Vontobel: Disaster in the Making

Privatbank hat alles aufs Asset Management gesetzt, das jetzt wegen Massenflucht der Investoren blutet. Verkauft Familie?

Die Vontobel-Aktie war der einzige Qualitätswert unter den bekannten Schweizer Bankaktien. Nun ist der Titel zusammengekracht. Innert Kürze hat er sich praktisch halbiert.

Vom Highflyer zum Highrisk. Grund ist das Asset Management. Dieses bricht ein. Weltweit flüchten die Kunden aus Fonds, gehen in Cash oder Cash-Ähnliches wie Treasuries.

Jetzt rächt sich aufs Heftigste der Entscheid von CEO Zeno Staub und Präsident Herbert Scheidt, voll aufs Asset Management zu setzen.

Sie taten dies im Dezember, also wenige Wochen, bevor der Corona-Hurricane ausbrach. Damals schlossen sie über Nacht die bisherige Erfolgsdivision Investment Banking.

Halb so wild: Wirklich? (Swissquote)

Wir sind ab sofort nur noch auf der Seite des Investoren, lautete das Argument. Keine Interessenkonflikte mehr, wie das im Trading mit der Investmentbank zum Geschäft gehört.

Was überzeugend klang, wird jetzt zum Stresstest. Der geheime Kaiser der Bank Vontobel, Asset Management-Chef Axel Schwarzer, steht laut einem Insider „ohne Kleider“ da.

Nackt in der Ebbe.

Schwarzer war der Shootingstar der letzten Jahre. Nun ächzt seine Division unter hohen Fixkosten. Diese stammen vor allem von den teuren Assetmanagern.

Der nackte Schwarzer (Vontobel)

Vontobel leidet nicht allein. Vorzeigefonds befinden sich weltweit unter gewaltigem Stress.

Das grosse Wallstreet-Haus Goldman Sachs pumpte in diesen Tagen laut Bloomberg eine Milliarde Dollar in eigene Geldmarktfonds, um diese nach einer Massenflucht der Anleger zu stützen.

Der Ansturm ist vielenorts gigantisch. Mehrere Skandinavien-Banken schlossen ihre Fonds, weil sie der Geldflucht nicht gewachsen waren, wie die Financial Times berichtete. Dutzende solcher Fonds „stoppten den Handel“.

Hintergrund sind die Investments der Fonds, die im Corona-Crash einbrechen. Die hochbezahlten Assetmanager hatten auf Triple-B-Firmen gesetzt in der Annahme, diese könnten nicht untergehen.

Nun sind sie über Nacht zum Hochrisiko geworden, entsprechend schiessen die Zinsen hoch.

Das Asset Management der Vontobel ist weltweit mit eigenen Fonds aktiv. Die Division hat das Geld der Kunden in alles investiert, was es gibt: Aktien, Schuldpapiere von Firmen, von Staaten, strukturierte Produkte.

Überall brechen die Dämme, es drohen Verluste und Geldabflüsse – Big Time. Die Erträge sind im Sturzflug.

Als Nächstes löst sich der Gewinn in der Vorzeigedivision auf. Für die Bank Vontobel bedeutet das, dass ihr wichtigstes Standbein wankt.

Das Private Banking hilft in der Krise kaum. Im Gegenteil, die für 700 Millionen gekaufte Notenstein wird möglicherweise auch zur Last.

Wird die Vontobel-Bank zum Übernahmekandidaten? Mit der faktischen Halbierung des Aktienkurses ist das Unternehmen deutlich günstiger zu haben.

Beim gestrigen Schlusskurs von gut 40 Franken lag die sogenannte Börsen-Kapitalisierung – das ist der aktuelle Wert der ganzen Firma – bei 2,2 Milliarden.

Rund die Hälfte der Bank gehört der Familie Vontobel. Diese ist inzwischen weit verzweigt. Entsprechend gehen die Interessen auseinander.

Einige Mitglieder der 4. Familien-Generation leben vor allem von den Dividenden ihrer Vontobel-Aktie. Brechen die jährlichen Ausschüttungen ein, weil die Bank Reserven bilden muss, dann sehen die Erben ihren Lebenskomfort gefährdet.

Sie könnten Kasse machen wollen. Wer käme für einen Kauf der Vontobel in Frage?

Safra Sarasin wäre ein möglicher Kandidat. Die Bank gehört dem ultrareichen Safra-Clan. Dieser hat vor 9 Jahren die Basler Sarasin gekauft – bar aus der Portokasse.

