Schweizer Muster-Demokratie? Träum weiter

Wahlprognosen im Nachkomma-Bereich, dann aber unfähig sicherzustellen, dass jeder seinen Stimmzettel bekommt.

Als ich am letzten Sonntag wie gewohnt über Mittag den Radio einschaltete, kamen erste Hochrechnungen zu den Ständeratswahlen. Ich schaltete aus und dachte nach: Gopfritschtutz, habe ich das Abstimmungscouvert irgendwo „verlauert“?

Nein, ich habe es nicht verlauert, es wurde mir nie geschickt. Noch am Sonntag schreibe ich den Grünen via Kontaktformular und „meinem“ SP-Kantonsrat mit den Fragen: Wo kann man sich beschweren, hatte das allenfalls System, gedenkt man, einen Antrag auf Annulation einzureichen?

Bis heute habe ich keine Antwort erhalten. Offenbar schrecken nicht verschickte Abstimmungscouverts keine Politiker mehr auf, selbst diejenigen nicht, die bei der Wahl unterlegen sind.

Ich frage Nachbarn: Die winken ab. Einer erklärt mir, dass ich als Bürger die Pflicht habe, bei Ausbleiben des Couverts mir dieses selber zu besorgen. Wie kann ich, wenn ich das Ausbleiben dadurch entdecke, dass die Abstimmung bereits über die Bühne gegangen ist?

Die Ignoranz verärgert mich. Ist denn nicht das erste und wichtigste Grundrecht in der Demokratie: Jede Stimme zählt!

In meinem Ärger phantasiere ich böse Geschichten zusammen. Haben die Russen ihre Finger im Spiel? Oder die Konzerne, die sich mit der Bestätigung von Ruedi Noser etwas sicherer fühlen können, dass die Konzernverantwortungsinitiative gebodigt wird?

Wir machen heute Wahlprognosen im Nachkommastellen-Bereich, sind aber nicht mehr in der Lage zu garantieren, dass jeder Bürger seinen Stimmzettel bekommt? Sind da die Prioritäten noch richtig gesetzt?

Das Stimmzettel-Problem könnte mit der elektronischen Wahl gelöst werden. Die ist jedoch auf Eis gelegt, weil minimalste Lücken in der Software ein minimales Risiko der Wahlmanipulation nicht ausschliessen können.

Damit belegen wir zwar vorbildlich, dass es uns ernst ist mit „jeder Stimme“, auf der anderen Seite ist es den Politikern völlig egal, dass auf Bundesebene zehntausende von Auslandschweizern nicht an den Abstimmungen teilnehmen können, weil sie ihr Couvert nie erreichen wird, nie erreichen kann.

Die Vereinigung der Auslandschweizer empört sich zurecht.

Ab Montag wurde in der Presse über die fehlenden Couverts berichtet. Auch da wird der Vorfall heruntergespielt: Es sei eine komplexe (?) Wahl gewesen, die Ursache für das Problem noch unbekannt, liege aber sicherlich bei der Post und werde analysiert, 50 Fälle seien gemeldet worden, geschätzt werde eine dreistellige Zahl.

So etwas komme schon mal vor. Es sei zwar schon so, dass damit ein verfassungsmässig garantiertes Recht geritzt würde, aber für eine Eingabe auf Wahl-Annulation lange nicht genügend, die zudem innerhalb einer 5-Tage-Frist zu erfolgen habe, nur schon die Problemanalyse werde viel länger dauern.

Da ich vergeblich auf eine Antwort auf die bei “meinen Politikern“ eingegebene Anfrage, wo ich mich denn beschweren könne, warte, muss ich annehmen, dass ich in der dreistelligen Schätzung liege.

Ich selber schätze die Zahl übrigens auf einige Tausend und wage die Prognose, dass wir von dem Ergebnis der Ursachenanalyse nichts mehr erfahren werden, allenfalls, dass die Post wegen dem Spardruck, ausgelöst durch die private Konkurrenz, Einbussen im Qualitätsmanagement hinnehmen musste, ein Projekt zur Behebung der Fehler in den Abläufen sei allerdings bei McKinsey in Auftrag gegeben.

Der Vorfall ist ein weiterer Kratzer in meinem Bild von der Schweizer Demokratie und passt in eine Entwicklung, die man als Abwärtsspirale der so gern gelobten „Schweizer Qualität“ bezeichnen möchte.

