Chur-Politiker ergattert Villa aus Stoffel-Umfeld

Prachts-Immobilie landet bei Bündner Finanzdirektor. Kanton führte Steuer-Untersuchung gegen Financier Remo Stoffel.

Die Villa Eigenheim liegt hinter alten Mauern und hohen Pflanzen versteckt an einer kleinen Churer Strasse. Ein Juwel, zu haben für rund 2 Millionen im 2019. Hinzu kommen Sanierungskosten.

Den Zuschlag erhielt im Frühling 2019 die Firma Teroptima. Sie wird vertreten durch den Anwalt von Remo Stoffel, dieser ist ein illustrer Financier, der in Zürich kürzlich einen Strafbefehl kassiert hatte.

Chur ist für Stoffel Heimat, er stammt aus der Ferienecke der Schweiz. Heute lebt er mit seiner Familie in Dubai.

Auch in Chur ermittelten die Behörden gegen Stoffel. Ein grosses Steuerverfahren wurde gegen den Unternehmer eröffnet, der mit seiner Priora Baugruppe einst hoch hinauswollte.

Ob die Untersuchungen noch am Laufen sind, ist geheim.

Die Villa Eigenheim blieb nicht lange bei der Käuferin unter dem Kommando von Stoffels Anwalt. Vielmehr landete die Immobilie bei der Resalis AG, die von einem von Stoffels Priora-Managern vertreten wird.

Bijou landet bei Politiker (Maps)

Auch Stoffel selbst sass bis Mitte 2019 im VR der Resalis.

Weder die Resalis AG noch die Teroptima haben die Villa Eigenheim saniert. Ab Frühling 2019 blieb das Haus im gleichen Zustand, einsam und verborgen im Residenzquartier des Bündner Hauptorts.

Im letzten Herbst kam plötzlich Bewegung auf. Im Oktober bot die Resalis AG respektive der Priora-Manager als deren Vertreter die Villa Eigenheim erneut zum Verkauf an.

Schon wieder landete das Objekt also auf dem Markt. Der Stoffel-Vertraute soll laut Insidern von 2,5 bis 3 Millionen Franken gesprochen haben, die wohl für das Haus zu zahlen seien.

Ein ordentlicher Verkaufsprozess kam laut Quellen nie in Gang. Interessenten seien am Telefon vertröstet worden, ist aus den Insiderkreisen zu vernehmen.

Dann war die Villa weg. Gekauft von einem, dem rund um Stoffel keine falschen Schritte unterlaufen dürfen: der Finanzdirektor des Kantons Graubünden.

Er heisst Christian Rathgeb, gehört zur FDP, ist Anwalt. Seit 9 Jahren sitzt Rathgeb in der Exekutive des Bergkantons.

Rathgeb und seine Frau erhielten den Zuschlag. Auf Fragen meinte der Politiker per Email:

„Ich ging beim Kauf des historischen Einfamilienhauses an der Lochertstrasse davon aus, dass R. Stoffel früherer Eigentümer oder Beteiligter war, da es durch die Priora Verwaltungen Chur ausgeschrieben wurde.“

„Das Haus haben meine Frau und ich von der Resalis AG (Verkäuferin) gekauft. Ob Herr Stoffel an dieser Gesellschaft beteiligt war, ist uns nicht bekannt. Es gab im Rahmen des Verkaufs keinerlei Kontakte zu R. Stoffel.“

Der Deal sei „über einen Anwalt abgewickelt“ worden. Eine heikle Nähe zu Stoffel und dessen Steuerverfahren in Chur sehe er nicht.

„Ich bin seit Beginn meines Amtsantritts in möglichen Verfahren, die Remo Stoffel betreffen, konsequent im Ausstand.“

Zuständig für das Verfahren ist Rathgebs Kollege in der Churer Regierung, Justizdirektor Peter Peyer von der SP. Auf Anfrage sagte dessen Sprecherin:

„Ist Regierungsrat Dr. Christian Rathgeb in einem Verfahren im Ausstand, nimmt Regierungsrat Peter Peyer als Stellvertreter die Aufgaben des Vorstehers des Departements für Finanzen und Gemeinden wahr.“

Und zum Verfahren gegen Stoffel führte sie aus:

„Aufgrund des Steuergeheimnisses können wir zu einzelnen Steuerpflichtigen keine Auskunft erteilen. Der Gesetzgeber gewährt hier der Verwaltung und der Regierung keinen Spielraum.“

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Kommentare

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  1. Ein Beweis mehr, dass Politiker zu viel verdienen. Ein anderer Graubündner FDP Politiker, Ständerat und Bundesratsanwärter konnte ca. letztes Jahr sogar vom Bischof eine grosse Baulandparzelle für Mehrfamilienhäuser in Chur erwerben. Dass Graubündner Beamte, von denen wahrscheinlich die meisten im Home Office voll verdienen, obwohls immer weniger zu tun gibt, irgend eine Einbusse wegen Corona auf sich nehmen mussten, ist bisher nicht bekannt geworden. Im Gegensatz zu den Mitarbeitern der zahllosen Restaurants und anderen Unternehmen, die auf Kurzarbeit sind, bevor sie wahrscheinlich arbeitslos werden, weil ihr Betrieb, wegen der wohl auch von der Graubündner Regierung nie öffentlich hinterfragten Coronapandemie, pleite gehen wird.

