Gottstein kündigt tiefere Boni für 2020 an

CS-Chef spricht in Financial Times von weniger Zusatzgeld für Crew – aus „Solidarität und Verantwortlichkeit“.

Die Credit Suisse hatte letzte Woche ihren Investorentag. Kaum war der durch, landete die Bank auf der Anklagebank. Sie soll systematisch bulgarisches Kokaingeld gewaschen haben.

Nun folgt die Rechnung – für die Mannschaft und ihre Leiter. Die Boni für 2020 würden niedriger ausfallen als im Vorjahr, so CEO Thomas Gottstein in der Financial Times.

„It’s too early to say, but generally you have to expect that bonuses will be down compared to last year“, so Gottstein gegenüber dem Wirtschaftsblatt.

„(T)his is part of our solidarity and social responsibility“, so der CS-Chef. Die ganze Finanzindustrie stehe vor der gleichen Herausforderung.

Solidarität und Verantwortlichkeit: Was Gottstein damit meint, wird nicht klar. Vielleicht: Wenn es allen schlechter geht, dann müssen auch die Banker auf einen Teil ihres Bonus verzichten.

Die CS hat tausend sogenannte Schlüssel-Risikoträger, die eine Million oder mehr im Jahr verdienen. Nun müsste deren Zahl sinken, falls der CS-Chef die Boni tatsächlich kürzt.

Seid solidarisch (FT)

Auch so zählen die Risikoträger weiterhin zu den Hochbezahlten. Gleich wie die Mitglieder der Konzernleitung. Diese haben wegen Corona auf einen Teil ihrer Vergütung im 2020 verzichtet.

Am stärksten den sinkenden Bonus spüren werden die einfachen Mitarbeiter und Teamleiter. Bei ihnen ist der variable Teil der Vergütung schon seit Jahren am Sinken.

10’000 Franken zusätzlich zum Fixlohn ist weit verbreitet – mehr nicht. Ob Gottstein eine untere Grenze zieht bei der Bonuskürzung, ist nicht bekannt.

Falls er das nicht tut, dann werden im Verhältnis zum Gesamteinkommen die CS-Leute mit den tiefen Einkommen am stärksten an die Kasse kommen.

Gottsteins Begründung, dass die ganze Industrie von sinkenden Boni ausgeht, klingt nicht überzeugend. Bei der UBS ist bisher nichts Derartiges durchgesickert.

Das Problem von Gottstein sind die vielen „Explosionen“ in der CS, seit der Schweizer das CEO-Steuer im Februar übernommen hat.

Die CS geriet in die Schlagzeilen rund um die kollabierenden Wirecard in Deutschland und Luckin Coffee in Asien.

Danach musste sich die Bank im Asset Management von der japanischen Softbank distanzieren. Kürzlich gab die CS einen Abschreiber über 450 Millionen Dollar bei einem New Yorker Hedgefund bekannt.

Obendrauf droht ein weiterer Gerichts-Abschreiber wegen einer alten US-Last aus der Subprime-Zeit vor 12 Jahren.

Am schlimmsten sind die Kreditverluste wegen Corona und der Wirtschaftskrise. Die CS musste hohe Rückstellungen auf Ausstände tätigen, ihre Vorsorge für mögliche faule Kredite stellt jene der UBS in den Schatten.

Das vierte Quartal droht mit einem Netto-Verlust zu enden. Die CS fällt damit zurück, ihre Aktie hinkt weiterhin den Konkurrenten hinterher.

Gottstein meinte in der Financial Times, er wolle 2021 mit „reinem Tisch“ in Angriff nehmen. Quasi en passant brachte er die sinkenden Boni zur Sprache.

Und rief damit seinen 50’000 Kollegen zu: Sorry, Leute, wird weniger in diesem Jahr. Ein Weihnachtsgeschenk der ungeliebten Sorte im Banking.

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Kommentare

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  1. Komisch – ich kriege nur Boni, wenn ich ausserordentlich erfolgreich für die Firma gearbeitet habe. Ich kriege keinen Bonus nur dafür, dass ich in der Firma arbeite.

