LinkedIn-Fehde unter Basels Edel-Bankern

Matthias Preiswerk und Christoph Gloor liegen sich in Haaren – Preiswerk von Baumann & Cie sieht Opportunismus.

In Basel ist man normalerweise zurückhaltend – ausser an der Fasnacht. Jetzt aber fliegen für Basler Verhältnisse die Fetzen.

Matthias Preiswerk, der Besitzer und starke Mann der Privatbank Baumann & Cie Banquiers, liess seinem Frust auf dem LinkedIn-Profil von Christoph Gloor freie Bahn.

Preiswerk, der soeben die operative Führung seiner Baumann in neue Hände legte, wirft Gloor vor, er könne dessen Entscheidungen „gar nicht mehr nachvollziehen“.

„Zuerst argumentierst du, dass man als kleine Bank keine Chance mehr hat (schadest damit allen kleinen Banken) verkaufst dann deine Bank an Notenstein, um dann bei Vontobel dvonzulaufen (sic!), um jetzt bei einer deutlich kleineren Bank anzuheuern! Gratulieren?“

Preiswerk ist ein Banker, der nie verlegen ist um klare Worte. Das wurde ihm in seiner Baumann Privatbank von Betroffenen vorgehalten.

Wütend: Preiswerk (LinkedIn)

Doch Preiswerk stand zu seinen Worten. Er könne es sich nicht leisten, Banker zu beschäftigen, die sich nicht anstrengen würden, befand er jeweils.

Nun wählt er gar das grelle Licht der Sozialen Medien, um einem seiner Gilde – und erst noch einem langen Mitstreiter für einen starken Finanzplatz Basel – öffentlich in die Parade zu fahren.

Der Angeschossene war wie Preiswerk lange ein Unternehmer-Banker. Seine La Roche, die Christoph Gloor zusammen mit weiteren besass, galt am Rheinknie als Perle.

Als vor bald 5 Jahren Gloor und seine Kollegen sich entschieden, ihre La Roche der Notenstein Privatbank zu verkaufen, die damals noch der Raiffeisen gehörte, floss ein stolzer Betrag nach Basel.

Damals meinte Gloor in einem Gespräch mit der lokalen BZ Zeitung: „Wir sind 2014 in einer Analyse zum Schluss gekommen, dass der Konsolidierungsprozess auf dem schweizerischen Finanzplatz jetzt einsetzen wird.“

Weiter führte Gloor aus: „Das heisst, es wird zu Zusammenschlüssen kommen. Wir wollten frühzeitig in diesem Prozess aktiv werden und vor allem zu einem Zeitpunkt, zu dem wir sehr attraktiv sind.“

Die Letzten würden nämlich in diesem Prozess nicht die Ersten sein, so Gloor. So meinte er damals: „Und wir wollten sicher nicht die letzten im Umzug sein, um dann alleine dazustehen.“

Die La Roche wurde wichtiger Teil der Notenstein, ihr Name fand Einzug im neuen Auftritt. Doch schon bald war es vorbei mit Honeymoon. Die Raiffeisen verkaufte die Notenstein La Roche der Zürcher Vontobel.

Happy: Gloor (LinkedIn)

Im letzten Frühling, für 700 Millionen. Die neuen Besitzer fackelten nicht lange. Sie zerschlugen das ganze Backoffice der Notenstein, nun stellt Vontobel auch die Frontleute der alten Notenstein La Roche auf die Strasse.

Christoph Gloor und seine ehemaligen Partner bei der La Roche wollten es nicht darauf ankommen lassen, dass es auch sie treffen könnte.

Diesen Frühling sprangen sie bei den Zürchern von Bord – Tage, nachdem sie den Bonus für 2018 von ihren Vontobel-Chefs ausbezahlt erhalten hatten.

Sodann heuerten sie bei einer kleinen Bank an: bei der E. Gutzwiller & Cie in Basel. Zunächst wurde bekannt, dass zwei der Ex La-Roche-Partner dort landen würden.

Nun ist auch Christoph Gloor bei der Gutzwiller aufgetaucht, wie dessen LinkedIn-Profil zeigt. Statt dahinsiechende Privatbanken-Szene sieht Christoph Gloor nun plötzlich wieder rosarot für die kleinen, unabhängigen Banken.

Das versetzt den bodenständigen Matthias Preiswerk in Rage. Und er kann sich nicht beherrschen, lässt seinem Unmut freien Lauf. Womit die Basler Fasnacht ein mögliches Sujet erhält – neben der CS aus dem fernen Zürich.

Kommentare

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  1. Preiswerk lässt einmal mehr seinem Frust freien Lauf. Das Muster wiederholt sich: Immer sind die anderen Schuld! Dies Mal Christoph Gloor, der sich durch die Schalmeienklänge von Pierin bezirzt via Notenstein bei Vontobel wiederfand und nun nolens volens zu Gutzi wechselt. Wer genauer hinschaut weiss, dass die Ursache des Frust von P jedoch in seinem Waterloo beim EHC Basel, der seit Jahren stagnierenden Baumann Bank und, gemäss Kundenbrief, in verlustreichen Anlagen zB Poliphor usw. liegen. Sein stetiges Austeilen mit dem Zweihänder führte schon lange ins permanente basilensische Offsite. Gelbe Karte für Gloor. Rot für Preiswerk!