Kommentare

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  1. Kein Wunder, da Vontobel jetzt auch einen neuen Head Corporate Development hat! Jeder der einmal mit Serigos ehemaliger CoS zusammenarbeiten musste, weiss das dabei nicht viel vernünftiges herauskommen wird. Hat anscheinend sie Sergio selbst dort platziert nachdem SKB sie rausgeworfen hat 🙂

    • An Laniel Deone: wenn Du schon sowas schreibst, hab doch den Mut, deinen richtigen Namen zu schreiben und nicht auf einen verweisen, der dies so nie machen würde.

  2. Nur auf der Seite der Investoren zu sein ist eine richtige, sinnvolle und klare Strategie. Das Herumspielen mit Interessenkonflikten – gerne auch noch zusätzlich gehebelt mit widersprüchlichen Anreizsystemen – ist was für die vorgestrigen Schlaumeier unserer Zunft denen man kein Geld mehr anvertrauen wird. Ob die Aktie mal abstürzt oder nicht spielt für langfristige Investoren keine Rolle. Es geht um das Vertrauen. Das ist die Währung der Zukunft.

  3. Es bewahrheitet sich wieder einmal die Weisheit,dass das ganze „Wert“-Papier-Business im Grunde nicht viel anders ist als das Glücksspielgewerbe.Allerdings trifft heute nicht einmal mehr der Spruch „Die Bank gewinnt immer“ zu.

  4. Ob Bär oder Vontobel, UBS oder CS. Die ganzen überbezahlten MD und C-Level-Clowns sollten wieder einmal einen Realitätscheck machen. Momentan arbeiten Krankenschwestern, Pfleger, Verkäuferinnen bis zum Umfallen für einen Hungerlohn. Bekommen einen warmen Applaus – wenn sie auf die Bank kommen werden sie mit Nichtbeachtung und teuren Retail-Lösungen beglückt. Sie sind wichtig, ihr nicht…ihr bekommt viel Lohn (niemand weiss warum).

  5. Die Tage der einst noblen Privatbank Vontobel scheinen gezählt. Zeno Staub‘s Vision vom kundenzentrierten Wealth Manager zeigt sich als das, was sie in Tat und Wahrheit ist: eine abgehobene Schnappsidee. AM-Chef Schwarzer ist in diesem Kontext lediglich ein überbezahlter Schwätzer.

  6. Berichtigung:

    Goldman Sachs pumpte nicht Geld in den Geldmarktfonds, sondern kaufte dem Geldmarktfonds Wertschriften zu einem Abschlag fürs hauseigene Kreditbuch ab. Da das Fed auf der Gegenseite den Kreditmarkt stützt, wird Goldman Sachs auf diesen Käufe wohl sogar Geld verdienen.

    Statt Krisennachrichten, sollte Herr Hässig lieber einmal über die massiven Liquiditätsspritzen ins Finanzsystem berichten und die Tatsache, dass mit diesen wohl das Gröbste verhindert werden kann. Es sei denn man will weiter das Vertrauen der Konsumenten zerstören und damit die Krise herbeischreiben.

    • Nur sorgen die Macht-Eliten dafür und hier ist die Schweiz wie auch die USA politisch so eingerichtet, dass die Konzerne zuerst an den staatlichen Futtertrog der Zentralbanken kommen und nicht die kleinen Leute und schon gar nicht der Steuer zahlende Mittelstand. In den EU-Staaten ist dieses Vorgehen weniger der Fall, da scheinen nicht nur die Konzerne und Banken den staatlichen Futtertrog allein zu beherrschen.

    • War wohl schon ein schwerer Tag der Mühsal (7 Zeilen in IP) für einen Troll? Bleiben Sie gesund.

  7. Panikmacherei,fehlerhafte Berichterstattung, Lügen usw., all das brauchen wir jetzt in dieser schweren Krise bestimmt NICHT! Nehmen Sie sich das zu Herzen – DANKE!

    • Fau Schaufelberger
      Panikmacherei,fehlerhafte Berichterstattung, Lügen usw.
      Ich möchte von Ihnen eine Erklärung Resp. Begründung was an dem von Ihnen Geschriebenen Satz der Wahrheit entsprucht.

  8. Das Asset Management von Vontobel hat in der Vergangenheit zwar beträchtliche Erträge generiert, ist aber jetzt natürlich aufgrund der fatalen Marktentwicklungen brutal abgeschmiert und dürfte sich nun als schwere Hypothek für die Zukunft der Bank erweisen. Der Gruppengewinn wird massiv einbrechen und die üppigen Dividendenzahlungen finden ein abruptes Ende. Scheidt, Staub und Schwarzer stehen in der Tat ziemlich nackt da…