  2. 1000 WBT‘s über Ethik, Risiko, etc. pro Jahr für die Katzen, jeder CEO der gekommen ist, sagt wir müssen reiner Tisch machen und jedes Jahr ist etwas neu entdeckt. Der Fisch stinkt vom Kopf her…aber der lebt immer noch und kassiert.

  3. Ein Teil des Bonuspools der Banken sollte eigentlich an die Zentralbanken gehen, die im Maerz/April mit der enormen Oeffnung der Geldschleusen und dem gleichzeitigen Aufkauf von illiquiden und maroden Bonds, ETF und Fonds etc., dafuer sorgten, dass die Banken nicht nur schadlos durch die Krise kamen, sondern zudem den Kunden mit riesigen spreads ihre Notverkauefe aufkaufen konnten, dies mit der Garantie der Zentralbanken im Ruecken und dadurch Rekordgewinne aufzeigen koennen. Da von super Managementkills zu reden ist doch etwas uebertrieben.

  4. Als Cs’ler in der Informatik im mittleren Managememt würde ich meine 10k Bonus gerne dafür geben, um den immer drastischeren Kündigungswellen und Frühpensionierungen entgegenzuwirken.

  5. Ehrlich gesagt hätte ich als Bankmitarbeiter auch lieber einen leistungsadäquaten Basislohn als jedes Jahr bangen zu müssen, ob ich mich mit den Topbonus Bezügern zusammen wieder mal „solidarisch“ zeigen muss und auf meinen sich im normalen Rahmen bewegenden Gesamtlohn teilweise verzichten muss. Für meinen Basislohn würde mancher Stänkerer da draussen nämlich Morgens gar nicht aufstehen.

  6. Als Fussvolk gibt es seit 10 Jahren null Bonus.
    Bei der Bank gibt es gar keine Tagets, deswegen auch keine Boni.
    Ausnahmen mag es für einige wenige Mitarbeiter im Verkauf geben. Die grosse Masse arbeitet im Innendienst ohne Ziele, KPI und OKR. Sitzt einfach nur da, und wartet bis man in Frührente gehen kann.

  7. Glaubt ihr Banker verzichten auf Boni, wo sie uns Private doch reicher und reicher machen :))))) Mal ehrlich, Boni gibts nur für die, die aussergewöhnlich gut und ERFOLGREICH für die Kunden gearbeitet haben. Alles andere wäre lediglich Raub.

  8. Diese Seilschaften vernichten Wohlstand, Know-how und zerstören die Demokratie und die Gemeinschaft.

  9. Für betrügen, bescheis***, verarschen, kriminellem Handeln und abzocken gibt’s einen fetten Bonus. Also bei der Mafia.

    Bei der Bank gibt’s heuer nur etwas weniger Bonus.

  10. Ein Bankboss spricht von Verantwortlichkeit, der hat doch absolut keine Ahnung was das ist. Seine Kollegen und Weggefährten lachen sich krumm, Thiam, Rohner,Ermotti,Weber,und alle ihre gloorreichen Vorgänger

  11. Wen wundert es bei so viel Missmanagement, zu viele angelsächsische Schaumschläger und Mänätscherli, die nix als heisse Luft produzieren
    und Luki: „10’000 Franken zusätzlich zum Fixlohn ist weit verbreitet“
    Wo lebst du?!? Frag doch mal die betroffenen Mitarbeitenden über die du hier schreibst. Von den 10k können die meisten an der Basis nur träumen. Eine dargebotene Lächerlichkeit ohne belegte Fakten!

  12. Das Personal im Schweizer Gesundheitswesen hat einen ausserordentlichen Bonus verdient. Aerzte und Pflegepersonal in den Spitälern und Arztpraxen, welche täglich z.T. Ihr Leben risikieren um Menschen zu retten.

