Risiken aus Vontobels Struki-Biz explodieren

Bilanz-Position schoss in 3 Jahren von 2 auf 5 Milliarden hoch. Wurde Trading-Boss Studer deshalb gefeuert?

Bei Vontobel herrscht Zahltag. Zumindest oben. Zeno Staub erhielt 2019 4 Millionen, sein Präsident Herbert Scheidt 2,6 Millionen.

Zählt man die „Performance“-Aktien hinzu, sind es bei Staub total 7 (!) Millionen, bei Scheidt 3,3 Millionen.

Was für eine Entschädigung für das Spitzenduo einer Zürcher Bank mit 2’000 Mitarbeitern. Es ist wohl Weltrekord, wenn man die Grösse berücksichtigt.

Verdient? Zeno Staub und Herbert Scheidt führen eine Bank, die viel zu hohe Kosten hat und sehr grosse Risiken eingeht.

Pro eingenommenem Franken gehen gleich wieder 76 Rappen weg für die Aufwände. Eine Privatbank sollte niemals mehr als 70 Rappen pro erworbenem Franken an Kosten haben, sogar das ist viel.

Nun wollen Staub-Scheidt den Wert auf unter 72 Rappen bringen. Sie versprechen das heute, am Tag, an dem sich die beiden Spitzenleute gegenseitig auf die Schultern klopfen.

Man habe 2019 „,mit gutem Ergebnis“ abgeschlossen, so die Mitteilung der Zürcher Bank, die immer noch mehrheitlich im Besitz der Erben der grossen Vontobel-Gründer ist.

König Zenos Tafelrunde (Vontobel)

Hinter den Kulissen sieht die Lage weniger erfreulich aus. Da stellen sich seit Dezember Fragen. Damals wurde der Chef des Investment Bankings Knall auf Fall abgesetzt.

Roger Studer heisst er, und er war jahrelang der Star zuoberst in der Vontobel-Hierarchie. Dann begann sein Hauptgeschäft mit den Strukturierten Produkten zu stottern.

Und peng, war Studer weg. Aber nicht nur er. Gleich seine ganze Division wurde ausradiert, die Einzelteile landeten bei Studers internen Konkurrenten.

Viele Chefs aus Studers Ex-Bereich haben die Bank vor dem Dezember-Knall oder danach ebenfalls verlassen.

Warum diese Radikal-Massnahme? War es eine Panikreaktion? Gibt es versteckte Risiken?

Das fragen sich Insider. Die Aktie der Bank ist ein Renner. Sie nahm die Hürde von 70 Franken pro Titel im Flug, schloss gestern bei 72,60 Franken.

In der Bilanz türmen sich derweil die Risiken. Besonders die Position „Andere finanzielle Vermögenswerte mit erfolgswirksamer Fair-Value-Bewertung – Zinsinstrumente“ gibt zu denken.

Es handelt sich um die Gegenposition des einstmals lukrativen Struki-Businesses der Vontobel, das nun darbt.

Obli-Position für Struki-Geschäft durch die Decke (IP)

Die Vontobel-Trader legen das Geld ihrer Struki-Kunden vornehmlich in Obligationen an, die dann auf der Aktivseite der Vontobel-Bilanz landen.

Dort zeigt sich eine erstaunliche Entwicklung. Nach einem Höhepunkt von 6 Milliarden im 2014 sank der Posten im 2015 auf rund 2,5 Milliarden, von dort gings dann auf fast 2 Milliarden hinunter.

Seither legen die Obligationen fürs Struki-Business markant zu. Höher und höher geht der Flug.

Per Ende 2019 überschritt der Struki-„Klumpen“ in der Bilanz der Vontobel die 4-Milliarden-Grenze, wie die heutigen Zahlen zeigen.

Im Vergleich zum Vorjahr ein Sprung um mehr als eine Milliarde oder ein Drittel.

Ein Sprecher der Vontobel meinte vor ein paar Wochen auf eine entsprechende Frage, dass die Höhe kein Problem darstelle.

„Auch hier sehen Sie, dass es keine aussergewöhnlichen Entwicklungen gegeben hat. Der Höchststand in den vergangenen Jahren war im Jahr 2014.“

Liegt hier die Erklärung für die Zerschlagung des ganzen Geschäftsbereichs Investment Banking und der gleichzeitigen Verabschiedung des vermeintlich unangreifbaren Roger Studer?

