Sergio Ermotti vergoldet UBS-Chefs und Trader

Bonus explodiert auf 3,2 Milliarden – oben wird geschüttet, unten gibts nichts – Exit-Stillstand im Handel.

Die UBS-Spitze strotzt vor Selbstvertrauen. Man habe 2013 die „meisten Leistungsziele übertroffen“. Das führte zu einem Gewinn von 3,2 Milliarden.

Entsprechend leert die Führung das Füllhorn aus. Der Gesamtbonus schiesst um über einen Viertel auf ebenfalls 3,2 Milliarden hoch.

Vergoldet werden Spitzenleute und Trader in der Investmentbank, die sich zunehmend auch in der Vermögensverwaltung breitmachen. Sie erhalten den Grossteil des warmen Bonusregens.

Die UBS begründet dies mit ihrem Rückstand bei den Löhnen. „Angesichts der erzielten Erfolge in absoluter und relativer Hinsicht wurden die Abstände zur marktüblichen Bezahlung reduziert“, schreibt sie.

Mit „marktüblich“ meinen CEO Sergio Ermotti und UBS-Präsident Axel Weber die Entschädigung im Vergleich zur eigenen Leistung und jener der Konkurrenz.

Diese wird von den beiden in den Himmel gelobt. Der Tessiner Investmentbanker und der deutsche Ex-Notenbanker freuen sich über Gewinnsteigerungen in allen Sparten.

In scharfem Kontrast steht ihre Einschätzung der Zukunft. Viele Märkte blieben weiterhin unsicher.

„All dies könnte weitere Ergebnisverbesserungen unter den herrschenden Marktbedingungen unwahrscheinlich machen“, warnen sie heute.

Jubel über das Jahr 2013, Pessimismus fürs 2014 – so schafft die neue UBS-Rennleitung die Basis, um abzukassieren, bevor der wahre Zustand des Finanzriesen zum Vorschein kommt.

Der massive Gewinnsprung ist vor allem die Folge von Buchhaltung und Justiz.

2012 trat Ermotti in der Investmentbank auf die Bremse. Er verkündete einen Exit in weiten Teilen des Zinsengeschäfts und einen Abbau von 10’000 Mitarbeitern.

Dafür legte Ermotti rund 3 Milliarden Restrukturierungskosten auf die hohe Kante. Zudem bezahlte die UBS Ende 2012 gegen 1,5 Milliarden Libor-Strafen.

Zusammen führte das zu einem Milliardenverlust. Nun folgen 3 Milliarden Gewinn.

Dass dieser nur beschränkt mit mehr Leistung zu tun hat, zeigt ein Blick in die Bücher.

Dort gibt es einen Riesenposten, der entscheidend war für den „Swing“ vom tiefen Minus ins schöne Plus. Er heisst „Wertminderung auf Goodwill“ und zog die Bank 2012 um 3 Milliarden hinunter. 2013 blieb eine solche Korrektur aus.

Ohne den Goodwill-Abschreiber wäre die Erholung der Grossbank wenig eindrücklich. Es käme eine UBS zum Vorschein, die pro Quartal weiterhin dürftig abschneidet.

Im vierten Quartal erzielte die Bank vor Steuern 449 Millionen Gewinn, im dritten 356 Millionen. Diese „echten“ Erfolgszahlen zeigen: Die UBS ist noch lange nicht dort, wo sie von ihrer Grösse her hinmuss.

Der clevere Ermotti versteht das kleine Einmaleins von Buchhaltung und Selbstdarstellung. Ende 2011 hatte er das Steuer übernommen und der UBS nach 11 Monaten eine scheinbare Radikalkur verschrieben.

So konnte der neue Boss seinen Vorgängern ein tiefes Minus anhängen. Mit dem jetzigen Sprung ins Plus steht Ermotti als strahlender Sieger da.

Nur: Das Bild trügt. „He does not deliver“, müsste es in der Sprache von Ermottis Investmentbanker-Gilde heissen.

Ende Oktober 2012 hatte Ermotti versprochen, den UBS-Tanker radikal zu verkleinern. Als Ziel gab er einen Mitarbeiterbestand von noch 55’000 an.

Der adrette Ticino-Clooney machte sich ans Werk. Innert weniger Monate wurden Tausende von UBS-Banker entlassen, freigestellt oder ausgelagert.

