Vontobels Stress mit dem grossen Uli Hoeness

Wie kamen Millionen von Bayern-Präsident in die Schweiz? Deutschland-Links rücken Bank ins Schlaglicht.

Uli Hoeness‘ Fussballkarriere war nur der Anfang für dessen kometenhaften Aufstieg. Der 61-jährige wurde zur Instanz für Werte und Verhalten, auf Augenhöhe mit Kanzlerin Angela Merkel.

Nun ist Hoeness im freien Fall. Rund 20 Millionen Euro könnte der Moralapostel schwarz in der Schweiz gehalten haben. Egal, ob die Selbstanzeige ein Strafverfahren abwendet: Hoeness ist fertig.

Zwei Dinge werden nun spannend. Wie stark rennen deutsche Steuerhinterzieher zum Fiskus und beichten ihre Sünden?

Wie gefährlich wird Hoeness für die Bank Vontobel, wo der Zampano von Millionärsklub FC Bayern und mit engsten Beziehungen zum Polit-Establishment seine Millionen bunkerte?

Linke Spitzenpolitiker frohlocken. Die Schlaumeier hätten mit Hoeness „ein Gesicht“ erhalten, sagte der Jäger der geraubten CD-Bankschätze Norbert Walter-Borjans in Günther Jauchs Talkshow.

Nun würde allen klar, warum man im Dezember das Abkommen mit der Schweiz abgelehnt habe. Es hätte zu viele einfache Auswege für Leute wie Hoeness geboten.

No mercy also. Dass die Abgeltung den öffentlichen Pranger verhindern sollte, geht im Trommelfeuer unter.

Für die Schweiz ist Hoeness‘ Fall wegen der honorigen Bank Vontobel interessant.

Die Zürcher haben mit dem 96-jährigen Hans Vontobel ein moralisches Gewissen als oberste Figur. Ausgerechnet Vontobels Institut gerät wegen dem Sturz des Säulenheiligen ins Visier.

Vontobel geht in Deckung. „Wir dürfen behauptete Geschäftsbeziehungen mit der Bank aus gesetzlichen Gründen bekanntlich weder bestätigen noch dementieren“, sagte gestern Abend ein Sprecher.

Dann folgt Schadensbegrenzung. „Wir begrüssen aus allgemeiner Sicht, dass deutsche Staatsbürger den eigenverantwortlichen Weg in die Steuertransparenz über eine Selbstanzeige suchen – gerade weil Vontobel auf die Zusammenarbeit mit steuerehrlichen Kunden ausgerichtet ist.“

Fragen bleiben. Warum landete Uli Hoeness mit seinen Millionen, die er von einem einstigen Adidas-Chef erhalten und mit denen er nicht deklarierte Börsengewinne erzielt haben soll, ausgerechnet bei der kleinen Vontobel-Bank?

Die Gefahren im deutschen Beratungsbusiness sind bekannt. Julius Bär und Credit Suisse mussten hohen Ablass für Verstösse bezahlen, die UBS steckt in Verfahren.

Ins Schussfeld gerät das Zusammenspiel zwischen deutschen Onshore- und Schweizer Offshore-Aktivitäten.

Wie im Steuerkrieg mit den USA droht die Offenlegung eines Systems, bei dem die lizenzierten Berater in Deutschland nur als Kulisse für das wahre Schwarzgeld-Geschäft in der Schweiz dienten.

Vontobels Links in den Norden reichen weit. Sie sind sowohl geschäftlicher als auch personeller Natur.

Geschäftlich ist Deutschland Vontobels zweite Heimat. Die Bank ist dort mit mehreren Standorten präsent und dürfte entsprechend viele Gelder aus deutscher Herkunft haben.

Ein Bericht des Magazins Stern vom Januar liess aufhorchen. Eine Grösse aus der deutschen Fussball-Bundesliga habe über 500 Millionen Euro bei der Bank Vontobel versteckt.

