Giga-Abschreiber bei Bär wegen Italo-Kairos

Altlast aus Ära Collardi lastet immer schwerer auf Bank. Die wird nur 30 Prozent los, muss weitere 190 Millionen abschreiben.

Die Julius Bär-Führung unter Philipp Rickenbacher frohlockt heute früh in ihrer 9-Monats-Resultatmeldung. Steigende Kundenvermögen, 4 Prozent Neugeld, tiefere Kosten.

Klingt gut. Doch dann folgt der Hammer. Für Kairos, den italienischen Vermögensverwalter aus der Zeit von Vorgänger-CEO Boris Collardi, muss die Zürcher Privatbank massiv Geld zur Seite legen.

Von den ursprünglich investierten rund 500 Millionen Franken hat die Julius Bär inzwischen fast 300 Millionen Franken abgeschrieben.

Statt Mega-Investment Giga-Grab.

Man sei vom geplanten Voll-Verkauf definitiv abgerückt, heisst es heute. Nun halte eine „ausgewählte Anzahl wichtiger Investment-Manager von Kairos“ eine Minderheitsbeteiligung.

Selber bleibe man mit 70 Prozent Mehrheits-Eigentümerin, so die Bär in ihrer Mitteilung. Es würde rasch ein neuer CEO bestimmt, der Kairos voranbringen soll.

„Mit diesen Schritten ist nun eine solide Grundlage für einen neuerlichen und nachhaltigen langfristigen Erfolg von Kairos geschaffen“, zeigt sich die Bär überzeugt.

Richie The Knife (IP)

Der Preis für den Neuanfang ist gigantisch. Die Julius Bär muss für das laufende Jahr einen Abschreiber von 177 Millionen Euro vornehmen. Das entspreche rund 190 Millionen Franken, so die Zürcher Bank.

Begründung: Die „Amortisation des verbleibenden Werts der Kundenbeziehungen aus dieser Investition in Kairos“ würde nun „beschleunigt“ vorgenommen.

Die 190 Millionen kommen zu früher erfolgten Abschreibern hinzu.

Ende 2018 hatte die Bank insgesamt 317 Millionen Goodwill für die ganze Kairos ausgewiesen.

Ein Jahr später gab sie dann einen ersten Abschreiber bekannt, damals reduzierte sie den Goodwill um 99 Millionen.

Von den übrig gebliebenen 218 Millionen verschwinden nun also weitere 190 Millionen. Damit schmilzt der Kairos-Goodwill zu „Peanuts“.

Ein Ende mit Schrecken. Der reicht an die Substanz. Die Julius Bär hat kürzlich frisches Kapital aufgenommen.

Das Investment in Italien geht auf Boris Collardi zurück. Unter der Führung des Ex-Chefs erwarb die Bank im 2013 eine erste Tranche von knapp 20 Prozent.

Geschätztes Investment dafür: 90 Millionen Euro.

Arrivederci (IP)

Drei Jahre später erhöhten die Zürcher ihren Anteil am italienischen Investment-Manager auf 80 Prozent.

Für diese Tranche legten sie 276 Millionen Euro auf den Tisch der Italos, wie dies die Bank nun offenlegte.

Anfang 2018, wenige Wochen nach Collardis Absprung zur Genfer Pictet, erwarb Bär schliesslich den Rest. Dafür berappte die Bank 96 Millionen Euro.

Total ergibt das über 460 Millionen Euro, was rund einer halben Milliarde Franken entspricht.

Anfang 2018, als sie die letzten 20 Prozent an Kairos erwarb, zeigte sich die Bär-Führung begeistert.

„Kairos delivered an excellent performance in 2017“, schrieben die Verantwortlichen damals.

Daraus ist einer der teuersten Flops in der Geschichte der führenden Privatbank des Landes geworden.

Kommentare

Kommentieren

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Benötigte Felder sind markiert. *

  1. Schnapsidee von Vonto(u)bel in eine Spaghetti EU-Steuerhöllenbank zu investieren! Shot in the own knee!
    Bravo EU Hyperbürokratie lässt grüssen!

  2. Bär ist doch längst ein Übernahmekandidat, kann man zum Spotpreis erwerben. Diese Bank hat alleine keine Überlebenschance mehr.