Haben die Vontobel-Chefs Staub und Scheidt die Notbremse bei den Strukis gezogen?

Der Sprecher verneinte dies in seiner Stellungnahme vom 22. Januar.

„Da Vontobel in Bezug auf das Geschäft mit strukturierten Produkten das Geschäftsmodell nicht ändert, kann es auch keinen ‚Zusammenhang mit den hohen Gegenpositionen des Struki-Geschäfts auf der Aktivseite der Vontobel-Bilanz‘ geben.“

Vontobel werde „auch in Zukunft strukturierte Produkte emittieren und vertreiben“, meinte er. Man wolle führend sein im Geschäft.

Kommentare

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  1. Herr LH, wäre es ratsam, die Kommentartegeln so zu ändern:Nur max. zwei Stellungnahmen pro Kommentar und Person sind erwünscht? Beispiel: Ein gewisser Super M. tendiert dazu, haufenweise seinen Senf zu jedwelchem Kommentar geben zu müssen. Mühsam!

  2. Die staendigen Motzereien vom geistig stark abbauenden lh gehen dem Management der Vontobel Bank am A…h vorbei. Der Abschluss war richtig gut in Anbetracht der schwierigen Umstaende. (Siehe Performance der Vontobel Aktie) Zu den diversen Abgaengen ist nur anzumerken, dass diese zumeist freiwillig oder mangels Leistungen erfolgten. Doch wie heisst es so schoen: “Reisewillige soll man nicht davon abhalten”. Gut gemacht Herren Staub und Scheidt und alle loyalen Mitarbeiter!

  3. strukturierte produkte sind immer zu gunsten des emitenten konzipiert, also reines casino, – sollten verboten sein..

    • Dann verstehst du diese Produkte leider nicht und solltest sie auch nicht verwenden/in dein/ihr Depot legen.

  4. das einzige was ((supermario)) anscheinend nicht kann ist „realitätseinordnung“
    ansonsten scheint diese iq_overdose mit einsteins unendlich theorie auf einer stufe zu stehen….weiter so druppermario

    • Scheinst nicht gerade mit Faktenreichtum in Sachen Struktis gesegnet zu sein 🙂
      NB Musste den Satz doch tatsächlich zweimal durchlesen, die grammatikalischen Wendungen sind leicht gewöhnungsbedürftig und die Gross-/Kleinschreibung sowie die Satzzeichensetzung scheinen bei Hilde wohl im Kindergarten geblieben zu sein.

  5. Bravo Xeno, gratuliere dem persönlichen Erfolg.
    Oben klotzen und unten krüppeln bis zum burnout!
    Trinkgeld-Boni (unten), nicht mal die Hälfte einer 3ten Säule, dafür gabs ganzjährig regelmässig overtime und auf Jahresende 120% Arbeitseinsatz.
    Diese Führung vergass offenbar, warum Hans Vontobel so erfolgreich war (während er auch die unteren Ränge grosszügig partizipieren liess).
    Customers first? Sicher, aber dieser Weg führt (auch) über den (kleinen) Mitarbeiter. Behandelt man diese gut, schauen sie gleichwegs den Kunden.
    Ergo nicht wundern, wenn bald unten einige abhauen und das Knowhow mitnehmen. Schon sehr oft bei VT gesehen, wie einer ging und zwei „Börner“ dafür folgten. Den Abgängen hätte man jedoch vorher niemals die gefragten 200 Fränkli mehr Lohntüte gegönnt.
    =Management by smarties.

  6. Zu den negativen Kommentaren zu Strukis. Valor 48102018 auf Roche: Emission Mai 19 bei 3.534, Kurs aktuell 14.33. 48104576 Emission bei 4.10, aktuell bei 26. Gehen Sie Long in Alibaba haben Sie Ticketfee, Börsenabgabe und Umsatzabgabe bei Investition und Exit. Bitte rechnen. Meine Erträge sind steuerfrei, bitte nochmals rechnen
    Für meine Kinder habe ich Val. 464676102 gekauft, Zertifikat auf SMI mit 90% Kapitalschutz. Performance 24%. Keine Ticketfee, keine Umsatzabgabe, keine Börsenabgabe. Exit ohne Kosten. Steuerfrei.
    Viele Grüsse.

