mann, der seit Jahren heikelste Kunden zur führenden Schweizer Privatbank bringt und seinen eigenen Wohnsitz unter fragwürdigen Umständen von Genf nach Dubai verlegt hat, darf weiter mitmischen und Millionen kassieren.

„Spannende“ Kunden: Bersier, Scheich (IP)

Bersier wird laut einer Mitteilung der Bär-Bank zum Umbau ganz oben „Chairman Private Banking Key Clients“. Dazu schreibt die Bank:

„In dieser Funktion ist er dem CEO unterstellt und dafür zuständig, Julius Bär bei der Entwicklung des Ultra-High-Net-Worth-Kundensegments zu unterstützen und zu beraten. Er bleibt zudem Chairman der Bank Julius Baer Monaco.“

Der letzte Satz lässt aufhorchen. Dass Bersier als Chef für den arabischen Raum und weitere Ost-Gebiete, wo die neuen, nicht ungefährlichen Reichen herkommen, weiterhin Monaco unter seiner Fuchtel hält, verstärkt Fragen zum Romand.

Bersier soll in Monaco viel Geld verbucht haben, das direkt mit ihm zu tun habe, sagen Gesprächspartner. Weil Dubai keinen automatischen Informationsaustausch macht, erfährt die Schweiz nichts davon.

Die Konten und Gelder, die Bersier allenfalls geheimhalten will, bleiben im Nirgendwo zwischen Monaco und Dubai.

Darauf könnte Bersier grossen Wert gelegt haben. Jedenfalls erstaunt, dass Bersier eine Spitzenposition behält.

Bersier ist für die Bank teuer, er ist nicht mehr der Jüngste, und er wurde gross in der alten Welt des klassischen Offshore-Bankings.

Warum gibt Neo-CEO Rickenbacher dem umstrittenen Bersier die Chance, weiter ganz oben zu bleiben, mit einem vergoldeten Chairman-Job und direkter Unterstellung bei sich, dem CEO?

Die Frage mag naiv sein. Gerade darum, könnte die Antwort lauten. Bersier weiss viel, seine Kunden und Gelder müssen aus Sicht der Julius Bär und ihres CEOs Rickenbacher unter Kontrolle bleiben.

Ansonsten droht Gefahr. Die versucht Bär-Chef Rickenbacher offensichtlich zu bannen, indem er Bersier an seine Brust nimmt.

„Rémy Bersier hat unser Geschäft in verschiedenen Teilen der Welt verantwortet und dort das Wachstum deutlich vorangetrieben, vor allem in den Emerging Markets und Monaco“, wird Rickenbacher in der Bär-Pressemitteilung zur neuen Geschäftsleitung zitiert.

Nice Guy: Dä Philipp (JB)

Und weiter: „Ich freue mich sehr, dass er sich bereit erklärt hat, in einer neuen Rolle weiterhin für uns tätig zu sein. Dabei wird er den regionalen Leitern sowie langjährigen Kundenberatern seine Leidenschaft und Erfahrung weitergeben mit dem Ziel, das Segment der sehr vermögenden Kundschaft weltweit auszubauen.“

Ausser Rossi fällt kein hoher Kopf bei Bär. Rickenbacher entpuppt sich als Softie. Auch räumt er nicht auf mit der teuren und intransparenten Doppelstruktur. Er belässt die Bär Gruppe, deren Aktien an der Börse gehandelt werden, und die Bär Bank.

Einzig dass die Führung der beiden juristischen Einheiten aus den gleichen Leuten besteht, hat er durchgesetzt. Eine Mini-Renovation.

Rickenbacher betont zwar, dass er mit dem Schritt die Gesamtzahl der Geschäftsleitungs-Mitgliedern von 15 auf 9 reduzieren würde. Damit will er sagen: Wir sparen – auch ganz oben.

Klingt gut. Nur: Warum bleibt Rickenbachers Vorgänger Bernhard Hodler als Berater auf der Payroll? Hodler dürfte weiter siebenstellig verdienen.

Und: Warum macht der neue Boss nicht Tabula rasa und hebt eine der beiden Aktiengesellschaften auf?

Die UBS und die CS haben ihre Strukturen viel radikaler angepasst, mit einer Schweizer AG, die im Krisenfall gerettet wird, und einem globalen Rest.

Bei der Bär wäre der Schritt zur Ein-Firma-Struktur simpel gewesen. Die Bär Gruppe besteht abgesehen von irgendwelchen übrig gebliebenen Offshore-Vehikeln einzig und allein aus der Bank Bär. Warum schafft der neue starke Mann hier nicht wirklich einfache Strukturen?

Kommentare

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  1. Als Finanzzeitung sollte man wissen, dass es nicht „patzig“ – von „patzen“ heisst, sondern der „Batzen“ – vom „Batzen“ = 10 Rappen-Münze – gemeint ist.“Halbbatzig“ als Umschreibung von „halbherzig“ – bezogen auf Finanzen.
    Der Fehler macht sich nicht gut in der Überschrift….