  2. Applaus für Preiswerks Statement

    Zu Gloor kann man eigentlich nur noch erwähnen, ein typischer ‚Starbanker‘ wie man sie auf dem Finanzplatz Schweiz eigentlich zur genüge kennt und je länger je mehr Kunden und Aktionäre durchschauen, dass nicht viel mehr als nur heisse Luft produziert wird.

  3. Das Vorgehen von Herr Gloor ist äusserst bedenklich. Lässt sich einige Male vergolden, obwohl er es überhaupt nicht nötig hätte. Die Leistung bei Notenstein war mehr als dürftig und auch Vontobel ist rein gefallen.

  4. Bravo Herr Preiswerk. Sie hätten auch noch erwähnen können, dass von ursprünglich 100 La Roche Angestellten nun genau noch eine Hand voll an der Rittergasse arbeiten. Man hat ja an Notenstein verkauft, weil die Sicherheit bestand, dass kein einziger Mitarbeiter entlassen werden muss.

  5. Wer den G. bei Notenstein erlebt hat, wundert sich über gar nichts – höchstens über die unsäglichen Notenstein (resp. Raiffeisen) und Vontobel Fehlgriffe. Charakter kann man eben nicht kaufen.

    • Gibt es schon noch, nur nicht auf den obersten Hierarchiestufen. Diese Typen sind nur noch geld- und machtgeil! Mehrheitlich Narzissten und Selbstdarsteller! Es wird endlich Zeit für eine Abkehr und zurück zu seriösen Werten. Sicherlich hat sich der Fokus geändert, Werte wie Seriosität, Bescheidenheit, Arbeitsamkeit sind mit dem Streben nach Erfolg und dem Fokus auf den Kunden und die Gesellschaft, immer noch sehr zeitgemäss. Was wir heute mehrheitlich in den Führungspositionen haben, sind selbstverliebte Entertainer die mit ihren adretten Anzügen mit Schnuderlumpen auftreten wie aufgegeilte Gockel – will man nicht, braucht man nicht!

  6. Gloor bekam als Unternehmer kalte Füsse, roch das Geld, verschätzt sich, holte dann bei Vontobel das wirtschaftliche Beste raus und schnallte schlussendlich, dass er sich verpokert hatte. Späte Einsicht, immerhin, aber seine Glaubwürdigkeit bekam definitiv einige Kratzer ab und die Kohle ist im Trockenen…

  7. Edelbanker? Mir ist eigentlich neu, das man Edel sein kann, wenn man gleichzeitig geldgetrieben ist. Aber das dürfte die Ex Herren von der Rittergasse nicht stören. Ist der Ruf erst ruiniert, lebst sich wohl auch für diese Herren ungeniert.

  8. Der kauzige Preiswerk spielt sich gerne als Mann mit höchsten ethischen Ansprüchen und Ehrenmann auf.
    Wenn man allerdings bedenkt, dass er skrupellos 60jährige Mitarbeiter auf die Strasse stellt oder seine Kunden mit einem überteuerten eigenen Anlagefonds abzockt, dann zeigt es sich halt, dass er keinen Deut besser ist, als der von ihm kritisierte Gloor oder die feinen Herren bei der CS. Einfach drei Schuhnummern kleiner.

  9. Das Verhalten von Christoph Gloor ist eine Schande für den Basler Finanzplatz, eine Schande für die Privatbanken, eine Schande für seine ehemaligen Partner und Aktionäre und schlussendlich auch eine Schande für seine Familie

  10. Noch geschmeidig den Bonus einsacken und dann sofort die Beine in die Hand nehmen :-). Da macht aber jemand keine Gefangenen. Kurzerhand den Ballast abgeworfen, mehrfach vergoldet und der Herr Privatbanquier kehrt zurück zu den Wurzeln (die keine Zukunft mehr hatten). Die Kritik ist nachvollziehbar…
    Auf der anderen Seite hätte ich auch an Notenstein verkauft. Die Raiffeisen war ja zeitweise sehr spendabel unterwegs da dürfte sich ein Verkauf durchaus gelohnt haben… Nun kann Herr Gloor sorgenfrei seine eigenen Worte Lügen strafen und erfolgreich eine Kleinbank führen. Würde sagen solide Leistung…

  11. Christoph Gloor hat es doch einfach optimiert. Zuerst an Raiffeisen/Notenstein verkauft, dann an Vontobel, und dann 1 Tag nach Retention-Bonus mit einem „…-you-Zeno“ zurück nach Basel. Wenn man 3 Mrd. Friends & Family Geld hat, braucht es weder gross Führungsqualitäten, Fachkompetenz noch viel Charakter… das Private Banking bei NLR hat er quasi im Alleingang geschwächt. Na ja, unter tatkräftiger Mithilfe von Biene Maya.

  12. Gratulieren kann man eigentlich nur Herr Preiswerk….der das Kind beim Namen nennt! Natürlich wurde in Basel schon lange über diese „Aktion“ gesprochen, aber
    es ist wunderbar das ein bekannter Mann wie Herr Preiswerk sich dazu öffentlich äußert und über die Herren Gloor und Baumann herzieht!