Sei es das Debakel der SBB mit den Bombardier-Zügen und den fehlenden Lokomotivführern, der Postauto-Skandal, oder die Telefonie-Ausfälle und Softwareprobleme der Swisscom (siehe Artikel hier vom 20.11.).

Die Privatwirtschaft steht übrigens nicht besser da, insbesondere die Finanzwirtschaft, wie auf IP täglich zu erfahren ist, und die mit der Wildwest-Episode der Credit Suisse-Spitze unlängst einen neuen Tiefpunkt erreicht hat.

Und jetzt auch unsere Demokratie, die noch immer zu 100% auf die Infrastruktur der Post angewiesen ist, die allerdings diesen Staatsauftrag nicht mehr in der geforderten Qualität erfüllen kann, währenddem die Politik stolz verkündet, wie die kleine Schweiz an vorderster Front bei der künstlichen Intelligenz mitmischt.

Kann natürlich gut sein, dass ein neuer Software-Release auf einen Sortier-Roboter der PTT eingespielt wurde, oder die zentrale Türverriegelung kein doppelt bestätigtes Signal vom Kontroll-Sensor erhalten hat, um die Pöstler von 8045 Zürich rechtzeitig auf ihre Abstimmungstour zu entlassen.

P.S. Im selben Moment, in dem ich den Beitrag abschicken will, erreicht mich eine Antwort auf mein Kontaktformular von den Grünen. Es sei ärgerlich, ich solle mich doch noch ans Kreisbüro wenden, die seien zuständig, für eine Untersuchung brauche es allerdings viele solcher Fälle.

Kommentare

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  1. Werter Herr Saller

    Rechnen Sie uns doch mal den doppelten Pukelsheimer vor, so dass jeder das Resultat einfach versteht und nachvollziehen kann. Wenn Sie das schaffen, nehme ich Ihren – meiner Meinung nach – höchst wirren Beitrag zu Gunsten einer elektronischen Wahl ernst. Versprochen.

  2. Wieder so ein Artikel, der mit einer aufreisserischer Headline daherkommt. Wahlcouvert nicht erhalten? Als verantwortungsbewusster Bürger beschäftige ich mich mit den Wahlen/Abstimmungen sicher 5 Tage vor Termin. Erst am Wahlsonntag bemerkt? Selber schuld und völlig unnötig, an dieser Nachlässigkeit einen Artikel zu schreiben und rundum zu schlagen.

  3. Da ich meine Stimme behalten und nicht in eine Urne (!) versenken möchte, sind für mich Wahlen seit Jahrzenten ein Tabu.

    Es wird wahrscheinlich noch ein Weilchen dauern bis die Mehrheit der Stimmberechtigten verstehen wird, dass sich niemals etwas am „Programm“ ändern wird, ganz egal welche Partei oder welche Politmarionetten jetzt grade gewählt werden und die Mehrheit bilden. Räte und Präsidenten kommen und gehen, das Programm, das System bleibt immer das selbe!

    Genau deshalb ist es auch völlig unwesentlich, ob jetzt grade Links oder Rechts die vorherrschende Ideologie vertritt, die arbeiten (ALLE!!!) lediglich das subtil auferlegte Programm ab.

    Einzig Nichtwählen kann diesem Schauspiel der Ausbeutung und Unterdrückung Einhalt gebieten, denn dadurch wird den Systemlingen die Legitimation, und somit dem Programm die Energie entzogen…

    Aber wieso übehraupt irgend etwas ändern, läuft doch alles super in unserem Land und in der ganzen Welt…!!!

