Gujer beschädigt die Marke „NZZ“

Unter der Ägide des Chefredaktors verliert die wichtigste Zeitung des Landes ihre Einzigartigkeit.

Der brillante Frontseitenkommentar vom vergangenen Samstag kann nicht der Grund für die Entfernung von Peter Fischer von der Ressortleitung sein.

Wie eigentlich immer bei der „NZZ“ werden wir „es“ von andern Medien erfahren. Die erste Info erfolgte ja nun mal schon heute früh.

Lassen Sie mich etwas spekulieren: Peter Fischer wird wohl das eine und andere seines Ressorts für einen grob (in doppeltem Wortsinn) dreinfahrenden Chefredaktor etwas zu hartnäckig verteidigt haben.

Jetzt kommt einer, der wahrscheinlich eher spurt.

Am schon beinahe als unverrückbar bis „heilig“ geltenden Prinzip der auch im journalistisch-publizistischen Sinn starken, ja die Zeitung prägenden Ressortschefs wird gerüttelt.

Für die Aufrechterhaltung der hohen bis einmaligen Standards in ordnungspolitischen Fragen verfügt das Wirtschaftsressort neben dem bisherigen Chef über weitere, erstklassige Kenner und Könner. Wobei ich mir erlaube, in erster Linie Thomas Fuster zu nennen.

Ich füge aber bei, dass es Leuten von seinem Kaliber unter der jetzigen, obersten journalistischen Leitung möglicherweise in der Magengrube etwas rumort. Empathie ist offenbar für Eric Gujer ein Fremdwort.

Mein pauschales Gesamturteil: Unter Gujers Leitung wird die „NZZ“ andern ähnlicher. Ich hätte mir seit Jahren das Umgekehrte gewünscht. An den finanziellen Mitteln allein kann dies nicht liegen.

An Peter Fischer gehen meine besten Wünsche.

Kommentare

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  1. Peter Fischer wird vom Leiter der Wirtschaftsredaktion zum Chefökonomen der NZZ Mediengruppe aufs Abstellgeleis wegbefördert, indem man eine neue Position geschaffen hat. Es gab ja keinen Grund, ihn zu entlassen, aber mit Strategie-schärfung hat das nichts zu tun, wie die NZZ im Communiqué schreibt. Und Kosten lassen sich damit auch nicht einsparen. Aber es bedeutet, dass die NZZ erkannt hat, dass die NZZ am Sonntag immer mehr in den Boulevard-Stil abgedriftet ist. Einen NZZ freien Sonntag mag man jedem Abonnenten gönnen, es gibt ja zur Abwechslung auch mal Konkurrenzprodukte.

  2. Nein, der NZZ verliert nicht sein Einzigartigkeit, im Gegenteil. Die traditionelle abgehobene Arroganz wurde unter Dr. E. Gujer noch akzentuiert. Märssi.

  3. Wo begann eigentlich der politische Abstieg der NZZ? Natürlich ist es mit Aufkommen der neuen Medienformate und der verstärkten Bedeutung des Lokalen in der Zürcher Region, war es für eine Zeitung wie die NZZ, die wie Le Figaro oder die Frankfurter Allgemeine, eine Elite-Zeitung ist, schwierig die Auflagenzahl zu erhalten. Unsere Elite ist wohl kaum mehr fähig einen etwas längeren Artikel mit anspruchsvoller Logik zu lesen.
    1992 hat die NZZ unserem angeblich Nationalhelden B. den EWR in der Abstimmung knapp zu versenken. Die NZZ war immer eine liberal-konservative Zeitung, aber da hat sie sich voll in einen konservativen Sumpf begeben, der auf eine Anti-EU Haltung und besonders Anti-Euro-Haltung beharrte. Sie will es nicht sein, aber sie ist es trotzdem, eine Weltwoche der gehobenen Ansprüche. Die Leser der Weltwoche brauchen keine Belehrung, sie brauchen nur Bestätigung. Solche Leser wünschen in der NZZ
    keine Differenzierung mehr, sonst kündigen sie das Abo. Damit hat die Elite-Zeitung NZZ, Leser auf der ganzen Breite verloren und ihre Berichterstattung ist nicht mehr allgemeines Gespräch der Eliten. Die Schweizer Machtelite der Wirtschaft liest Financial Times und Bloomberg. Die Macht- und Funktionselite liest für allgemeine Themen die bekannten Deutschen und vielleicht zusätzlich die New York Times.
    Abgesehen hasst die NZZ investigativen Journalismus oder er ist zu kostspielig. Als Wirtschaftsblatt ist sie vollständig in der Hand der Schweizer Nationalbank und der Economiesuisse. Wer dort den Marschbefehl abholen will, kann es in anderen Medien billiger machen.