  2. Erstaunlich wie sich dieses Modell-Schweiz noch halten kann und die Bevölkerung dieser Entwicklung völlig freien Lauf lässt. Dieser Fall sollte ein Anlass sein, Grundsatzfragen zu diskutieren. Doch wie dieses Beispiel zeigt, wird auch jetzt nichts daraus. Mit der Folge, dass wir in naher Zukunft – nicht mehr an tiefgreifenden Strukturveränderungen vorbei kommen die sehr ungemütlich sein werden.

    • Filz ist ein sehr praktischer Stoff, weil wasserabweisend und wärmend. Ich hätte auch so gern eine solche Textilie als flächendeckendes Netz- und Flickwerk…vielleicht bekomme ich ja eine geschenkt und bedanke mich an dieser Stelle im Voraus.

  3. Das Glück am Honigtopf zu sitzen bringt das richtige Amt immer mit sich, um bei solch lukrativen Opportunitäten zuschlagen zu können. Wieviel unter dem üblichen Marktpreis wechselte die Immobilie den Eigentümer? Das wäre für den Steuerzahler und den Rechtsstaat schon von Interesse.

  4. Das Glück am Honigtopf zu sitzen bringt das richtige Amt immer mit sich, um bei solch lukrativen Opporrtunitäten zuschlagen zu können. Wieviel unter dem üblichen Marktpreis wechselte die Immobilie den Eigentümer? Das wäre für den Steuerzahler und den Rechtsstaat schon von Interesse.

  5. eigenartig, nach welchen Massstäben hier die Zensur-Schere geführt wird…
    deutliche, harte Kommentare, die aber mE die Nettikette einhalten, werden einfach zensuriert.
    Anderseits werden persönliche Beleidigungen frisch und frei übernommen…

  6. …also nicht kaufen, einfach weil offenbar Stoffel verkauft…?
    Man darf wohl davon ausgehen, dass die Kritiker ihren Lebensweg nach dieser Devise gehen… – sind halt alles tolle Typen!

  7. Willkommen im Kanton Kongo.
    Das ist nur eine kleine Episode. Es gibt da Jugendstil-Villen, die genau so verhökert wurden. Das war auch ein – welch Zufall aber auch – ein FDP-Mitglied im Stadtrat bzw. früher Kantonsrat.

  8. Bitte vervollständige den folgenden Satz:

    „Ich bin seit Beginn meines Amtsantritts in möglichen Verfahren, die Remo Stoffel betreffen, konsequent im Ausstand……….weil:

    …ich Stoffel aus der Pfadi / Kanti…kenne.
    …ich Angst vor Stoffel habe.
    …na wieso denn??

  9. In den dauernden Ausstand treten wegen Stoffel zeigt einmal mehr auf, wie problematisch die Mitglieder der Steuerbehörde GR sind. Hier müsste von Amtes wegen eingeschritten werden. Doch die Brüder kennen sich.

  10. Andere Frage. Hat Remo Stoffel seinen Hotelturm schong gebaut? Bald sinds 10 Jahre her seit seinem „unfriendly takeover“.

  11. 2 Sätze aus dem Almanach der Bündner Polit-Kuhhändler: Wer wirft den ersten Stein? Man hilft sich gegenseitig zu beiderseitigem Vorteil.

  12. Sowas geht gar nicht, das schreit nach Gefälligkeit.
    Hab es wirklich keine andere Villa zu verkaufen, von jemand anderem?!?!

  13. FDP = Für Das Portemonnaie. Falls das Haus unter Schutz gestellt ist, werden bei den Sanierungsarbeiten sicher grosszügige Gelder vom Amt für Kultur fliessen, man kennt sich ja.

    Das „Geschäft“ riecht jedenfalls ziemlich streng.

    Danke an LH.

  14. Na das stinkt doch mal wieder zum Himmel.. Und dann noch dieser billige Taschenspielertrick von Peyers Sprecherin, sich hinter dem „Steuergeheimnis“ zu verstecken. Immer wenn Geschäfte laufen die verschwiegen werden sollen, schützen sich Beteiligte mit dem „Steuergeheimnis“ oder dem „Anwaltsgeheimnis“ oder Mandantengeheimnis.