Personell wird Vontobel von einem Deutschen beherrscht. Er heisst Herbert Scheidt, stammt aus dem Nachbarland und hat Vontobel zuletzt faktisch zu seiner Bank gemacht.

Scheidt könnte Kunde Hoeness gekannt haben. Jedenfalls wäre dies keine Überraschung. Bekannte Grössen mit einem stolzen Vermögen auf dem Konto sind oft Chefsache.

Bis 2002 war Scheidt bei der Deutschen Bank. Von Genf aus leitete er deren weltweites Private Banking. Gleichzeitig war er operativer Chef des Schweizer Ablegers des Finanzmultis.

Die nächsten fast 10 Jahre führte er Vontobel. Er forcierte sein Kerngebiet, die Vermögensverwaltung.

Damit ist Scheidt weitgehend gescheitert. Dafür gelang es ihm, das uneingeschränkte Vertrauen von Hans Vontobel und dessen Familie zu gewinnen. Diese kontrolliert die Mehrheit der Bank.

Im 2011 schaffte Scheidt den letzten Schritt zur obersten Machtposition. Er wurde zum Präsidenten von Vontobel gewählt.

In Interviews nimmt sich Scheidt gern den grossen Fragen an. Der Schweiz am Sonntag sagte er gestern Markiges.

Auf die Frage, ob die Deutschen nie mehr mit CD-Käufen aufhören würden, meine Scheidt: „Ich halte dieses Vorgehen rechtlich für äusserst fragwürdig – auch, weil die Schweiz mit der Abgeltungssteuer eine Lösung offeriert hat, die den deutschen Behörden dieses unwürdige Vorgehen erspart hätte.“

Kommentare

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  1. Nun hat es auch die Bank Vontobel erwischt. Ja, ja. Hochmut kommt vor dem Fall! – Eigentlich brauchen wir keine Privatbanken mehr!

    • Was wir noch viel weniger brauchen, sind inhaltsleere Kommentare!

  2. Es ist noch lange nicht erwiesen, dass die Bank Vontobel davon wusste, dass ihr Kunde U. Hoeness sein dort gelagertes Vermögen (und/oder dessen Erträge) nicht versteuerte. Schliesslich ist es immer noch Eigenverantwortung, die Steuererklärung richtig auszufüllen (oder ausfüllen zu lassen, wie vermutlich im Fall Hoeness). Das SPD-Argument betr. Abgeltungssteuer stimmt allerdings: Es wäre wohl Geld für D geflossen, aber die Steuersünder früherer Jahre hätten sich verstecken können. Jetzt fliesst kein Geld, dafür werden CDs mit gestohlenen Bankdaten gekauft (=Hehlerei durch deutsche Autoritäten) und die D-Steuerbehörden müssen nun die Steuersünder selbst finden.

  3. Es erstaunt immer erneut: Für wie dumm hält z.B.der zitierte Herr Scheidt das „einfache“ Volk! Die anonyme und amnestierende Abgeltungssteuer,ein reinrassiges,bauernschlauesn Konstrukt eines Schweizer Privat-Banker-Gehirns in Verbindung mit dem Verbot künftiger CD-Daten -Verwertung: warum wohl hat z.B.nach seinen eigenen Worten ,Herr Hoeness darauf gesetzt? Und die so blumig beschriebenen „bis zu 10 Milliarden Euro“ ,die von den Schweizer Banken dann eingesammelt worden wären? Woher wissen die, die das verbreiten, wieviel Schwarzgeld in der Schweiz lagert?Und wer kontrolliert,dass dann auch tatsächlich alle Schwarzgeldkonten erfasst werden und wer kontrolliert ,dass dann auch die Bestände jedes einzelnen Kontos richtig erfasst wird? Haben denn diese Leute denn das geplatzte Steuerabkommen und sein Zusatzabkommen jemals gelesen? Wer es studiert hat,kann keines der Argumente seiner Promoter nachvollziehen. Es ist ein Glücksfall für die Rechtschaffenheit in der Schweiz und in Deutschland,dass das Abkommen und diese anonyme und amnestierende Abgeltungssteuer nicht zustandegekommen ist. Bemerkenswert, wie innerhalb weniger Wochen der deutsche FinMinister wieder auf seine Linie v o r. Dem mit FM Merz und Frau FM EWS angegangenen Abkommen eingeschwenkt ist und sie zum richtigen Weg erklärt: den Automat.Datenaustausch. Seltsam:Hat nicht Der Herr Präs.der Privatbanken der Schweiz noch vor zwei Wochen den AUt.DatenA verdammt und hat derselbe Herr vor drei Tagen ihn für möglich deklariert?

