Risky Bär entfernt hohen Compliance-Boss

Martin Eichmann, Chef von 100 Mio. Onboarding-Projekt, ist draussen – Machen neue Chefs ernst mit Ausmisten bei grösster Privatbank?

Die neue Führung der Julius Bär greift durch. Zumindest im Backoffice, dort in der Compliance, wo Hunderte Überwacher die vielen Risiko-Kunden im Griff haben müssen.

Von solchen hat Bär mehr als genug. Jetzt gehts den Compliance-Fürsten an den Kragen. Über die Klinge springen muss Martin Eichmann, Chef Geldwäscherei (Anti Money Laundering AML).

Eichmann ist seit 2016 bei der Bär-Privatbank hoch oben, er war insbesondere für Projekt Atlas verantwortlich. Dieses sollte das Know Your Client-Prinzip in der Firma verankern, kurz KYC.

Kosten? 100 Millionen. Erfolg? Noch offen.

Atlas sei fertig, so die Bär-Führung gestern. Deshalb könne Chef Eichmann sich jetzt Neuem zuwenden.

„Martin Eichmann, who has successfully led the ATLAS programme and the redesign of part of the company’s AML framework, has decided to seek a new professional challenge outside Julius Baer.“

Machs gut, Martin. Dein Oliver (JB)

Floskel? Nein, meinte ein Sprecher gestern Abend. „Eichmann ist erst 2016 zu uns gestossen, also lange nachdem all die Fälle (PDVSA, Fifa, Petrobras) passiert und eskaliert sind.

„Sein Mandat war von Anfang an mit neuen AML Ansätzen Wiederholungen aus der Vergangenheit zu vermeiden. Zudem war er für Atlas verantwortlich.

„Dass man sich mit diesen Themen nicht überall beliebt macht liegt auf der Hand und spricht im Gegenteil vielleicht eher für eine konsequente Umsetzung.“

Eichmann, der grosse Kämpfer für scharfe Compliance?

Bin zu haben (Eichmann, LinkedIn)

Es könnte anders gewesen sein. Jedenfalls ist die Trennung vom Compliance-Schwergewicht von symbolträchtiger Bedeutung.

Der Mann stand sinnbildlich für eine Bär-Compliance, die gegenüber dem Geschäft nie scharfe Zähne gezeigt hatte.

Im Gegenteil, die Kontrolleure der grossen Privatbank zeichneten sich aus durch maximale Unterstützung der Berater an der Front.

Oligarch, Latino-Ultrareicher, Monaco-Krösus, Araber-Milliardär: Always very welcome.

Und nicht nur Reiche aus der Ferne fanden ihr Geldparadies auf Erden bei der Julius Bär.

Auch bei Schweizer Vermögenden herrschte Freude an der Bär und ihrer geschäftstüchtigen Compliance.

Sie, die oft Verschlungenes benötigten, konnten fest darauf zählen, dass ihre langjährigen Bär-Kundenberatern ihnen in allen Lebens- und Geschäftslagen mit grösstem Einsatz zur Seite standen.

Dazu gehörte vor allem auch, allfällige Einwände und Warnungen von Seiten der internen Compliance, wo die Miesepeter vom Dienst sassen, wenn immer möglich aus dem Weg zu räumen.

Pierin Vincenz zählte zur Bär-Klientel. Der Ex-Raiffeisen-Boss landete Anfang 2015 via seinen Freund und Geschäftspartner Beat Stocker bei der Zürcher Privatbank.

Stockers Kundenberater, seinem langjährigen Kunden zu Dank verpflichtet, half dessen Freund mit dem berühmten Namen, auch wenn er diesen persönlich nie zu Gesicht bekommen hatte.

So ging das bei Bär und ihrer netten Compliance-Hinterstube: Stocker, Vincenz, der Bündner Remo Stoffel, der Deutsche Lars Windhorst, die Fifa-Funktionäre aus Lateinamerika und viele weitere bekannte Kunden:

Gerieten sie ins Visier der Öffentlichkeit oder gar der Behörden, dann konnten sie Gift darauf nehmen, dass sie von einer Instanz nichts zu befürchten hatten: der Compliance der Bär-Bank.