    • was hat das mit Vontobel zu tun? Strukis mit Hebel kriegen sie von jeder bank.
      Wenn es in die andere Richtung geht, informieren sie uns dann auch? 🙂

  7. Wie steht es eigentlich um die vollmundig angekündigte Wachstumsinitative des Struki-Geschäftes in Asien? Soweit man in der Branche munkelt, läuft da gar nix – von einem totale Rohrkrepierer ist die Rede…

    • Allein mit diesen zwei Frühstücks-MDR’s (Webr & Von Wattewyl) blieben in Realität die Kosten, den Einnahmen sehr 12 Jahre unterlegen.
      Just wie beim stagnierenden HK-Office … dort kann man Management-Fehlentscheide auch nicht einfach stornieren, weil dies einem Eingeständnis gleich käme.
      Dabei ist egal, wie gut man es rechnen könnte.

  8. Man schaue sich nur einmal dieses Operating Committee an: eine Lachnummer mit hübschen Funktionsbezeichnungen und wenig Neuem. Wirkt alles etwas aufgeblasen und künstlich auf modern getrimmt. Wenn sich gemäss Presse-Fuzzie überdies das Geschäftsmodell mit Strukturierten Produkten nicht ändert, verstehe ich den Totalumbau und den massiven Personalabbau nicht. Die Sache stinkt gewaltig.

  9. Der Umbau des Struki-Ladens von Roger Studer wirft mehr Fragen auf, als Vontobel zu beantworten vermag. Da schlummert eine fiese Bombe im Keller, die hoffentlich nie hochgeht.

    • Wenn das keine Unterstellung sein soll, kannst du uns sicherlich mitteilen in welcher Form die dort „schlummert“?

  10. Gemäss eigener Medienmitteilung vom 9. Dezember 2019 beschränkt sich Vontobel (mit Ausnahme des Asset Managements) nur noch auf die Buy-Side, was nach meine Verständnis bedeutet, dass keine Strukis mehr verkauft werden. Liege ich damit falsch?

    • Kurze Antwort: Ja.

      Lange Antwort: Ja, nachdem sich viele Privatinvestoren die Finger mit Strukis verbrannt haben, versucht man sie jetzt den PKs und Versicherungen anzudrehen.
      Oder die aktuelle, ganz dreiste Version: die Strukis werden als Lebensversicherungsprodukte verkauft – da sind nicht nur fette Margen für den Strukiverkäufer drin, sondern auch fette Margen für den Versicherer.

  11. …..und irgendwann platzt die erste (Struki)Bank, bricht zusammen und zieht weitere mit in die Tiefe!

    Kettenreaktion unvermeidlich….

    • Irgendwann, irgendwo und vielleicht! Bis jetzt gibt es noch keinerlei Anzeichen und das allgemeine Vertrauen in Banken steht und fällt ohnehin ganz allgemein (siehe Kreditkrise zum Beispiel). Da spielt es keine Rolle, ob die Misere aus der Strukti- oder einer anderen beliebigen Ecke kommt.

  12. Skandalös wird es mit diesem Struki-Zeugs vor allem, wenn Banken und nicht wenige Externe Vermögensverwalter, diese Produkte in VV-Mandaten reinbuttern. Da wird abkassiert ohne Ende! Es ist zu hoffen, dass die Retro-Zahlungen zwischen Banken und EAM aufhören und die von ihren Kunden ein faires Pricing verlangen und nicht mit versteckten Gebühren operieren. Banken sollte es zudem untersagt sein, diese Produkte ihren Kunden in disretionären Mandaten in die Portfolios zu legen.
    Natürlich geht es in Ordnung wenn Kunden in einem Advisory solche Produkte nachfragen und kaufen. Sofern sie sie verstehen…

    • Finma…. Das ich nicht lache! Liborzinstrickser Branson ist ja dort Scheff. Passt aber zur Schweiz. Die grössten Nieten sind zuoberst. In Politik und Wirtschaft.

  13. Einmal muss es gewaltig scheppern, es fragt sich lediglich wann! Ich bekomme fast Brechreiz, diese Bänkler leitet offenbar nur eins – die Mitgliedschaft im Club der Selbstbedienungs-Mentalität der Banken-Strasse Zürich.

    • Irgendwann „schepperts“ beinahe auf jeder Strasse einmal. Danke für diesen faktenreichen Kommentar 🙁

  14. Je mehr Risiko. Je grösser die Rendite Möglichkeit. Je grösser die Rendite, je grösser der eigene Bonus. Das Risiko wird ja nicht mit eigenem Geld eingegangen.

