Kauft Bär die EFG?

Aus 2 Quellen ist von Gesprächen zu hören. Beide Privat-Banken halten sich bedeckt. Knaller des neuen Bär-CEOs?

Neo-Chef Philipp Rickenbacher will seine Strategie für die Julius Bär Anfang 2020 auf den Tisch legen. Vielleicht beinhaltet diese mehr als nur Kosmetik.

Von zwei Quellen ist nämlich zu vernehmen, dass Rickenbacher Gespräche mit den Besitzern der EFG Privatbank führe.

Dabei gehe es um einen Kauf der EFG durch die Julius Bär. Diese könnte mit einem EFG-Zukauf die Hürde von 500 Milliarden verwalteten Kundenvermögen im Flug nehmen.

Sprecher der beiden Banken hielten sich gestern auf Anfrage bedenkt. Man kommentiere keine Gerüchte.

Die EFG steckt in Problemen. Trotz dem Kauf der Tessiner BSI ist ihr Aktienkurs weit weg von den angestrebten 10 Franken.

Dümpeln: Was nun? (EFG, Six)

Insbesondere die 30-Prozent-Aktionärin BTG Pactual, eine brasilianische Investmentbank, ist enttäuscht. Sie könnte einen allfälligen Verkauf der EFG vorantreiben.

Ein solcher Verkauf war wiederholt das Thema. Im Frühling schloss ein BTG-Manager dies vehement aus.

„Wir denken nicht daran“ (Reuters)

Das muss nichts heissen. Die brasilianischen Investmentbanker der BTG Pactual sind gewiefte Trader. Was sie öffentlich sagen und versteckt unternehmen, sind zwei paar Schuhe.

Hauptaktionär ist der griechische Milliardär Spiros Latsis, laut Wikipedia der reichste Mann in Mittelmeerland.

Auch Latsis wäre wohl einem Verkauf nicht abgeneigt. In der Vergangenheit gab es immer wieder Storys über Verkaufsabsichten des Griechen.

Umgekehrt sucht Rickenbacher mit seiner Bär eine neue „Geschichte“. Diese sollte Aufbruch und Wachstum ausdrücken.

Mit über 500 Milliarden „Assets under Management“ hätte die Julius Bär eine Art kritische Grösse für den Alleingang erreicht. Eine Übernahme der Julius Bär durch eine Grossbank würde weniger wahrscheinlich.

Was heckt Rickenbacher aus? (IP)

Der Kauf der EFG durch Bär wäre ein Coup. Bär-Chef Rickenbacher würde ein paar Spitzenleute der EFG in seine Geschäftsleitung berufen. Das würde auch erklären, warum Rickenbacher bisher nur wenig Köpfe ausgewechselt hat.

Das grösste Fragezeichen eines Deals ist der Zustand der EFG. In ihren Büchern schlummert ein Dirty Secret, das für Kenner nicht mehr geheim ist.

Die Rede ist von einem grossen Lebensversicherungs-Portefeuille, das die EFG vor einem Jahrzehnt für einen dreistelligen Millionenbetrag erworben hatte. Diese Position schmilzt im Wert, weil die darunter liegenden Werte – alte Versicherte und deren Policen – sich rapide verändert haben.

Die Versicherten werden immer älter. Für die EFG als Käuferin der Lebenspolicen bedeutet das, dass sie immer länger immer höhere Prämien zahlen muss. Die angestrebte Auszahlung des Einmalbetrags bei Ableben der Versicherten verzögert sich – und die Höhe dieser Auszahlung wird ungewiss.

Dahinter steckt ein Fight zwischen Käufern solcher Policen und den Versicherungsgesellschaften. Wie dieser ausgeht, bleibt abzuwarten.

Sicher ist, dass die EFG in ihren Büchern eine Position hat, die riesig und gefährlich ist. Je nachdem droht ein grosser Abschreiber.

Kauft die Bär die EFG, dann wird sie neue Besitzerin der „Altlast“; es sei denn, sie kann die Lebenspolicen von einem Deal ausklammern.

In dem Fall würden Latsis und die Brasilianer ihre EFG-Aktien ohne die wertmässig schmelzenden Lebenspolicen den Bären andienen. Sie müssten sich dann selbst um die Position mit den gefährdeten Papieren kümmern.

Kommentare

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  1. Es scheint einfach ein Haufen Geruempel zu sein.
    BSI Altlasten sind immer noch im Bauch.
    Ex BSI hochraengige sind immer noch destruktiv . . .

  2. Ist doch eine Supersache. Da können alle Bären-Kundenberater wieder ihre neuen Kunden zum golfen einladen und sind noch weniger im Büro. Schade ist dieser Rickenbacher keiner, der seinen Leuten mitteilt, dass die Bank kein Geld verdient, wenn ihre überteuerten Mitarbeiter auf dem Golfplatz eine ruhige Kugel schieben.