    • Mit der Abgeltungssteuer hätte der Deutsche Staat auf eien Schlag seine Steuerschulden erhalten. Doch die Linken setzen wie erwähnt viel lieber auf eine Art Hexenjagd! Einzelfälle, welche den Medien zugespielt werden, den modernen Pranger!

      Die Steuer, die beispielsweise Herr Hoeness bezahlen muss nach seiner Selbstanzeige beträgt ein Bruchteil von dem, was die Abgeltungssteuer gekostet hätte.

      Und auch mit der Abgeltungssteuer hat jeder Kunde die Wahl, ob anonym oder mittels Steuernachzahlung. Der automatische Datenaustausch wird ein riesiger Datenfriedhof oder um Paul Dieter Mehrle zu zitieren: Wer garantiert dass alle Daten gemeldet werden? Würden die Deutschen auch Daten in die Schweiz liefern oder bleibt es eine Einbahnstrasse?
      –> Deutschland, das Land der Datenschützer!?

    • @Clude

      Da bin ich ziemlich gleicher Meinung. Was für die Abschaffer der Privatsphäre immer so einfach und logisch klingt – automatischer Datenaustausch – ist in der Realität ein riesiger Datenberg, der niemals effizient bewirtschaftet werden kann. Die Folge wird absolute Willkür sein. Alle unbequemen Zeitgenossen sollten sich schon mal in Acht nehmen. Zustände àlà DDR.

      Bevor die Leute brav Steuern bezahlen, muss der jeweilige Staat bereit sein, mit dem Steuersubstrat haushälterisch umzugehen. Der Ausbau des Beamtenapparats dürfte das Vertrauen kaum erhöhen.

      Wir können nur hoffen, dass vernünftige Entscheidungsträger noch rechtzeitig eingreifen.

  4. Ich mag mich noch gut an UH’s markige Worte bezüglich FIFA und Sepp Blatter erinnern; Diesen Saustall voll mit korrupten Funktionären gehört schon lange ausgemistet! Daher gilt einmal mehr: „Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen!“

  5. Vontobel wird davon nicht im Geringsten tangiert. Denken wir an Helmut Kohls gebunkerte Millionen aus der „Staatsbürgerlichen Vereinigung“ in den 70-ern, die als „Jüdische Vermächtnisse“ (LOL)deklariert wurden und über LI nach ZH kamen.
    Wieviele Milliarden – ja wir leben in diesem Zeitalter – Uli H. gebunkert hat. Schaun ma mal.

  6. Typisch Deutschland –> die Linken warten nur auf solche Möglichkeiten um eine Hexenjagd zu starten!

    Ich hoffe vermögende Deutsche, unbescholtene Bürger sehen diese Entwicklung und kehren dem Land den Rücken, denn nur so sehen auch die Linken, wer den Grossteil zum Steuersubstrat beiträgt. Leute die nur am Tropf des Sozialstaates hängen müssen finanziert werden…

    Eine Sauerei, dass jemand der Selbstanzeige leistet in den Medien dermassen diffarmiert werden darf.

    Passt zu den aktuellen Tendenzen unserer Neidgesellschaft. (Was nicht entschuldigen soll, dass Herr Hönes Steuerhinterziehung begangen hat)

    • Ist das ein Schweizer Problem? Müssen wir Robin Hood spielen. Haben sie schon mal ungefähr nachgerechnet, wieviel in der Zwischenzeit an unserem Sozialstaat hängt und wie lange noch das Finanzierbar ist. In Anbetracht der auf uns zukommenden absehbaren massiven Steuererhöhungen müssten Sie sich eher fürchten.