    Da steht das CS Management mit Ihren Bonus Excessen – T. Thiam hat man in wenigen Jahren für sein drittklassigen Leistungen noch über CHF 100 Mio. nachgeworfen – völlig schief in der Landschaft. Die marginale Bonuskürzung von Herr T. Gottstein und seiner Crew wirkt hier nur noch lächerlich und deplaziert.

    • Mag vielleicht sein, aber möchten sie allen Ernstes unsere eh schon hohen Krankenkassenprämien mit Universalbankgewinnen quersubventionieren oder was???

    • @U.B. Ellwanger:

      Armer Arzt bittet um Spenden ;-))) … meine 2 Millionen genügen gerade so, um an der Goldküste zu leben und 1 bis 2 Mal in meine nördliche Heimat zu fliegen, wo mein Kollegen die Medizin Elite (akademisch nicht unternehmerisch) bilden.

      Aber gut hier im Kanton Schwyz konnte ich bisher über Mittag Golfen gehen, ja ist jetzt stressiger, möchte jetzt auch nicht jodeln und jammern.

      Mir tun alle leid, die Ihre Existenz verlieren 2021!

      Gut warum ich als Arzt viel weniger als der UBS/ CS Leiter verdienen, ist mir ein Rätsel? Nach Corona möchte ich das aber bitte auch verdienen, falls Sie mein Video gesehen haben. Golfen oder Skifahren über Mittag wäre wieder schön.

      Frei praktizierende Ärzte: Neuer Lohnvergleich ist nicht in Sicht

      Die Verbindung der Schweizer Ärzte (FMH) publizierte bis 2013 jeweils jährlich eine Studie. Sie legte offen, wie viel Mediziner mit eigener Praxis verdienten. Aufgelistet wurde jeweils, wie hoch die AHV-pflichtigen Einkommen der einzelnen Fachgebiete waren.
      Die letzten Daten stammen aus dem Jahr 2009. Damals verdienten Hausärzte, sogenannte Grundversorger, zwischen 122’200 und 271’900 Franken pro Jahr. Spitzenverdiener waren Radiologen, die bis zu 511’300 Franken kassierten, Augenärzte mit bis 518’600, Gefässmediziner bis zu 545’500 und Chirurgen mit bis zu 579’900 Franken pro Jahr.
      2013 bewilligte das Bundesamt für Sozialversicherungen die Weitergabe der dafür benötigten Daten nicht mehr. Dafür bestehe kein öffentliches Interesse. Zudem gab es Zweifel an der Solidität der Studie. Daher gibt es nun keine Informationen mehr darüber, wie viel selbstständig tätige Ärzte verdienen.

    • „Das Personal im Schweizer Gesundheitswesen hat einen ausserordentlichen Bonus verdient.“ – ja, und darum sollen wir solidarisch von Bürokraten, die Gesundheitswesen gespart, optimiert und geschlossen, 50% Lohn für 2020 nehmen und dieses Geld dem Personal überreichen.

      Banken haben gar nichts damit zu tun.

  13. Gottstein macht es genau richtig. Wie schon bei dem freiwlligen Verzicht auf einen halben Monatslohn, richtet er sich immer an MD und DIR, nie darunter.

  14. Ich hoffe doch sehr dass Gottstein die Zeichen der Zeit erkannt hat. Während Jahren mussten Aktionäre grosse Verluste in Kauf nehmen während sich Geschäftsleitung und Verwaltungsrat gesund gestossen haben. Es ist doch ganz einfach Herr Gottstein! Einfach mit gutem Beispiel vorangehen und auf den Bonus zu Gunsten einer satten Dividendenerhöhung verzichten!

    • Ich befürchte, dass wir noch lange warten können bezüglich einer Dividendenerhöhung. Eher wird leider wieder eine Kapitalerhöhung durchgezogen, schön verpackt und dass sich das Management sich wieder auf die Schulter klopfen kann, wie doch die Nachfrage nach den neuen Aktien gross sei.
      Diese Bank wie auch die UBS hat seit Jahren ein riesige Kostenproblem. Ich dachte wirklich, dass seit Lehman von vor 12 Jahren die Stellen im Banking auf unter 15’000 gedrückt werden. Aber offenbar finden diese Institute noch immer erfolgreich Möglichkeiten weiterhin Aktionärswerte zu vernichten.

