Unispital legt Herz-Sumpf trocken

Strafanzeige gegen Ex-Chef Maisano: System mit Geldflüssen? Rechte Hand des Professors unter Veruntreuungs-Verdacht.

Wie der Tages-Anzeiger heute berichtet, hat die Leitung des Zürcher Universitätsspitals (USZ) bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige gegen ihren Ex-Chef der Herzchirurgie eingereicht.

Als Nächstes wird die Justiz Ermittlungen aufnehmen. Der Beschuldigte, Professor Francesco Maisano, droht laut der Zeitung mit einer Gegenklage. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Mit der Strafanzeige des USZ eskaliert der Fall endgültig. Die Chefs des Unispitals, allen voran CEO Gregor Zünd und Präsident Martin Waser, sind aufgeschreckt.

Nachdem sie davon lange nichts wissen wollten, gehen sie nun gegen ihren scheinbar unantastbaren Herzchef mit dem schärfsten Instrument los: dem Strafrecht.

Hintergrund sind neue Ungereimtheiten, die bei Maisano und dessen Weggefährten an der Zürcher Herzklinik zum Vorschein kommen.

Die vom Tages-Anzeiger genannten Dokumenten-Manipulationen könnten dabei nur die Spitze des Eisbergs sein.

Firmenimperator: Maisano (USZ)

Maisanos Klinikmanager, eine Art Chief Operation Officer der Herzchirurgie, ist letzte Woche nach seinen Ferien nicht mehr am Arbeitsort erschienen.

Ihm wird vorgeworfen, eine hohe fünfstellige Summe missbraucht zu haben.

Ausgehend davon stiessen die neuen starken Kräfte, die den Herz-Sumpf am USZ rasch trockenlegen wollen, auf eine Art System. Bei diesem wurden für interne Besprechungen Kostengutsprachen erstellt.

Die Frage wird sein, ob dies zu Versicherungsleistungen geführt hat. Dem gehen die führenden Aufräumer in der Affäre Maisano jetzt nach.

Es sind dies der Klinikmanager des Bereichs Herz-Gefäss-Thorax, der neue Chef der Herzchirurgie Paul Vogt und der Klinikchef Pneumologie, Malcolm Kohler.

Die drei bilden die zentrale Phalanx gegen Maisano und dessen Vertraute und Supporter. Unter Letzteren gibt es zahlreiche „Cheerleaders“; regelrechte Fans.

Vorne dabei ein Herzchirurg des St.Galler Kantonsspitals (KSSG). Philipp Haager heisst der Arzt. Haager überstellte Patienten nach Zürich zu Maisano, die beiden operierten zusammen am USZ.

Haagers Chefs am St.Galler Spital verfassten Sympathie-Briefe ans Zürcher Unispital, mit denen sie Francesco Maisano das Vertrauen aussprachen.

„Mit unseren beiden Briefen – jenem vom 5. Juni 2020 an den Vorsitzenden der Spitaldirektion des Universitätsspitals Zürich und jenem vom 22. Juli 2020 an den Klinikdirektor a.i. der Klinik für Herzchirurgie – wollten wir gegenüber dem Universitätsspital Zürich unserer Sorge Ausdruck verleihen, dass ein Weggang Maisanos für die Zusammenarbeit in der Herzchirurgie zwischen dem USZ und dem KSSG nachtteilig wäre“, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

„Unterzeichnet haben die Briefe der Spitaldirektor, der Chefarzt der Klinik für Kardiologie sowie die leitenden Ärzte für strukturelle Herzkrankheiten und interventionelle Kardiologie. Die Briefe waren nicht für die Medien bestimmt, weshalb wir uns nicht weiter dazu äussern werden.“

Nach der Strafanzeige der Leitung des Zürcher Unispitals gegen Maisano müssen sich die St.Galler Spitalchefs nun fragen, ob sie sich vorschnell für den abgesetzten Herz-Professor starkgemacht haben.

Die gleiche Frage richtet sich an die bekannte Zürcher PR-Agentur Farner und die Wirtschaftskanzlei NKF. Beide lassen für hohe Entschädigungen nichts unversucht, Professor Maisano öffentlich als Opfer zu zeichnen.

Maisano hat mit langjährigen Weggefährten aus Italien mehrere Firmen gegründet und betrieben.

Nach dem Ausbruch des Skandals, in dessen Zentrum nicht offengelegte Wirtschafts- und Geldinteressen Maisanos stehen, wurden die Sitze solcher Firmen von Zug nach Zürich verlegt.

An die Vogelsangstrasse am Zürichberg. Nicht weit davon entfernt hat auch eine Foundation der Universität Zürich (UZH) ihr Domizil.