Dann kam es zum Exit-Stillstand. In den Monaten Oktober bis Dezember des zurückliegenden Geschäftsjahres baute die UBS praktisch keine Leute mehr ab.

Per 31. Dezember 2013 wies die UBS immer noch 60’205 Angestellte auf ihrer Payroll aus, nur 400 weniger als Ende Oktober und weit weg vom angestrebten Ziel von 55’000.

Der Ausstieg aus der Investmentbank ist kein richtiger. Ermotti, der geborene Trader, behält die Sparte gross.

Mit 2,5 Milliarden Vorsteuergewinn war der Bereich unter „Buddy“ Andrea Orcel der stärkste, sogar vor der traditionell rentabelsten Vermögensverwaltung.

Der Exit-Stillstand führt dazu, dass die UBS die Löhne und Boni pro Kopf stärker erhöht, als die absoluten Zahlen signalisieren.

Der gesamte Personalaufwand betrug 15,2 Milliarden, eine halbe Milliarde mehr als im Vorjahr.

Geteilt durch Anzahl Leute ergibt das im Schnitt eine Entschädigung von 252’000 Franken pro Kopf. Im Jahr zuvor waren es 235’000.

Die Zunahme um 7 Prozent sieht nicht nach extrem viel aus.

Doch das ist nicht der Punkt. Ausschlaggebend ist, wie die 7 Prozent verteilt werden.

Da zeigt sich: In Ermottis UBS wird oben geschüttet und unten gedrückt.

Kommentare

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  1. 3.2bn auf 60,000 Mitarbeiter verteilt ist 50,000 pro Mitarbeiter, dies ist wiederum etwa 20% der Lohnsumme. Relation Basislohn:Bonus scheint vernünftig.

    Wie die UBS das tatsächlich verteilt ist ihre Angelegenheit. Mitarbeitende können Konsequenzen ziehen.

    Verstehe die Diskussion nicht.

  2. @Pensionskässler, @Schorsch Gangnepasbien

    Bitte schreiben Sie hier doch eimal exakt auf, wie das Stimmverhalten der Pensionskassen an der GV manipuliert wird.

    Sie haben den Schlüssel in der Hand, dieser Abzockerein endlich einen Riegel zu schieben.

    Das zeigen Ihre Beiträge weiter unten.

    Danke

    Marc Meyer

    • @Marc Meyer: Sorry, meinen Beitrag habe ich ganz unten, nach Ihrem ersten Kommentar, angehängt. Die Situation bei den (gemeinnützigen Kapital-) Stiftungen kann ich recht gut beurteilen. Das Thema gefällt mir, denn ich bin frustriert, wenn ich jeweils der einzige bin, der auf diese Problematik (immer erfolglos) hinweise.

    • @Rückbauer

      Besten Dank für Ihren Beitrag.

      Bei diesen „floatenden“ Aktienstimmen (offenbar auch von Stiftungen) liegt m.E. der Schlüssel, um Missbräuche bei den Boni zu unterbinden.

      Wie lange geht es noch, bis die Politikerinnen und Politiker sowie die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger das begreifen?

      Solange dies nicht erkannt wird, werden die Missbräuche voraussichtlich weitergehen.

      Danke und freundliche Grüsse

      Marc Meyer

  3. Die jetzige Struktur der UBS wurde im wesentlichen von O. Grübel vorgegeben: Das gesamte Fussvolk (Backoffice, IT etc) wird im Corporate Center angesiedelt. Verluste und Restrukturierungskosten werden dort verbucht und mit Stellenabbau saldiert. Gewinne werden in den Divisions verbucht und an Trader, MD’s etc ausgeschüttet. Das Fussvolk hat leider keine Ahnung, wieviel Macht es hat. Ein eintägiger Generalstreik würde schon genügen, um die Bank ins Nirvana zu schicken…

    • Das Fussvolk ist mittlerweile zu 50% in Indien angesiedelt, Tendenz steigend. Wenn es einem Inder nicht gefällt, wird er durch einen anderen ersetzt – so einfach ist das.

  4. Herr Ermotti hat offenbar den PR Schaden seiner Aktion total unterschätzt. Dieser unmoralische Diebstahl an den Atkionären und schlussendliche den Steuerzahlern könnte die Volksseele zum Ueberkochen bringen. Aber bis dann haben die Herren sich ja längst in ihre sicheren Hafen abgesetzt.