    • @Visonär

      der Autor will mit seinem Artikel auf die Tatsache hinweisen, dass Wahlen keine Strukturen verändern, sondern die (Macht-) Strukturen die Wahlen bereits seit Jahren aushöhlen. Selbstverantwortung wird immer wieder vom bürgerlichen Lager und aus der Wirtschaft in Verbindung mit: Altersvorsorge (2. und 3. Säule) und Gesundheit (Krankenkassen) gebracht. Dabei sind sie selbst die diese Fehlanreize ausnutzen. Indem sie zum Beispiel beim Aushandeln von stationären Tarifen wo immer möglich, ihre lukrativen Zusatzversicherungen begünstigen, was den Kantonen oft Mehrkosten verursacht. Der freie Zugang zu medizinischer Versorgung ist wegen der unsozialen Finanzierung längst unter Druck. Die Pensionskassen haben im Verlaufe dieses Jahres rekordhohe Renditen von durchschnittlich knapp 9 Prozent erwirtschaftet. Dennoch stagniert die Verzinsung des Alterskapitals seit Jahren und die Umwandlungssätze sinken immer weiter. Rentensenkungen in unvorstellbaren Ausmass. Wer dieses System weiterhin einfach so hinnimmt, wird sein Leben lang dafür bezahlen.

    • @Illusionen platzen, so auch die der Schweizer:
      …eben!
      Nichts von all dem was geschieht, ist im Interesse derer, die Ihre Stimme an sog. Vertreter abtreten, deren Handlungen auf die Verfolgung ganz anderer Interessen schliessen müssen. Weshalb wählt Ihr die immer und immer wieder??? Weshalb dulden wir Lobbyismus? Warum darf ein Parlamentarier duzende Mandate innehaben? Wer genau vertritt jetzt die Interessen der Allgemeinheit? Habt Ihr das Spiel „Teile und herrsche“ dahinter noch immer nicht erkannt? Links und Rechts sind lediglich Illisionen, Ideologien, um den Anschein zu erwecken, es würde sich was bewegen…

    • @Visionär

      genau so ist das dem Artikel zugrunde Liegende zu verstehen – ganz klare Worte und doch…..der erste Reaktionsreflex ist: Eigenverantwortung! Alles baut sich ähnlich einer Baumstruktur auf. Über allem steht das Gegensatzpaar Herrscher / Beherrschter, Macht vs. Machtlosigkeit. Folgt man der Struktur, erweitert sie sich in der Folge zu vielen Ereignissen die zu Verwerfungen führen. Erst jetzt wird langsam die Sicht frei auf ein CH-System, das perfider als jedes Diktatur ist. Denn der darin lebende Mensch wähnt sich frei,insbesondere wegen der DIREKTEN Demokratie, ist zu Höchstleistungen und Entbehrungen zugunsten der Herrscher bereit und bei intelligenter Steuerung in einen ewigen Kampf gegeneinander beschäftigt.

    • @Illusionen platzen, so auch die der Schweizer:
      Ja, jetzt sprechen wir vom Selben – vielleicht haben Sie meinen sarkastisch gemeinten Satz am Schluss fehlinterpretiert…

      Gleichzeitig möchte ich betonen, wie wichtig an und für sich Eigenverantwortung ist. Die eigene Stimme in einer Urne zu versenken hat jedoch meiner Meinung nach sehr wenig damit zu tun. Diese Stimmabgabe ist lediglich das, was das System von einem erwartet, quasi ein Blankocheck für beliebiges Handeln – weit ab der Vertretung der Interessen der Stimmgeber!

  4. Erste Bürgerpflicht in einer Demokratie ist es mitzuwirken. Wenn in ganz seltenen Einzelfällen keine Wahlunterlegen zugeschickt werden, muss man sich halt um die Unterlagen bemühen. Es ist zudem viel wahrscheinlicher, dass der Saller Toni die Wahlunterlagen irrtümlich weggeworfen hat. So oder so, es war hier der Saller Toni, der sich nicht mustergültig verhalten hat.

  5. Ach Herr Seiler, wenn Ihnen unsere Demokratie, politischen Vogänge und Wahlen tatsächlich etwas bedeuten würden, wären Sie wohl kaum so ignorant, das Fehlen eines Abstimmcouverts erst nach den Wahlen festzustellen. Und: Lesen Sie Zeitung? leben Sie alleine? Wohnpartner ebenfalls nichts erhalten? Oder doch? Und immer noch nichts gemerkt? Und….ach was, lassen wir es bleiben und amüsieren uns über Ihre vorliegende journalistische „Leistung“ und Ihr Outing, etwas mehr als wir uns über Ihre Ignoranz und anschliessendes Geklöhne ärgern. Unbeschwerten Tag noch.

