Am 20. Oktober 2019 um 11.09 Uhr passierte das Undenkbare. Eine Gondel der Rotenfluebahn Mythenregion löste sich vom Förderseil und fiel 20 Meter tief nach unten.
Die Kabine prallte auf dem harten Boden auf. Es kam niemand ums Leben – die Gondel war leer. Die Verantwortlichen hatten bereits zuvor entschieden, wegen starken Windes die Bahn zu leeren.
Die SUST, die zuständige Bundes-Unfalluntersucherin, befand, dass alles richtig gemacht worden sei.
„Ein Reagieren auf die unvermittelt aufgekommene Windböe war nicht möglich“, so ihr Fazit.
Durch die Windböe sei „die Seilbahnkabine soweit seitlich“ ausgeschwenkt, „dass sie an einem Seilfänger hängen blieb und vom Förderseil gerissen“ worden sei.
Es brauche keine weiteren Ermittlungen, da diese „keine zusätzlichen, für die Verhütung von Zwischenfällen zweckdienlichen Erkenntnisse“ brächten, so die Sust.
Diesen Mittwoch passierte ein praktisch identischer Unfall. Diesmal im Engelberger Titlis-Skigebiet. Eine 61-jährige Frau verlor ihr Leben.
Sie sass allein in einer Gondel, die wie im Mythen-Fall aus dem Tragseil sprang und ungebremst auf die Erde krachte.
Bei beiden Gondelbahnen handelt es sich um eine Anlage von Doppelmayr-Garaventa vom Typ „UNI-G“. Das Problem ist die sogenannte Kuppelklemme mit der Bezeichnung „DT 108“.
Wenn die Gondel wegen starken Winds sich derart stark neigt, dass ein Drehrohr am Seilfänger eines Mastens hängenbleibt, kann das die Kuppelklemme „aufhebeln“.
Passiert das, dann fliegt die Gondel aus dem Seil und fliegt zu Boden. Das war bei der Mythenbahn der Fall, und es dürfte auch bei Titlis-Unglück die Ursache gewesen sein.
Das Phänomen ist Doppelmayr-Garaventa längst bekannt. Die österreichische Firma mit ihrem Schweizer Ableger soll den Betreibern von Anlagen mit DT 108-Klemmen deshalb eine Nachrüstung empfohlen haben, sagt ein Kenner der Situation.
Dafür habe Doppelmayr den nötigen Nachrüstungssatz bereitgestellt.
Die Untersuchungen müssen zeigen, was die Titlis-Verantwortlichen seit dem Mythen-Vorfall von 2019 unternommen haben. Es gilt Unschuldsvermutung.


Glückliche Schweiz, wenn sowas ein Drama ist – Unfälle passieren und nicht immer ist alles perfekt. Passt einfach auf, dass vor lauter „ja kein Risiko eingehen und alles 27 Mal absichern“ in Zukunft überhaupt noch jemand irgendeinen Job machen will, wo man halt in Gottes Namen unter Abwägung aller Faktoren einen Entscheid fällen muss – der auch falsch sein kann.
Und wenn die verunglückte Frau Ihre Mutter gewesen wäre, würden Sie auch so schreiben ? Wer kann sollte vorher studieren bevor er einen solchen Sch…… schreibt
Ein Kommentar der an Zynismus kaum zu überbieten ist
Erinnern wir uns beispielsweise an die tödlichen Unfälle von Mitarbeitern in anderen Skigebieten.
Ein Menschenleben in CH zählt nicht viel.
Es ist ein Symbol der amateurhaften und naiven Schweiz. Mehr Unfälle mit mehr Toten sind zu erwarten.
Wurde schon untersucht, ob es an der Decke der Bahn leicht brennbare Schaumstoffe hatte?
Immer die gleiche Leier wisst ihr Zeitungsfritze nicht, dass Unglücke passieren.
Okay. Keine Notfallbehandlung für dich any more, Freundchen. Schließlich ist Leben immer lebensgefährlich!
Was bist du denn für ein Würstchen?
schuld. Weshalb sollen da immer die Hersteller haften. Niemand zwingt einen dort rein zu sitzen! Somit nimmt jeder sein eigenes Risiko freiwillig in Kauf. Ja, sie zahlen ja gar noch dafür, dass sie abstürzen könnten.
Jeder soll für sein erkauftes Risiko selbst haften! Man kann ja auch zu Fuss hoch gehen, und falls man dann abstürzt ist man auch selbst schuld. Jeder soll selbst haften und Eigenverantwortung übernehmen. Man muss nicht immer andere versuchen verantwortlich zu machen, wenn man selbst Risiken eingehen will. Die Leute müssen selbst einschätzen, ob sie Risiken eingehen oder nicht.
Wie wäre es mit verpflichtenden „Gondelfahren und Skisport kann tödlich sein?“ auf jedem Skipass?
Ich bin dafür.
Es gibt u. a. Produktehaftung und Haftung und Regeln für den vorgeschriebenen Betrieb und Unterhalt von Anlagen.
Liegt diesbezüglich ein Fehlverhalten vor, so ist nicht der Nutzer in der Verantwortung. Er kann voraussetzen, dass er sich nicht einer Gefahr aussetzt.
