Mike Bär laufen die Topleute davon

Ex-Julius Bär-Chef hat kürzlich Bank gegründet. Nun geht ein Drittel der Crew von Bord. Die Leute zweifeln an Bärs Können.

Mike Bär ist ein passionierter Jogger. Der Sprössling der gleichnamigen Ex-Besitzerfamilie der Julius Bär hat schon auf allen Kontinenten einen Marthon absolviert – sogar in der Antarktis.

Langen Schnauf braucht Bär auch mit seiner MBaer Merchant Bank. Diese brachte der Familienvater genau vor einem Jahr an den Start – nach einem zweijährigen Marathon mit der Bankenaufsicht.

Endlich, sagte Bär. Jetzt gehts los. Wirklich?

Diese Woche meldete Finews den Abgang eines wichtigen Manns für Mike Bär. Er heisst Philip Biber und wurde von der Finanz-Newsseite als „Banking-Veteran“ bezeichnet. Der würde Leiter Genf einer Beratungsfirma.

Für Mike Bär verständlich. Der Wechsel habe familiäre Gründe, es gehe ums Pendeln zwischen der Limmat- und der Rhonestadt, meint er im Gespräch.

Alles halb so wild. Doch seit der Story von Anfang Woche ist nichts mehr wie zuvor. Plötzlich tauchen Meldungen auf von noch viel mehr Abgängen bei Mike Bär und seiner MBaer Merchant.

Happy Banking – oder? (MBaer Merchant Bank)

Mehrere Seniors sind in den letzten Wochen und Monaten von Bord gesprungen, hinzu kommen Assistentinnen, die ebenfalls wegwollten.

Insgesamt beträgt der Aderlass mehr als ein Drittel der ganzen Crew. Diese beläuft sich auf rund 15 Leute.

Unter den Abgesprungenen befinden sich mehrere, die für Mike Bär einen schweren Verlust darstellen.

Es handelt sich um Leute mit langer Karriere im Banking. Sie kennen die Welt der Finanzen, waren teilweise bei Grossbanken, wissen, wie das Geschäft funktioniert.

Für Mike Bär und seine kleine Startup-Bank ist diese Erfahrung zentral. Denn seine ganze Idee fusst darauf, dass er in der Nische ein Angebot machen kann, das andere nicht können.

Er will Unternehmer mit kleineren oder mittelgrossen Firmen – bis zu einem Unternehmenswert von 200 Millionen – umfassend betreuen.

Eine Finanzierung fürs Unternehmen, die Vorfinanzierung von Dividenden, Kredite für die Weitergabe der Firma an die nächste Generation, die Beratung rund ums Privatvermögen, die Nähe zur Familie des Unternehmers.

Gute Seele: Bär-Eigenwerbung (mbaerbank.com)

All das will Mike Bär mit seiner kleinen, spezialisierten Beratungsbank vom Sitz in Zürich-Seefeld aus anbieten – und so eine Nische besetzen, die in den Augen von Bär noch frei ist.

Auf dem Finanzplatz ist Bär damit auf Sympathie und Interesse gestossen. „Grundsätzlich eine spannende Sache“, sagt einer, der sowohl die Welt der Grossbanken als auch jene der spezialisierten Geldhäuser kennt.

„Nur“, fährt er fort, „Bär bringt das Geschäft bis jetzt nicht zum Laufen.“ Seine Handelsbank, englisch Merchant, mit Finanzierungslösungen für Unternehmer: Sie habe bis jetzt fast kein Business.

Zudem sei die Nische vielleicht gar nicht da. Jedenfalls sei die französische Paribas aus Genf heraus eine Macht im Geschäft mit Handelsfinanzierungen, auch die CS würde die Kunden umfassend betreuen.

Selbst Kantonalbanken, beispielsweise die Genfer, hätten diese Art von Banking längst besetzt. „Mike Bär braucht mehr als nur seinen guten Namen“, so der Gesprächspartner.

Bär selbst gibt sich gelassen. „Es stimmt, wir hatten ein paar Abgänge.“, sagte er gestern. „Das hätte ich selbstverständlich lieber nicht, aber es gehört zu Startups – da ist vieles im Fluss.“

Dass er aber mit seiner Bank nicht auf Touren käme, treffe nicht zu.

„Entscheidend sind die Kunden, und die zeigen grosses Interesse an unserem Modell, ihnen als Unternehmer die ganze Palette von Finanzierungen für die Firma bis zur privaten Vermögensverwaltung zu offerieren.“

Bär hat 30 Millionen für seine Bank an Eigenkapital. Wieviel er davon schon gebraucht hat – für IT, Büros, vor allem Löhne –, will er nicht sagen. Schlaflose Nächte habe er keine.

Kommentare

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  1. Die Lust am Marathon und ähnlichen Ausdauer-Exzessen scheint mir schon hauptsächlich dort auszubrechen, wo keine anderen grossen Challenges vorhanden sind.

  2. Mike Bär sitzt in der Dynastie-Falle. Er glaubt nur via Bänker-Aktivitäten „Bär-familienkompatibel“ zu sein. Es muss etwas mit Banking-Hintergrund sein. Eine Art Piëch Junior, der muss auch auf Teufel komm raus irgend ein Auto bringen. Das gehört sich in der grossen Auto-Dynastie. NB: wer den Marktauftritt der Bank with a Soul nicht zum Wegrennen findet, hat offenbar ein Problem mit den Augen und/oder der Verarbeitung dieser Artwork-Lösung. Unzumutbar und wenig profiliert halt.