  5. Das gibt’s ja nicht:
    Gewinn 3.2 Mrd.
    Boni 3.2 Mrd.
    Steuern für Kt. Zürich 0.00

    Wie lange lässt man sich noch von den angestellten Manager terrorisieren?

    Das ist ein einfacher Raubzug auf die Kasse der Besitzer, resp. der Allgemeinheit.

    • Die Antwort könnte den Wahlkampf ums Stadtpräsidium entscheiden. Was sagt der Filippo dazu, bewegt das die Corinna die nächsten Jahre…
      NB: Die Bonimenschen zahlen ja mehrheitlich ausserhalb der Stadt ein paar Steuerfränklis.

    • Wieso Steuern für Zürich null?
      Einige der Empfänger dürften doch im Kanton Zürich wohnen.
      Aber, das Verhältnis ist einfach inakzeptabel.

    • Der springende Punkt ist, dass Boni nur aus dem steuerbaren Reingewinn bezahlt werden dürften (wie Tantiemen, d.h. Boni gibt’s wenn der Reingewinn dies zulässt).
      Damit würden die Steuereinnahmen nicht durch Boni Zahlungen reduziert.

      Dass die Angestellten z.T. in Zürich Steuern zahlen ist klar, aber das machen alle (auch Richter und Staatsanwälte, ohne Boni) und das ist keine Entschuldigung für die Tatenlosigkeit der Steuerbehörden.

      Es ist klar, dass die Politiker sich lieber von den Grossen verhätscheln lassen, als dass sie für die Allgemeinheit Steuern eintreiben würden.

    • Boni sind im Gewinn schon drin. Gewinn wird versteuert, die gewinnschmälernden Boni werden beim Mitarbeiter an seinem Wohnsitz versteuert. Corporate-Gewinnsteuern sind i.d.R. tiefer als für Privatpersonen, aber das kann je nach Land sehr unterschiedlich sein.

    • @WTG: ja, ein Verlustvortrag ist hier zu Lande absolut legal. Und wer vermeidet nicht schon gerne Steuern. Lange Zeit waren die Steuern der Banken ein Segen und im Moment halt etwas weniger. Finde ich gut. So kann die soziale Regierung in ZH mal wieder etwas Zurückhaltung üben. Gilt ja auch für alle, die in der UBS den Job verlieren oder verloren haben.

  6. Auf den zweiten Blick sind die Zahlen enttäuschend. Trotzdem bereichert sich das Top-Management ungerechterweise auf Kosten der Aktionäre und auf Kosten der Steuerzahler. Die UBS wird ja noch länger keine Steuern zahlen müssen, dafür fliessen die Boni wieder in Strömen ins Ausland um die so genannten Top-Shots bei Laune zu halten. Der Schweizer Angestellte bleibt einmal mehr auf der Strecke. Noch schlimmer, die UBS muss bereits wieder grosse Summen für anstehende Bussen zurückstellen. Zurzeit interessiert das niemanden, aber die Rückstellungen werden wohl kaum reichen, weil das Ausmass des neuesten Skandals im FX-Bereich den Libor-Skandal definitiv in den Schatten stellen wird. Für mich ist die UBS Aktie auf diesem Niveau ein „big sell“

  7. Der Grund für diese erneute „Abzockerei“ liegt in einem sogenannten „Staatsversagen“. Der Staat deshalb eine Mitschuld an diesen Auswüchsen.

    Der Staat hat Vorschriften erlassen bezüglich staatlich verordnetem Sparen (Pensionskassen, Versicherungen usw.) Diese Vorschriften sind gut.

    Der Staat hat dabei aber „vergessen“, dass er auch festlegen muss, wie die Stimmrechte dieses staatlich verordneten Sparens zu gebrauchen sind. Konkret: Wie haben die Pensionskassen abzustimmen?

    Meistens ist es so, dass die (Klein)-Aktionäre bei einer Generalversammlung mit grosser Mehrheit gegen diese exorbitanten Boni sind.

    Bei der Abstimmung über die hohen Boni wird dann aber trotzdem im Sinne des Verwaltungsrates für die hohen Boni entschieden. Grund: Die Pensionskassen, Versicherungen usw. stimmen im Sinne des Verwaltungsrates ab.