    • Die Schweizer Machtelite hängt am mobile phone und lässt, mangels eigenem Vermögen, schreiben. Die echte Elite, aller Couleur, liest das Blatt, Noch etwas: Haben Sie beachtet, wie massiv ausgedünnt die Financial Times seit einiger Zeit daherkommt ? Man kann sie beinahe in die Hosentasche stecken. Die Wirtschaftsberichterstattung der Süddeutschen Zeitung ist schmalbrüstig, und bei der New York Times haben die Moralisten und Zeitgeist-Surfer übernommen. Ein Tipp: Wer ein halbes Dutzend Spitzen-Wirtschaftsjournalisten in englischer Sprache lesen will, ist sehr gut beraten, sich das Online-Abo für den „Daily Telegraph“ zu leisten. Das Blatt ist als konservativ abgestempelt. In wirtschaftspolitischen Fragen ist es auf der Stufe der FAZ und der NZZ. Trivial-Keynesianer wie in der immer noch hoch gelobten FT gibt es beim Telegraph nicht.

    • Es gibt in Deutschland keine Zeitungen mehr, die lesenswerte Inhalte anbieten. Die FAZ als eine Zeitung für „Eliten“ zu bezeichnen ist eher eine Beleidigung für den Elitenbegriff, was auch immer „Elite“ sein mag. Bisher ist die NZZ nach meiner Meinung die beste deutschsprachige Zeitung mit Hintergrundartikeln, von denen man bei bundesdeutschen Zeitungen nur träumen kann,ich kann nur hoffen, dass das so bleibt. Neutraler, inhaltlich gut aufgearbeiteter Journalismus wird nur in der Financial Times angeboten, neutral, distanziert und inhaltlich grossartig. Zum Glück ist es Döpfner nicht gelungen, die FT für den Springer Verlag zu kaufen, es wäre eine ähnliche Katastrophe geworden wie der Kauf des Wall Street Journals durch den unsäglichen Rupert Murdoch, dessen Geschöpfe neben Tony Blair auch Donald Trump sind, wie peinlich.

  4. Vielleicht sterben einfach nur die NZZ Leser aus. Die Zeiten von Rainer E. Gut und Walter Kielholz sind vorbei. Und darauf fällt auch niemand mehr herein. Selbst in der Swiss Re ist „Oncle“ Walt nur noch eine Karikatur seiner selbst. Ist nur noch eine Belastung für die Firma. Die Jungen interessiert die NZZ weder zum Lesen noch aus «Prestigegründen kaufen» nicht.

  5. Als abonent seit uber 45jahren hat sichdie NZZ inhaltlich
    Gewaltig geandert besoders in politischen Inhalten
    Wenn Wily Bretscher sehen konnte was aus der NZZ geworden istwurde er sich im Grab umdrehen

  6. Es steht schlecht um die NZZ. Letzthin durfte sich der Pfau Frank A. Meyer auf einer ganzen Seite produzieren.
    Wenn die NZZ dieses selbstverliebte Gedöns als relevant erachtet… muss man das Abo schlicht künden. Unwürdige Zustände.

    Vielleicht ist FAM ein Freund von Gujer?
    Fast nicht anders erklärbar.
    R.I.P, NZZ-Feuilleton.

  7. Im Einheitsbrei der fünf grossen deutschen Medien-NATO-Berichterstatter, hat sich die NZZ weit über die Landesgrenzen eine Lesergemeinde erarbeitet.
    Mir würde es sehr gefallen, eine kritische Zeitung mit fundierten Berichten zu kaufen.
    Dazu müssten einige der bestehenden politische Leinen gekappt werden. Zudem kosten Recherchen viel Zeit und damit Geld.
    Beides wird, ob dem Zeitgeist, Utopie bleiben.

