Vontobel kriegt im Fall Hoeness kalte Füsse

Lässt flüchtigen Devisenchef Hügli fallen – könnte ihm später Schuld zuschieben – wo steckt Hoeness-Schwarzgeld?

Jürg Hügli, 61, geht in Frühpension. Das meldete gestern die SonntagsZeitung. Hügli wolle nicht mehr, meinte das Blatt.

Vermutlich ist es genau umgekehrt. Hüglis Arbeitgeberin, die Zürcher Bank Vontobel, mag nicht länger das Risiko Hügli tragen.

Die Chefs, darunter Präsident Herbert Scheidt aus Deutschland, scheinen im Fall von Steuersünder Uli Hoeness kalte Füsse zu kriegen. Jedenfalls haben sie soeben ihren langjährigen Devisenchef fallengelassen.

Sie behalten Hügli nicht auf der Payroll, sondern dieser wird frühzeitig Privatier. Sollte Hügli nach seiner Flucht aus Polen von Deutschland angeklagt werden, hat das nichts mehr mit der Bank zu tun.

So das Kalkül im Vontobel-Headquarter, wo offenbar alle Alarmlampen leuchten. Schon im Fall Sarasin und Maschmeyer haben die Vontobel-Chefs sich nach wenigen Wochen von einem der Involvierten getrennt.

Nun war Hügli an der Reihe. Doch der Schuss könnte nach hinten losgehen.

Mit dem Entscheid, den langjährigen Direktor auf Distanz zu halten, wird erstmals ein Bruch im Verteidigungsring der Bank Vontobel sichtbar.

Bisher gab die Vontobel-Bank Hügli im Fall des verurteilen Hoeness das Etikett eines „Execution-Only“-Bankers. Hügli habe immer nur auf Auftrag des einstigen Helden und Saubermanns des deutschen Fussballgeschäfts gehandelt.

Doch diese Darstellung überzeugte je länger, je weniger. Hoeness machte am Prozess klar, dass er keine Ahnung von den Geschäften hatte, die Vontobel und ihr Hügli in seinem Namen über Jahre getätigt hatten.

Diese waren hochlukrativ. Mit einem riesigen Fremdkapital-Hebel hatte Hoeness ab Anfang der Nullerjahre zwei- und dreistellige Millionenwetten mit Devisen am Laufen.

Devisenspekulationen gelten als riskanteste Form des Tradings. Trotzdem erzielte Hoeness unglaublich anmutende Gewinne – und zwar mehrfach hintereinander, ohne dass Verluste ins Gewicht fielen.

Damit glich Hoeness einem süchtigen Roulette-Spieler, der alles auf rot setzte, gewann, dann wieder alles auf rot, wieder gewann, dann alles auf schwarz, erneut gewann, dann wieder alles auf rot, wieder gewann, dann wieder alles auf schwarz.

Und wieder gewann. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Gewinnstrecke ist klein. Hoeness hatte sie geschafft.

Mit Hilfe der Bank Vontobel und ihrem Banker Hügli. Der war vor über 20 Jahren der neue Vertrauensbanker von Hoeness geworden. Sein Vorgänger auf dem Devisen-Chefsessel Dieter Loewe war vorzeitig verstorben.

„Execution-Only“-Mann Hügli trug bei Vontobel einen Titel, der ganz andere Fähigkeiten nahelegte. „Head of Risk Management and Advisory Forex“ stand auf seiner Visitenkarte, wie die Bilanz vor ein paar Monaten ausführte.

War Hügli somit nicht einfach nur Ausführender von Hoeness irrwitzigen Transaktionen, sondern der Stratege, der für den Topkunden mit dem vielen Schwarzgeld ein cleveres Konstrukt betrieb, das über Jahre hinweg Gewinne quasi garantierte?

Die deutschen Justizbehörden scheinen in diese Richtung zu ermitteln.

Jedenfalls schrieb die Bild am Sonntag, nachdem Hügli im Oktober in Warschau aufgrund eines internationalen Haftbefehls verhaftet worden war, dass die Münchner Staatsanwälte Hügli „nach seinen Anlagestrategien befragen“ wollten und ob diese „auch andere deutsche Kunden“ genutzt hätten.

Die Ermittler sehen in Hügli offenbar den Schlüssel zum wahren Geheimnis hinter dem Fall Hoeness.

Hügli, der gemäss Organigramm Chef Risk und Beratung des Vontobel-Devisengeschäfts gewesen war, genoss das absolute Vertrauen seines deutschen Starkunden Hoeness. Im Prozess diesen Frühling verwies Hoeness immer wieder an seinen „Freund“ Hügli von der Bank Vontobel.