  6. Man kann sich ja informieren, wenn die Wahl- und Abstimmungssonntage sind. So mach es ich auf jedenfall. Diese Mentalität sich von überall her bedienen zu lassen damit man das eigene Hirn nicht gebrauchen muss. Gahts no?

  7. Wenn Sie erst während den Wahlen und am fehlenden Covert merken, dass Wahlen sind, liegt das Problem möglicherweise nicht an den nicht verschickten Couverts.
    Und …
    Gehackte und manipulierte elektronische Wahlresultate wären sicherlich in einem relevanten Ausmass betroffen, was mit einigen fehlenden oder gar verfälschten Wahlzettel eher weniger problematisch ist.

  8. @Toni Saller

    Nein. Es ist eine Frage der „Selbstverantwortung“ oder?

    «Weil sie nur im Gefängnis sicher sind, fühlen sich die Schweizer frei im Gefängnis ihrer Neutralität.» (Friedrich Dürrenmatt)

    Ein Haushalt hat hierzulande durchschnittlich 2.13 Franken Schulden auf jedem Franken Einkommen (nach Steuern und Abgaben) Quellen:BFS, SILC, OECD). Zudem haben 4 von 10 Haushalten Kreditkartenschulden, einen Kleinkredit oder andere Schulden zur Deckung des laufenden Konsums. Die Reallöhne stagnieren oder sinken. Man gaukelt der Bevölkerung vor: die mit ­Immobilien belasteteten Hypotheken stellen in der Regel einen sicheren Gegenwert dar. Die Bevölkerung hört dieses Mantra gerne, verdrängt Tatsachen wie; steigende Zinsen, steigende Leerstände und dass die Schweiz im privaten Konkursfall keine Streichung der Schulden kennt usw. Die Hälfte aller, die 2017 in Rente gingen, müssen mit weniger als 3600 Fr. pro Monat über die Runden kommen (AHV+PK-Rente zusammen) Quellen: SKOS, SGB. Altersarmut? Korruption? In der Schweiz? Diese werden nie thematisiert und somit auch nicht als Problem wahrgenommen.

    Der Grundsatz in Artikel 8 der Bundesverfassung – «alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich» – gilt offensichtlich weder für das Steuergesetz noch für das Krankenversicherungsgesetz. Unser Steuersystem ist so konzipiert das nur eine geringe Umverteilungswirkung zwischen Arm und Reich hat. Quelle. OECD. So ist es auch kein Wunder das die Gesundheitskosten in der Inflationsberechnung nicht hinzugezogen werden. Die bürgerlichen Regierungs- und Parlamentsmehrheiten senkten in den letzten Jahrzehnten die Unternehmenssteuern und stopften das dabei entstandene Riesenloch in der Staatskasse unter anderem auch mit der radikalen Kürzung der ­Prämienverbilligung. Nur in Schweden gehen die Menschen noch weniger zum Arzt oder zur Ärztin als in der Schweiz. In keinem Industrieland müssen die Menschen mehr an ihre Gesundheitskosten aus der eigenen Tasche bezahlen als in der Schweiz. 2018 kassierten die Krankenkassen in der Grundversicherung 30,3 Milliarden Prämien­franken, rund 1,5 Milliarden mehr als im Jahr davor. 2017 verdienten Assura-Chef Ruedi Bodenmann mit 780 690 Franken und CSS-Chefin Philomena Colatrella mit 743’766 Franken mehr als ein Bundesrat/in. Die Schweiz ist in Europa nahezu das einzige Land, dessen Grundversicherung nicht in erster Linie über Steuern oder über Lohnbeiträge finanziert wird. Wollen wir über die 2. Säule reden? Ein Mantel des Schweigens ist dabei angebracht….

    Nein, Herr Saller weder KI noch Fehlern, sondern alleine unsere tiefliegenden Tendenzen von Apathie, Abhängigkeit und Feigheit haben zu alldem geführt….

    Liebe Grüsse

  9. Ein fast überflüssiger Beitrag. Interessant ist die beiläufige Frage: „Ist denn nicht das erste und wichtigste Grundrecht in der Demokratie: Jede Stimme zählt!“ Die Antwort ist: „nein“. Der SVP hat ja verschiedentlich (z.Bsp. im Kanton Schwyz) Wahlkreiseinteilungen durchzudrücken versucht, die was systematisch kleinere & mittlere Parteien diskriminiert derart, dass die für sie abgegebenen Stimmen wertlos sind. Das Bundesgericht musste dann korrigierend eingreifen. Märssi.