Vermögende Kunden wegen ein paar Headlines aus der Bank schmeissen? Wo kämen wir da hin.

Die Richtung gab der Chef vor. Der hiess ab 2009 Boris Collardi, ein Private Banker, der das Menschenmöglicher tat, um grosse Kunden bei Laune zu halten.

Unter Collardi wurde die Bär zur Fifa- und Venezuela-Bank. Er selbst sprang dann vor 2 Jahren gerade noch rechtzeitig ab, direkt hinüber zur Pictet.

In die Bresche sprang Collardis ewige rechte Hand Bernhard Hodler. Der liess vorerst alle Compliance-Chefs in ihren gut bezahlten Positionen weitermachen.

Erst als Hodler das Steuer überraschend und vorzeitig dieses Jahr abgeben musste und der interne Philipp Rickenbacher neuer CEO wurde, kam es zum Köpferollen – endlich, sagten viele Insider.

Zuerst erwischte es Roman Baumgartner, den obersten Chef über die weltweite Compliance der Bär-Bank.

Das war vor 2 Monaten. Baumgartner war wie Eichmann, der jetzt von Bord geht, von der CS zur Bär gekommen.

Unter Collardi, selbst ein CS-Mann, hatte das Duo Baumgartner-Eichmann Artenschutz genossen. Egal, welche Deals die einflussreichen und vermögenden Kunden tätigten: Die zwei Compliance-Chefs halfen den Beratern von der Business-Front.

Erst mit Oliver Bartholet, einem Doktor, kam die Änderung. Bartholet hatte seinen Weg bei der grossen UBS als General Counsel der Vermögensverwaltung gemacht.

Als er 2017 als neuer oberster Risiko- und Compliance-Verantwortlicher der Bär angekündigt wurde, war Collardi noch im Amt. Aber nicht mehr lange.

Noch bevor Bartholet im März 2018 bei der Bär-Bank ganz oben loslegte, war Collardi schon auf und davon.

Gut möglich, dass Bartholet, ein erfahrener Risiko-Überwacher, der Bär-Führung unter ihrem flamboyanten damaligen CEO Collardi aufs Auge gedrückt worden war.

Aus Collardis Umfeld tönt es genau umgekehrt. Der neue Pictet-Partner sei stolz darauf, dass er einen Top-Riskmanager wie Bartholet von der stolze UBS zur deutlich kleineren Bär habe lotsen können.

Zu jener Zeit wurden die Detonationen im Bär-Sitz an der Bahnhofstrasse 36 immer lauter. Eine Compliance-Granate nach der anderen ging hoch.

So auch der Fall Vincenz und Stocker. Dort wurde später bekannt, dass einer der höchsten Compliance-Verantwortlichen der Bär-Bank seine schützende Hand über die Zwei hielt.

Es war ein Manager namens Yves Bonnet, seines Zeichens Chef Front Compliance. Nun darf ausgerechnet Bonnet weitermachen, er bleibt Compliance-Chef für den wichtigen Markt Schweiz.

Kommentare

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  1. Compliance Fritzen sind nichts anderes als Leute, die gerne mal „Gott“ spielen wollen- wie die oberschlauen Knöpflidrücker, die auf Autobahnen wegen nichts die Tempolimite von 120 auf Tempo 80 umschalten dürfen.

    Unbestritten ist, die Compliance Abteilung kann nur so gut und konsequent sein, wie es der Boss ist. Und was Collardi ist bzw. war in der Baer weiss die ganze Welt….

  2. Der Eichmann hat natürlich auch Eigenschaften, welche sich im Top Management ganz schlecht machen: Er hat eine eigene Meinung!! Also nein!! Hinzu kommt noch Fachwissen. Ganz üble Kombination, das konnte ja nicht lange gut gehen…

    • Das kann ich bestätigen. Ob man den Eichmann Martin mag oder nicht. Er hatte tatsächlich eine eigene Meinung, resp. er war nicht dermassen blind auf beiden Augen wie die nachfolgenden Chargen im „Compliance“.