    Störend ist das, weil diese Pensionskassen genau diese Pensionäre im Saal vertreten, welche vehement dagegen sind. Mit den Stimmen der Pensionskassen wird gegen den Willen der Pensionskassenversicherten abgestimmt, welche letztlich den Kauf dieser Aktien durch die Pensionskassen ermöglicht haben.

    Das ist ein Missbrauch der Stimmrechte der Pensionskassen!

    Es kann nicht sein, dass die Interessen der Kleinaktionäre dermassen von den Interessen der Grossaktionäre abweichen. Das ergibt keinen Sinn. Gerade die pensionierten Aktionäre bzw. die Aktionäre im Saal haben ein gesundes ökonomisches Gespür. Das haben sie oft bewiesen.

    Hier liegt m.E: eindeutig ein Missbrauch vor.

    Es wäre interessant, zu wissen, weshalb die Grossaktionäre an der Generalversammlung immer wieder gegen die eigenen Interessen stimmen. Hier befinden wir uns offenbar in einer undurchsichtigen Grauzone. Wie kommt diese Meinungsbildung zustande?

    Bestechung? Gegengeschäfte?

    Ich kenne Sergio Ermotti aus meiner Zeit bei Citicorp Investment Bank. Ich habe ihn als integeren Kollegen in Erinnerung. Ich will ihm keine unlauteren Machenschaften unterstellen. Möglicherweise liegt hier ein enormer Gruppenzwang vor, dem sich weder Ermotti noch Weber entziehen können.

    Meine Frage bleibt aber: Wie ist es möglich, dass Grossaktionäre gegen ihre eigenen Interessen abstimmen. Boni in der Höhe des Gesamtgewinns können nie und nimmer im Interesse der Unternehmensbesitzer sein.

    Noch schlimmer als die hohen Boni sind die Risiken, welche die Manager eingehen, um den Gewinn so stark heraufzuschrauben, dass sie an die hohen Boni herankommen. Ermotti hat das nun offenbar mit Buchhaltungstricks geschafft. Aber auf die Dauer geht das nicht.

    Früher oder später werden die Bankgeschäfte wieder riskant werden. Die Finanzkrise lässt grüssen.

    Aus diesem Dilemma gibt es nur einen Ausweg: Die Pensionskassen usw. müssen per Gesetz dazu verpflichtet werden, im Sinne ihrer Versicherten abzustimmen.

    Dazu ist der Wille der Versicherten ex ante representativ zu ermitteln, was ohne allzu grossen bürokratischen Aufwand möglich wäre. So würde an den Generalversammlungen endlich im Sinne der Pensionskassenversicherten abgestimmt.

    Die Abzockerinitiative greift zu wenig weit, weil die Pensionskassen nur ex post ihr Abstimmungsverhalten offenlegen müssen, wenn alles bereits entschieden ist.

    Ich habe vor zwei Jahren eine Volksinitiative lanciert unter dem Titel „Pensionskassen nicht missbrauchen!“

    Aus Mangel an Zeit und finanziellen Mitteln konnten leider nicht genügend Unterschriften gesammelt werden. Ich lade aber die politisch interessierten Gruppierungen dazu ein, diese Initiative in einer ähnlichen Form wieder aufzugreifen.

    • @Hawkeye

      Mit dem Namen „Hawkeye“ können Sie aber bei keinem Initiativkomitee unterschreiben…

      Diese Unterschrift akzeptiert die Bundeskanzlei in Bern nicht.

    • Marc Meyer: Gute Analyse. Noch eine Möglichkeit: Der Stiftungsrat einer PK ist bekanntlich paritätisch zusammengesetzt. Die Hälfte als Arbeitnehmervertreter, die andere Arbeitgeber. Können Sie sich vorstellen, was passiert, wenn „auf einmal“ einige der Arbeitnehmervertreter gegen die Absegnung stimmen? Die kriegen auf dem Personaldossier einen roten Punkt. Und da heute, besonders bei den Banken, die unteren Chargen mit Einschüchterungen gefügig gemacht werden, wird sich jeder und jede hüten, dagegen zu stimmen. Meines Erachtens liegt ein Systemfehler vor: Der Stiftungsrat sollte nur oder zumindest mehrheitlich durch Arbeitnehmervertreter besetzt sein, die dann, wie Sie richtig schreiben, die Legitimation zur Nein-Parole bei allen Mitarbeitenden holen können. Und das nicht über das Intranet der Firma.