Hügli hatte fast sein ganzes Banker-Leben im Devisenhandel verbracht. Er muss mit allen Tricks dieses hochriskanten und -lukrativen Geschäfts vertraut sein.

Hoeness hatte mehrere sogenannte „Devisenstrategien“ am Laufen, bei denen es um Swaps ging, also um einen Mix von Kassa- und Termingeschäften.

Hoeness verstand davon nur Bahnhof. Zuständig war Vontobel-Mann Hügli, dieser war vom Fach, kümmerte sich um die Dutzenden von Millionen, die nur so hin- und herschossen.

Hügli hatte Angestellte, die ihm beim Auf- und Umsetzen von Hoeness‘ Devisenstrategien zur Seite standen. Es gab bei Vontobel ein ganzes Hoeness-Team.

Im Prozess gegen Hoeness war die Rede davon, dass es „gleichartige Geschäfte beim Bankhaus B“ gegeben habe. Gemeint ist das Münchner Bankhaus Donner&Reuschel, bei dem Hoeness-Sohn Florian involviert war.

Eine These geht dahin, dass „gleichartig“ Gegengeschäfte meint. Diese könnten derart aufeinander abgestimmt gewesen sein, dass in Deutschland bei Donner&Reuschel die Verluste und in der Schweiz bei Vontobel die Gewinne angefallen waren.

Oder anders gesagt: In München sank das Weissgeld, in Zürich stieg das Schwargzeld.

Jenes von Hoeness? Oder gehörte die dreistellige Millionensumme, die dem deutschen Fiskus vorenthalten worden war, anderen Leuten, die mit Hoeness Geschäfte trieben?

In München könnten diese Fragen aufkommen, nachdem sie im Prozess um Uli Hoeness, noch bevor sie gestellt wurden, vom Tisch waren.

Sicher ist: Die deutschen Ermittler wollen Vontobel-Banker Hügli, weil sie vermuten, dass er mehr weiss.

Kommentare

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  1. Kursabsprache auf Swapgeschäfte mit der DonnerReusche, und als Gegenseite der Herr Hoeness? Eine gute Idee, und sehr einfach zu verbuchen. Und das bemerkt niemand?

  2. Sehr ausgeklügeltes Modell mit „Bankhaus B“- Hügli wirds aber verkraften mit ca. 8 – 15 Mio CHF Privatvermögen.
    Ähnlich wie das Modell „Zinsstaubsauger“ schwarz mach weiss – bei dem es zwei Töpfe gab, einen für das Weissgeld ca 10%, und einen grossen Schwarzgeldtopf ca.90%. Der kleine Weissgeldtopf wurde dann in einen extrem gut verzinsten Coupon einer zB Versicherungsstruktur investiert, der grosse Schwarzgeldtopf mit einem negativen Coupon virtuell systematisch vernichtet. Am Ende zeigt der Kunde dann bei seinem Finanzamt nur den stark gewachsenen Weissgeldtopf vor- eigentlich wurden die Zinsen aber rüber gestaubsaugt von dem Schwarzgeldtopf.. So konnten die Kunden aus 10’000 Eur weissem Geld 100’000 Eur weisses Geld in kurzer Zeit zaubern..Erstmal musste man dann aber das schwarze Geld mit einem Geldtransporter aus der Bank zur Versicherung bringen, aber das ist eine andere Story..

  3. Zeitweise das erfolgreichste Business-Modell für ‚ Weiss-mach-Schwarz‘.

    Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass nebst Hoeness auch zahlreiche andere ausländische Kunden Hand boten zu diesem Devisen-Modell. Schon in den 70er-Jahren war es doch gang und gäbe auf diesen Mechanismus abzustellen, indem oft die treibenden Kräfte der ausländische Kunde war. Für eine international vernetzte Bank wurden so maximale Gewinne generiert, indem der Kunde bereit war grosse Margen zu bezahlen, wenn dadurch offizielles Geld in steuerneutrale Guthaben gewandelt werden konnten.
    Deshalb ist der Fiskus in DE, aber auch anderswo, explizit daran interessiert, diese ausgeklügelte Maschinerie von innen her kennen zu lernen. Da stehen wir womöglich erst am Anfang der Geschichte?