  3. Gemäss Handelsregister wurden seit Frühjahr 2019 vier Personen im Register gelöscht. Neu eingetragen wurde seither niemand. Was bedeutet dies? Gibt es keine Neuzugänge mehr oder will man Mutationen verheimlichen?

  4. Mehrere Abgänge innerhalb eines Jahres – darunter auch solche, welche bei Eröffnung der Bank, auf deren Webseite als Partner geführt wurden – sind alles andere als ein gutes Zeichen für eine neu gegründete Gesellschaft. Ohne Grund passiert dies nicht. Fragezeichen über Fragezeichen?

  5. Happy Banking gemäss Foto – stillos. Die Leute auf dem Foto strahlen weder Dynamik noch Enthusiasmus aus. Ein Gruppenbild eines Erfolgteames sieht anders aus.

  6. Der Einstieg ein Gewerbe oder Geschäftsfeld das eh schon mit erheblichen Problemen zu kämpfen hat,resp.nur noch wenig an Gewinn erwirtschaften kann ist einfach Dumm und gar nicht soooo selten, reine Kapitalvernichtung.
    Und so nebenbei auch Volkswirtschaftlich schädlich.
    man kann Volkswirtschaften auch zu Tode basteln.
    Ausprobieren sicher Ja, aber mit etwas Verstand und mit einem vernünftigen Mass an sicher notwendiger Riskobereitschaft. Heisst das jetzt grundsätzlich nicht in einen überloffenen Markt einsteigen???
    Sicher kann ja soll man das, jedoch nur wenn sich für
    den Anbieter UND für Den die Kunden auch ein echter Gewinn und Ertrag ergibt.Ansonsten wirkt das letztlich Kapital=Wohlstandsvernichtend.
    Da wurden nicht nur im Breich Finanz und Kapitalwesen,
    ,,Industrie??,, Kapazitäten aufgebaut die sind nicht mehr zu halten.Das ist der Bazillus der den grundsätzlich segensreichen Kapitalismus, die Marktwirtschaft zerstört.
    Darum voll richtig wenn vor allem gute Mitarbeiter rechtzeitig aussteigen, wenn eine Bude in offensichtliche Schieflage gerät,resp.von der Tepichetage gegen die Wand gefahren wird.

  7. M. Bär‘s schönfärberischen Antworten sagen es. Seine Bank befindet sich im Sturzflug. Kein Wunder, in den letzten 15 Jahren hat MB beruflich absolut nichts zustande gebracht. Er träumt wohl, das Kunden wegen seiner Abstammung von JB zu seiner Bonsai-Bank kommen. Er irrt. Kunden wollen ihr Geld zu erstklassigen, soliden Instituten bringen und nicht zu Luftschlössern.

  8. Ueberall das gleiche Chaos, da müsste Collardi oder Thiam einen Beraterauftrag erhalten, dann stellt sich die Frage nicht mehr: Beerdigt vor Eröffnung.

    • @ Hans

      Und diese schillernde Person JMVM, ein Freund von Mike B., hat damals schon bei der IHAG wie auch dann bei Bär unter dem Druck bestimmter Ereignisse den Sessel geräumt. Story to be followed …

    • Dieser Grossschnurri heisst aber PMVM…
      Hat in seiner Karriere zwar null geleistet, aber viel abkassiert.

    • Hans,
      Das von Ihnen genannte „langjährige Gspänli“, Paul Merey, hat es verstanden, sich meist an Familienunternehmen anzulehnen, deren finanzielle Mittel es zuliessen, dass Mittelmässigkeit über eine gewisse Zeit nicht auffiel.
      Hohe Personalfluktuationen zeichneten da und dort seine „Führung“ aus, wobei sich neben Ausgabenfreudigkeit zusehends auch ein Defizit an Sozialkompetenz offenbarte.

    • Für den Headhunter sind Leserbriefe immer wieder ergänzendes Gedankenfutter. Kommentare lassen viel von der schreibenden Person erkennen, bevor man sie getroffen hat.

      So lässt der Kommentar von @Hans erkennen, dass er sich seine Branchenkenntnisse vermutlich auf der Ebene Mitarbeiter angeeignet hat. Wer jemals in die Geschäftsleitung einer Bank berufen worden ist oder auf Kaderebene zusätzliches Karrierewissen angesammelt hat, weiss dass solche Berufungen / Beförderungen von der Finma abgesegnet werden müssen.

      Diese Uralt-Story von der „geschenkten Villa“ wurde nicht nur von der Finma (EBK) geprüft sondern auch von vielen Journalisten und ganz klar, auch von Hunderten „befreundeten Branchenkollegen und Neidern“. Es ist alles mit rechten Dingen zugegangen und @Hans verbreitet mit seinem Link ein zu Tode gerittenes Pferd – neudeutsch Fake News.

      Je giftiger und unsachlicher die Kommentare hier bei Inside Paradeplatz je näher die Möglichkeit, dass die Personen die letzte – oder gar letzten – Stellen nicht freiwillig aufgegeben haben.

      Eine ausgeglichenere Sicht würde oft Lebensqualität erhöhen und mehr Job Satisfaction ermöglichen!