Die Rede ist vom UZH Life Sciences Fund. Dieser finanziert zusammen mit Pharma-Multis und weiteren Unternehmen aus der Gesundheitsbranche Startups.

Eines, das in jüngerer Zeit eine stolze Summe vom Uni-Fonds erhalten hat, heisst Occlufit. Dabei handelt es sich um ein zentrales Unternehmen in Maisanos Firmen-Imperium.

In der Occlufit, welche gemäss Handelsregister „die Entwicklung von medizinischen Technologien und Therapien“ bezweckt, sitzen Maisanos engste Vertraute.

Der Sitz der Occlufit an der Vogelsangstrasse ist inzwischen zur neuen Heimat für die anderen Maisano-Firmen geworden.

Darunter die Simulands. „Entwicklung, Erwerb von und Handel mit innovativen Produkten und Patenten sowie Finanzierung und Durchführung von Projekten“, führt sie zu ihrem Business im Handelsregister aus.

Der Sitz der Simulands wurde am 23. Juni von Zug nach Zürich verlegt.

Sitz gezügelt, Seite blockiert (simulands.com)

Die Homepage der Simulands ist inzwischen abgestellt. Unter www.simulands.com erscheint nur noch „Webseite ist nicht erreichbar“.

Die Simulands stellte Simulatoren fürs Training von Herzeingriffen bereit. Sie hatte eine Kooperation mit der ETH, neben der Uni Zürich die zweite grosse – und hoch subventionierte – Bildungsstätte in der Limmatstadt.

Auch die Uni Zürich untersucht die Affäre Maisano. Ihr Life Sciences Fund lobte vor Jahresfrist Maisanos Occlufit, also das Herzstück dessen Firmengeflechts, nach einer Finanzierung in den höchsten Tönen:

„To progress with its development, Occlufit has obtained capital from the UZH Life Sciences Fund (LSF) – a joint initiative of the University of Zurich and the Novartis Venture Fund.“

„Under the expert guidance of Professor Francesco Maisano, Head of the Heart Center of UniversitätsSpital Zürich, the startup’s team comprising Monica Tocchi (CEO), Andrea Guidotti (COO) and Amir Gross (CFO) will now proceed with developing and designing their device to treat patients with a minimally invasive percutaneous approach to prevent heart failure and stroke.“

Frau Tocchi und die Herren Guidotti und Gross sind die zentralen Figuren, die rund um Maisanos Unternehmen immer wieder auftauchen.

Eine weitere Untersuchungs-Baustelle könnten die CAS Kurse von Maisano und dessen Vertrauten werden. Diese fanden in Räumen der Universität respektive des Spitals statt, sie kosteten über 10’000 Franken pro Teilnehmer.

Die Gebühr zahlte vermutlich in der Regel jener Bereich im Unispital, von dem die Leute an die CAS-Kurse geschickt worden waren. Die Frage wird sein, wo das viele Gebührengeld landete und wer davon profitierte.

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Kommentare

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  1. Diese Herren stehen bereits wieder in den Startlöchern und freuen sich wie Kinder wenn die Krankenkassen die Prämien weiter erhöhen um den Halbgöttern in weiss den Oblulus zu überbringen.

  2. EIGENTLICH müsste die Entlöhnung je nach Arbeitgeber unterschiedlich sein: je mehr Renommee desto tiefer das Salär. Denn schliesslich generieren zahlreiche Führungskräfte hohe Erträge für die Unternehmung nicht aufgrund ihrer Fähigkeiten sondern aufgrund der Reputation der Unternehmung. Dies gilt sowohl für die Grossbanken als eben auch für das USZ.
    Ansonsten gilt aber auch hier: Kosten der Gesellschaft überbürden, Erträge privatisieren … die Kosten für die Ausbildung der Ärzte möglichst der Gesellschaft überlassen, während die daraus resultierenden Lizenzen zu privaten Einnahmen führt.
    So wäre dann der Liberalismus / Kapitalismus doch nicht gedacht.

  3. Offenbar leben die Leute in St. Gallen in der Steinzeit. Man muss im 21. Jahrhundert nämlich damit rechnen, dass jeglicher Schriftverkehr in den Medien auftauchen kann. Wer sich dann überrascht zeigt, beweist sein Hinterwäldnertum.

    • St. Gallen hat Filz in seiner DNA. Das sah man bei Raiffeisen, und nun beim Fall Maisano wieder.

