Am Vortag noch zwölf Prozent im Minus, Broker wurden mit panischen Anrufen überflutet, Anleger wollten retten, was zu retten ist.
Keine 24 Stunden später dasselbe Spiel in umgekehrter Richtung: Der Markt dreht ins Plus, ebenfalls um zwölf Prozent, und plötzlich betteln dieselben Investoren darum, wieder hinein zu dürfen.
Der KOSPI schiesst nach oben, Schwergewichte wie Samsung Electronics und SK Hynix ziehen den Index mit zweistelligen Rebounds.
Gleichzeitig springen auch die Nebenwerte im KOSDAQ. Das Resultat: Automatische Handelsunterbrüche, Program-Trading-Stopp, Limit-Up.

Der gesamte Markt faktisch im Ausnahmezustand. Zum dritten Mal in Folge wird der Handel ausgesetzt, diesmal nicht wegen Panikverkäufen, sondern weil die Käufer sich gegenseitig überbieten.
Wer glaubt, hier dominierten kühle Analysten mit Excel-Modellen, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Was wir sehen, ist Momentum in Reinkultur.
Oder präziser: Momentum-Kamikaze. Wenn Kurse fallen, wird liquidiert. Wenn Kurse steigen, wird gehebelt.
Der ETF iShares MSCI South Korea ETF handelt mit deutlichem Aufschlag auf den Nettoinventarwert, ein seltener Vorgang, der normalerweise Arbitrageure auf den Plan ruft.
Doch selbst die kommen kaum hinterher, weil die Futures auf den KOSPI200 über Nacht bereits das Tageslimit erreicht haben.
Das ist kein rationaler Markt, das ist eine Herde auf Speed. Gestern noch Margin Calls, heute FOMO. Gestern wollten Anleger ihr Geld zurück, heute wollen sie dreifach rein.
Die Mechanik ist simpel: Liquide Mega-Caps treiben die Indizes, die Indizes treiben die ETFs, die ETFs treiben die Futures, die Futures treiben wieder die Kassa-Kurse.
Ein sich selbst verstärkender Kreislauf.
Die Börse in Seoul zeigt gerade, was passiert, wenn billiges Geld, Zocker mit Hebel und Maschinen im Hochfrequenz-Modus gleichzeitig aufs Gas drücken.
Bilanzen, Gewinne, Bewertungen? Nebensache. Es zählt nur, ob der Chart nach oben oder nach unten zeigt.
Und diese Richtung wechselt schneller, als irgendein Risikochef den Stecker ziehen kann.
Wer hier mitmischt, sollte sich nichts vormachen: Momentum ist dein bester Kumpel, solange es läuft. Dreht es, stehst du allein im Regen. Und in Seoul dreht es derzeit im Tagesrhythmus.
Dies ist kein billiges Geld am Werk denn das echte Geld ist selten und teuer.
Dies ist ein Papier das ohne jegliche Kontrolle und ohne Limit durch ein organisiertes Monopol gedruckt wird.
Etwas Konkurrenz täte den Währungsdruckern von der BIS Bank in Basel gut.
Da sind doch die grossen Hedge Funds am Werke, die auf kurzfristige Gewinne abziehen. Vielleicht ist das sogar ein Gemeinschaftliches Hedge Fund Absprache Werk.
„Steigen die Kurse rasant an, kaufen die Dummköpfe, ich nenne sie die schwachen Hände, dann muss man verkaufen.“
André Kostolany
Es sind even doch Bewertungen. Keine Ahnung wer den Schwachsinn von wegen knappen Speicherchips in die Welt gesetzt hat, jedenfalls treibt das den ganzen Unsinn momentan an. Das hört spätestens in 4 Wochen auf.
Zurück ins Backoffice mit dir, Wadja.
Verkaufen, wenn’s bereits runter geht; kaufen, wenn’s bereits hoch geht: der sichere Weg zu Verlust.
Das ist doch super, denn das Geld ist nicht weg – sondern nur woanders (Danke).
Leute, die so reagieren, müssen sich unbedingt von der Börse fernhalten. Geld aufs Konto oder unter die Matratze und gut schlafen. Fertig.