  3. Everything Collardi bought turned into a money and soul sucking black hole. Starting with Merrill Lynch. Turned a decent family owned bank into a casino bucket shop. Just look at Julius Baer London and you will realise what a pot of animal waste it is.

  4. Lasst doch weiterhin aus Gründen der Politischen Korrektheit, all dies zugwanderten Dummschwätzer und „chip on the shoulder“ Secundos unsere Unternehmen kaputt machen. Es scheint keine brauchbaren Schweizer Manager zu geben!

  5. Ich erinnere mich noch wie yves de Bonzon im Meeting mit allen Latam Beratern gross posaunte das Kairos das Beste ist was JB hat. Eine Perle!
    Kurz darauf kam eine sales Campaign für Kairos Produkte mit extra Retro Bonus für die Berater wenn X Betrag verkauft würde innert Zeit Y.

  6. Die Italo Weisswestengangster bereichern sich schamlos, der Hodler stocherte im Nebel und verstand gar nix und der Secondo aus dem Süden dealt jetzt bei den Calvinisten bis kurz vor dem nächsten Kracher, dann kann er ja zum Rothschilld, er weiss ja jetzt wo Genf liegt

  7. Fairerweise muss man sagen, dass die JB unter Collardi auch einige gute Übernahme-Deals abschliessen konnte.
    Im M&A ist es am Ende immer eine Mischrechnung, ein guter Teil der Deals scheitert.

    • @profi, weiss dann nicht ob mit all den klagen und geldforderungen (stischwort steuern und ich denke da kommt noch anderes), einerseits die reputation der jb nicht doch mehr schaden genommen hat, als – wie von ihnen erwähnt – die „guten deals“ eingebracht haben.

    • Ob die Kunden in Ihren Portfolios auch so gute Performance haben wäre noch interessant…oder ist der Gewinn der Bären eher Marktbedingter (=ausweitung Margen zu lasten Kunden) ein Windfall Profit?

  8. Es hat doch System, dass in den Chefetagen der Schweizer Banken Leute eingeschleust wurden, die den hiesigen Banken grosse Schäden zufügen.
    Dies dürfte wohl nicht nur auf die Banken zutreffen, sondern auch auf Unternehmen ausserhalb der Finanzbranche.

  9. Wenn JB interessiert wäre, könnte ich mein AM, das ich für einen befreundeten Handwerker und seine CHF 650k mache, für läppische 16Mio verkaufen. Interessiert???

  10. Collardino ist ein Paradebeispiel, wie heute Reich und geehrt wird in der schweizer Finanzbranche. Nicht wie Stöhlker unter schreibt mit Schweisss und viele Arbeit, sondern mit tricks und Manipulation. Kann man ein Buch schreiben “ the great swiss gatsby“ …leider war de Vincenzino ein andere, aber nicht so schlau…
    Das ist unsere “ Top – Management“ heute, die ehrliche back und die anderen am front…

  11. Collardi und Hodler waren und sind Nieten. Aber schön, dass die gesamte Geschäftsleitung totz dieses Desasters immer fröhlich Bonus bezogen hat.

  12. Unverkäuflich !

    Super – Abschreiber, alles verursacht durch Collardi, wird durch Kapitalaufnahme buchhalterisch ausgeglichen. FINMA geregelt und abgesegnet?

    Wo überall noch Collardi-Goodwill drin steckt wissen vermutlich nicht mal die „Götter“ . Fingerzeig für die ganze Branche und Pictet besonders: Schaumschläger schäumen bevor sie vertrocken und dabei alles verzocken!

    • Die Kommandobrücke ist das eine, aber (ganz wesentlich) der Verwaltungsrat das andere! Dieser hat offensichtlich AUCH nicht seine Pflichten erfüllt!
      Die Aktionäre sind in Schutz zu nehmen, denn diese haben nicht immer den Durchblick und die gleichen Informationen wie die Verwaltungsräte und Geschäftsleitungsmitglieder…
      Die Vernachlässigung der Corporate Governance sollte wesentlich mehr ‚geahndet‘ werden! Hier wäre wiederum die FINMA in die Pflicht zu nehmen…