  8. IP bitte Recherche – Schaffen Sie das?: Eric Gujer

    Am Anfang stand eine Aussage, deren Brisanz eine Redaktion nicht erkannte.
    Und am Ende steht ein NZZ Chefredaktor mit vielen Fragezeichen.

    https://www.woz.ch/-5e52

    Nr. 20/2015 vom 14.05.2015

    MEDIENTAGEBUCH
    Wächter oder Berater
    Carlos Hanimann über die NZZ und den Geheimdienst

  9. Hier äusserst sich ein entschlossener Anarchist. Aber die Besten von denen hatten auch Substantielles beizutragen. Mehr als nur lauwarme Abluft.

  10. Gleichschaltung mit und Anlehnung an den Zeitgeist führen ins Abseits. Die Geschäftsleitung der NZZ darf die Unabhängikeit der Ressortleiter in der Berichterstattung nicht den abstrusen Vorstellungen ihres Chefredaktors unterstellen und opfern. Eine Korrektur ist notwendig um den weiteren Niedergang zum journalistischen Einheitsbrei zu unterbinden.

  11. Ja, ja, Herr Stöhlker hat halt doch recht, wir rutschen mit Allem in die Mittelmässigkeit ab, oder noch tiefer. . Medien schreiben, mit einigen Ausnahmen, im gleich modulierten Stil und Bashing ist Trumpf, die politischen Parteien sind fast alle mehr oder weniger im Spezialdemokraten – oder Grünen Rayon zuhause und die CVP reduziert sich (verdienter weise) auf einen Punkt in der Mitte, von der Bundesverwaltung ist, trotz überdurchschnittlicher Entlöhnung auch nichts schlaues zu erwarten und…und

    • Ja der Stöhlker istb schon lange unter der Mittelmässigkeit und die Kritik an der NZZ haltlos.

  12. Gujer hat leider gar keine Empathie. Jeder der ihn kennt, weiss das.

    Gujer ist nicht am Ruf der NZZ interessiert, davon hat er null Ahnung. Intern geht es hoch politisch zu und her und nur wer politisch gefällt, macht Karriere.

    Die alten Hasen sind immer noch die arroganten Schreiberlinge und haben sich kein bisschen entwickelt. Von der Kanzel herablassend, so sind sie, obwohl sie nicht wirklich viel mehr wissen, als gut informierte Privatpersonen. Ich staune teilweise, wie schlecht diese Journalisten informiert sind.

    Die NZZ ist nur noch langweilig. Der Süddeutschen oder FAZ kann sie das Wasser inhaltlich niemals reichen. Das hat aber mit Leuten wie Gujer und seinen Ressortleitern zu tun, die unbedingt der politischen Couleur der Zeitung folgen müssen. Schön brav staatstreu, konservativ, wenig aufregend, nicht für die jüngere Generation geeignet und ebenso wenig innovativ was die Digitalstrategie anbelangt.

    Von der NZZ werden wir nicht viele Neues sehen in den nächsten 10 Jahren. Zu starr sind die Strukturen und zu gross die Egos.

    • In der Wirtschaftsberichterstattung, insbesondere, hat die Süddeutsche Zeitung keinen Stich gegen die NZZ.

    • @ N:Z:Z

      Süddeutsche Zeitung, im Volksmund Süddeutscher Beobachter besser noch als Alpen-Pravda bekannt.

      Wenn die Vorbild für die NZZ sein soll, dann guten Abend Abendland. (S. weiter unten).

    • @Heini

      Warum sind deutsche Medien, in der „Liga“ NZZ besser? Weil diese Journalisten viel viel viel neugieriger sind als unsere und vorallem unendlich viel weniger arrogant. Mehr Arroganz als bei der NZZ, geht schlichtweg nicht.

      Aber die werden schon noch merken, wenn sie auf der Strasse stehen und noch ein paar Jahre bis zur Pension haben, dass sie keine grossen Chancen mehr haben. Schreiben können viele aber viele sind heute neugieriger und viel schneller als die NZZler. Die News die ich dort lese, kenne ich spätestens schon am Vortag aber meistens viel früher.