  4. Daß Hügli die Schnauze voll hat ist verständlich. Ob aber Vontobel ihn ins Abseits gestellt hat kann man so oder so sehen. Beide fahren dann ihre eigene Linie.
    Warum der Höneß-Prozess in München so schnell „abgebrochen“ wurde: da gab es vermutlich einen Hinweis von höherer Stelle. Staatsanwälte sind ja weisungsgebunden.
    Vor ca. 10 Jahren schloß der FC Bayern einen Vertrag mit einem außergewöhnlichen Fußballer. Beim Vetragsabschluß wurdem dem Mann ein Scheck über 20 Mio. Vorkasse/Wechselprämie gegeben. Und ein Bankangestellter der Deutschen Bank in Oberschwaben steckte dies der Presse durch.
    Da hat man halt eine seriöse, verschwiegene Bank in der Schweiz gesucht und in Vontobel gefunden.
    Jeder darf sich jetzt seine eigenen Gedanken machen was da alles in Zürich über den Tresen ging und wie nicht nur der deutsche Fußball in Mitleidenschaft gezogen worden wäre. Bei den Spaniern nimmt man das mit einem verständnisvollem Grinsen hin. Aber Deutschland? Nie.

  5. Die Gier greift in Europa um sich. In den USA ist sie seit langem Teil des gesellschaftlichen Bewusstseins. Das wird auch hier immer mehr so sein: Sportler, ihre Manager, Banker, CEOs und VR, Offizielle in Staat und Organisationen, alle, die an Schalthebeln sitzen, überlassen sich der Seuche Gier, verlieren den letzten Rest von Anstand und Verhältnismässigkeit. Und das Beste: Die Leute werden noch bewundert von denen, denen Gier nichts nützt weil sie unwichtig sind. Aids ist besiegt, die Seuche Gier ist es nicht.

    • genau so ist es. nachdem der Kommunismus keine ernstzunehmende gesellschaftliche Alternative ist, geht ein neues Gespenst in Europa um. Und das schlimme ist, (fast) alle laufen ihm nach. Die Herzen der Menschen werden kalt, sehr kalt, während sie sich der Anbetung des Geldes widmen.

  6. Ich könnte mir vorstellen, dass der Artikel mit seinen Mutmaßungen richtig liegt. Aber in Bayern wird doch nicht ernsthaft ermittelt werden, zu viele wichtige Personen könnten sonst evtl. Reputationsschaden erleiden: CSU, Audi AG, Adidas AG, Deutsche Telekom AG, der FCB selbst? Eine mündliche Weisung an den Staatsanwalt sollte doch genügen und die Bevölkerung hat sich doch nicht sonderlich beschwert, dass nicht vollständig aufgeklärt wurde? Von deutschen Journalisten ist leider auch nicht mehr viel zu erwarten, dass sie der Sache noch nachgingen.

  7. jaja, so kommt es, weil die Finma nie die interessanten Bücher zu Ende lesen will, u.a. „Mein Name ist Eugen“, und die Augen zudrückt, wenn in letzter Sekunde z.B ein Deal mit einer geschädigten PK (Archiv Sonntagszeitung) zustande kommt, so dass ihre Freunde nie aus dem Spiel genommen werden, sondern immer munter weiterwursteln und die Erfolge im Dolder feiern mit dem vorbildlichen Hotelier

  8. Einmal mehr schlecht recherchiert, lieber L.H. Meines Wissens plante J.H. seine Pensionierung bereits seit längerem. Deshalb hat er sein Arbeitspensum schon vor Monaten reduziert. Dass er jetzt die Schnauze voll hat und in die wohlverdiente Frühpensionierung geht, ist nachvollziehbar. Daraus den Rückschluss zu ziehen, dass Vontobel ihn fallen lässt, ist substanzlose Polemik.

    • Absolut einverstanden – ich kenne das Personalreglement der Vontobel nicht, bei anderen Banken ist auf der Stufe Pensionierung mit 62 vorgesehen, mit entsprechender Planung kann der Mitarbeiter aber auch schon mit 58 in Pension gehen. Dass J.H. jetzt unter den Umständen nicht noch ein Jahr „absitzen“ will ist wohl verständlich.

  9. Da tut man Vontobel wohl Unrecht, hat sich die Bank u.a. auch im U.S.-Fall loyal für ihre Mitarbeitenden eingesetzt und deren Daten nicht an die ausländischen Behörden (aus)geliefert. Wie die Geschichte gezeigt hat, ein sehr seltener Fall.

  10. Mitarbeiter an der Front sind jahrelang gut genug Kommissionen für die Schweigegehälterbezüger zu generieren, jetzt werden sie fallen gelassen – kein CEO od. GL Mitglied ist fähig bei einer Bank Geld zu verdienen – diese Leute füllen nur ihre eigene Taschen – Beweis: Bankaktien haben die letzten 10 Jahren nicht umsonst total underperformed.

    • …so ist es wohl. Diese Leute könnten nicht einmal einen Kiosk führen. Und ob der Scheidt auch gescheidt ist? –