  4. warum kann man keine artikel mehr ohne „es gilt die unschuldsvermutung“ lesen? das ist doch ein nutzloses feigenblatt, wenn man schreibt, xy soll betrogen haben und dann es gilt die unschuldsvermutung. entweder schreibt man nicht, dass xy betrogen haben soll oder dann schreibt man’s und steht aufgrund der recherche dazu und lässt das mit dem unschuldsvermutung weg, denn die gilt ja sowieso von gesetzes wegen. so sieht es aus, als ob die zeitung schon beim schreiben zugäbe, dass das alles verleumderisch sein könnte, was sie schreibt, sie schwächt freiwillig ihre glaubwürdigkeit.

  5. Egal welcher Kommentar hierzu richtiger oder falscher ist. Auch die Politrichtungen – links, rechts, grün, liberal usw. – spielen hierzu keine massgebliche Rolle mehr.

    Diese üble Geschichte stinkt nach bombastischem Sumpf. Es ist zudem zu vermuten, dass derartige hinterhältige und für Wenige sehr einträgliche Geschäftskonstrukte noch an anderen Orten munter ihr Unwesen treiben. Wo ist die Schweiz nur gelandet???
    Würde auch mal die beruflichen Zeugnisse der Involvierten genauer überprüfen. Diese Herrschaften scheinen ja im Sumpf passender zuhause zu sein, als in der Medizin.

    • Das haben Sie wirklich auf den Punkt gebracht.
      Zu ergänzen wäre, dass diese Selbsbedienungs-Mentalität seit den diversen Verselbständigungen – sprich Privatisierungen – entstanden ist.

  6. Das wäre eine Aufgabe für Klaus Stöhlker, der kann doch alles und hier ausmisten wäre ein Klacks für ihn. Dann hätte er keine Zeit mehr für seine Plauderstunde im IP.

    • Hervorragende Idee. Dann könnte er sich endlich wieder einmal einem neuen Thema annehmen. Würde nicht schaden.

  7. Richtigstellung: Die Simulands Webpage ist nach wie vor voll funktional und zugänglich (www.simulands.com). Wir haben lediglich vergessen, die Adresse des neuen Firmensitzes aufzudatieren.

    • Dein sinnfreier Kommentar wäre auf Tiktok besser aufgehoben – obwohl Tiktok in China gesperrt ist.

  8. Einmal mehr wird der Tages-Anzeiger mit vertraulichen Unterlagen aus der Führungsetage des Unispitals gezielt angefüttert. Ein Zufall, dass der ehemalige SP-Stadtrat Waser und jetzige Spitalratspräsident auf dasselbe Muster zurückgreift, wie es schon seine Parteigenossin Aeppli im Fall Mörgeli erfolgreich praktizierte? Wenn es darum geht, jemanden medial fertigzumachen, haben die ZH-Linken eine Standleitung zur Tagi-Redaktion.

    • Zum Glück gibt es Publikationen wie Inside Paradeplatz, die WoZ, Republik und Tagi, die derartige Machenschaften aufdecken.

    • Lassen Sie doch das dümmliche Links-Rechts-Schema!
      Hier läuft eine Strafuntersuchung – schlimm genug, dass es soweit kommen musste – und jetzt soll eben untersucht werden –
      Resultate zutage gefördert werden.
      Oder anders rum: gehören Sie zum Rechts-Filz?
      Hier ist im Uebrigen der Ausdruck Filz eventuell eher angebracht.
      Es geht ja um Geld, das die Linken eigentlich nicht haben…

  9. Da kommt die Feuerwehr 🚒 reichlich spät.

    Es brennt längstens an allen Ecken im USZ, wo Götter in Weiss ein paradiesisches Wirkungsfeld der Selbstbedienung angerichtet haben.

    Pharma-Farner-NKF, die drei Säulenheiligen, stets bei Tisch wenn es gilt am unersättlichen Reibach Teil zu haben.

    Dass dabei die Krankenkassen und die Millionen Prämienzahler in der Schweiz das Nachsehen haben ist beabsichtigt, ja System relevant.

    Man nehme einen Italiener und sein ein-geseiftes Team und die Kür läuft über Jahre wie geschmiert! Bella Svizzera 🥶.

    Das USZ Zürich könnte und müsste nun eine Vorreiter-Rolle spielen, den schweizerischen Spital-Sumpf trocken zu legen.

    Gregor Zünd hat das Format als auch die Courage das Netzwerk , gegen alle Anfeindungen, ein für allemal zu entsorgen.

    Andiamo….

    • Das sehe ich leicht anders: Gregor Zünd ist schwach, Sackschwach. Längst hätte er durchgreifen, ein Machtwort sprechen und den Sumpf trocken legen müssen.

      Aber was macht der Apparatschik aus Herrliberg? Abwaren und Tee trinken. Schade um die Reputation des USZH.

      Bei der Selektion und Überwachung von Ärzten mangelt es dem USZH seit Jahren an der nötigen Sorgfalt. Der nächste Fall kommt bald an die Oberfläche ….