    • Wereliwohl trägt schlussendlich das Risiko eines Investments? Ist das jetzt der Herausgeber eines strukturierten Produkts oder der Käufer??? Vermischst da also ziemlich unschön die Fakten. NB Müssen auch strukturierte Produkte mit eigenen Mitteln – je nach Risikoklasse – unterlegt werden, wenn sie in den eigenen Büchern stehen!

  15. Was ist an dieser Entwicklung schlimm? Für mich als alten Aktionär der Vontobel ist das Wachstum im Geschäft mit strukturierten Produkten höchst erfreulich!

    Nirgends sind die Margen auf den Produkten höher als in diesem Segment, böse Zungen behaupten gar dass die Anleger regelrecht über den Tisch gezogen werden.

    Wer weiss, vielleicht ist dem so. Was klar ist: die Gewinne der Bank werden mit diesem Wachstum weiter ansteigen, und damit auch der Kurs meiner Aktien.

    • …die Anleger regelrecht über den Tisch gezogen werden… Ist doch egal, solange die Anleger die dabei entstehende Reibungswärme als Nestwärme empfinden, sind sie dem Berater dankbar für soviel menschliche Zuwendung…

  16. Nach wie vor lassen sich diverse Leute im Umfeld von strukturierten Produkten blenden. Leider sind darunter auch Verantwortliche für Limiten und Risiken, und diese sind sich der Hebelwirkung der Produkte und auch deren Funktionsweise nicht bewusst. Die heutige tägliche Riskikoüberwachung (Kundenseitig und Produkteseitig, intern und auch extern) ist meines Erachtens zumeist ungenügend.

    • Sorry, auch so ein warme Luftkommentar. Selbstverständlich weisen Strukturierte (wie übrigens sämtliche anderen Bankgeschäfte ebenfalls) Risiken auf. Und selbstverständlich lassen sich diese ziemlich genau quantifizieren; zumindest auf der „Produktionsseite“ (Emittent). Wenn allerdings geblendete Investoren auf solche Produkte aufsitzen und deren Funktionsweise nicht verstehen (wollen), ist das eine ganz andere Sache. Allerdings nicht für die Herausgeben!

  17. strukturierte Produkte sind bei jeder Bank ein Stück vom Teufel, da kassieren die Banken viel zu viel, nur Aktien von guten Schweizer Firmen lohnen sich. Damit meine ich nicht CS und Novartis. Die veräppeln die Kunden auch.

    • Diese sogenanten Strukis sind nichts anderes ans Coins mit der Bank als Casinobesitzer. Vor allem die Vontobel hat Ihre Kunden mit den KONSTRUKTEN massiv abgezockt. Da werden Kurse nicht nachgestellt (immer tu Ungusten) des Kunden. Da werden schon von Beginn an schöne Margen eigestrichen. Die Konstruktion der Strukis ist meistens so kopmplex, dass der Kunde sich auf den „Rat“ des Verkäufers verlässt. Falsch- Dieser beachtet nur seinen Gewinn. Das Risiko trägt zu 95 Prozent der Kunde. Ich war als Analyst im Fintech tätig und weiss, wovon ich rede.

    • Auch für dich:
      Erstens frage ich mich diesbezüglich, warum du dann solche Produkte nicht in eigener Regie konstruierst und herausgibst, wenn das so gratis und franko möglich ist.
      Zweitens wäre es viel interessanter, WAS für welche Unternehmen du meinst, als diejenigen die du nicht ansprichst.

  18. Peanuts, es gibt Leute die habe nichts geleistet noch schlechter Investiert als wenn man einen ETF auf den S&P gekauft hätte und dafür bekommen Sie pro Jahr 1000
    Mio

    4 Mio ist ja fast ein Armenbrot, wollen wir Crowdfunden für Zeno den armen?

  19. Gilt fuer alle Struki und nicht nur Vontobel:
    Banken verdienen zuerst 1.5 – 2.%, voellig getarnt.
    Fuer die Plazierung wird dazu „offiziell“ noch 1.% gerechnet.
    Diese Sauereien sollte man nie kaufen, fertig.

    • Ist auch keiner dazu gezwungen; wenn du die Konstrukte in eigener Regie billiger engineeren und rausgeben kannst, nur zu! Du verzichtest ja auch nicht auf den Kauf eines VW Golfs, nur weil da noch 1’000 oder 2’000 Marge drauf sind?