Prüferin PwC verschickt falsche Lohnausweise

Hunderte Berater erhalten Daten von Kollegen – peinlich für Nummer 1, die den Banken zeigen will, wies geht.

Die PwC ist die wichtigste Prüf- und Beratungsfirma der Schweiz. Ihre 2’600 Mitarbeiter sind in allen Branchen am Ball und machen allein in der Finanzindustrie fast 300 Millionen Jahresumsatz.

Ausgerechnet jene Gesellschaft, die ihren Kunden Exzellenz in internen Prozessen aufzeigen will, stolpert über einen Anfängerfehler. Sie verschickte Lohnausweise an die falschen Adressaten.

Laut einer Quelle sollen Hunderte von PwC-Berater und -Angestellte in den letzten Wochen ein falsches Blatt mit den Einnahmen und Sozialleistungen für 2013 und die Steuern erhalten haben.

Die PwC bestätigt den Fehler. „Aufgrund eines Programmfehlers kam es beim Lohnausweisversand zum Teil zu Fehlzustellungen“, sagt Claudia Sauter von der Beratungsfirma.

„Gewisse Lohnausweise wurden dadurch an falsche Adressaten gesandt“, fährt Sauter fort. „Wir haben die Ursache in der Zwischenzeit ermittelt.“

Nichts will die PwC-Frau sagen über das Ausmass, die Verantwortlichkeiten und die Konsequenzen aus dem Unglück.

Die betroffenen Mitarbeiter seien kontaktiert worden, nun würden „die korrekten Lohnausweise“ zugestellt, meint die Sprecherin lediglich.

Der Erklärungsbedarf ist gross. Der Falschversand erinnert an das Debakel bei der Bank Coop. Diese hatte zum Jahresanfang Tausende von Konto- und Depotauszüge an die falschen Kunden geschickt.

Der Fehler bei der PwC ist im Vergleich zum Bank-Coop-Vorfall peinlicher. Während die Bank in einem Fremdgebiet, nämlich der Logistik und IT, stolperte, erwischte es die PwC in ihrer Kerndisziplin.

Das globale  Unternehmen mit weltweit gegen 200’000 Mitarbeitern prüft nicht nur Firmenbücher und macht Steuerabschlüsse, sondern sie berät auch viele Unternehmen in internen Prozessen.

Dabei wirbt sie wie ihre Konkurrenten mit Qualität und Exzellenz. In Hochglanzbroschüren versuchen die PwC-Berater aufzuzeigen, wie Unternehmen ihre Effizienz steigern können.

Bei der eigenen Qualität ist es aber offensichtlich nicht zum Besten bestellt. Damit gerät die PwC ein weiteres Mal ins Schlaglicht.

Aufsehen erregte ein PwC-Gutachten in der Affäre um SNB-Chef Philipp Hildebrand vor 2 Jahren. Die PwC-Partner stellten Hildebrand mit seinen Dollar-Deals zur Unzeit einen Persilschein aus.

Auch bei der Hyposwiss und deren Milliarden-Transfers für einen Oligarchen bescheinigte die PwC der Auftraggeberin, Hyposwiss-Mutter Sankt-Galler Kantonalbank, absolut korrektes Verhalten.

Die Negativ-Headlines kommen der PwC ungelegen. Der grössten Prüfgesellschaft des Landes fehlen ausgerechnet die lukrativsten Mandate in der Finanzindustrie.

Die PwC ist zwar die Revisionsgesellschaft der Raiffeisengruppe als Dritte Kraft im Land. Die beiden Grossen UBS und CS sind hingegen bei Ernst &Young respektive KPMG. Auch die ZKB ist bei E&Y.

Mit ihrem Präsidenten Markus Neuhaus verfügt die PwC über einen der einflussreichsten Strippenzieher hinter den Kulissen.

Neuhaus gilt in der ganzen Finanz-Regulierung als Spiritus Rector. Seine PwC erhält wie die anderen grossen Prüfgesellschaften regelmässig Aufträge der Aufsicht Finma.

Neuhaus ist Teil der Wirtschaftselite des Landes. Er sitzt im wichtigsten Rotary-Club und ist Mitglied in einem elitären St. Galler Thinktank.

Für Neuhaus ist das Debakel mit den Lohnausweisen ein Rückschlag.

Ausgerechnet unter Machtmensch Neuhaus, intern als Kontrollfreak bekannt, ist der PwC ein solcher Amateurfehler unterlaufen.

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15 Kommentare zu “Prüferin PwC verschickt falsche Lohnausweise

  1. Ueberall aber wirklich ueberall bröckelt die ehemals ausgezeichnete Schweizer Qualität. Alles nur noch Warmluftbläser und Wichtigtuer statt zuverlässige Arbeiter. Viele von denen in unser Land als sog. Hochqualifizierte eingewandert. Einfach nur lächerlich keep it simple and straigtht forward…

    • Die schweizer Qualität ist Opfer von Einspaarungen geworden! Verursacher: schweizer Chefs.

    • Die Löhne sind intern offen und Lohnerhöhungen gehen nur mit einem neuen Rang einher – Alles halb so schlimm…

  2. Alle aus den „Big 4“-Prüfgesellschaften wollten uns in der Umsetzung der neuen Liquiditätsvorschriften „beraten“:
    – Vorschlag: Analyse der Abflussraten für Spargelder etc. mittels Monte Carlo-Analysen, Kostenpunkt: ab 25 TCHF.
    – Unsere Umsetzung: Analyse der Historie, Ermittlung der max. Abflussraten in den letzten 20 Jahren und Multiplikation dieses Werts mit 3. Kostenpunkt: 1.5 Arbeitstage intern, externe Kosten 0.
    Aber wahrscheinlich liegen wir völlig daneben 😉

  3. Bei Beratungsfirmen sollte man nie hinter die Kulissen schauen: die internen Prozesse und Strukturen sind meistens haarsträubend.
    Es ist eben ein Riesenunterschied, einem Kunden ein schönes Konzept zu verkaufen, oder selbst einmal die Ärmel hochzukrempeln und es umzusetzen.

  4. Erstaunt gar nicht, wenn man weiss, wie solche Firmen arbeiten. Oben Partner, die immer mehr verdienen wollen. Dann eine Pyramide von Seniors und Managern, die sich irgendwie durchschlagen und zuunterst Assistenten, die ausgepresst werden. Die Qualität endet auf dem Glanzpapier und den Anpreisungen auf den Websites und natürlich dem breitspurigen Getue. Dazu kommt noch, dass der Markt diesen Firmen unten wegbricht. Mit unsäglichem anglo sächsischen Formalismus brechen sie sich zudem noch selber das Genick.

    • Ich denke eine solche Generalisierung ist fehl am Platz. In meinem Team wird man als Assistant super behandelt und gefördert. Man muss halt der Typ Mensch sein, der mit der Branche und ihren Anforderungen mithalten kann!

  5. Leider passt das ins Bild der so genannten „Big Four“ Prüfgesellschaften. EY – we are building a better world:-) hat über Jahre bei der Prüfung auf der UBS auf der ganzen Linie (Subprime Krise, Internes Kontrollsystem, Risikomanagement etc.) völlig versagt. Unsere Firma hat sich schon seit langem von EY getrennt und wird durch kompetente Wirtschaftsprüfer, nicht durch Luftheuler, geprüft.

    • Das würde mich auch interessieren. For allem bitte eine Alternative, die die Lizenz zur Bankenprüfung hat. 🙂