    • Soso – Gregor Zünd als Retter?
      Für Aussenstehende ist er eher Mitläufer, für Groopies natürlich der Retter…

  10. So so, die Herren der Chefetage sind nun aufgeschreckt..!? Es ist doch bei allem so, man wartet ab bis zum geht nicht mehr! Leider auch in diesem Fall. Es gibt noch zahlreiche andere Dinge und Missstände, wo die Chefetage Bescheid weiss aber nicht reagiert! Es muss halt immer zuerst eskalieren.

  11. Ob die Begeisterung über M., die trotz der mancherorts anzuhalten scheint, allenfalls mit gewissen Kickback-Zahlungen (juristische Bezeichnung: „Privatbestechung“, Art. 322 StGB) zusammen hängen könnten?

  12. Im Spital-Bereich muß viel mehr Transparenz und Kontrolle her.

    Beim Kantonsspital Graubünden in Chur will die Leitung nichtmal bekannt-geben was sie an Geld erhält.

    • das passt bestens zum Korruptionsskandal im Bauwesen!
      Der Kanton Graubünden scheint mit Korruption durchfilzt zu sein

  13. Schon klar, dass LH nicht zurück kann, nachdem er sich früh festgelegt hat in der Sache. Nur: Dieses Mal liegt er halt auf der falschen Seite der Geschichte. Wer’s nicht glaubt, dem sei die Schrift von Niederer Kraft Frey herzlich empfohlen: https://res.cloudinary.com/deep-impact-ag/image/upload/v1594284474/medinside/Stellungnahme_Francesco_Maisano_zum_Bericht_Walder_Wyss_bujgb3.pdf
    Da fallen dann die Vorwürfe von IP wie ein Kartenhaus in sich zusammen. – Aber ja, man müsste halt etwas Zeit ins Lesen investieren.

    • Och Frau Nina. Gelinde ausgedrückt: Reichlich naiv. Gerechtigkeit lässt sich leider durch einseitige Parteigutachten weder herbeiführen noch kaufen. Schon gar nicht mit einem 123 seitigen für über 100 000.- von NKF (wahrlich keine Mediziner dort und nur noch B-Liga bei den sehr guten Juristen). Lassen Sie mich doch einfach raten: Im 1. Semester Jus und noch „Träume“? Oder doch eine Stimme aus der Kommunikationsabteilung von Niederer Kraft ?
      Die 123 Seiten kann man sich sparen, die Strafanzeige hat die Sache bereits „erledigt“.

    • Aha – hab gar nicht gewusst, liebe Nina, dass eine Parteischrift
      einfach so als neutral hingestellt werden kann?

    • der erste fehler ist, dass keine regel bestand, nach der interessensbindungen offengelegt werden müssen.

      der zweite fehler, dass dies offenlegung nicht freiwillig geschah.

      darum gibts nun den schlamassel.
      selber schuld.

    • Entweder man nimmt sich Zeit, um irgendwelche Stellungnahmen zu lesen oder man hat einfach eine klare Haltung und Ethik, was von einer Führungsperson zu erwarten ist. Jeder Arzt in leitender Position füllt seinen 14 Stunden Tag sehr gut, wenn er sich um die medizinische Qualität, die Führung der Mitarbeiter, Forschung und Lehre kümmert. Dafür erhält er einen adäquaten Lohn. Wenn man dies seriös macht, ist gar keine Zeit da, um parallel diverse Firmen aufzubauen. Die Frage ist nur noch, ob es ethisch verwerflich ist und war oder ob es ein Straftatbestand ist und wer alles weggeschaut oder profitiert hat. White collar crime at it’s best.

    • … dann können Farner, NKF sowie Hr. Maisano ja beruhigt sein. Also die beiden erstgenannten Parteien ohnehin: die stellen ja Rechnung unabhängig vom Ausgang.

      Mit der Einreichung der Strafanzeige wird schon ‚mal ein erster Schritt in Rechnung Aufklärung getan; wenn denn die Staatsanwaltschaft die Angelegenheit „an die Hand nimmt“.

    • @Zurückindie Realität. Danke für die Unterstellungen. Im Gegensatz zu Ihnen versuche ich indes, mir aufgrund von Fakten ein Bild zu machen und nicht von Gerüchten, Vorurteilen oder der Frustration über die eigene traurige Existenz. Mich interessiert weniger, ob ein Gutachten von einer Partei kommt oder nicht, sondern ob es substanziell nachvollziehbar ist, indem es Behauptungen belegt und plausibel argumentiert. Aber gut, wenn Sie es besser wissen, ohne die Fakten zu studieren, dann herzliche Gratulation, Sie Genie!