    • Lieber Herr Dr. Meyer

      Seit Herrn Rudolph Strahm wissen wir das Pensionskassen ein Selbstbedienungsladen sind. Und seit ständig irgendwelche neuen Vorschriften das Investieren erschweren wird die Intransparenz erhöht. Den Pensionskassen wird seit Jahren empfohlen via kollektive Gefässe in Aktien zu investieren. Am Besten über ETF’s, welche besonders günstig sind. Nun investieren die PKs munter ihr Geld via IShares in kollektive Anlagen. Wenn Sie nun bei vielen Börsengehandelten Produkten die grössten Aktionäre suchen, finden sie mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit „BlackRock“. Black Rock ist hierzulande bestens bekannt, als die Firma die Personen anstellt, welche sich durch dreistes Abzocken etabliert haben(Hildebrand lässt grüssen).
      Vergessen Sie nicht, dass praktisch alle dieser Fonds sogenanntes Security Lending betreiben, um die Kosten zu optimieren. Das heisst, die Black Rock leiht die Aktien gegen eine Gebühr irgendjemandem aus. Dieser eine hat also am Tag der GV das Stimmrecht und nicht mehr die Pensionskasse.
      Stellen Sie sich nun einmal vor, es kam zu einer Abstimmung bei Novartis über den Lohn von Herrn Vasella. Ich frage mich, wie viele Pensionskassen hier effektiv Abstimmen konnten und wie viele Stimmrechte bei solchen Personen waren, die das Abzocker System erst eingerichtet haben.
      Nun meine äusserst ketzerische Abschlussfrage: Wie viele Aktien wurden an die Novartis Pensionskasse ausgeliehen?

    • @ Der Rückbauer / @ Pensionskässler

      Das Thema gehe ich aus volkswirtschaftlicher Sicht an. Ich habe keinen direkten Einblick in das Verhalten der Pensionskassen in Bezug auf deren Abstimmungsverhalten an Generalversammlungen.

      Als Volkswirtschafter kann ich nur eines sagen:

      „Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu“.

      Die UBS ging beinahe Konkurs nur weil das Management hochriskante Geschäfte tätigte, um an die hohen Boni heranzukommen. Diese Boni werden damit zu einem volkswirtschaftlichen Problem.

      Und dieses volkswirtschaftliche Problem ist nicht gelöst, solange das Abstimmungsverhalten der Pensionskassen nicht kontrolliert und reguliert wird.

      Der Staat hat in die Marktwirtschaft eingegriffen und Pensionskassen gesetzlich eingeführt. Nun muss er auch bestimmen, wie diese „floatenden“ Aktienstimmen der Pensionskassen an den Generalversammlungen einzusetzen sind.

      Der Staat hat „A“ gesagt – nun muss er auch „B“ sagen.

    • @marc meyer Dr:
      der Staat, der Staat und nochmals der Staat!
      Ueberall wo die Staatsgewalt eingreift, funktioniert es doch nicht….. Herr Meyer,
      das ist doch FACT … oder etwa nicht?

    • @stardust: Sie schreiben Blödsinn, einfach neoliberalen Blödsinn. Hätte der Staat nicht eingegriffen, wäre die UBS heute kaputt, einfach kaputt. Ihr Name… kommen Sie auf den Boden….

    • @stardust

      Sie verstehen mich falsch. Ich bin nicht generell für mehr Staat.

      Mir geht es darum, dass der Staat hier eingegriffen hat aber diesen Eingriff nicht bis zu Ende durchdacht hat.

      Dass die obligatorische Pensionskasse eine gute Einrichtung ist, werden Sie ja wohl kaum bestreiten.

      Das Problem ist aber, dass dadurch „floatende“ Aktienstimmen missbraucht werden können.

      Das Resultat sehen wir an diesen Boni-Auswüchsen.

      Dieses Problem basiert also auf einem Staatseingriff, der zu Staatsversagen geführt hat – so habe ich das geschrieben.

    • @Pensionkässler:
      Ihre Statement hat es in sich. Unscheibar und offenbar niemandem aufgefallen, aber ich glaube, Sie sind einer der wenigen in diesem Post, der die „Mechanik“ verstanden hat.
      Schön zu sehen. Ihre ketzerische Frage würde ich auch gerne beantwortet haben.

