Gefeuerter Chef verliert Prozess gegen Deloitte

London-Richterin stützt Beraterin in Abwehrkampf gegen Ex-Topmann. Dieser zieht das Urteil weiter. David gegen Goliath.

David Joseph heisst der Mann. Er gehörte zu den 10 Top-Partnern der Schweizer Deloitte, der Nummer 4 im hiesigen Beratungsmarkt.

Nun heisst es David gegen Goliath. Berater David zog Goliath Deloitte vor ein Londoner Gericht. Dort hat der Kleinere verloren.

Die Richterin sieht grosse Deloitte im Recht, ihren Ex-Mann vor die Tür zu setzen, ohne diesem die Chance zu geben, sich vor seinen Kollegen zu verteidigen. Dies berichten Gerichts- und Berater-Medien.

David Joseph habe es verpasst, rechtzeitig gegen den abschlägigen Entscheid von Deloitte zu protestieren und auf dem Meeting aller 1’700 Europa-Partner zu beharren, so die Richterin.

Berater Joseph zeigt sich enttäuscht. Entsprechend will er weiterkämpfen. „Wie den jüngsten Gerichtsdokumenten zu entnehmen ist, halte ich das Gerichtsurteil für klar falsch und beabsichtige das Gerichtsurteil anzufechten.“

Nächste Instanz wäre das Appellationsgericht in London. Weil die Gerichtsmühlen wie überall langsam mahlen, ist ein Entscheid frühestens in einigen Monate zu erwarten.

Dann wäre David Joseph formell nicht mehr Partner. Seine Kündigungsfrist endet Anfang 2020. Ohne Partnerstatus kann Joseph nicht mehr auf eine Partner-Vollversammlung pochen.

Ein Urteil am Rekursgericht zu seinen Gunsten wäre nicht mal das Papier wert.

Trotzdem will der in Ungnade Gefallene offenbar nicht aufgeben. Dies, obwohl er schon Unmengen an Geld für den Fight gegen seine Ex-Firma aufgeworfen hat.

Er sieht Chancen, weil der jetzt vorliegende Entscheid nur ein formeller sei. „Das Gerichtsurteil besagt nichts über den eigentlichen Sachverhalt und die Anschuldigungen gegen mich.“

„Your right“: Deloitte-Präsident (IP)

In der Sache sei der Fall noch lange nicht ausgestanden für Deloitte, führt David Joseph aus.

„Unabhängig vom endgültigen Verlauf in dem gegenwärtigen Verfahren, besteht ein klarer und separater Rechtsweg, um Deloitte für die mangelhafte und voreingenommene Untersuchung, die verzerrte Darstellung des Sachverhaltes und das arglistige Verhalten der Firma zur Rechenschaft zu ziehen und Schadensersatz einzufordern.“

Die Niederlage vor der ersten Instanz hängt mit einer laut Gericht verpassten Frist zusammen. Am 2. Oktober dieses Jahres entschied das Board von Deloitte Europa, dass die Entlassung von Joseph gerechtfertigt sei.

Ab diesem Zeitpunkt lief eine 7tägige Frist für Joseph, eine Vollversammlung aller Deloitte-Partner von Europa einzuberufen.

Joseph wartete das Ende der Frist ab. Am 10. Oktober fragte er per Email nach, wie es in seiner Causa stehe.

Am 11. Oktober entschuldigte sich der Präsident von Deloitte Europa für das lange Schweigen. Der Deloitte-Spitzenmann hielt fest, dass Joseph selbstverständlich das Recht habe, auf eine Vollversammlung zu pochen.

Nur könne Deloitte dann nicht garantieren, dass die Vorwürfe gehen ihn noch unter Verschluss blieben. Zu viele Leute wären dann im Bild über die konkreten Anschuldigungen.

Am 12. Oktober antwortete Joseph, das sei für ihn kein Problem und er würde auf der Vollversammlung beharren.

Ab dann herrschte Schweigen. Deshalb ging Joseph vor das Londoner Gericht. Dort zog er nun den Kürzeren, jedenfalls in Runde 1.

Kommentare

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  1. In der einen Firma gibt es zu viele Partner, in der anderen zu viele Vice Presidents und am Paraplatz noch einen Haufen Executive Directors

    Liebe IP,
    frage mal das ivw in Sankt Gallen um Rat.
    Die haben latent eine Story in der Pipeline und sind im Launchen von None Academic Stories etwas ungeübt.
    p.s.
    Geht dies mal nicht um RaffEisen

  2. Total uninteressant. Stand alles schon früher in anderen medien und war da schon total uninteressant. Scheinbar fehlt IP zur zeit material in der anonym box und Pierin gibt auch nichts mehr her. Irgendwie erbärmlich…

    • Glaubt ihr one-tracks-minds echt dass jeder der den Schwachsinn auf IP ablehnend kommentiert bei der PR Abteilung arbeitet…

    • Sehe ich anders! Hässig bringt eben genau auch Updates zu Geschichten, die nicht auf Finews landen! Genau darum lese ich IP.
      Und journalistisch ist das eine saubere Arbeit: Er hat immerhin offensichtlich noch direkt mit dem Partner gesprochen und Direktzitate gebracht. Das ist besser als beispielsweise beim Tagi, wo ja meistens nur die SDA-Meldung erscheint.

  3. Endlich mal Einer, der sich wehrt! Und auch mit seinem Namen hin steht.
    Die Argumentation von Deloitte mit der 7-Tage Frist wirkt fadenscheinig und kleinlich.
    Wünsche Herrn Joseph viel Erfolg!

    • Abwarten, bis die Ergebnisse der internen Untersuchung, welche schlussendlich zur Kündigung geführt haben, offengelegt werden müssen. Wenn die Kündigung unrechtmässig gewesen wäre, dann hätte Herr Joseph wohl lieber diese vor Gericht angefochten, anstatt eine Lapalie wie die 7-Tage Frist.

    • Abwarten, mit 100%er Sicherheit kämpft er nicht aus Lust und Laune sondern für die Gerechtigkeit – So wie man ihn kennt.
      Das ganze ist seitens Deloitte unnötig aufgeblasen und unrechtmässig- hier möchte die Organisation mal wieder ihre Macht zeigen – unfair und unnötig einen Menschen so das Leben zu ruinieren – nur weil sie es können.