      Aber eben, wenn Gujer nicht will, wird die Zeitung leider keine grosse Chance haben. Wer sich nicht der Zeit anpassen kann und alle belehren will, bleibt am Ende stehen und schaut zu, wie der Zug von hinten aussieht.

  13. Gujer live SRF

    Ja, der wirkt hart und seine Augen fangen jeweils an zu Blitzen und das Gesicht wird starr, wenn ihm eine Antwort oder ein Kommentar nicht passt.

    Seine Einstellung zu Deutschland (Anbiederung) und Russland (alte Schule) sind jedenfalls klar und transparent.

  14. Eine NZZ ist ein wandelnder Leichnam. Wer liest so ein veraltetes, provinzielles, von Werbesponsoren und Politikern abhängiges Medium noch ? Lange nichts Substantielles mehr in diesem Blatt gelesen, aber Verteidigungsreden für den Status Quo. Heute gibt es Blogger in allen Erdteilen. Weg damit.

    • Man merkt, dass Sie das Blatt seit langem nicht mehr lesen.’Provinziell‘ ? So ein totaler Schwachsinn eines Konsumenten von Gratis-Schrott.

  15. Es tut mir immer Leid, wenn jemand irgendwo gehen muss. Und ich wünsche Herrn Fischer nur alles Gute.

    Aber was die NZZ-Wirtschaftszeitung bietet ist doch wahrlich pitoyabel: Da trägt Herr Fischer nur zum Teil Mitschuld. Tatsache ist doch: Die Meinung, welche die NZZ zu verbreiten hat, wird von oben diktiert. Die Journalisten der NZZ lassen sich zu Statisten degradieren.

    Die SNB ist u.a. zum Sprachrohr der SNB verkommen. So eine Zeitung brauchen wir nicht. Die Medien sollten die 4. Gewalt sein im Staat – staatskritisch.

    Die NZZ tritt ihre eigene Pflicht mit Füssen.

    Ob es jetzt besser wird?

    SNB-Beobachter, Marc Meyer, Dr.

  16. Der Verwaltungsrat der NZZ hat die alte Tante entmündigt und somit die Redaktion. Herr Gujer wird wohl das ausführen, das ihm befohlen wurde. Möglich, dass der VR Kasse machen will und die schöne NZZ-Liegenschaft an einen chinesischen Hedgefond verscherbeln könnte, dazu braucht es eine zahme und willige Redaktion, die alles schluckt. Auch möglich, dass die NZZ eines Tages „Rote Fahne“ heissen könnte. Fresssucht verändert die Schweiz.
    Gunther Kropp, Basel

    • Hat sich Herr Kropp seinerzeit für eine eigenständige „BAZ“ stark gemacht ? Mir ist davon nichts bekannt. Jetzt haben sie dort eine „tagibaz“. Von Zürchern geprägt. Schande für das sich gern so weltoffen gebende Basel.

    • @jean-marie Merle
      Wie es scheint, sind Ihnen meine Leserkommentare nicht bekannt, als die BaZ zum Objekt der Begierde von Moritz Suter und seinem Herren Christoph Blocher wurde. Wie man hört, konnte Herr Blocher erfolgreich die BaZ Immobilien in Kohle umwandeln und so beim Tagi gelandet ist – mangels Masse. Bekanntlich war die Basler Lonza auch ein ertragsreicher Blocher-Goldesel

  17. Ich wiederhole mich ungern aber wenn’s sein muss: Der Mainstream ist total links und von denen gibt es kein Geld. Da hilft höchstens noch der Staat (bzw. die Lobby)

    „Wer nicht mit der Zeit geht der geht mit der Zeit!“ So auch die NZZ.

    Siehe: Veränderungen der deutschen Medienlandschaft
    https://ef-magazin.de/2020/09/13/17520-veraenderungen-der-deutschen-medienlandschaft-die-alpen-prawda-und-der-neue-faschismus

    oder: auch zur Alpen-Prawda
    https://www.welt.de/wirtschaft/article215713834/Redaktion-der-Sueddeutschen-Zeitung-fuerchtet-Jobabbau.html?cid=onsite.onsitesearch