    • @Pensionskässler @Schorsch Gangnepasbien

      Sie scheinen den Durchblick zu haben bezüglich des Abstimmungsverhaltens von Pensionskassen bei den Abstimmungen über die Boni.

      Sie haben quasi „den Schlüssel in der Hand“, dieser Abzockerei endlich einen Riegel zu schieben.

      Wäre es nicht möglich, dass Sie hier auf dieser Platform einmal alles ganz genau aufschreiben und schildern, damit sich der einfache Bürger davon ein Bild machen kann.

      Nur so kann sich in einer Demokratie etwas ändern.

      Ich wiederhole. Die Boni werden zu einem volkswirtschaftlichen Problem. Das gilt es zu lösen – an der Wurzel zu packen.

      Ich bitte Sie um einen ausführlichen Beitrag. Sie sind auf dem richtigen Weg.

      Besten Dank

    • Das Abstimmungsverhalten der Pensionskassen kenne ich nur „vom Hörensagen“ und wie da die „Kräfteverhältnisse“ sind. Ich kenne aber das Abstimmungsverhalten einiger grosser (gemeinnütziger) Stiftungen, welche teilweise bis 65% des Wertpapiervermögens in Aktien halten, relativ gut. In der Regel hat die Bank (oder mehrere) einen Vermögensverwaltungsauftrag. Noch nie hat eine Bank von sich aus den Stiftungsrat angefragt, ob er Abstimmungsinstruktionen für die GV geben wolle. Securities Lending ist/war an den Stiftungsratssitzungen sehr wohl ein Thema, und durch die vermögensverwaltende Bank wird jeweils dick hervorgehoben, wie rentabel das ist (bekanntlich hält sich die Entschädigung in Grenzen). Generell kann nach meiner Erfahrung gesagt werden, dass der Stiftungsrat auf den Stiftungszweck fokussiert ist und es den Stiftungsräten ziemlich egal ist, was mit den Stimmrechten passiert. Das Interesse an der Traktandierung des Themas ist gering bzw. sogar lästig. Offensichtlich ist auch das Bewusstsein der Problematik nicht vorhanden („die Bank macht das schon recht“) oder es fehlt an Sitzungszeit, das Thema zu diskutieren (und dann noch über jede grosse Aktienposition). Wohlvermerkt: Es geht um grössere Summen. Fazit: Stiftungen sind willkommene Stimmenzuträger (des Verwaltungsrates). Ich glaube, das Problem liegt in der Institutionalisierung grosser Vermögen, und, bei Pensionskassen, auch noch in der paritätischen Vertretung.

  8. Wenn man dieses Propaganda- Resultat relativiert, geht es nicht um Miesmacherei oder Neiddebatte. Es geht vielmehr darum, eine beschönigende Fassade runterzureissen und ein Management transparent zu machen, das sich trotz unsicherem wirtschaftlichem Umfeld, trotz Entlassungen, fortlaufenden Skandalen und Beteiligungen an Straftaten weiterhin und sogar wieder stärker und hemmungsloser selbst bereichert. Die weitgreifendere Tragik besteht jedoch darin, dass es keinerlei Kontrollmechanismen im Unternehmen und in der Gesellschaft gibt, dieses Verhalten abzustellen.

    • Hallo@Observer4711, genau richtig. Bereits im Jahr 2004 hatte die US-amerikanische Bundespolizei FBI öffentlich vor einer Betrugswelle am amerikanischen Hypothekenmarkt gewarnt und angekündigt, dagegen vorgehen zu wollen. Als Reaktion wurden von der Bush-Administration die 500 fähigsten Prüfer des FBI von ihrem Job abgezogen und umgehend zur Terrorismusbekämpfung eingeteilt – ohne dass die Stellen der Bankenprüfer nachbesetzt wurden. Diese Tatsache wurde sogar recherchiert und in einem in den gesamten USA ausgestrahlten Fernsehinterview von einem der bedeutendsten amerikanischen Bankenaufseher der staunenden Öffentlichkeit berichtet (siehe Internetquelle „Black, William K. – Interview 2009“). Es ist offensichtlich, das die Bush-Administration vom Geldmonopl zur Ordnung zurückgepfiffen wurde. Nebenbei bemerkt: Prof. William K. wurde ebenfalls von seiner Funktion als erbarmungsloser Bankenaufseher disloziert und doziert heute an einer unbekannten UNI in Missouri, soweit ich in Erinnerung habe. P.S. Quelle: The Best Way to Rob a Bank Is to Own One: How Corporate Executives and Politicians Looted the S&l Industry – Prof. William K. Black. Empfehelenswert!