Sie verallgemeinern, dass immer der Nutzer verantwortlich ist.
Man benutzt einen Personenlift. Dieser stürzt ab. Selber schuld, man hätte ja die Treppe nehmen können? Welcher Unsinn.
Die Schweiz wird immer mehr zum Balkan.
Bei Flugzeugen haben die Airlines bei sicherheitsrelevanten Verbesserungen jeweils eine gewisse Frist, um die Umrüstungen an ihrer Flotte vorzunehmen. Da wird nicht lange gefackelt.
Der Bericht der SUST empfiehlt zwar aus unerfindlichen Gründen (Beamtenarroganz oder Filz?) keine Verbesserungsmassnahmen, aber offenbar hat der Hersteller trotzdem gehandelt.
Dass die zuständigen Behörden nach Vorliegen einer Massnahme zur Vermeidung solcher Unfälle die Bahnbetreiber nicht verpflichtet haben, ihre Bahnen umzurüsten, erscheint ziemlich fahrlässig.
Lesson learned? Oder hält sich die SUST zu gut, zu besserwisserisch, etwas Matchentscheidendes tun zu müssen! Dabei zeigen sich z.B. die Auto-, Elektro-, Pharmaindustrie mit Verkaufsverboten, Rücknahmen/Rückrufen bei weit weniger sicherheitskritischen Produkten genötigt, zu handeln und Unfälle/Krankheiten zu verhindern.
Behördenversagen…
Aus westlicher Perspektive
Aus CH Perspektive zählt ein Menschenleben nicht so viel wie das teure Geld für die Massnahmenumsetzung. Deswegen aus CH Perspektive alles richtig gemacht.
Danke fuer den Report.
Noch zum Download im Artikel verlinken
Risiko eingeht. Genauso weiss jeder, der in ein Fugzeug sitzt, dass er abstürzen kann.
Jeder weiss, wenn er sein Vermögen auf einem Bankkonto hinterlegt, dass er damit ein grosses Risiko eingeht, denn das Schuldenschnee-Finanzsystem der Banker kann jederzeit zusammenbrechen. Wer Militärdienst leistet, weiss, dass er sterben kann.
Wer sich auf Seiltänze einlässt kann abstürzen!
Für alle voraussehbaren Risiken muss somit jeder selbst haften, nicht Dritte! Das Risiko beginnt bereits mit der Geburt.
Dann bleiben wir von jetzt an am Besten alle nur noch zuhause!
Und wenn ich eine Bar in Crans-Montana betrete, weiss ich, dass ich verbrennen kann?
Das stimmt.
Es ist ein sehr gängiges, viel gehörtes Argument in CH.
Gleichzeitig gilt:
– Es war richtig, Gurtpflicht einzuführen.
– Es ist richtig, Chrmiefirmen Umweltauflagen aufzulegen.
– Es ist sinnvoll, dass die Anzahl der Rettungsboote bei Kreuzfahrtschiffen der Anzahl der Personen auf dem Schiff mindestens entsprechen muss.
Daraus folgt:
Risiken gehören gemanaged.
Es gilt Unschuldsvermutung? Wirklich?
Und zwischenzeitlich stürzte auf dem Stoos doch auch noch ein Sesseli ab bei einem Teamausflug einer Gruppe von Lindt und Sprüngli?
Im Stoos war das Windenseil eines Pistenfahrzeugs mit dem Sessel kollidiert. Das war kein technisches Versagen.
Danke für den Hinweis. Das ist mir alles klar. Aber auch ein Unfall, der in der Schweiz so nicht hätte passieren dürfen. Und eine weitere Parallele: auch in der Innerschweiz.
Gemäss Stellungnahme des VPR, Zitat: „so etwas darf einfach nicht passieren“, sind die Gondeln am Titlis mit einer anderen Klemme ausgerüstet.
Der VRP nahm Bezug auf einen anderen SUST-Bericht, worin es um die AK-Klemme von Garaventa ging. Rotenflue und Titlis haben hingegen beide DT 108-Klemmen.
Es passieren tag-täglich Unfälle. Leider für Hr. Hässig lassen sich nicht alle so ausschlachten wie Montana, Postauto oder Gondelbahn. Phasenweise etwas billig wie man ständig Schuldige sucht, vor allem wenn noch das Ausland mitmischt. Menschliches Versagen ist vielfach der Grund. Hauptsache man hat was zu schreiben.
Es gibt höchstselten Tage an welchen diese Bahn nicht fährt… Wohin dann auch mit den vielen ausländischen Gruppen die anreisen?
… mit Titlis-Bahnen fährt man nicht.
Ja,technische Anlagen, wie eben auch das Leben, birgen Gefahren …. was soll’s die Ermittlungen werden es zeigen. Die werden übrigens durch durch die Behörden durchgeführt und nicht durch IP oder dumm Kommentierende
Nach Crans Montana nun Titlis.
Die Schweiz ruiniert gerade ihren Ruf weltweit.
Danke für die sehr aufschlussreiche Recherche. Es ist skandalös dass diese Nachrüstung von der SUST nicht zwingend für alle Bahnen diesen Typs ultimativ vorgeschrieben wurde. Wozu sonst ist die SUST da, als dafür Gefahren zu erkennen und zu minimieren ?