  15. Diese Bank leistet sich nach wie vor 1444 Einkommensmillionäre (Risk Taker/Maker).
    Da freut sich die Basis aber sehr über die lächerlichen Trinkgelder.
    Immerhin darf man dafür bei einer Bank arbeiten, deren Ruf komplett im Eimer ist.

  16. Die Armen.. „ 10’000 Franken zusätzlich zum Fixlohn ist weit verbreitet – mehr nicht.“

    So viel Bonus gab es bei mir in der gesamten Karriere noch nie..

    • Das ist einmal mehr eine hirnverblödete Aussage von Lukas, um den sozialen Unfrieden weiter anzuheizen.

      Er „berichtet“ seit Jahrzehnten über die Bankenbranche und hat immer noch keinen blassen Schimmer davon. Und die Schäfchen hier blöken ihm weiter munter nach

    • Wenn alle sich den Beruf auswählen würden, nach dem Kriterium, nicht die falsche Ausbildung zu wählen, dann wäre der Arsch derjenigen, welche die (scheinbar) richtige Ausbildung gewählt haben, schnell auf Grundeis.

      Und wer immer noch meint, Karriere und Berufserfolg sei alleine sich selbst zuzuschreiben, ja der soll wieder kommen, wenn er aufgrund gesundheitlicher Beschwerden/Krankheit aussortiert worden ist. Dann ist er schneller vergessen, als sein (vorheriger) Lohn überwiesen worden ist.

      Wofür erhalten die Banker eigentlich noch Boni? Dafür, dass sie mit Papiergeld spekulieren, das ihnen nicht gehört und das eigentlich Kindergartenspielgeld ist?
      Völlig sinnentzweckt.

  17. Hoi Thomas,

    Gib’s einfach zu, schlechte Gruppenperformance deswegen geringer Bonus. Versteht doch jeder. Bonus mit Covid verknüpfen: Argumentatorisch und rhetorisch schwach und angreifbar.

    Schönen Tag dir trotzdem.

    • @Kunther Gropp, Leiter Spezialeinheit G.K.
      Was ist Ihre Meinung zu „Gottstein kündigt tiefere Boni für 2020 an“?

    • Neidbürger. Rohner und Gottstein sind eben sehr viel weiter oben in der Wirtschaftshirarchie als Du und deshalb bist Du eine arme Maus und die beiden Reiche Hengste.

  18. Vielleicht macht Thomas ja Rückstellungen für Covid Kredite, welche die CS im Wissen um die Unrechtmässigkeit ausbezahlt hat nur ums eigene Kreditbuch zu schonen… Da kommt schon was zusammen wie sich zeigt!

  19. Das Zauberwort heisst: expectation management – halte die Erwartungen der Belegschaft klein, so werden sie glücklich sein mit den Brosamen die sie bekommen. Machen wir uns nichts vor, es wird zugelangt wie bisher. Zumindest im Elfenbeinturm.

  20. Jeder Franken Bonus der CS auszahlt ist ein Franken zu viel.

    CS soll und darf keinen Bonus ausbezahlen nach all diesen permanenten neuen Skandalen.

    • Nur einer hat nach all den Skandalen überlebt und ist erst noch Hauptverantwortlich dafür. Entweder lebt er in eine andere Welt oder ihm fehlt es an Empathie. Vermutlich das Zweite. Kassieren ohne Leistung und die Leute im Maschinenraum rauswerfen ist völlig absurd. Rechnen ist scheinbar auch nicht seine Stärke. Viele Risk Taker/Maker verdienen viel viel viel zuviel und erbringen Null Mehrwert. Also schmeisst diese Leute raus und schon hat man die Bank saniert inklusive Rückstellungen für die Bussen.

    • Dein Gottschalk Witz ist auch langsam aber sicher um die Ecke…lustig war er noch nie