  9. Was soll diese Miesmacherei? Warum sich nicht über das tolle Resultat der UBS freuen – und darüber, dass diese Bank und ihre Mitarbeiter doch noch eine Zukunft haben?
    Zudem: dass die UBS mit ihrer Bonuspolitik sozialistische Prinizipien befolgt (das Kapital gehört der Arbeitskraft) ist auch nicht per se schlecht.

    • UBS und sozialistische Bonuspolitik? Es ist ja sonnenklar, über welcher Schicht dieser Bonustopf wieder ausgeleert wird. Oben gibts die grossen Brocken, unten noch die Brosamen. Und der Aktionär bekommt lausige CHF 0.25 pro Aktie.

    • @Max
      Wenn man eine Bilanz lesen kann und auch die „Unterzüge“ versteht, ist das beileibe kein tolles Resultat. Bin überrascht, dass UBS-Angestellte während der Arbeitszeit Kommentage abgeben dürfen (aber wenn sie schönfärberisch sind wohl genehmigt).

    • @Maxx: Ich glaube, da liegt eine Verwechslung zwischem sozialem Produktionsfaktor und Feudalherrschaft vor.

  10. ….und wie müssen sich die entlassenen Mitarbeiter vorkommen und all die Aktionäre die keine Dividende kriegen?

  11. Der Grösste Raubzug der Geschichte geht weiter, – und wie!!! Wenn man die letzten 3 Artikeln bündelt und analysiert, tja, spätestens jetzt sollte man unsere Ausbildungsysteme und Medienlandschaft kritisch unter die Lupe nehmen. Fest steht, „dünner Rucksack, Risikomanagement, Boni, Jahresrechnung usw. haben den einzigen Ziel eine Neiddebatte loszutreten die auf dem Nichts basiert. Fakt ist; für den Vorstand handelt es sich bei der Prüfung des Jahresabschlusses um eine gesetzliche Zwangsvorschrift ohne unmittelbaren Nutzen. Daher werden diese Aufträge von ihnen oftmals an den Billigstbieter vergeben. Um den Vorständen jedoch zusätzlichen Nutzen zu stiften und dann auch höhere Honorare vereinnahmen zu können, entdeckten die Wirtschaftsprüfer neben der Abschlussprüfung auch noch den Bereich der Unternehmensberatung als höchst lukratives neues Geschäftsfeld. Effizientere Methoden des Geschäftsbetriebs kennenzulernen und umzusetzen ist auch für die Vorstände interessant, da sie auf diese Weise Kosten zu senken und Gewinne zu erhöhen hoffen. Dank des Vormarsches der IFRS sind solche Absurditäten und Betrügereien möglich. Wer die Bilanzierung seinerzeit eingeführt hat, hatte gewisse Vorstellungen davon ,aus welchen Gründen sie reine Geldflüsse noch um unbare, „periodisierte“ Größen verändern wollten, um zu einer ihrer Meinung nach wirtschaftlich aussagekräftigeren Größe, dem sogenannten periodenrichtigen Gewinn zu gelangen. Heute jedoch kann davon keine Rede mehr sein. Schuld daran ist v.a. ein privater Verein in London, das International Accounting Standards Board (IASB), der im Auftrag der großen internationalen Prüfungsfirmen die internationalen Bilanzierungsregeln, die International Financial Reporting Standards (IFRS), weiterentwickelt und auch von diesen dafür bezahlt wird. Unter dem Einfluss der US- amerikanischen Prüfungsfirmen wurden diese Regeln vollkommen zahnlos, sodass heute für börsennotierte Unternehmen weitgehende Freiheiten bei der Bilanzierung herrschen, d.h. auch die Erwartungen der Anleger nach Belieben manipuliert werden können. Die zeitgemäße Definition des periodenrichtigen Gewinns lautet daher: Periodenrichtig ist der Gewinn, wenn er in jener Periode anfällt, die der Bilanzersteller wünscht!
    Schließlich werden aber auch die Wirtschaftsprüfer, welche die Einhaltung der Bilanzierungsvorschriften von denen, die sie prüfen sollten, bezahlt. Bei den Wirtschaftsprüfern handelt es sich um speziell ausgebildete Personen, welche die Einhaltung der Bilanzierungsregeln, zu welchen an der Börse notierte Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, gegen Honorar überprüfen sollen. Die Vorstände der prüfungspflichtigen Unternehmen werden aber von ihnen als Klienten bezeichnet und auch so behandelt: Der Kunde ist König!
    Dies ist aber ein fundamentaler Trugschluss, denn die wahren Kunden der Wirtschaftsprüfer sind in Wahrheit die Investoren, die Aktionäre und Anleger am Kapitalmarkt. Diese sind aber – leider oder mit voller Absicht? – anonym und den Wirtschaftsprüfern daher auch nicht bekannt. So prüfen daher angebliche Prüfer jene Zahlen, die ihnen von den zu Prüfenden, die sie aber zugleich auch bezahlen, ausgehändigt werden. Ihre wahren Kunden, die anonymen Investoren, kennen die Wirtschaftsprüfer nicht einmal, weshalb sie selbstverständlich auch deren Interessen weder wahrnehmen können noch überhaupt kennen. Eine absurdere Fehlkonstruktion der angeblichen Marktwirtschaft ist in der Tat nicht vorstellbar. Prüfer in finanzieller Abhängigkeit von ihren Prüflingen. Hätte man ab 2007 die Buchhaltung nicht noch zusätzlich pervertiert; wäre es schon vor 6 Jahren zu einer Währungsreform gekommen. Auch die ursprüngliche nützliche Funktion der Optionen hat man zerstört. Es geht nicht um Feinbilder oder einzelne Personen anzugreifen, sondern vielmehr das Geplapper von sogenannten Experten und Insider aus einem anderen Blickwinkel zu beleuchten.