    • Der Martin war und ist kompetent und integer, JB suchte ein Bauernopfer und macht jetzt auf weisse Weste, zum Lachen bzw. bis zum nächsten Skandal…

  3. Da sticht ein Begriff am Anfang besonders heraus.
    RISIKOKUNDEN.
    So in der breiten Wahrnehmung gelten die Banken als Risiko. Das mit den Risikokunden haben offenbar noch nicht so viele intus.
    Da bleibt zunehmend nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera.
    Grosse Billanzsumme mit vielen Risikokunden?
    Oder kleine Bilanzsumme mit ,,soliden,, Kunden.
    Wenn die Welt einfach währe, sie währe sooooo schön.

    • @Hans von Atzigen:

      Es scheint, dass Sie absolut nichts vom Private Banking verstehen. Dieses Geschäft hat nichts mit der Bilanzsumme zu tun. Private Banking Assets sind ausserhalb der Bilanz und jede gute Privatbank schaut darauf, eine möglichst kleine Bilanz zu haben, damit die wertvollen Eigenmittel zur Unterlegung der Private Banking Kunden Aktivitäten genutzt werden können.

  4. Martin Eichmann ist ein guter Mann. Als ex LCD kennt man seine Qualitäten.
    Besser wird es sicher nicht.Ein Nachfolger wird es schwierig haben.

  5. Ein unglaublicher Mist, den IP hier Tag für Tag schreibt. Kommt mir langsam vor wie bei einer Beratungsfirma. Vorgedruckte und 1000fach benutzte Texte werden immer wieder reinkopiert.

    Es kommen ja ab und an wirklich gute Berichte. Aber dieser Artikel hier bietet an brauchbarem Inhalt und Qualität überhaupt gar nichts.

    • Ganz eiverstanden. Einen Tag ist der CEO eine lahme Ente und ein paar wenige Tage, greift er durch. Glaubwürdigkeit wäre mal etwas zum Nachdenken. Aber scheinbar gilt, wie soll ich wissen was ich denke, bevor ich’s gesagt habe.

  6. Auch ein Yves Bonnet muss entfernt werden. Es werden unter ihm fragwürdige Entscheidungen getroffen. Head Front Compliance P.M. ist bei uns an der Front verhasst und schadet der Bank in grossem Ausmass.

    • Du sprichst mir aus dem Herzen. P.M. ist untragbar. Null Fachkenntnisse, überheblich und arrogant. Schadet dem Business, der Arbeutskultur und der notwendigen Akzeptanz vom Frontcompliance. Hier muss dringend etwas passieren!

    • Es ist nicht nur so, dass ein P.M. bei vielen Kundenberater Sympathie verspielt hat, sondern auch intern im Compliance hat er vielerorts einen schlechten Ruf.

  7. Yves Bonnet: Leiter Front Compliance, at JB: Come on, me a break! Ausser Verbissenheit bringt dieses Compliance Leichtgewicht gar Nichts auf die Waage. Aber, er ist ja noch zu alt für eine Career Change.

  8. Ob der Abgang von Martin Eichmann etwas bei JB ändert, darf bezweifelt werden; immerhin hat seine Charakterschwäche geholfen, dass er sich etwas Neues suchen muss…was sicher in der Bankenwelt kein Problem ist.
    Ich gönne mir mal einen feinen Tee.

  9. Risky Bär:
    Alle Privatbanken, insbesondere kleine, haben das gleiche risky problem. Dumm nur, dass dies ihr business case ist.

  10. Hallo LH,

    Kann das mit dem Freischalten der Kommentare nicht etwas anders organisiert werden?

    Der erste Schwung irgendwann gegen 10 / 11 und dann oftmals erst wieder später am Abend – das sorgt auch für ein Ungleichgewicht bei der Nennung der interessantesten Beiträge und für ein tagesabhängiges Schwanken des Interesses an der Seite selbst.

    Gibt es da keine Alternativen??