  15. Gratuliere dem Käufer! Beim Offmarket-Immokauf muss man die Beziehungen spielen lassen, sonst wird es sehr schwer gute Objekte zu kaufen. Der Finanzdirektor schein ausgezeichnete Beziehungen zu Herr Stoffel zu haben, sonst hätte er keine Chance gehabt dieses Haus ohne ordentlichen Verkaufsprozess zu kaufen.

  16. Auch wenn seit der Ära Trump weltweit bekannt sein dürfte, dass es auch in altetablierten Demokratien sehr leicht ein gewaltiges Defizit an Korruptionsbekämpfung geben kann: Ausstand bleibt Ausstand und muss Ausstand bleiben. Das blosse Erscheinen eines Untersuchungssubjekts im Umfeld einer Transaktion – vermuten wir mal Abwicklung zu relativ marktnahen Konditionen – kann für sich allein wohl kaum weiterführende Verdachtsmomente begründen. Dennoch erinnert diese Art der Vermeidung „heikler Nähe“ ein wenig sehr an Hunter Biden und seine Exkursionen in die Energiewirtschaft der Ukraine.

  17. Southcoastpet.
    Ich lebe in Ostafrica wo solches tun die Regel ist. Dritte Welt halt, sagen die CH-Politiker sehr gerne in solchen Momenten. Genau so ist es halt, eben auch in Chur und anderswo in der CH!!!
    Ist der Ruf erst ruiniert……..

    • Aber aber wo liegt Grauholz? im Herze vor Schwiiz, somit sind mir alli Graubündner.. oder Graugenosse? Eidgenosse tönt einfach viel besser aber ehrlich jede isch sich sälber am nächste. Letsch I han i au müesse feststelle ich bin Schwul! Ich liebe en Maa meh als mini Frau. Nämlich mich

  18. Auch wenn man Rathgeb glauben schenken will, irgendwie ist das Ganze doch recht ungeschickt. Ist dasselbe wie wenn ein Auto konfisziert wird und der Staatsanwalt fährt plötzlich damit rum auch wenn er es legal ersteigert haben sollte. Kein Bündner Filz aber Hemmungen hat man auch keine.

  19. Vincenz, Vasella, Bauskandal, Lardi, Sciuchetti, Papa“gratis“ etc.
    Der Balkan beginnt an der St. Luziensteig.
    Für Unterländer:
    „Der Passübergang der St. Luziensteig war seit der Antike ein strategisch wichtiger Uebergang, das nördliche Eingangstor nach Graubünden.“
    Den freien Rätier interessiert das nicht gross. Finanzdirektor Dr. Christian Rathgeb war der bestgewählte Regierungsrat. Stimmbeteiligung stolze 36.04%.

    • Interessant, den Aliesch hast Du schon vergessen. Auch FDP, Ex Gewerbeverbandsekretär, Ex Regierungsrat. War irgendetwas mit einem Griechen und einem Pelzmantel. Eine ideale Mischung.

  20. Anna-Lyse:

    – der Finanzdirektor des Kantons Graubünden wusste nichts von den Voreignern!

    – wieder mal ein Partei-Mitglied der FDP (Filz-durch-Pfützen)

    – die Preisfindung war günstig für den Finanz-Direktor.

    – GR steht einmal mehr für „Grau-Republik“.

    Grüsse aus Bahrain

  21. Es ist eigentlich einfach, wie immer:

    Wenn man es auf dem freien Privatmarkt als (Möchtegern-) Wirtschaftsanwalt zu nichts gebracht hat,

    dann wird man halt in Chur, in der Heimat seiner Kindheit, unterbezahlter Regierungsrat und nimmt sich, was man an Brosamen und Schnäppchen aus den geheimen Amtsgeschäften noch so kriegen kann.

    Ein schlicht verzweifeltes Ehepaar.

  22. Interessant. Weshalb ist Herr Rathgeb denn konsequent im Ausstand, wenn es seinerseits offenbar ja gar keine Nähe zu Remo Stoffel gibt?

  23. in typisch schweizer manier über die bühne gegangen.
    immer schon am rande der legalität und des anstandes.
    am schluss siegt immer die gier.

    • …eher typisch Graubünden:
      immer bereit zu jammern bei den Subventionen, aber stets auf der Seite der Kritiker des Bundes – aber beim Finanzausgleich gerne mit an der Front.
      Und klar doch, Korruption ist ein Fremdwort dort oben in den Bergen.
      Der Politiker gewinnt immer – wie war das doch bei den Schlumpf’s?!