    • … es gäbe die Sparte der unabhängigen Finanzanalysten. Die sollten in der Lage sein, gute und wirklich gefärbte Zahlen auseinander zu halten.
      .
      Leider ist das grad ziemlich out im Zeitalter vom „Indexing“ und HFT, wo nicht Unternehmenszahlen sondern Order-flows und Quotes analysiert werden.
      .
      Was mich bspw. ausserordentlich überrascht, dass die CS nicht kritisierte wurde unter dem Jahr (!), per Q3 13 die Rechnungslegung mittels good bank / bad bank zu reorgansieren. In einem Jahr mit vielen ausserordentlichen Verkäufen von Assets und gerichtlichen Aufwendungen. Es wird ziemlich unmöglich sein, die operativen Zahlen zu verifizieren und zum Vorjahr zu vergleichen. Es ist jetzt schon klar, dass die Zahlen „zu gut“ sein werden.

  12. Lieber Harold
    Nicht nur Aktionärsaufstand auch die Pensionskassen müssen das Geld für Ihre Kunden zurückfordern oder alle diese Bankentitel über Bord werfen. Wer zahlt befiehlt. Wir sind die Kunden dieser Pensionskassen.

  13. Die Selbstbediener schieben die grosse Kugel,
    und überlassen die Kurse dem Aktien – Rudel!

    Nach dem Motto: Abgarnieren so lange es noch
    noch Masse hat, nach uns die Sintflut. Es ist buchstäblich zum Mäuse-Melken was da ab- und vor sich geht.

    Diesen Zockern scheint die Hirnmasse zu fehlen die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Deshalb
    UBS Tages-Interpretation: U Better Sell!

  14. Es braucht eine Reform. Die heutige Ordnung genannt auch Geldordnung ist außer Kontrolle. Der Spätkapitalismus zeigt sich voll aggressiv er grenzt 90 Prozent der Angestellten aus der Rest nimmt alles. Schaut mal wo die Gelder hinfliessen. Immer noch nichts kapiert ohne Euch Angestellte geht es nicht zeigt es Euren Chefs und lasst die die Arbeit erledigen es braucht halt auch etwas Mut liebe Winkelried-Banker

  15. Dass sich die Aktionäre das immer noch gefallen lassen, dass sich die UBS-Götter selber reicher beschenken, als die Dividende ausfällt. Das ist wirklich neoliberalistischer Unsinn.