  10. Oh mein Gott (nicht du), was für Probleme du auch hast. Geh doch mal in den Wald, ganz alleine, und hol Tief Luft. Wenn du Glück hast, frischt der Sauerstoff dein Hirn ein wenig auf und die kommst wieder runter von deinem Ärger.

  11. Nun ja. ich habe in den letzten über 30 Jahren keinen Urnengang ausgelassen.

    2 mal bekam ich keine Unterlagen, beide male in den letzten 10 Jahren und in St. Gallen.
    Und bei der Ständeratswahl am letzten Sonntag kamen die Unterlagen erst am Freitag bei mir an.
    Für eine Briefwahl beinahe zu spät.

    Also ganz sauber ist das nicht…….

    Die Stadt St. Gallen hat vor einigen Jahren mal einen Gutschein an die Bürger verschickt.
    Ich glaube es waren 230 Franken.

    Sie schickten diese aber ohne Einschreiben.
    Ich jedenfalls bekam ihn nie.
    Ja es gab Fälle bei denen diese Gutscheine aus den Briefkästen gestohlen wurden.

    Damals erstattete ich eine Meldung bei der Stadt und der Polizei.

    Alleine es war denen völlig egal. Ich bekam von beiden nicht mal eine Antwort, Beziehungsweise, erst nach mehrmaligem nachhaken ein ausweichendes vertrösten auf ein nichts.
    Die fehlenden Gutscheine wurden nie ein Thema….. klar, der Empfänger konnte nichts belegen…. ohne Einschreiben.

    Saubande.

  12. „.. wenn ich das Ausbleiben dadurch entdecke, dass die Abstimmung bereits über die Bühne gegangen ist?“

    dann bin ich selber schuld… Eigenverantwortung gehört auch zur Demokratie…

    • @Darkmaster

      Häufig soll mit Selbstverantwortung etwas geheilt werden. Sie übersehen dabei ein systemisches Problem der Schweiz. Die Ursachen auf der Systemebene zu finden, bedeutet Wechselwirkungen und zeitverzögerte Konsequenzen aus früheren Entscheidungen zu betrachten. Genau an diesem Punkt sind wir heute. Hinter dem Slogan „Selbstverantwortung“ verbirgt sich, überspitzt formuliert, auch eine subtile betrügerische Maschinerie. Sich genau das einzugestehen, als Bürger dieses Landes, wird eine Stärke, wenn es darum geht, in einer komplexen Umwelt zu agieren und diese Verwerfungen zu korriegieren.

  13. Man kann sich tatsächlich ärgern. Meine Unterlagen für die 2. SR-Wahlrunde trafen, mit Unterlagen über komunale Abstimmungen ein. Die Hauptsache, der Wahlzettel für die SR-Wahl fehlte. Fragte nach und bekam ihn gegen Unterschrift auf dem zuständigen Büro – musste ihn also abholen.
    Das angesprochene elektronische Wahl- und Abstimmungsverfahren würde ich ebenfalls begrüssen. Allerdings wäre z.B. die im Beitrag aufgeführte und nicht glänzende Swisscom die Betreiberin …
    Aus meiner Sicht gehören solch heikle Applikationen (auch Swiss-Id) nicht in die Hände privater Unternehmen!

  14. Klar, sollte nicht passieren. Aber ehrlich gesagt, wenn der Schreiber und Journalist nicht gemerkt hat, dass Wahlen stattfinden dann frage ich mich wo er lebt. Es wäre das einfachste gewesen, wenn er wirklich hätte wählen wollen sich im Vorfeld im Kreisbüro zu melden und sich die Wahlunterlagen zu beschaffen.