    • Auf einem Golfplatz verden definitiv mehr hochrangige Geschäfte abgeschlossen, als in einem muffigen Zimmer lieber Bärner.
      Dein Pech, wenn Du Dich nicht in diesen finanziellen Sphären auskennst…

  3. Vor 2008 haben solche Übernahmen Sinn gemacht. Heute haben Banken kein Geschäftsmodell mehr. Die wenigen verbliebenen Kunden sind Compliance-Bomben. Geld verdient man keines mehr. Die Spielbanken der ausländischen Aktionäre dienen einzig zum unkomplizierten Verschieben von Geld (die Compliance gehört ja einem selber).

  4. Die Frage wird doch wohl eher sein, welche Altlasten schlummern sonst bei der EFG. Die Policen sind doch mehr oder weniger aufgrund des Alters der Versicherten überschaubar. Was viel schwieriger zu beantworten ist, ist der teilweise Sinneswandel der Rechtssprechung. Hier gibts Cum/Ex in D mit Äusserungen des Richters, die schon dazu geführt haben, das die alte WestLB über Nacht mal schlappe 600 Mio. neue Rückstellungen bekannt gegeben hat, dann hat das Bundesgericht in der Causa DDR Vermögen endlich den Betrug am deutschen Volk festgestellt etc.. Das Thema Venezuela dürfte noch lange nicht durch sein und bei der EFG mit ihren Offshore Niederlassungen ist sicherlich auch noch die ein oder andere Leiche versteckt.

  5. Ein ehrwürdiger Tag für dieses Portal:

    “Darf man dem für gewöhnlich gut informierten Finanznachrichtenportal Inside Paradeplatz Glauben schenken, dann befindet sich die altehrwürdige Julius Bär in Übernahmeverhandlungen mit der deutlich kleineren EFG International.“ (Cash)

    Bestimmt also Fleisch am Knochen an diesem altehrwürdigen Tag.

  6. Ich finde es moralisch höchst verwerflich und fragwürdig, wenn die EFG auf den Tod von Privatleuten spekuliert! Wenn Sie daran zu Grunde geht, werde ich nicht trauern.

    • Also so was von bekloppt… völlig normales Geschäft. Das machen Lebensversicherer ja seit Jahrhunderten ziemlich erfolgreich…
      Switch on your brain!

  7. Würde meines Erachtens her Sinn machen, die EFG hat nämlich T24, während die Bär in Zürich noch auf den veralteten Host setzt.

  8. Ich sehe nicht die Vorteile: gleiche hereiten nicht gleiche….schauen sie mal Sillicon Valley!
    Alle übernahme der letzten 20 Jahren in der CH waren katastrophe….das Problem ist, das die PB wissen nicht mehr was tun in ihre Kerngeschäft…
    Bleiben sie Bodenständig….

    • Hallo Boris, aka Star Philosoph (Mitte 30), hast du jetzt auch noch dein Portfolio verloren?

  9. Wie will baer das stemmen, die haben für alle Ausstehenden Klagen zu wenig Rückstellungen, who cares, bei einer Uebernahme werden bei beiden mind. 3000 abgebaut.

  10. Das Durchschnittsalter dieser Policen-Holder beträgt 93 Jahre. Irgendwann ist somit das Ende absehbar und
    das Risiko für einen möglichen Käufer der EFG jetzt vertretbar.

    • Julius Bär wollte wie in den anderen Regionen auch in der Schweiz T24 von Temenos einführen. Uebung wurde frustriert abgeblasen, da die IT Umgebung in der Schweiz zu komplex ist und man die Umstellung nicht tätigen konnte. Man rüstet nun den alten Host auf. Vielleicht wird er dann ja auch mal realtime fähig….

    • @Francisco
      Auch die UBP gurkt noch mit einem Host rum. Stabil zwar. Real-time wäre ein Traum! Oder auch eine effiziente und komplette Umsetzung von MIFID II. Man müsste halt wollen und richtig Geld in die Hand nehmen – ausser das Geschäft wird alsbald verramscht.

    • Der altertümliche JB Host hat (leider) schon wesentlich gewichtigere Integrationen bewältigt, deshalb tut man sich ja auch so schwer mit dem Platform- Wechsel

  11. Ja da würden sich zwei Compliance Sümpfe finden… fehlte nur noch Safra Sarasin, dann wäre das Trio Infernale beisammen…. man müsste dann nurch alles abwickeln, schliessen. Der Finanzplatz wäre gesünder. Einkaufen ist ja immer die Lösung für Wachstum, wenn man nicht weiss wie organischer Wachstum zu schaffen ist. Ist ja keine grosse Leistung das Geld der Aktionäre auszugeben. Aber nur schon die IT Integration auf das völlig veraltete Bär System in der Schweiz wäre ein Albtraum.

    • Wenn ein fauler Apfel zu einem andern faulen Apfel gelegt wird, entsteht hieraus bekanntlich ein gesunder Apfel.