  2. Die Welt ist geteilt in Staaten, wo ein ordentliches Rechtswesen besteht und in solche, wo Korruption und das Recht der jeweiligen Inhaber der Macht entscheidend sind. Die Philosophie der Schweizer Banken, die auch Kundschaft aus demokratischen Rechtsstaaten, nicht nur in ihrer Bewahrung ihrer Liquidität, sondern auch als Steuerhinterzieher als Schutz würdig betrachteten, ist endgültig vorbei. Wie muss man nun Kunden aus Staaten ohne Recht behandeln. Staaten, die durch Willkür beherrscht werden und die Kundschaft oft Angehörige des Machtapparates sind. Natürlich gibt es auch Kaufleute, die sich in solchen Staaten ständig bedroht fühlen und irgendwo ihre Liquidität und ihr Vermögen absichern wollen. Gute Beispiele dazu sind die Libanesen in Westafrika und die Ausland-Chinesen in Malaysia, Indonesien und Vietnam. Diese Kundschaft ist nicht nur durch die Regierungen dieser Länder bedroht, sondern auch von Schwund-Währungen, die diese Länder unterhalten. Wie soll eine Bank mit dem Chef der Geheimpolizei von Saudi-Arabien und dem obersten Mullah-Richter im Iran umgehen? Kann sie nur den Teppichhändler aus Täbris oder den Antiquitäten-Händler aus Damaskus akzeptieren?
    Es ist generell der Schweizer Politik und ihren Banken zu empfehlen, sich politisch breiter abzustützen und da ist eine EU-Mitgliedschaft zu empfehlen. Wer meint, die Schweiz könne als kleine Weltmacht mutterseelenallein ihre oftmals verdächtige ausländische Kundschaft ohne politischen Rückhalt akzeptieren und bedienen, erliegt einem Irrtum.
    Die Machthaber in Venezuela sind unappetitlich, aber eine Gefahr für die Schweizer Banken wurden sie erst, als die US-Justizbehörden sie weltweit verfolgten. Diese politischen Implikationen sind bei jeder Akzeptierung von Kunden aus der Welt der Staaten ohne Recht, aber mit Willkür, zu beachten.
    Dies ist kein Plädoyer für Moral, sondern eines für kalten Sachverstand und so etwas muss ein Bankier beachten. Ebenfalls bestimmt er nicht die Politik eines Landes, sondern dies ist die Aufgabe der Politiker. Die Schweiz ist ein Land, wo die Bankier den Politiker sagen, wo es hingeht und nicht umgekehrt. Entsetzlich und der hauptsächlichste Grund für die Schwierigkeiten unserer Finanzplatzes.

  3. Gian Rosado ist längst überfällig. Ich habe für ihn gearbeitet und er war uninspiriert, faul und hatte weder Führungsstil noch Kundenverständnis. Remy Martin Bersier ist ähnlich schwach und wie Rossi aus alter Zeit, wo das value proposition war „Gib mir dein Geld und ich werde es dem Steuermann nicht sagen“
    Seine direkten Reports wurden Hauptsächlich ausgewählt, weil sie ebenso schlecht and Ja-Sager waren

  4. Ein Gutmensch (oder ein Gutbanker) zu sein, muss man sich leisten können. Die Alternative dazu ist, 20% des Personals (auch Nichtkader)in der Schweiz zum Stempeln schicken, denn Salärreduktionen funktionieren aus Motivationgründen nie…..oder alle, die sich bitterlich beklagen, sollen ein Konto eröffnen und mindestens je 1 Mio veranlagen…

    • Ihre Aussage ist etwas polemisch, denn beide haben ihre USPs – und die Kunden werden diese zu Ihrem Vorteil nutzen, unabhängig der Presse.
      Oder gehören Sie zu den Leuten, die im Ausverkauf aus ethischen Gründen den vollen Preis zahlen oder zum gleichen Preis extra eine tiefere Qualität wählen?

    • Bär ist keine Spur besser. Genauso unfähige Machtmenschen an der Spitze. Abzocker. Und zusammen mit der CS dir schlimmsten Compliance Fälle im Keller. Katastrophe was aus dieser einst tollen Bank geworden ist. Hans Bär wie auch Alfred Escher drehen sich unentwegt im Grabe.

  5. Auch an der Bahnhofstrasse gibt es noch ein paar alte Haudegen, die viel zuviel wissen und sich deshalb in angenehmer aber hoch bezahlter Positionen einrichten konnten. Würden die auspacken, bekäme die eine oder andere Besitzerfamilie weiche Knie, die FINMA stünde subito auf der Matte und alte Kunden könnten die Bank mit Klagen überhäufen.

    • …würden die auspacken wären sie wahrscheinlich schnell ihren Job los. Was damals ging ist heute kriminell, nur schnallen das viele nicht. Oder sind dafür einfach zu gut geschmiert von ihren Scheichs und Russenmafia-Brüdernl.

  6. Ein guter Schritt auf Ebene N-1. Nun bitte aber auch auf den darunter liegenden Ebenen abbauen: Wichtigtuer, die auf dicke Hose machen, aber zero bringen. Non-performing Market-Heads, MDs & Co.: Nun ist Leistung gefragt. Jetzt könnt Ihr Euch warm anziehen. Der Gian kann Euch nicht mehr schützen…

  7. Warum wohl ist Bär-Kunde Remo Stoffel nach Dubai abgehauen? Wohl weil dort weder offiziell noch von den Bären Informationen an die Schweizer Steuerbehörden fliessen. Etwas durchsichtig – aber wohl effizient.

  8. Ein richtiger Schritt von Rickenbacher, well done. Aber erst der Anfang. Jetzt braucht es noch das Feintuning. Nun muss er und YRC in der Schweiz dringend die Markt-, Regionen- und Niederlassungsleiter unter die Lupe nehmen. Auch hier hat es viele Nullen welche nur Sessel furzen und eine braune Zunge kultivieren statt Leistung zu bringen. Wenn dann noch im Business Management Schweiz die Rossi Buddys weg sind, ja dann kanns vielleicht wieder aufwärts gehen.

    • Drama Pur. Und wo tauchen diese Rossi-Buddies wieder auf? Also auch mal den HR/Hunter-Pool in und um die BHF-Str. ausmisten … Competition First.