  15. Armer Herr Saller
    Da merken Sie doch erst am Abstimmungssonntag, dass Ihnen die Unterlagen fehlen! Offenbar war es Ihnen sehr wichtig, Ihr Wahlrecht wahrzunehmen…
    Ich habe grösstes Bedauern mit Ihnen!
    Übrigens: wo gearbeitet wird, passieren auch Fehler, sei’s bei den Freiwilligen im Wahlbüro, welche die Unterlagen zusammenstellen, verpacken und schliesslich 4-5 Wochen später auszählen wie auch bei der Post…
    Ob man Ihren publizistischen Rundumschlag als Arbeit bezeichnen will, überlasse ich dem geneigten Leser…

  16. Naja, man muss sich eben informieren, als Bürger ob Abstimmung/Wahlen anstehen, das kann man schon erwarten vom mündigen Bürgern!
    Das Hi-Tech Land Schweiz ist allerdings nicht in der Lage anständige Abstimmungs-Couverts, die nicht gleich einreissen und dann nicht wieder verklebbar sind zu produzieren und wie man hört verlangen einige Gemeinden sogar noch, dass man die postalische Abstimmung selbst blecht.
    Schweizer beklagen sich nur am Stammtisch, aber wirklich was zu ändern ist ihm zu anstrengend. Man ordnet sich einfach ein und unter und fühlt sich dabei als „freier Eidgenosse“.
    Nur nicht darauf aufmerksam machen, die Schwizerlis, sonst gibts den bösen Blick…

  17. Ihre Einwände sind berechtigt und E-Voting wäre die Lösung 📧 Die Bedenken wegen der End-to-end-Überprüfbarkeit sind nicht plausibel 👎🏻 In der Schweiz gibt es diesbezüglich soviel Kompetenz, dass dies schon längst hätte gelöst werden können 🇨🇭✌🏻

    • @Jürg Mettler:
      Es geht nicht um die Frage einer vorhandenen oder abwesenden Kompetenz, sondern um die zahllosen Möglichkeiten der bewussten Manipulation!

  18. Typisch Schweizer: Den Fehler zuerst bei den anderen suchen. Wie wäre es, sich ein Minimum um seine eigenen politischen Rechte zu kümmern? Dazu gehört ein Grundinteresse, wann zweite Wahlgänge stattfinden. Dann hätten Sie bei Ihrem Kreisbüro/Ihrer Gemeinde reklamieren können und der Fehler wäre bereinigt gewesen. Oder direkter gesagt: Sie haben einfach gepennt und nun erwarten Sie ernsthaft eine Wahlwiederholung. Echt jetzt, wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.

  19. Tja, ohne dem Autor des Beitrags zu nahe treten zu wollen: Das Radio und der Gopfriedstutz…, ach, annullieren wir das.
    Bin ich jetzt ein Sprachnazi? Oder ein Fübü, der sich beschwert, weil die Abstimmungsunterlagen ihn nicht erreichten?

  20. … und wer glaubt, dass online-Abstimmungen demokratischer sind, glaubt auch dass Kühe fliegen und Honig sammeln.

    Wahrscheinlich ist, dass es in der Schweiz überhaupt nicht absichtich zu solchen Fehlern kommt wie z.B in anderen Demokratien (D, A, GB,Arabien, Afrika, … eigentlich die ganze Welt).

    Stadrat „ließ illegalerweise tausende Schüler ohne ihr Wissen für die Parlamentswahlen registrieren“
    http://mannikosblog.blogspot.com/2019/11/systematischer-und-endemischer.html

  21. Der Toni zeigt sich ganz offen grün, und „seine Politiker“ sind SP. Folgerichtig kommen dann Sätze wie „… dass die Post wegen dem Spardruck, ausgelöst durch die private Konkurrenz, Einbussen im Qualitätsmanagement hinnehmen musste …“.
    Als Linker weiss er genau, dass es die private Konkurrenz ist, welche die Post zum Sparen zwingt. Gibt es keine weiteren Erklärungen für den Druck?
    Insgesamt ein Nicht-Beitrag auf IP, ein Aergernis.

  22. wofür willst du abstimmen gehen?
    politiker sind sowieso alle gleich.
    keiner von denen will wirklich arbeiten.
    nur viel bla bla da und dort und juhu
    bei jeder „hundsverlochete“…
    wirklich was ändern, tun sie nicht.
    also, nicht aufregen.
    weniger müll im briefkasten.

  23. Selbst Auslandschweizer, erwarte ich kein Stimmrecht in der Schweiz. Aber im Vorfeld einer Abstimmung oder Wahl sollte dem Autor eigentlich noch vor dem grossen Tag auffallen, wenn der Umschlag mit den Stimm- oder Wahlzetteln nicht eintrudelt.