  7. Uneinsichtige Aussagen von VRP Scheidt, für solche Personen weiterhin anonymisierte Konten zu führen, helfen in dieser Sache bestimmt… Lach. Die Schweizer Banken können bis dato heute kein Konzept präsentieren, welches aufzeigt wie eine Abgeltungssteuer tatsächlich korrekt abgeliefert werden soll. Vertrauensbasis der Banken? Doppelt Lach. Wer glaubt den CH-Banken noch? Durch das Nicht-einhalten der QI-Bestimmungen mit den USA haben die Schweizer Banken jeden Funken Vertrauen einer ausländischen Behörde verloren. Und auch recht so. Die Finma, politische Führung und Verantwortliche des Schweizer Private Bankings gehören für dieses unentschuldbare Fehlverhalten an den Pranger gestellt. Das Supplementary Document der IRS listet diese Behörden 1zu1 als Verantwortliche für die korrekte Umsetzung auf. Die Deutschen werden den Teufel tun sich auf irgendetwas mit Schweizer Banken einzulassen. Immer noch noch nicht gemerkt. Gute Nacht.

    • Solche Stammtisch-Meinungen passen zu diesem Thema!

      Abgeltungssteuer –> AT sowie GB funktioniert und wird funktionieren

      QI –> funktioniert

      FATCA –> wird funktionieren

      Die Schweizer Banken sind wahrscheinlich die einzigen, die solche Abkommen in derart kurzer Zeit umsetzen können. Stellen Sie sich vor eine Deutsche Bank oder gar eine Bank irgendwo im Ostblock müsste das machen!? Lächerlich solche Aussagen.

    • Die AT und GB’s nehmens auch „wahnsinnig“ genau. Die sitzen ja im gleichen Boot wie die CH’s… QI funktionierte eben nicht. Deshalb gibts jetzt Fatca obendrauf. Nix Stammtisch, harte Realität. Der Fall Hoeness illustriert die Problematik. Man kann das Ganze noch immer wegreden, nur zu. Die CH Banken machen das nun schon 5 Jahre und kommen auf keinen grünen Zweig.

  8. Dass Uli Hoeness seit Jahren exzellente Beziehungen in Zürich unterhält, war ja offensichtlich. Er verfasste auch Artikel in der SonntagsZeitung.

    Natürlich hat er jeweils nicht nur seine Freunde in der TA-Sportredaktion besucht. Immerhin konnte er scheinbar sein in Zürich gebunkertes Vemögen in den letzten Jahren, dank cleveren Börsengeschäften, kräftig vermehren. Dies können nicht alle Kunden, insbesondere wenn sie auf Slogans wie „fair banking“ und „garantiert sicher“ hereinfielen, von sich behaupten.

    In D wird schon wieder von Hunderten von Millionen EURO geschrieben!

    • Börsengeschäfte ? ich tippe eher auf Devisengeschäfte.
      da kann man mit grossen Beträgen und Hebeln dealen und reich werden. Ganz easy

  9. Nun hat’s einen bekannten Deutschen Super-Star erwischt, gleichwohl mit einer Selbstanzeige. Mich dünkt man jagt nun nach jedem und die Gewährleistung der persönlichen Rechte ist in Frage gestellt.Nun, der Bayer ist schon sehr sehr lange Bankkunde in der Schweiz, wo auch immer er seine Konten hatte, sicher auch bei Vontobel. Es ist eine Sache die zwischen Hoeness und dem Fiskus in Deutschland ausgefochten wird, da hat die Bank keinen Einfluss.Der Kunde ist verantwortlich für die Besteuerung, nicht die Bank.

  10. Die Gelder kamen nicht und nie aus Deutschland, die waren schon hier, auf einem Konto von Dreyfuss! – Wird wohl wieder ein Sturm im Wasserglas.