Nach wie vor trägt die Politik die Verantwortung für die Bildung in der Schweiz, das heisst vom Volk gewählte Politiker auf Gemeinde-, Kantons- und Bundesebene.
Im Idealfall wäre die Schule ein Spiegelbild der politischen Haltungen und Strömungen in der Bevölkerung, und die Schüler würden die Bildung erhalten, welche die Mehrheit für ihre Kinder wünscht.
Heute ist es anders. Die Schulleitungen regieren, sie stellen die Lehrer ein und bestimmen, wie an ihrer Schule unterrichtet werden muss.
Die Politik schaut zu und kann nur noch staunen, wie sich die Schulen total verselbständigt haben und sich nicht mehr hineinreden lassen.
Mir scheint, dass dies fast unbemerkt über die Bühne ging und sich die Folgen erst jetzt, Jahre später, in ihrer Tragweite zeigen.
Als junge Primarlehrerin wurde ich seinerzeit noch direkt von der Schulpflege eingestellt, dann besucht und beurteilt. Einmal pro Jahr bekam man sogar Visite von der Bezirksschulpflege.
Solche Besuche erfolgten zum Teil auch unangekündigt.
Die Politiker alias Schulpfleger tauchten jedes Jahr zwei bis dreimal auf, blätterten in den Heften der Schüler, beurteilten den Lernstand der Kinder und prüften die Disziplin im Klassenzimmer.
Somit erfüllten sie eine wichtige Funktion der Aufsicht und Qualitätssicherung.
Später erhielt man den Bericht mit der Bewertung zugestellt; kompakt auf einer einzigen Seite wurde Folgendes bewertet:
Beurteilung des Unterrichts, Unterrichtserfolg, Stand der Klasse, Erziehung und Disziplin, dazu den Zustand der Schulräume und Ausstattung der Schule.
Ab 2003 begann man in Zürich Schulleitungen einzusetzen und entsprechend die Schulpflegen nach und nach zu marginalisieren.
Die definitive Entmachtung der Schulpflege erlebte ich dann hautnah mit, und zwar während der Coronazeit, in der ich an einer Schule zwei Jahre lang ein kleines Pensum unterrichtete.
Wurde ich 2020 für das MAB (Mitarbeiterbeurteilung) noch von zwei Schulpflegerinnen und der Schulleiterin besucht und beurteilt, übernahm dies anschliessend vollständig die Schulleitung.
Per 1. August 2021 wurden nämlich im Kanton Zürich die Schulpflegen aus den MAB ausgeschlossen. Seither stellen diese lediglich noch die Schulleiter ein.
Formal fungiert die Schulpflege immer noch als Arbeitgeber für die Anstellung der Lehrer, diese werden allerdings von den Schulleitungen ausgewählt und geführt.
Die neue Rolle der Schulpflege trägt das trügerische Etikett „Gesamtverantwortung für die Führung der Schule“, was den Anschein erweckt, dass die Schulpflege an der Führung beteiligt wäre.
Die eigentliche Führungsrolle jedoch erhielten die Schulleitungen, welche die Lehrer auswählen, auch de facto einstellen und später beurteilen.
Der Schulpflege bleiben nebensächliche Dinge wie die strategische Planung oder das Festlegen von formalen und inhaltlichen Rahmenbedingungen – was viele Sitzungen und Papierberge bedeutet, aber für das Kerngeschäft der Schule an der Front absolut unbedeutend ist.
Schulpfleger sollen zwar noch Schulklassen besuchen, dieses Besuche sind jedoch an Belanglosigkeit nicht zu überbieten. Anstatt Beurteilungen gibt es nun Beobachtungsaufträge, die nicht einmal in schriftlicher Form festgehalten werden und denen niemand nachfragt.
Ohne Beurteilung ist die Schulpflege nur noch Kosmetik, ohne Gewicht, ja fast lächerlich.
Eine diesen Frühling neugewählte Schulpflegerin, engagierte Mutter und renommierte Anwältin, berichtete, sie hätten null Möglichkeiten etwas zu bewirken, es sei nur eine Abnickgeschichte, was sie nicht lange mitmachen werde.
„Alles nur noch ein Papiertiger!“, fasste eine andere zusammen.
Welche Chance wäre es, wenn bestandene Berufsleute sich in der Schule einbringen, wie schade, wenn dies selbst bei Schulpflegern gar nicht mehr vorgesehen ist.
Die Schulleiter regieren und bestimmen, was an den Schulen läuft. Die Politiker werden aussen vor gelassen und haben praktisch keine Möglichkeit mehr, in irgendeiner Weise Einfluss zu nehmen, obwohl dies ja immer noch in ihrer Verantwortung liegen würde.
Viele Schulleiterinnen und Schulleiter, die ich kenne, sind ein Segen für die Schulen, weil sie engagiert und vernünftig agieren.
Zahlreiche andere Schulleitungen folgen eigenen Ideologien, was sie ja auch, ausgestattet mit viel Macht, dürfen.
Nicht wenige beherzigen leistungsfeindliche und inklusive Ideologien, die dem qualitativen Niveau der Schulen schaden und nicht das ist, was die Mehrheit der Bevölkerung will.
Allerdings wird es für die Politik schwierig werden, die effektive Hoheit über Inhalt und Qualität der Bildung zurückzuerhalten.
Meiner Meinung nach müssten die Schulleitungen wieder entmachtet werden und Einstellung und Aufsicht der Lehrer und die Qualitätssicherung des Unterrichts an die Politiker respektive die Schulpfleger zurückgehen.
Anstatt Schulleitungen würde ich eine Rückkehr zum Modell des Schulhausvorstandes vorschlagen, sozusagen erfahrene Lehrer als Primus inter Pares mit besonderen Aufgaben, aber ohne Weisungsbefugnis gegenüber den Lehrerkollegen.
Deren Hauptaufgabe wäre auch das Unterrichten, aber daneben würden sie finanziell entschädigt oder zeitlich entlastet für gewisse organisatorische und administrative Aufgaben, die an einer Schule anfallen und die Lehrerkollegen an der Front entlasten.
So war es früher und hat ganz gut funktioniert. Es würde die Lehrer nicht nur aus der totalen Abhängigkeit zur Schulleitung befreien, sondern ihnen auch die ihnen eigentlich immer noch zustehende Lehrfreiheit und direkte pädagogische Verantwortung für den Unterricht zurückgeben.
Und die Beurteilung wäre zurück bei den Schulpflegen, welche politisch die Haltungen der Bevölkerung abdecken.
Als erwünschter Nebeneffekt würde man so das Bildungssystem massiv verschlanken und verbilligen. Ich kann nur an die Politiker appellieren: Holt euch die Bildung zurück!
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Ja, früher war alles besser. Das war schon immer so 😉.
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Öffentliche Schulen in der Schweiz (wenn man noch Schweiz sagen kann) sind schlimm. Wir sind ausgewandert… 2 CH-Kinder auf 20… Sagt alles.
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Früher war alles besser und ich bin von früher. Als noch zwei Jahrgänge gleichzeitig in einem Klassenzimmer sassen. 🤘
Hat tipptopp funktioniert.
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Ziegler, wenn Sie meinen „im Idealfall wäre die Schule ein Spiegelbild der politischen Haltungen und Strömungen in der Bevölkerung“ dann sollten Kinder z.B. im Berner (SVP-)Oberland nicht Mathe, IT und Sprachen lernen, sondern Fahnenschwing und Nationalhymnesing, oder ?
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Meier: das wäre alleweil besser als das was in ZH und BE gelehrt wird: Molotowcocktail basteln und Polizisten bespucken